Frühgeborene unter der 24. SSW

Dieses Thema im Forum "Kinderintensivpflege" wurde erstellt von nadl.b, 15.11.2006.

  1. nadl.b

    nadl.b Stammgast

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    Hallo!

    Ich würde gerne mal wissen wie ihr dazu steht:

    Sollte man so kleine Frügeborenen erstversorgen und ihnen das komplette intensivmedizinische Spektrum zukommen lassen?
    Ist das ethisch zu vertreten?

    Oder sollte man die Kinder post partum der Mutter auf die Brust legen?

    Bin auf eure Antworten gespannt!

    Liebe Grüße
     
  2. Heinzi89

    Heinzi89 Newbie

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    Wie meinst du das der Mutter das Kind auf die Brust legen direkt nach der Geburt oder erst wenn es untersucht wurde??

    Mfg sabrina
     
  3. Tildchen

    Tildchen Gast

    Hallo zusammen,

    ob ein Kind aus der beispielsweise 23.SSW eine realistisch gute Chance zum Überleben hat hängt von vielen Faktoren ab, sodass sich die Frage nicht so einfach beantworten lässt.

    Nicht alle Kinder sind in der 23.SSW gleich weit entwickelt und z.B die Faktoren Infektion der Mutter, hat man mit der Lungenreife begonnen und ist das Kind bis auf die Frühgeburtlichkeit gesund entwickelt (oder sind bereits pränatal Fehlbildungen diagnostiziert) sind ganz erheblich ausschlaggebend für das "Outcome" dieser Kinder. U.a auch davon ob die Geburt geplant und in einem Zentrum stattfindet, wo es Neonatolgen und erfahrene Kinderkrankenschwestern gibt.

    Es gibt dass ein oder andere Kind auf dieser Welt, dass sich trotz dieser extremen Frühgeburtlichkeit gesund entwickelt hat und eine pauschale Ablehnung solche Kinder zu behandeln, darf es meines Eeachtens nicht geben.

    Gruß
    Tildchen
     
  4. nadl.b

    nadl.b Stammgast

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    Eine geplante Geburt in der 23.SSW????


    Mal ernsthaft: Ich weiß dass es diese Kinder gibt! Aber wieviele davon sind wirklich gesund???

    Und sollte man dann auch an Kindern mit 22. SSW "rumexperimentieren"? Ich drücke es jetzt einfach mal so provokativ aus!!!

    Liebe Grüße
     
  5. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Hallo,

    ich, selbst mit einem einjährigen Baby und in der 20. SSW, denke, das ist eine rein ethische Diskussion - werden die Eltern denn gar nicht involviert?

    Wenn das Kind tot zur Welt kommt, dann ist es unwiderruflich aus und vorbei.

    Aber wenn es lebt, dann möchten wir als Eltern doch bitte, dass alles dafür getan wird, um es am Leben zu erhalten.
    Wie kann man denn pauschal sagen, ab dieser oder der vorherigen oder nächsten SSW hat es keine Chance?

    Sorry, ich bin etwas empört, ich war noch nie auf einer Frühgeborenen-Abteilung bzw. habe mir bisher wenig Gedanken darum gemacht....
    Aber Schwangere, die hoffen, sich freuen, dass alles gut geht....gerade dann muß - meines Erachtens! - das med. verantwortliche Personal vor Ort alles dafür tun, dass das Kind eine Chance bekommt.

    LG
    Trisha
     
  6. nadl.b

    nadl.b Stammgast

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    Hallo Trisha!

    Erstmal herzlichen Glückwunsch! Wir wollen mal hoffen, dass du nie in diese Situation kommst!

    Ich kann deine Gedanken gut nachvollziehen!

    Aber wolltest du für dein Kind eine komplette Intensivmedizinische Versorgung, was in dieser SSW oft schon eine Reanimation in den ersten Lebensminuten beseutet? Wolltest du dass dein Kind wochenlang auf einer Intensivstation beatmet ist und alle Zugänge hat, die du dir vorstellen kannst?

    Das Outcome dieser Kinder ist sehr fragwürdig! Das pulmonale Problem dieser Kinder mal hinten angestellt! Häufig haben diese Kinder Hirnblutungen und sind im späteren Leben erheblich beeinträchtigt!

    Genau dein Problem ist auch das Problem vieler Eltern, bei denen es ein solch einer frühen SSW zu unaufhaltsamen Wehen kommt! Die Eltern könne überhaupt nicht abschätzen was es heißt "alles für das Kind zu tun"!!!

    Ich rede im übrigen nicht davon, dass man in dieser frühen SSW alles dafür tun sollte um das Kind noch weiter bei der Mutter lassen zu können, d.h. eine Wehenhemmung durchzuführen!!!

    Liebe Grüße
     
  7. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Dankeschön:-) !


    Oh nein - wer wollte das?

    Ich glaube, deshalb, weil man in der Schwangerschaft voller (Vor-)Freude ist. Und wenn dann ein solcher Fall eintritt macht man sich sicher weniger Gedanken um die Zukunft des Kindes, sondern nur darum, es mit aller Macht am Leben zu erhalten. Medizinische Gründe, dass das Kind für immer behindert sein wird etc. sind in dem Moment zweitrangig. Eine Mutter (ich kann jetzt nur aus Muttersicht sprechen) möchte gegenwärtig ein lebendes Kind, es ist das eigene Kind, dass man schon im Mutterleib hegte und pflegte.
    Sicher ist es trotzdem eine schwere Entscheidung. Aber ich würde meines Lebens nicht mehr froh werden, wenn für mein Kind nicht alles erdenkliche getan wurde.
    Ich denke, das hat die Natur so eingerichtet: dass die Mutter ihr Kind beschützt und behütet. Und solche Extremfälle sind da nicht ausgeschlossen.

    Dass für medizinisches Personal verständlicherweise medizinisches und vernünftiges Denken im Vordergrund steht, ist klar.

    Mein erstes Kind war auch eine Frühgeburt, aber knapp vor dem normalen Zeitrahmen - also keine Probleme. Dennoch mußte es für einen Tag an den Monitor zur Überwachung. Glaube mir (ich weiß nicht ob Du selbst Kinder hast), in dem Moment vertraut man keinem Personal, auch wenn ich mir immer sagte "spinn´nicht rum, das geht schon gut".

    Ich wollte damit nur das Fühlen und das Gedankengut einer frischgebackenen Mutter verdeutlichen, welches, so meine Erfahrung, häufig übergangen wird.

    LG
    Trisha
     
  8. nadl.b

    nadl.b Stammgast

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    Hallo Trisha!

    Ich verstehe deine Gedanken! Ich habe zwar keine Kinder, aber ich versuche mich immer wieder in die Eltern rein zuversetzen!
    Ich bewundere unsere Eltern die zumindest sagen, dass sie uns vertrauen, auch wenn das schwer ist! Ich weiß nicht ob ich in dieser Situation vertrauen könnte!


    Wie du richtig gesagt hast, hat die Natur eingerichtet, dass eine Mutter ein Kind um jeden Preis beschützen will.......!

    Nun sollte man sich an dieser Stelle auch überlegen, warum es die Natur will, dass dieses Kind zu früh zur Welt kommt!?

    Es ist ein heikles Thema, und genau deswegen sollte man darüber reden!


    Liebe Grüße
     
  9. Heinzi89

    Heinzi89 Newbie

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    Hallo!

    Mein Sohn kam in der 33 SSW also 5 Wochen zu früh zur Welt, aber beinahe wäre er in der 20 SSW gekommen.

    Er musste auch an Kabel usw. angeschlossen werden es war nicht schön, aber ich könnte mir auch nicht vorstellen, dass die Ärzte mich fragen SOLLEN WIR DIE GERÄTE NICHT ABSTELLEN ES BRINGT WAHRSCHEINLICH EH NICHTS
    dann würde ich zu Ihnen sagen versuchen sie es so lange bis er tot ist, denn schließlich will man das bei sich selber auch. Wenn man die Möglichhkeit hat es so lange zu probieren wie es geht dann sollte man es auch tun, denn man kann nie mit 100% sagen das es nicht funktioniert, wenn man es versucht hat und es nicht geklappt hat ok dann muss man damit leben, aber dann kann man sagen ich habe alles mögliche getan um das Kind am Leben zu halten.

    Genauso kann ich mir eine Abtreibung nicht vorstellen.
     
  10. Tildchen

    Tildchen Gast

    Na ich hoffe doch! Auch eine Geburt in einer solch frühen SSW kann sehr wohl geplant sein. Z.B. Infektion der Mutter und es wird eine Sectio geplant nach Abschluss der Lungenreifungsspritze. Oder Zwillinge bei fetofetalem Transfusionssyndrom. In den Abteilungen in denen ich bisher tätig war, wussten wir den Zeitpunkt der Sectios häufig einige Tage vorher um evtl. Vorbereitungen zu treffen um dem Kind die allerbesten Grundvorraussetzungen zu geben.
    Genaue Zahlen kenne ich keine, aber die allermeisten Eltern wollen, dass man zunächst mal alle verfügbaren Möglichkeiten nutzt. Denn die meisten Frühcheneltern haben schon einiges hinter sich um überhaupt ein Kind zu bekommen. Und sie hoffen, dass ihr Kind eines von denen ist, dass sich eben doch gesund entwickelt.
    Das ist schon wirklich sehr provokativ. Medizinische Entwicklungen und Fortschritte haben immer die Grundlage von "Experimenten" wie du es so schön nennst. Hätte man nie versucht diese Kinder zu retten, dann würden heute noch keine Frühgeborenen (auch nicht in der 30.SSW) überleben.
    Natürlich wahren wir die Würde dieser kleinen Menschen und es gibt wie in allen Fachgebieten der Medizin Grenzfälle. Aber für diese Grenzfälle gibt es keine einheitlichen Regeln. Man wird immer wieder individuell mit allen Beteiligten (und dazu gehören in ganz erheblichen Maße die Belange der Eltern) entscheiden müssen.

    Schönen Tag noch
    Tildchen
     
  11. nadl.b

    nadl.b Stammgast

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    Also plant man evtl. in der 22.SSW eine Sectio für die 23.+1 SSW? Fragwürdig!?!
    Ich kenne kein Kind, dass in der 23.SSW zur Welt kam und keinerlei gesundheitliche Schäden davongetragen hat!!! Kennst du ein konkretes Beispiel?
    Da gebe ich dir Recht, nur ob das mit dem "experimentieren" richtig ist, ist die Frage! Und wie weit soll uns das noch führen?
    Natürlich sollte man in jedem Fall individuell entscheiden! Aber wie können denn Eltern, die in den meisten Fällen Laien sind, abschätzen was es heißt maximale Intensivmedizin zu betreiben???

    Ich denke manchmal, man muss ja auch an das Kind denken! Will ein Kind wochenlang beatmet sein? Will es später einmal evtl. schwerstbehindert sein?

    Ich kenne außerdem Eltern, die zwar ihr Kind über alles lieben, die aber auch sagen, dass wenn sie nochmal vor der Entscheidung ständen, dass sie nicht wüssten, ob sie um jeden Preis alles wollten! Sie konnten häufig nicht sehen, wie ihr Kind mir jeglichen Untersuchungen "gequält" wurde!


    Vielleicht sollte man nochmal betonen, dass es nicht um FG allgemein geht, sondern um Frühgeborene die sozusagen "an der Grenze zum Leben" stehen was heißt die vor der vollendeten 24.SSW auf die Welt kommen oder noch früher!

    Liebe Grüße
     
  12. nadl.b

    nadl.b Stammgast

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  13. Tildchen

    Tildchen Gast

    Ich glaube, du willst mich nicht richtig verstehen. Ich denke da an die Lungenreifungsbeschleunigung durch z.B. Celestan. Das dauert 1-2 Tage. Das hat aber auch gar nichts damit zutun die Schwangerschaft von beispielsweise 22+5 SSW auf die 23+ 0 zu schieben. Solche geplanten Massnahmen helfen, dem Kind eine möglichst schonende und reibungslose Erstversorgung zu ermöglichen, was immer noch besser ist als eine ungeplante Entbindung z.B. mitten in der Nacht....

    Ich habe in meiner fast 20jährigen Laufbahn in der Neonatologie schon einige Kinder erlebt die trotz Entbindung ab der 23.SSW gesund überlebt haben. Namen und Daten wirst du aber nicht bekommen.
    Und ab wann ist denn bei dir ein gesundheitlicher Schaden so gravierend, dass man eine Behandlung nicht akzeptieren kann?


    Eltern können das nicht allein entscheiden, da müssen wir ihnen schon helfen. Und, für mich ist maximale Intensivmedizin durchaus vertretbar, auch bei einem FG der 24.SSW, wenn die Chance besteht es zu behandeln, natürlich unter den Grundprinzipien einer guten schonenden, entwicklungsfördernden Pflege und unter ausreichender Analgesie.

    Niemand will behindert sein, was ist das denn für eine Frage? Aber möchte das der Patient mit Polytrauma oder SHT, der nach z.B. Motorradunfall auf der Neurochirurgischen IIS liegt? Oder die 98 jährige Frau nach Schlaganfall....? Kein Mensch will das für sich oder seine Angehörigen. Diese kleinen Kinder stehen am Anfang ihres Lebens und haben eine Chance verdient, was nicht heisst in auswegloser Situation auch mal aufzuhören...!

    Hinterher ist man immer schlauer und diese Eltern kenne ich auch, aber darf man deshalb allen Kindern diese Chance nehmen?

    Entscheidend ist bei allem was ich tue, die Würde dieser kleinen Menschen zu wahren. Eine konkrete Regelung wie z.B. Versorgung erst ab der 24.+0 SSW halte ich für falsch. Ich finde, man muss dies ganz individuell entscheiden..... und eine Versorgung unterhalb der 23. SSW geht ja meist schon wegen der Kleinheit der Kinder nicht.

    Einen schönen Abend noch
    Tildchen
     
  14. Miranda

    Miranda Newbie

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    Hier in Holland liegt die Grenze auch auf 24 SSW, aber, als Mutter von 2 prematuren, kann ich mich vorstellen, das wenn ein Kind in woche 23,4 oder 23,5 geboren wird, das die Eltern wollen das alles mögliche getan wird.
     
  15. kinderkrankenschwester

    kinderkrankenschwester Senior-Mitglied

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    Nachtrag nach 2 Jahren ;)

    Ich denke, man sollte alles erdenkliche für ein Frühgeborenes tun!
    Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben, ganz egal ob absehbar ist, dass das Kind schwerstbehindert wird! Auch diese Menschen können ein erfülltes Leben leben

    Meiner Meinung nach stirbt ein Frühgeborenes, wenn es nicht mehr leben will, egal wie viel man dem entgegensetzt

    Man sollte es demnach dem Kind überlassen, ob es sterben will, oder nicht!


    Lg
     
  16. Sittichfreundin

    Sittichfreundin Poweruser

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    Ich schließe mich der Meinung uneingechränkt an!
    Und wenn nur eines von 1000 Kindern in diesem frühen Alter überleben sollte, dann darf man ihm diese kleine Chance nicht nehmen!
    Wenn ich bedenke, was teilweise bei sehr alten Menschen noch alles unternommen wird, ich habe auf Intensiv gearbeitet, da war es schon mal sehr zweifelhaft... Aber bei einem Kind, das das ganze Leben noch vor sich hat, würde ich kämpfen bis zum Ende!
     
  17. Jumanji

    Jumanji Senior-Mitglied

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    Hallo!

    Ich denke, dass man auch alles erdenklich mögliche tun muss, um einem Frühchen einen Start ins Leben zu ermöglichen. Auch wenn es bedeutet, dass das Kind vielleicht schwerstbehindert bleiben wird. Immerhin gibt es ganz viele Kinder, für die man keinen "Pfifferling" mehr gegeben hat und die dann im 4. Schuljahr auf einmal zum Gymnasium wechseln und sich bester geistiger und körperlicher Gesundheit erfreuen. Hätte man solche Kinder dann sterben lassen sollen?

    Ist dann aber plötzlich doch eine ausweglose Situation erreicht und man muss sich Gedanken ums "abschalten" machen, sollte man niemals vergessen, dass es auch für die Kleinsten der Patienten auch ein Recht auf ein menschenwürdiges Sterben geben sollte, genauso wie für die Großen.

    Jumanji
     
  18. nadl.b

    nadl.b Stammgast

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    Hallo an alle!

    Ich gebe euch teilweise recht, meine ausführliche Meinung dazu habe ich bereits in dem Thread ja geäußert!

    Allerdings möchte ich nochmal den Aspekt der Eltern einbringen:

    Das hört sich schrecklich an, aber man muss auch an die Eltern denken, wir betreuen das Kind "nur" bis es nach Hause geht.............
    Danach werden diese Kinder meist ihr ganzes Leben lang von den Eltern zu Hause betreut! Kein Laie kann abschätzen was das heißt!

    Ich denke einfach, man sollte drüber Nachdenken ob man eine 22. -23+2 SSW im Kreissaal maximal versorgen muss??!!!!

    LG
     
  19. Jumanji

    Jumanji Senior-Mitglied

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    Hallo!

    Es stimmt, ich gebe dir Recht. Kein Laie kann abschätzen, was es bedeutet ein behindertes Kind die nächsten 30 Jahre groß zu ziehen. Allerdings kann der Profi es genausowenig abschätzen. Die einzigen, die tatsächlich sagen können, wie es ist, sind die Eltern, die in genau der Situaton drin steckten und sich aufoperfungsvoll um ihre Kinder kümmern.

    Die Eltern von behinderten und schwerstbehinderten Kindern, die ich kennengelernt habe, lieben ihre Kinder genauso abgöttisch, wie gesunde Kinder. Natürlich werden auch die sich oft fragen, was besser gewesen wäre. Leben retten um jeden Preis oder sterben lassen. Ich hab noch keinen gesehen, der im Nachhinein sagt, hätte man mein Kind doch sterben lassen. Ich höre eher Sötze wie: "Ich genieße die Zeit, die ich mit meinem Kind noch habe." Ich habe in meiner kurzzeitigen ehrenamtlichen Tätigkeit mit behinderten und schwerstbehinderten Kindern manches Mal die Kinder und vor allem die Eltern bewundert. Ich habe selten so glückliche Kinder gesehen, die sich über jede Kleinigkeit freuten, denen man mit einem lächeln eine Riesenfreude bereiten konnte. Eltern bewundere ich für ihre Kraft, ihr Durchhaltevermögen und die bedingungslose Liebe, die sie ihren Kindern schenken, obwohl sie dafür meist alles aufgeben inkl. einer intakten Ehe, die oftmals an der Belastung scheitert.

    Zudem gibt es soviele Unwägbarkeiten, ob und wann ein Kind schwerstbehindert zur Welt kommt. Es wären dann ja nicht nur die extrem frühen Frühgeburten, die man zur Diskussion stellen kann. Bei meiner Cousine war es z. B. Ärztepfusch, aber keiner würde sie hergeben wollen und niemand - wirklich niemand hätte gewollt, dass nicht alles versucht wird.

    Jumanji
     
  20. Scrollan01

    Scrollan01 Junior-Mitglied

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    Die beste Freundin meiner Tochter kam in der 22. plus ein paar Tage also 23. SSW per KS zur Welt weil ihre Mama sonst gestorben wäre. Schwere Gestose. Obwohl so ein Extremfrüchen hat sie riesen Glück gehabt! Nichts zurück behalten - keine Behinderung oder sonst was. Sie ist etwas zarter gebaut aber völlig normal!

    Sie ist jetzt 7 Jahre alt!

    LG Scrollan
     
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