Fremdaggressive Bewohner im Altenheim

Dieses Thema im Forum "Millieugestaltung in der Altenpflege" wurde erstellt von Feli, 09.04.2011.

  1. Feli

    Feli Poweruser

    Registriert seit:
    18.08.2009
    Beiträge:
    465
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegerin
    Akt. Einsatzbereich:
    interdisziplinäre Intensivstation
    Liebe Kollegen aus der Altenpflege,

    derzeit haben wir mal wieder auf unserer ITS einen Patienten, der im Altenheim wohnt und wohl aufgrund eines Korsakow Syndroms fremdaggressives Verhalten aufweist. Momentan ist das kein Problem (er ist intubiert und sediert) und in einem anderem Thread haben wir uns ja schon mal über demente Pat. auf ITS ausgetauscht.

    Ich hab mich einfach aus Interesse gefragt, wie ihr solche Bewohner in ihrem "normalen" Lebensumfeld handelt. Im KH wird ja schnell fixiert oder sediert, und solange das für die Gesundheit bzw Genesung dienlich ist, nagut... Aber da, wo die Menschen wohnen, können sie kaum auf ewig fixiert bzw sediert werden.

    Werden fremdaggressive, nicht orientierte Menschen eigentlich im AH aufgenommen, oder gibt es da spezielle Unterkünfte? Und wie ist das, wenn man da als Nachtwache allein ist? Und wie schützt man die anderen Bewohner?

    Ich bin sehr gespannt auf eure Antworten und Erfahrungen!
     
    #1 Feli, 09.04.2011
    Zuletzt bearbeitet: 09.04.2011
  2. Keen01

    Keen01 Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.02.2007
    Beiträge:
    107
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungshelfer beim DRK, Schichtleitung für 45 Bewohner
    Ort:
    Düsseldorf
    Akt. Einsatzbereich:
    Curanum Resinorenresidenz Düsselhof
    Hallo Feli

    Ich arbeite jetzt seit seit eineinhalb Jahren in der Altenpflege.

    auf meinen Wohnbereich mit 45 Plätzen habe ich 3 Bewohner die zeitweise fremdaggresives verhalten zeigen.

    :deal:Ein Beispiel

    Bewohner 1:
    Hat Copd, Demenz, zn Brustop (Brust wurde ihr mit 16 abgenommen weil Krebs vermutet worden wahr im nachhinein aber Kein Krebs nachgeweisen wurde), Bew ist in Polen geboren, Daher Pflegeperson mit Landespsrache bevorzugt

    Durch das Abnehmen der Brust hat diese Bewohnerin Angst Pflegekräften und Ärzten zu Vertrauen.

    Wie zeigt Sie ihre Agresivität?
    Ihre aggresivität ist Brschränkt sich nur auf Pflegepersonal dem Sie nicht vertraut oder der Sie zu etwas überreden will was sie gar nicht möchte. (Zum Beipsiel zum Frühstück das Zimmer verlassen oder Haare Waschen)

    Wie gehen wir mit ihr um? Wir fragen sie nach ihren Wünschen und mussten uns mühsam ihr Vertrauen erarbeiten, Lebenserfahrungen und Gewohnheiten des Bewohners muss jede Pflegekraft kennen um kein agresives Verhalten zu Provoziehren!!!!!

    Der umgangston ist ist freundlich aber bestimmt. Bei Agresiven Verhalten ( Schlagen) wird das Zimmer verlassen und Pflegekraft reingeschickt der Sie Besser Vertraut (wenn diese gerade verfügbar ist) wenn nicht abreagieren lassen und nach 5- 10 minuten wieder Arbeit mit Bewohner neu starten ( Wegen der Demenz vergisst Sie die Situationen schnell) Dokumentation in den Pflegebericht und information an die Angehörigen

    Wichtig: Je Besser man den Bewohner kennt seine Wünsche, Bedürfnisse, Lebenserfahrungen berücksichtigt lassen sich viele Aggresive Verhaltensmuster ausschalten.


    Wichtig:

    Wenn man als Pflegekraft die Wünsche, Lebenserfahrungen und die Bedürfnisse des Bewohners kennt kann man die meisten Situationen in denen Sie Aggresives verhalten zeigen schnell klären und unterbinden
    Dazu gehört Sprechen mit Bewohner in der Landessprache, bei Bewohnern aus Polen polnisch etc. Das Bedürfniss des Bewohners in der jeweiligen Situation ist festzustellen und zu Befriedigen (nachts zum Beispiel Toliettengang)

    Wichtig ist auch der entsprechende umgangston er sollte ruhig und gelassen sein, wenn Bewohner nicht mit sich reden lässt ihm eine kleine auszeit zum beruhigen geben. Danach wieder Kontakt aufnehmen.

    In Fällen wo sich der Bewohner nicht beruhigen lässt hilft leider manchmal nur noch die Gabe von Bedarfdmedikation (z B Melperon)

    Bei ständig aggresiven Verhalten wird eine angepasste Medikation von Sedadiva verwendung, wobei hier regelmäsig Rücksprache mit dem Neurologen gehalten wird min 1x Monat.

    :boxen:Wenn die Leute bei uns neu einziehen und aggresives Verhalten zeigen wird entweder eine sofortige Untersuchung beim Neurologen gemacht, wenn Gefahr in verzug ist (hatte ich leider, Neuer Bewohner drückte immobielen Mitbewohner Kissen ins Gesichtt und sagte die Atmet mir zu Laut) erfolgt sofort die Einweisung in die Spychatrie durch Ordnungsamt und Polizei nach SpychKG zur medikamentösen Einstellung.:boxen:

    Aber soweit sollte es eigentlich nicht kommen. Wir sind ein Altenheim und keine Spychiatrie und unsere Bewohner sind nicht Aggresiv und alle Agressionen die man mit Reden und Zuwendung nicht gelößt bekommt gehört nicht in unserer Haus.

    MFG Keen01
     
  3. Feli

    Feli Poweruser

    Registriert seit:
    18.08.2009
    Beiträge:
    465
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflegerin
    Akt. Einsatzbereich:
    interdisziplinäre Intensivstation
    Unglaublich!

    Erst mal vielen Dank für Deine Antwort! Meine Vorstellung von der Arbeit im AH ist ja zugegebenermaßen ziemlich laienhaft. Ich frag mich, wie man es bei den teilweise erschreckenden (und hier schon oft diskutierten) Stellenschlüssel überhaupt schafft, sich eingehend mit der Biographie, den Wünschen und Bedürfnissen der Bew zu beschäftigen.

    Kürzlich bin ich nur am Bett eines fremdaggressiven Pat vorbei gegangen, und er hat versucht, mich zu treten. Einem anderen gab ich zur Begrüßung die Hand, und er hat mich gleichzeitig gekniffen und gekratzt (keine Ahnung, wie er das geschafft hat) - deshalb kam bei mir die Frage auf, wie man mit diesem Verhalten im alltäglichen Leben umgeht. Von ITS werden die Leute ja früher oder später verlegt, aber das Heim ist "zuhause"...
     
  4. Keen01

    Keen01 Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.02.2007
    Beiträge:
    107
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Gesundheits- und Krankenpflege, Rettungshelfer beim DRK, Schichtleitung für 45 Bewohner
    Ort:
    Düsseldorf
    Akt. Einsatzbereich:
    Curanum Resinorenresidenz Düsselhof
    Im Altenpflegeheim geht das in der Regel ganz gut. Zuest wird bei jedem Neueinzug in unser Haus von den Mitarbeitern des Sozialen Dienstes die Biographie nach nach aussagen von Bewohner, Angehörigen, Freunden ausgearbeitet. Dienstags haben wir immer eine Übergabe von Pflege und Sozialdienst wo diese dann besprochen werden.

    Vieles Lernt man aber auch durch den ständigen Umgang mit dem jeweiligen Bewohner. Bei der Grundplfege unterhalte ich mich zum Beispiel viel mit dem Bewohner über die Vergangenheit dadurch lerne ich tagtäglich ein wenig mehr vom frühheren Leben des Bewohners. Dieses Wissen vermitteln wir uns regelmäßig wodurch alle Mitarbeiter der Station auf dem etwa gleichen Stand sind. Verschiedene punkte werden dann mit in die Pflegeplanung gebracht und ausgearbeitet.

    Beispiel: Bewohner mit Demenz war Früher viel auf Reisen, mit dem Bewohner wird täglich eine kleine Reise unternommen. Entweder über den Wohnbereich oder der Soliale Dienst geht mit Bewohner Spazieren.

    Wünsche und Bedürfnisse bedürfen der Beobachtung je länger man den Bewohner kennt und sich mit ihm auseinandersetzt umso leichter fällt es diese zu erkennen und kann dementsprechend handeln.

    Zu den Stellenschlüsseln ist wie überall sehr gering, viel arbeit aber zu wenig Personal trotz das der Stellenschlüssel laut PDL EL erfüllt ist! Aber das ist noch ein grund sich in unserer einrichtung mit den Biographien, den Wünschen und Bedürfnissen jedes einzelnen Bewohwers auseinanderzusetzen da man nur so den Arbeitsablauf so gestalten kann das man mit der Arbeit fertig wird.

    Nochmal zum Thema Fremdaggresives Verhalten: Alte Menschen sind in der Regel nicht agrresiv es sei denn Sie werden aus ihrer gewohnten umgebung gerissen oder ihren Wünschen wird nicht entsprochen, Wenn Bewohner bei uns zum Beispiel die Mobilisation ablehnt dann wird er nicht mobilisiert, es wird ihm mehrmals angeboten die entscheidung was gemacht wird muss bei uns immer der Bewohner treffen es sei denn es liegt eigengefährdung in der luft das ist aber sehr selten

    MFG Keen01
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
    29.05.2002
    Beiträge:
    19.812
    Zustimmungen:
    167
    Beruf:
    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    Ev. interessanter Artikel im Zusammenhang mit dem Thema.

    Elisabeth
     
  6. Vielleicht kennst sich jemand so gut aus, daß er meine Frage beantworten kann, ggf. Kollegen mit psychiatrischer Erfahrung:
    Wenn jemand im Durchgangssyndrom oder bei Demenz aggressiv wird, hatte der dann schon vorher eine latent aggressive Einstellung oder passiert das auch bei Leuten, die vorher, zu geistig gesunden Zeiten, immer lieb und nett und nie aggressiv waren?
    (Ich frage nicht, weil mir die Antwort u.U. beruflich weiterhilft, sondern einfach aus Neugierde.)
     
  7. josi83

    josi83 Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    18.06.2010
    Beiträge:
    131
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Examinierte Altenpflegerin, Studentin
    Akt. Einsatzbereich:
    Ambulante Pflege
    Funktion:
    Qualitätsbeauftragte
    Naja, ich finde die Frage relativ unwichtig...
    Man sollte sich eher die Frage stellen, warum diese Person "heute" aggresiv wird, z.B. in welcher Situation im "Pflegealltag". Das hilft dir dann vielleicht dein Handeln und deine Denke zu reflektieren.
    Und das sage ich, da ich nunmehr weiß, welchen Einfluss die Biographie haben kann. Und nicht die Aggressions- Biographie! Sondern das Leben des Patienten. Seine Selbständigkeit, Entscheidungsfähigkeit und alle Faktoren, die diese beiflusst haben.
    Mal selbst überlegen, wann du aggressiv werden könntest, obwohl du eher geringes Aggressionspotential hast usw.
    Mal in die Lebenswelt eines Dementen hineinversetzen, obwohl du nicht dement bist. Stell dir mal vor, alle wollen dir ne andere Realität beipulen, als die, in der du dich gerade befindest... . Alle wollen dir beibringen, dass du dein leben nicht im Griff hast, obwohl du das aber gegenteilig empfindest. Alle behandeln dich, als wärst du bekloppt, obwohl du dich jung und agil fühlst. Solche Situationen lassen sich auch ganz einfach auf das eigene Leben übertragen, mal ausprobieren....
     
  8. Angus

    Angus Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    23.03.2006
    Beiträge:
    156
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    dipl. Pflegefachman HF We'g"
    Ort:
    Winterthur
    Akt. Einsatzbereich:
    Langzeitpflege Spezialstation für junge körperlich (+z.t. psychisch/sucht) Behinderte
    Funktion:
    Rai-Rug MDS-koordinator+Supervisor,
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Fremdaggressive Bewohner Altenheim Forum Datum
News Patienten und Bewohner brauchen hochschulisch qualifizierte Pflegefachpersonen Pressebereich 26.07.2016
News Bewohner kommunizieren über das Tablet Pressebereich 23.03.2016
News Pflegedoku: Das Papier pflegen oder die Bewohner? Pressebereich 22.02.2016
News Krankenhausaufenthalte mindern die Lebensqualität von Heimbewohnern Pressebereich 16.10.2015
Schöne Abschiedsworte für meine Bewohner Talk, Talk, Talk 21.09.2015

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.