Frage an alle Gesundheits-und Krankenpfleger/innen im Krankenhaus

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Erdbeereis, 15.04.2014.

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  1. Erdbeereis

    Erdbeereis Newbie

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    Hallo liebe Leute!
    Erstmal möchte ich mich hier kurz vorstellen, bin neu im Forum.
    Ich bin 16 Jahre alt (w) und gehe noch zur Schule, bin also keine Krankenpflegerin.
    Vor zwei Wochen wurde ich notfallmäßig ins Krankenhaus eingeliefert (in ein Erwachsenen-Krankenhaus ohne Kinderstation), habe Blut gebrochen. Bei mir wurde dann am gleichen Abend eine Magenspiegelung unter Kurznarkose durchgeführt.
    Das Problem war, dass ich auf irgendeines der Narkose stark paradox reagiert habe, sodass eine anschließende Überwachung auf der Intensivstation nötig war. Das war bisher mein erster stationärer Krankenhausaufenthalt muss ich dazu sagen.
    Auf der Intensivstation musste ich über Nacht bleiben. Als ich zwischendurch wach wurde, stellte ich mit Entsetzen fest, dass man mir eine Windel angezogen hatte. Ich hatte sämtliche Kontrolle über meine Ausscheidungen verloren.
    Am nächsten Morgen gings mir im Kopf schon besser, ich wurde auf normale Station verlegt, aber richtig kontrollieren konnte ich meinen Harndrang trotzdem nicht.
    Deshalb musste ich bis zum Nachmittag die Windeln tragen, danach hat es sich gelegt und ich war wieder voll und ganz die alte.

    Ich lag auf einer onkologisch-hämatologischen Station, auf der nur alte bzw. sehr alte Menschen lagen. Unter 60 gabs da niemanden.
    Ein Pfleger erzählte mir, ich sei mit Abstand die Jüngste.
    Jetzt ist mir die Situation im Nachhinein doch irgendwie peinlich, da ich als junger, sonst gesunder Hüpfer ja eigentlich nicht pflegebedürftig bin, aber mehrfach eingenässt habe und von den Krankenpflegerinnen gewickelt werden musste...
    Einer sehr lieben Pflegerin habe ich das anvertraut, sie meinte nur " Mach dir keine Gedanken, das haben wir jeden Tag zu tun."
    Sicher gehört es ja zum Alltag dazu, Ausscheidungen zu entfernen, aber wohl nicht bei 16-jährigen.
    Ich hab ihren "Trostspruch" eher als gutgemeint und tröstend auf mich bezogen interpretiert, da steckt doch sicher mehr hinter?

    Ich würde von euch gerne wissen, wie geht ihr mit sowas um, wenn ihr plötzlich auf einer Station, wo nur ü60er liegen, plötzlich einen Jugendlichen habt, der vor allem ne Windel braucht? Ist das irgendwie für euch was anderes, sich plötzlich um ein, sagen wir im Verhältnis zum Rest "Kind" zu kümmern?

    Behandelt ihr solche Patienten ebenso wie die "Omas und Opas" oder ist man da anders in der Rede-Art?
    Mir ist nämlich aufgefallen, dass der Großteil eurer Kolleginnen und einige Ärztinnen mich eher wie ein kleines Kind angesprochen und behandelt hat, so á la "Das piekst jetzt nur ein bisschen mein Schatz" oder "Jetzt schlaf mal schön, Mäuschen."
    Ich fand das überhaupt nicht schlimm, eher süß und irgendwie hatte es was beruhigendes. Vielleicht lag es daran dass ich mein Kuscheltier dabei hatte.

    Oder ist es doch normal, dass so wesentlich jüngere Patienten wie ich, mit "Schatzi, Mausi, Mäuschen etc...." angesprochen werden?

    Ich habe große Achtung vor eurem Beruf mit allem was ihr leistet und fänd es echt schön, wenn ihr mir mal eure Meinung dazu schildert ;)
    Meine Frage bezieht sich übrigens nicht auf Kinderklinik, da sowas da ja standard ist, sondern viel mehr die Differenz zwischen Jugendlichen und Senioren im normalen Krankenhaus ;)

    Danke schon mal vielmals! :-)
     
  2. Aliena

    Aliena Newbie

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    Hallo Erdbeereis!

    Ich kann nur für mich sprechen, aber wenn ich mal jemand junges auf Station liegen hätte, würde ich mich sehr freuen und Dich wahrscheinlich so ansprechen wie die Kollegen es getan haben... Geht mir eigentlich selbst so... Ich arbeite auf einer Station wo Pat. von 18- 100 Jahre alt liegen bzw. laufen... Bei mir liegt man selten ;) Und wenn wir ne Phase haben wo meist ädere Patienten da sind, freue ich mich sehr über Junge... Aber auch umgekehrt.
    Dir muss da gar nichts unangenehm sein; ich hätte kein Problem damit jemand jungem ne frische Hygienehose zu geben. So wird es meinen Kollegen auch gehen. Ist unser Job; machen wir gerne ;)

    Wenn Du noch fragen hast, immer her damit... :-)

    Lg Aliena
     
  3. Erdbeereis

    Erdbeereis Newbie

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    Hallo Aliena!
    Danke für deine Antwort!
    Meiner Freundin, die ist 18 Jahre alt, ihr ist mal selbiges passiert. Also sie lag auch im Krankenhaus (hat Herzprobleme), wurde wie ein kleines Kind behandelt ("Mäuschen, Schätzchen, Schatzilein etc....) und wurde von über 90% der Ärzte/Pfleger/innen etc. geduzt. Ohne vorher gefragt zu werden.
    Jetzt würde ja jeder juristisch-orientierte ankommen und sagen: "Mit 18 hat man gefälligst mit "Sie" angesprochen zu werden.
    Klar, rechtlich gesehen schon, aber ich find in medizinischer Hinsicht ist das doch ein anderes Paar Schuhe. Ich mein, ich lieg im Krankenhaus weils mir schlecht geht, da scher ich mich nen Dreck drum ob ich mit Du oder per Sie angesprochen werde. Und um ehrlich zu sein (ich sprech hier für viele Jugendliche zwischen 16-20J), ist einem das vertrauliche "Du" auch lieber, weil das irgendwie schon eine vertrauensbasis schafft und diese kühle Distanz aufhebt. Außerdem fühlt man sich dann auch jung und seinem Alter entsprechend, ich zum Beispiel fühl mich wie 60 wenn man mich siezt oder Frau XY nennt ;) Wie handhabst du das mit siezen/duzen?
    Bzw. ab welchem Alter siezt du?

    Ich hab ja auch erwähnt, dass ich wie ein kleines Kind angesprochen wurde, das fand ich ja wie gesagt sehr niedlich und auch zuvorkommend.
    Mit diesen Krankenschwestern (es gab natürlich auch die der kühlen Sorte) kam ich gleich viel besser zurecht :-)
    Woran liegt es denn eigentlich dass du jemanden wie mich auch so ansprechen würdest? Kann es am Kuscheltier liegen? :-)

    Und was mich noch interessiert: Wie oft kommt es vor, dass auf Stationen wie z.B. Kardiologie (da wo meine Freundin war) oder Onko/Hämatologie junge Patienten liegen? Sagen wir so unter 21 Jahren ;)

    Ich weiß, das ist ganz schön viel auf einmal, aber wäre voll nett wenn du mir das erzählen würdest :-)
    LG Erdbeereis
     
  4. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Hey, nutze doch mal die Suchfunktion hier im Forum, alle Themen wurden separat bereits durchgesprochen. Da findest du viele Meinungen.

    Der Höflihckeit halber: ;)

    Ich sieze ab ~14, so man das einschätzen kann. Ich frage in diesem Bereich idR auch nach, wie es lieber ist.

    (Mit 16 kann man schonmal langsam überlegen, erwachsen zu werden...)
     
  5. Aliena

    Aliena Newbie

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    Huhu Erdbeereis!

    Bei mir auf Station duze ich nie... Hat mit unserem Setting zu tun. Arbeite auf einer allgemein psychiatrischen Station und ich erwarte gesiezt zu werden und sieze auch anders rum. Mich nennt auch niemand Schwester XY sondern Fr... Das kann man mit nem Krankenhaus wie Du es kennen gelernt hast, nicht vergleichen.
    Ach mein Herz geht auf, wenn wir junge Patienten haben. "Muttergefühle" nennen wir das... Hat nichts mit dem Kuscheltier zu tun :-)
    Sorry, besser kann ich es nicht erklären... Arbeite seit 7 Jahren nicht mehr in einem Allgemeinkrankenhaus, hab deshalb mit Sicherheit auf vieles eine andere Sicht. Kann deshalb auch nicht sagen, wie viele Leute unter 21 auf solchen Stationen liegen... Da bin ich echt überfragt...

    Schlaf gut! Aliena
     
  6. Sunny2189

    Sunny2189 Junior-Mitglied

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    Ich stelle mich immer mit meinem vollen Namen vor. Ich erwarte dass ich gesiezt werde, aber gegen ein "liebe ...... können SIE" habe ich gar nichts. Ganz im Gegenteil. Wir haben fast nur Langlieger und da baut man schonmal eher ein bisschen mehr Beziehung auf.
    Bei jungen Menschen die fast in meinem Alter sind frage ich immer wie es denn recht ist. Meist kann man mit jüngeren Patienten schonmal eher ein Witzchen machen oder ähnliches. Wenn ich aber keine Antwort bekomme so bleibe ich der Höflichkeit halber immer beim Sie.
    Was den Hosenwechsel angeht, so mache ich da keinen Vergleich ob nun jung oder alt. Der Prozess ist ja nun derselbe.
    Gute Besserung dir noch.
     
  7. Erdbeereis

    Erdbeereis Newbie

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    Hey Aliena!
    Du beschreibst es also als Muttergefühle? ;) sowas ähnliches habe ich mir auch schon gedacht, allerdings bin ich dann doch widerum verunsichert wegen der "Muttergefühle" wenn eine 28-jährige Krankenpflegerin mich so anspricht. Immerhin sind es nur 12 Jahre Unterschied zwischen uns, sodass es da doch sicher weniger um Muttergefühle geht, oder? ;)
     
  8. kräuterfrau

    kräuterfrau Poweruser

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    Hallo Erdbeereis,

    ich bin mit Anreden sehr vorsichtig. Daher sietze ich lieber. Das schließt aber nicht die Wärme aus. Ich erkläre es auch den Patienten gerne. Durch das "Sie" versuche ich die Wertschätzung zu zeigen und dass ich den Patienten ernst nehme. Besonderes, wenn es eben darum geht, die Pflege in den Bereichen auszuführen, wo siel altersgerecht nicht mehr nötig ist.

    Auch Sachen wie Schätzchen und Mäuschen befürworte ich nicht. Die Zuwendung zeige ich lieber dann anderes.

    Aber das hängt auch von Persönlichkeit ab. Wie der Umgang erlernt wurde. Ich musste meine Tanten sietzen. Daher ist für mich das "Sie" sprachlich dem Respekt gleich zu setzen. Das kläre ich.

    Den Umgang mit Patienten passe ich aber nicht nur ihrem Alter an. Es gibt durchaus 16-jährige, die davon sehr genervt wären. Und es gibt ältere Menschen die gerne ihren Vornamen von einer Pflegerin hören, weil sie ihn eben seit Jahren von niemandem gehört haben. Ich habe 78-jährige gepflegt, die "keine Zeit" hatten im Krankenhaus zu bleiben und mit einer schweren Lungenerkrankung nach Karibik geflogen sind. Ich weiß, dass sie auch jede Woche tanzen waren. Ich habe aber auch einen 16-jährigen nach einer OP gepflegt, der kaum aus dem Bett aufgestanden ist, laut seiner Aussage würde er sich zu Hause ähnlich verhalten, laut seiner Aussage, sei er einfach Stubenhocker und ich habe es zu akzeptieren.

    Jeder Patient ist unterschiedlich. Was bei dir eine Rolle gespielt haben mag, ist das Erfolgserlebnis. Oft behandelt man Menschen die eine langjährige Leidensgeschichte haben und auch eigene Frustrationen mit in die Kommunikation einbringen. Daher ist jemand, der aus dem "gesunden" Leben gerade kommt und aller Wahrscheinlichkeit dorthin wieder zurück geht einfach eine Abwechslung. Daher vielleicht auch etwas unterschiedlicher Umgang.
     
  9. Erdbeereis

    Erdbeereis Newbie

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    Wie gesagt, ich kann nur für mich und viele Gleichaltrige sprechen, dass es uns lieber ist, per Du angesprochen zu werden. Es gibt sicher die überreifen Kiddies die meinen sie wären ach so erwachsen die dann das Sie fordern, aber mir ist bis jetzt niemand dergleichen bekannt.
    Bei meiner 18-jährigen Freundin wars ebenso, dass sie die ganzen Titulierungen und all das, womit sie angesprochen wurde, äußerst niedlich fand ;)
     
  10. Corv

    Corv Senior-Mitglied

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    Also unangenehm "muss" es dir wegen den Pflegern nicht sein, das du keine Harnkontrolle hattest. Unangenehm für einen selbst bleibt so etwas natürlich. Aber du bist nicht der erste junge Mensch dem so etwas passiert.
    Und ich denke dass die Pfleger diese Situation auch richtig einscätzen konnten. Du warst nicht zum Spaß auf der Intensivstation, sondern weil du krank warst. Das jemand paradox auf Medikament reagiert kommt schonmal vor.
    Manche werden auch aggressiv z.B. Ist für die Person, also den Patient, im Nachhinein häufig unangenehm oder peinlich.
    Für die Pflegenden ist es "normal", weil sie wissen das es solche paradoxen Reaktionen eben gibt und die Person nichts dafür kann.

    Zum Thema duzen:
    Bei jüngeren Patienten frage ich meist einfach nach, wie es lieber ist. Wenn ein Patient geduzt werden möchte tue ich das meist. Ich finde nicht das darunter gleich die proffessionalitä leidet.
    Habe auch die Erfahrung gemacht,das es für viele jüngere Patienten angenehmer ist. Also warum nicht?

    Am Kuscheltier wird es nicht liegen denke ich.
    Du glaubst wahrscheinlich gar nicht, wie viele ältere Menschen auch ein Kuscheltier bei haben bei einem Krankenhausaufenthalt. Habe ich schon häufig gesehen, und finde es auch gar nicht schlimm.

    Der Altersdurschnitt auf den Stationen ist sehr unterschiedlich.
    kommt auf die Schwerpunkte an.
    Ich arbeite zur Zeit auf einer überwiegden pneumoloisch/onkologischen Station, da sind sehr junge (unter 18) Patienten schon eher selten, alle paar Monate viellecht mal einer. Sehr alte aber auch nicht soo oft. Da sind sehr viele 40-60jährige.
    Auf anderen Stationen sieht es wieder ganz anders aus.

    Aber ab und an mal ein junger Hüpfer mischt sich mal auf fast jeden Station.
     
  11. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Das ist nicht "überreif" und "ach so erwachsen", sondern schlicht jemand, der den Weg des Erwachsenwerdens schon weiter gegangen ist als du.

    Meist ist man ja mit Leuten befreundet, die sich auf einer ähnlichen Entwicklungsstufe befinden (oder befinden wollen), von daher ist es nicht verwunderlich, dass dein direktes Umfeld denkt wie du.

    Ist nicht verwerflich, dennoch bleibt es der respektvollere Weg junge Erwachsene (von 16-18 Jahren reden wir ja hier) entweder mit dem SIE anzusprechen oder nachzufragen, wie es lieber ist.



    Btw: Mir wäre es mit 16 durchaus unangenehm gewesen mit Schatz oder Mäuschen angeredet zu werden, bzw. männlichen Pendants. Ich würde auch niemals auf die Idee kommen 16-18jährige Patienten mit Mäuschen und Schätzchen anzusprechen. Heutzutage muss man sich sogar dem Vorwurf der sexuellen Belästigung stellen bei solchen Formulierungen. :-)schraube:-)
     
  12. Erdbeereis

    Erdbeereis Newbie

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    Ich bin weiblich. Und diese Formulierungen wie Mäuschen und Schatz kamen nur von weiblichem Pflegepersonal. Wo ist da sexuelle Belästigung? Selbst wenn es Männer wären, die das sagten, solange nicht Sprüche wie "Geile Schnecke" etc. kommen wärs mir recht.
    Hier streiten sich unsere Meinungen ja offenbar, nichtsdestotrotz finde ich, dass man "junge Erwachsene" nicht auf ein Level mit alten Omis bringen sollte. Demnächst werd ich wohl von solchen Leuten noch gefragt: "Frau XY, wann kommen Ihre (Enkel-)Kinder?".....
    Klar hat das ganze mit Respekt zu tun und so. Aber auf die Idee, einen 12-jährigen zu siezen, käme auch keiner. Oder hat der etwa kein Respekt verdient?

    Wie gesagt, ich finde, dieses Siezen bei jungen Leuten, gerade in Krankenhäusern schafft gute Distanz.
    Einmal hatte ich so nen Oberarzt, der mich durchgängig gesiezt hat. Mein Stationsarzt war von Anfang an am Duzen.
    Dadurch hat man gleich mehr Vertrauen wie ich finde, dem Stationsarzt konnte ich dann all meine Sorgen etc. anvertrauen, ich geb zu, bei dem Oberarzt käme ich nicht ansatzweise auf so eine Idee.

    Weder ich, noch meine Freundin hatten ein Problem damit, nicht gefragt zu werden bezügl. des Siezens.
    Und auch wenn ich im Krankenhaus arbeiten würde, würde ich alles um den Dreh duzen.

    Ist wie gesagt meine Meinung dazu ;)
     
  13. Erdbeereis

    Erdbeereis Newbie

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    Als Krankenschwester kennt man ja i.d.R. die Krankenakte des Patienten bzw. sein Geburtsdatum.
    Wenn ich auf deiner Station gelegen hätte, hättest du auch vorher nachgefragt oder hättest du direkt geduzt?
    Da sind wir wohl auch derselben Meinung ;) ich finde nämlich auch, dass das mit Professionalität nichts zu tun hat, man ist schließlich im Krankenhaus und nicht beim Bewerbungsgespräch in der Bank, und da möchte man schon (ich sprech jetzt mal aus meiner Sicht als Patient), dass man den Pflegern/Ärzten etc. vertrauen kann.
    Und gerade wenn man so jung ist wie ich, in meinem Alter hat man ja i.d.R. nicht soviel bzw. keine Krankenhauserfahrung wie beispielsweise die 70-jährige Oma, die jeden Monat wegen ihres Zuckers ins KH muss. Man kommt in eine neue, fremde Umgebung, die man so vorher noch nie gekannt hat, das war zumindest mein erster Eindruck vom Krankenhaus, und da wünscht man sich schon, dass da jemand ist, zu dem man eine gewisse Bindung aufbauen kann, dem man seine Ängste anvertrauen kann.
    Ich finde, dass dieses Vertrauen einem doch schon sehr die Angst nehmen kann, vor allem dann, wenn man aufwacht, total verkabelt an allen Extremitäten und Brust, Sauerstoffding in der Nase und sich an einem Überwachungsmonitor mit 10 weiteren Geräten drumherum auf der Intensivstation wieder findet.

    Mich würde mal interessieren, wie du so auf junge Patienten wie mich reagierst? ;)
    Ist dir das egal ob nun ein 70 jähriger oder ne 17 jährige vor dir liegt oder ist das für dich schon ein Unterschied?

    LG Erdbeereis ;)
     
  14. kräuterfrau

    kräuterfrau Poweruser

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    Und diese Distanz ist notwendig. Denn sie wird eben durch solche Sachen wie Umgang mit Ausscheidungen zwangsweise überschritten. Pflegekräfte sind keine besten Freunde mit den Patienten. Um eine Situation beurteilen zu können muss man gewisse Distanz verschaffen.

    Das bedeutet nicht, dass man unfreundlich oder kühl sein sollte. Übrigens tun das die Eltern ebenfalls.

    Nein einen 12-jährigen würde ich nicht sietzen. Aber zwischen 16-18 schaue ich gut.

    Eine Pflegekraft sollte für alle Patienten da sein und keines Falls mehr Fürsorge für bestimmte Altersgruppe zeigen. Auch sind die älteren Herrschaften nicht zwangsweise "Omis und Opis".

    Dass du dem Oberarzt deine Sorgen nicht anvertrauen konntest, liegt das wirklich nur am Sietzen/Dutzen oder auch an seiner Erscheinung/Art/Aufgabe?

    Der Umgang mit Nähe und Distanz ist etwas womit sich Pflegende über gesamte Berufszeit beschäftigen und oft hinterfragen müssen. Und auch die Meinung dazu im Laufe der Berufszeit revidieren.
     
  15. Corv

    Corv Senior-Mitglied

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    Wenn eine junge Frau/junger Mann, zwischen 16-18 bei mir auf Station liegt, würde ich erstmal siezen. Sofort duzen finde ich unhöflich, wenn ich das Gefühl habe das der Patient lieber geduzt werden möchte frage ich nach.
    Ich stelle mich ja bei jedem Patient, den ich nicht kenne vor. Stellt sich mir eine junge Frau dann z.B. nur mit Vornamen vor, kann man z.B. einfach nachfragen ob ein "Du" lieber ist.

    Auf der Intensivstation ist es manchmal etwas anders.
    Da ist es nicht immer so einfach zu fragen, nicht jeder dort ist in der Verfassung zu antworten.
    Da geht es dann ein bisschen nach Gefühl.
    Als ich auf Intensiv gearbeitet habe, hatten wir z.B. häufig junge Intox-Patienten. Die haben zum Teil viel besser auf Vornamen und "du" reagiert in der Situation, und dann wurden die auch erstmal geduzt. Einfach um erstmal einen besseren Zugang zu bekommen.

    Gerade wenn man plötzlich auf einer Intenivstation aufwacht, ist das eine Situation die viel Angst machen kann.
    Und da braucht es eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Pflege und Patient.
    Natürlich muss eine gewisse Distanz bleiben. Aber die kann man auch trotz "Du" aufrecht erhalten.

    In meiner Ausbildung habe ich auf einer Station gearbeitet wo überwiegend junge Patienten waren (zwischen 18 und 30), und auch immer wieder diesselben kamen über Jahre.
    Da wurden sehr sehr viele Patienten geduzt, auch Pflegepersonal wurde geduzt. Das war für allem in Ordnung.
    Trotzdem gab es eine gewisse Distanz.
    Nur weil man duzt muss man nicht gleich der beste Freund sein.


    Du frasgt nach dem Unterschied zwischen jungen und alten Patienten.
    Erstmal ist es mir egal ob ich einen jungen oder alten Patienten betreue.
    Aber ein Unterschied ist es schon.
    Ich selbst bin bin noch jung (24). Da spreche ich mit jungen Patienten schneller schonmal so wie ich mit einer Freundin sprechen würde, wie wenn ich mit einer 70 jährigen rede.
    Ein Vertrauensverhältnis versuche ich zu allen Patienten aufzubauen, egal wie alt.

    Ein Unterschied ist es eher für mich bei jungen männlichen Patienten.
    Wenn es da um sehr intime dinge geht, (beispielweise die Anlage eines Blasendauertkatheters) bitte ich doch eher einen männlichen Kollegen dies zu übernehmen. Ist für den Patienten dann doch etwas weniger unangenehm meist.

    Ich bleibe allerdings schon eher "sachlich", duze zwar manchmal. Aber solche "Verniedlichungen" wie Mäuschen oder ähnliches gitb es bei mir nicht.
    Finde es allerdings nicht schlimm, wenn es dem Patient ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.
    Ist aber weder privat noch beruflich so meine Ausdrucksweise.


    Zum Thema duzen und Nähe:
    Beispielsweise junge behiderte Patienten(z.B Down-Syndrom) werden auch häufig geduzt von mir, weil viele sich dann wohler fühlen, und schneller Vertrauen fassen. Viele mit denen ich bisher gearbeitet habe, werden auch im Heim (wenn sie in einem leben) geduzt.
    Wieso soll ich dann nur noch siezen, wenn sich die Person dabei nicht wohlfühlt.
    Das hat aber nichts mit mangelndem Respekt oder geringer Wertschätzung zu tun.
    Ich orientiere mich da am Patient. Man entwickelt ja mit der Zeit auch ein Gefühl, wie sich der Patient wohler fühlt. Und wenn sich jemand mit dem "Sie" woler fühlt, wird eben auch gesiezt.
    Dann sieze ich auch eine 16-jährige, wenn sie das möchte =)
     
  16. Chris8421

    Chris8421 Stammgast

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    Wieder diese furchtbare Diskussion. Ich finde es wahnsinnig unprofesionell, wenn man sich duzen lässt. In keinem anderen Bereich findet man sowas. Der 18 jährige am Bankschalter wird auch nicht geduzt. Es würde auch keiner auf die Idee kommen, einen Arzt oder Bürokaufmann zu duzen. Aber in der Pflege ist es ja wieder normal.

    Die ersten zwei Jahren meiner Ausbildung habe ich mich auch duzen lassen. Wenn sich die Examinierten duzen lassen und sich mit Vornamen vorstellen, möchte man sich ja irgendwo anpassen.
    Mittlerweile stelle ich mich bei Patienten > 25 Jahre nur noch mit Nachnamen vor. Da stellt sich gar nicht die Frage, ob "du" oder "Sie". Falls ich doch geduzt werde, entscheide ich im Einzelfall, ob ich es toleriere oder anspreche. Ich habe aber auch schon ganz klar zu Patienten gesagt, dass ich erwarte gesiezt zu werden. Den 65 jährigen Patienten duze ich schließlich auch nicht. Für mich ist das "Sie" ein Mindestmaß an Respekt, was man einem erwachsenen Gegenüber zeigen kann.

    Weniger Vertrauen wird mir deswegen nicht entgegen gebracht, eher im Gegenteil, wie ich mittlerweile finde. Auch glaube ich nicht, dass ein Patient sich deswegen weniger wohl fühlt, wenn er von mir versorgt wird.
    Bei Patienten <25 ist es immer eine Entscheidung aus dem Bauch heraus, ob ich mich mit Vornamen vorstelle und frage, ob "du" noch okay ist.
    Auch irgendwo eine Frage der Sympathie bei gleichaltrigen.
     
  17. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Eigtl wollte ich hier garnichts mehr sagen, da ich Erdbeereis meine Meinung aufgezeigt hatte und wir im Forum das Thema schon oft genug hatten.

    Aber dir, Chris, möchte ich hierzu doch noch was erwidern:
    D`accord!
    Aber was ist das??

    All das was du gerade beschrieben hast, teilweise angeprangert hast ist plötzlich gegenstandslos weil dein nächster Kunde/Patient in deinem Alter ist??

    Wieso das??

    Natürlich kannst du dich mit Patienten im Verlauf oder auch direkt auf ein DU einigen, aber was hat das mit dem Alter (wir sind ja bei ü18) zu tun?
    Und wie gedenkst du das weiter zu halten? Machst du diese Unterscheidung auch noch wenn du 50 bist? Wenn nein, warum nicht? Wann hörst du damit auf?


    Nochmal in eigener Sache: Ich hab nichts gegen ein DU wenn man sich etwas kennt, aber fremde Personen, erst Recht Patienten, die in meinem Abhängigkeitsverhältnis stehen sind erstmal per SIE, es sei denn es ist förderlich für die Genesung/ das Befinden, wenn man zum DU geht.
    Also zB bei kleinen Mädchen (...) oder eben auch geistig behinderten, Dementen usw....



    Edit: Achja, sorry:
    Äußerungen wie Schnecke, Mäuschen, Schätzchen, also Verniedlichungen werden leider Gottes als sexuelle Belästigung aufgefasst, da sie die Würde des Patienten verletzen. Da muss man (in aller Regel eher als Mann...) sehr vorsichtig sein.
     
  18. Erdbeereis

    Erdbeereis Newbie

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    Was mich noch interessieren würde, jetzt mal weg von den Diskussionen:
    Als ich, "benebelt" von der Narkose, auf der Intensivstation lag, war ich zwischendurch auch so halbwach. Ich weiß noch, wie eine Pflegerin zu mir kam, die Decke weggezogen hat, das "Hemdchen" hochgezogen hat und mir eine Spritze in den Oberschenkel gesetzt hat.
    Sie wusste ja, dass ich wach war, denn sie sagte: "Gegen das lange liegen."
    Das hat fürchterlich wehgetan und ich habe mich reflexartig gewehrt, als sie die Spritze schon wieder aus meinem Bein rauszog.
    Darf sie sowas denn eigentlich machen, ohne meine Zustimmung?
     
  19. lady_juno

    lady_juno Junior-Mitglied

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    Das war ne Thrombosespritze, die muss sie dir sogar geben, und die brauchst du auch. Über die Art und Weise lässt sich streiten, aber die Notwendigkeit nicht.
     
  20. Erdbeereis

    Erdbeereis Newbie

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    Die Notwendigkeit will ich hier auch gar nicht infrage stellen. Es geht mir darum, dass sie es einfach "gemacht" hat.
    Wie gesagt, ich fand das nicht schlimm, war halt bisschen schmerzhaft, aber wenns gemacht werden muss, dann gut.
    Zur Rechenschaft würde ich deswegen aber keinen ziehen.

    Wäre es möglich, dass die Pflegerin dass einfach so, ohne zu fragen gemacht hat weil ich noch so beduselt von der Narkose war und man mit mir eh kein vernünftiges Gespräch zustande bringen könnte?
     
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