Formen von Epilepsie?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Neurologie / Neurochirurgie" wurde erstellt von Karina, 29.08.2002.

  1. Karina

    Karina Junior-Mitglied

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    Hallo,

    wer kann mir sagen welche Formen es von Epilepsie gibt und wie man sie unterscheidet?

    Danke

    Karina
     
  2. carmen

    carmen Poweruser

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    Epilepsie (Fallsucht)

    Epilepsie ist eine paradoxe Funktionsstörung des Gehirns infolge exessiver Entladungen von Neuronen.
    Aus dem zusammenwirken von exogenen Schadensmechanismen und endogenen Faktoren resultiert die Manifestation epileptischer Anfälle.

    Exogene Faktoren:

    - verschiedentlichste Erkrankungen des Gehirns selber (Fehlbildungen, Trauma, Entzündungen, Tumore, Blutungen)
    - Erkrankungen des Gesamtorganismus, die mit einer Funktionsstörung des Gehirns einhergehen (Hypoglykämie, Intoxikationen)

    Endogene Faktoren:

    - erbbedingte Faktoren
    - Stoffwechselkrankheiten
    - Mitochondropathien (Zellorganellstörungen)

    Lokalisationsbezogene Anfälle

    - einfach-partielle Anfälle mit erhaltenem Bewußtsein
    - mit motorischen Symptomen ( Anfälle mit March = z.B. Ausbreiten des Anfalls vom Gesicht in die Extremitäten, Anfälle ohne March, Haltungsanfälle, Vokalisation oder Sprechhemmung)

    - mit sensiblen oder sensorischen Symptomen (Lichtblitze sehen, Summen, Kribbeln und einfache Halluzinationen)

    - mit vegetativen Symptomen (Blässe, Schweißausbruch, Erröten, epigastrisches Gefühl)

    - mit psychischen Symptomen (Bewußtseinsstörungen, Zeitsinnstörung, Angst, Ärger, Halluzinationen in Form von Musik hören oder Szenen aus einem Stück)

    Generalisierte Anfälle

    - Absencen (Auftreten der Symptome allein oder in Kombination)

    - nur Bewußtseinsstörung

    - mit milden klonischen = schüttelnden Komponenten

    - mit atonischen = Erschlaffenden Komponenten

    - mit tonischen = Anspannungszustand von z.B. Muskeln Komponenten

    - mit Automatismen

    - mit vegetativen Komponenten


    Epilepsien und Syndrome mit unklarer Zuordnung

    - mit generalisierten und fokalen = von einem Herd ausgehenden Anfällen (Neugeborenenkrämpfe, schwere Epilepsien im Kleinkindesalter, Schlaf-Wach Anfälle, erworbene epileptische Aphasien

    - ohne eindeutig generalisierte oder fokale Zeichen (alle Fälle mit generalisierten tonisch-klonischen Anfällen, wo die EEG-Befunde keine sichere Differenzialdiagnose stellen können, z.B. Schlaf-Grand-mal Anfälle, zählen unter dieser Rubrik

    Spezielle Syndrome

    - Gelegenheitsanfälle (Situationsbedingt z. B. flackerndes Licht in der Disco)
    - Fieberkrämpfe
    - isolierter Status Epilepticus
    - Streß
    - Schlafmangel




    Schönes Wochenende wünscht Allen


    Carmen
     
  3. Rabenzahn

    Rabenzahn Poweruser

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    Hallo,

    nach den sehr ausführlichen Ausführungen von Carmen füge ich noch etwas hinzu.

    Zerebraler Krampfanfall ( Epilepsie )

    Definition :

    Fallsucht: Unspezifische Haupt – oder Begleitsymptome einer metabolischen oder strukturellen Störung des Gehirns mit vorübergehenden Bewusstseinsstörungen und abnormen motorischen, sensorischen, vegetativen oder psychischen Erscheinungen.

    Ursachen :
    · Hirnatrophie
    · Intoxikationen
    · Hirnentzündungen
    · Schädel – Hirn – Traumen
    · familiäre Disposition


    Symptome :

    Präkonvulsive Phase mit z.B. :

    · Unruhe, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen

    Konvulsive Phase mit z.B. :

    · tonischer Krampf ( ca. 30 Sekunden ) mit Streckkrämpfen
    · weiten und lichstarren Pupillen
    · zentraler Apnoe mit Zyanose
    · klonischem Krampf ( ca. ½ - 3 Minuten ) mit rhythmischen Muskelzuckungen

    Postkonvulsive Phase mit z.B. :

    · Koma ( ca. 2 Minuten )
    · wiedereinsetzenden Atemzüge
    · Verwirrtheit und motorischer Unruhe
    · Terminalschlaf
    · eventuell Bissverletzung
    · eventuell Aspiration
    · Tachykardie


    Therapie :

    · einen Krampfanfall kann man nicht unterbrechen
    · Patienten vor Verletzungen schützen
    · keinen Bissschutz versuchen ! Bissgefahr für Helfer
    · Atemwege frei halten
    · Vitalzeichen kontrollieren
    · stabile Seitenlage wenn Anfall vorbei ist
    · Rettungswagen eventuell Notarzt alarmieren, wenn ausserhalb der Klinik auftritt
    · Krampfablauf beobachten ( eventuell Art und Dauer )


    NS. Falls Du die Angaben für eine Klausur benötigst, haben Carmen und ich bestimmt eine 1 verdient :lol:
     
  4. carmen

    carmen Poweruser

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    ... eh super Rabenzah, echt super :mrgreen: :up:
    Bin ganz hin und weg, hab mir Deine Ausführungen auch noch kopiert und die 2 Berichte aneinander geheftet. Nun können sie nicht mehr verloren gehen, weil ich sie auch noch auf der Festplatte hab, hihi :P
    Irgendwann braucht Irgendwer sicher mal ein paar Infos und dann haben wir sie zusammen, das find ich Klasse :rofl:

    Schönes WOE

    Carmen
     
  5. Rabenzahn

    Rabenzahn Poweruser

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    Hallo Carmen,

    genauso sehe ich das auch. Habe mir auch schon viele Infos von den anderen KollegINNen unter den Nagel bzw. auf die Festplatte gerissen und auch viel gelernt.
    Also weiter so :lol:

    Schöne Grüße aus Kassel, wo die Sonne gerade anfängt auch für mich zu scheinen.
     
  6. Karina

    Karina Junior-Mitglied

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    Ich Danke euch für die zahlreichen Informationen, aber wer kann mir noch praktische Tipps geben zu Epilepsie bzw. wie kann ich damit umgehen?

    Karina
     
  7. carmen

    carmen Poweruser

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    Hallo Karina, betreff Deiner Frage, schau bitte unter "Therapie" in Rabentahns Beitrag nach :D

    Tschüß

    Carmen
     
  8. Karina

    Karina Junior-Mitglied

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    Hallo Carmen,

    das ist mir schon klar, aber ich kann doch nicht jedesmal einen Notarzt rúfen.

    Und noch eine Frage, was kann man tun, das solche Anfälle nicht so häufig passieren?

    Karina
     
  9. david

    david Senior-Mitglied

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    Hi Karina!

    Epileptiker müssen medikamentös eingestellt werden. Beispielsweise mit Phenytoin oder Carbamazepin (sind Wirkstoffe, weiss nicht wie die Markennamen in D lauten). Sobald ein gewisser Spiegel im Blut erreicht ist, kann damit Häufigkeit und Intensität der Anfälle vermindert werden (müssen aber regelmässig genommen werden).

    Ausserdem kann man versuchen Reize zu verhindern, die als Anfallsauslöser gelten. Wie schon erwähnt reagieren manche Epileptiker zB auf flackerndes Licht mit einem Anfall, andere bei zu wenig Schlaf oder Alkoholkonsum......

    Wenn du schreibst, dass du nicht jedesmal den Notarzt rufen kannst, wäre für den Pat. wohl ein Besuch bei einem Neurologen angebracht um eine Therapie in die Wege zu leiten!

    +lg, david
     
  10. Micky

    Micky Gast

    Hallo Karina,

    bitte entschuldige dass ich mich erst jetzt melden kann, ich hab gerade leider sehr viel Arbeit.
    Grundsätzlich kannst Du beim Auftreten eines großen Anfalls dafür sorgen, dass sich Dein Freund nirgends verletzen kann. Vielleicht kannst Du ein Kissen unter seinen Kopf schieben oder eine Decke. Die Arme und Beine sollten frei beweglich sein, jedes Hindernis birgt ja ein Verletzungsrisiko. Arme und Beine festzuhalten macht keinen Sinn und führt zu nichts. Wie schon erwähnt wurde, ist es normalerweise gar nicht möglich, einen Beißkeil zu verwenden, da die Kiefer mit einer Kraft von mindestens 80 kg zubeißen. Selbst wenn Du es könntest, würde dabei die Zunge nach hinten gedrückt werden, was zur Blockierung der Atemwege führen würde. Sollte es während des Anfalls zu Atemproblemen oder gar Atempausen kommen, versuche ihn mit aller Kraft auf die Seite zu drehen, damit die Atemwege möglichst von selbst wieder frei werden. Dies geschieht aber zum Glück nur selten.
    Wenn der Anfall länger als 3 Minuten dauert und sich keine Besserung einstellt, wird bei uns eine Rektiole Diazepam 10 mg gegeben. Dieses Valiumpräparat wird rektal, also in den Po, eingespritzt und relativ rasch vom Darm aufgenommen. Das kann innerhalb weniger Minuten zu einer Unterbrechung des Anfalls führen. Durch diese Maßnahme ist es allerdings wichtig, einen Notarzt hinzuzuziehen, u.a. auch deshalb, weil ein Anfall von mehr als 3 Minuten eine riesige Anstrengung für den Körper bedeutet. Ein Anfall sollte einfach nicht so lange gehen. Solch ein Präparat kann Dir unter Umständen ein behandelnder Neurologe verschreiben. Damit hättest Du eine gewisse Sicherheit. Es gibt auch Tavor expidet, das sind kleinere Tabletten, die man in die Backentasche schieben kann und der Wirkstoff dort nach schnellem Zerfall von der Mundschleimhaut aufgenommen wird.
    Wie ebenfalls schon erwähnt wurde, gibt es die Möglichkeit, Epilepsie mit entsprechenden Medikamenten relativ gut einzustellen, sodass die Anfallshäufigkeit entweder sehr zurückgeht oder evtl. sogar ganz unterbleibt. Das würde ich Deinem Freund sehr nahelegen, da er sicher durch seine Epilepsie viele Einschränkungen hat, die auf diese Art reduziert werden könnten. Solch eine Medikamenteneinstellung sollte stationär in einer Spezialklinik gemacht werden, da es sehr viele verschiedene Medikamente gibt und die Verträglichkeit erst erprobt werden muß. Niedergelassene Ärzte haben meist nicht die Erfahrung und die Möglichkeiten, solch eine Einstellung vorzunehmen. Wenn Du mir sagen willst, wo ungefähr Eurer Wohnsitz ist, könnte ich versuchen, die nächstgelegene Klinik herauszufinden. Sich dort so bald als möglich mit Medikamenten einstellen zu lassen erscheint mir das Naheliegendste und Vernünftigste, da sich Anfälle im Laufe einer längeren Zeit auch „einschleifen“ können. Das Gehirn gewöhnt sich sozusagen an die wiederkehrenden Muster und ist im Lauf der Zeit meist schwerer wieder davon abzubringen.

    Ich hoffe, ich habe Dir etwas weiterhelfen können. Wenn Du noch mehr wissen willst, lass es mich einfach wissen ...
     
  11. Karina

    Karina Junior-Mitglied

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    Hallo Micky,

    wir wohnen in der nähe von Dresden, wäre schön, wenn du mir da eine Klinik empfehlen könntest.
    Und du hast uns sehr weiter geholfen und sobald noch mehr fragen auftauchen sollte, meld ich mich bei dir/euch. Auch an allen anderen besten Dank für eure große Hilfe. :-)


    Ist Epilepsie vererbbar? Ich bin zur Zeit schwanger :D und habe nun auch etwas Angst :( , das unser Knd auch Epilepsie bekommen könnte. Kann mir da jemand weiter helfen? :?:

    Karina
     
  12. Micky

    Micky Gast

    Hallo Karina,

    leider sind die Ursachen für Epilepsie sehr mannigfaltig und eine Vererbung ist nicht ganz auszuschließen. Doch würde ich mir nicht allzuviele Sorgen darüber machen, da es trotz allem nur sehr selten vorkommt. Vor allem hat Dein Freund ja seine Epilepsie erst seit kurzer Zeit, somit ist meiner Meinung nach die Möglichkeit einer Vererbung verschwindend gering. Mangelversorgung des Gehirns bei der Geburt z.B. ist da schon ein sehr entscheidenderer Grund. Überhaupt stehen in der Entstehung der Epilepsie Schädigungen des Gehirns auf welche Weise auch immer an vorderster Stelle.
     
  13. Karina

    Karina Junior-Mitglied

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    Hallo Micky,

    danke schön für die vielen Informationen und Ratschläge und nächste Woche gehen wir nach Dresden in die Uniklinik um ihn mit Med, einzustellen.

    Danke schön

    Karina :D
     
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