Flüssigkeitszufuhr in der Sterbephase?

Hornie

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Hallo... bin in der ambulanten Hospizarbeit tätig als Pflegefachkraft. Nun ist eine meiner Patienten ins stationäre Hospiz gekommen und liegt seit Tagen "im Sterben". Es handelt sich um eine 40jährige Frau mit Hirn-TU (Glioblastom). Da sie mittlerweile nicht mehr trinken kann und völlig reaktionslos im Bett liegt, besteht die Familie auf i.v.FLüssigkeitszufuhr. Bis Freitag bekam sie 2,oL/ Tag, darauf rutschte sie ins Lungenödem, war voll bis oben, so dass sie mehrfach auch abgesaugt werden musste. Daraufhin und nach Reduktion der Menge auf 25ml/h ging es ihr besser, d.h. die Ödeme verschwanden und die Atmung war völlig ruhig. Da die Familie auf Erhöhung der FLüssigkeitsmenge bestand, wurde dies durchgeführt, mittlerweile auf 1,o L/ Tag. Sie ist wieder total verschleimt, rasselt und brodelt ständig, muss häufig abgesaugt werden. Jede Erklärung vonseiten der Pflegenden (kein Durst, gute Mundpflege ausreichend!) wird abgewehrt mit den Worten, sie solle nicht verdursten. Und so bekommt sie weiter i.v.-Gaben und wird meines Erachtens weiter gequält, denn auch der Arzt gibt nicht die Anordnung, das Ganze zu reduzieren oder gar einzustellen. :gruebel:
Was kann man hier noch tun?
 

Rasmus

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Das ist in der Tat eine schwierige Stuation.
Von der Pat.selbst ist keine Äußerung zu diesem Thema mehr zu bekommen.Somit gilt das zu tun,was die Betroffene am ehesten verfügt hätte,wenn dennn nicht die Angehörigen wären.Also schwingen die Angehörigen das Zepter u.bestehen auf Flüssigkeit,obwohl sie doch wohl über den Zustand ihrer Angehörigen im Bilde sein sollten.Die zugeführte Flüssigkeit wird ihr Leben nicht retten können.Sie wird das Leid verlängern.
Von ärztlicher Seite steht ihr ziemlich verlassen da.Sie scheinen nur anzuordnen,ohne sich über die Folgen im Klaren zu sein.Auch die Angehörigen sind wohl nicht ausreichend informiert worden,denn warum sonst beharren sie auf ihrer Forderung ?
Nimm Dir den Arzt nochmal beiseite.Frag ihn,direkt ins Gesicht:Stellen Sie sich vor,es ist Ihre Angehörige,würden sie da auch so handeln ?
Dann nimm Dir diesen Arzt,geht zusammen zu den Angehörigen.Setzt Euch hin u.besprecht die Situation gemeinsam.
Die Ärzte wissen,das die Pat. sterben wird.
Die Angehörigen wissen es,auch wenn sie sich nur schwer damit abfinden können-in dieser Situation mehr als verständlich.
Du weißt es.
Anzunehmen,daß es auch die Pat. weiß,ahnt,was auch immer.

Mir hat mal eine Ärztin gesagt,sie hat ein Riesenproblem damit,bei sterbenden Pat. NICHTS mehr zu tun.Keine Diagnostik,keine Therapie.
Diese Problem scheinen auch Deine Ärzte zu haben.
Es scheint also verbreitet zu sein.

Rasmus
 

carmen

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Hi Hornie,

das von Dir beschriebene Vorgehen von Angehörigen und Ärzten bei Pat. mit infauster Prognose ist wirklich sehr weit verbreitet.
Es scheint mir, dass die Angehörigen nicht genug oder richtig von ärztlicher Seite aufgeklärt sind.
Wir geben den Pat. in derartiger Situation auch Flüssigkeitszufuhr, doch bei weitem keine 2 Liter, gerade um Lungenödeme zu vermeiden.
Rasmus hat schon einen guten Einfall wenn er schreibt, dass Du doch nochmal den behandelnden Arzt zur Seite nehmen solltest, um mit ihm das Problem zu besprechen.
Meistens hat ein solches Gespräch unter 4 Augen Erfolg.

Schönen Sonntag

Carmen
 

vollderhorst

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ich kann carmen nur zustimmen....
denke ein ärztliches gespräch ist wohl die einzige möglichkeit, die angehörigen zu überzeugen. und dazu muss eben erst der arzt überzeugt werden.....
 

JoyfulVoice

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Hallo Ihr alle,
dies ist ein schwieriges Thema und sicherlich immer ein Streitpunkt zwischen Angehörigen und Pflege/Ärzten.
Bei uns in der Klinik gibt es seit etwa 1 Jahr ein Merkblatt für Angehörige über die Ernährung von Sterbenden.
Da ich auf einer Inneren mit Onkologischen Patienten arbeite, haben wir sehr häufig mit Patienten in der Sterbephase zu tun.

Die Sterbenden erhalten bei uns keine Infusionen und nur schluckweise etwas zu trinken.
Lt unserem Chefarzt hat eine Studie ergeben, dass es Patienten die keine zusätzliche Flüssigkeit bekommen weniger Durst haben und es ihnen damit erheblich besser geht. Erklärt wird es dadurch, dass durch die fehlende Nahrungsaufnahme am Ende des Lebens im Körper Stoffe entstehen, die weniger Schmerzen empfinden lassen und in eine angenehmere, oft gleichgültigere , weniger ängstliche Stimmung versetzen
Voraussetzung ist die regelmäßige Mundpflege und zwar mindestens stündlich. Die Mundtrockenheit geben den Sterbenden oft das Gefühl des Durstes.Haben die Patienten Hunger oder Durst ist es etwas anderes, dann gibt es natürlich den Wünschen entsprechend. Medikamente bei Schmerzen gibt es dann eben nur s.c. oder i.v aber nicht per Infusion.
Unsere Beobachtungen oder Erfahrungen haben uns gezeigt, dass die Patienten wirklich weniger Schmerzmittel benötigen und im ganzen ruhiger sind. Angehörige können mit dieser Erklärung sehr gut umgehen, weil sie sich dadurch auch keine Vorwürfe des " VErdurstens" machen müssen.
Im Gegenteil, denn die Patienten sehen durch die verringerte Wassereinlagerung natürlicher aus und das Reduzierte Auftreten von Lungenödemen läßt sie ruhiger Atmen.
Ich hoffe, ich konnte ein wenig weiterhelfen. Und hat jemand ähnlicher Erfahrungen?
 

Aloha

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JoyfulVoice, weißt Du näheres über die Studie?

Habe bisher auf verschiedenen Intensivstationen gearbeitet, die Patienten da haben ja in der Regel alle einen i.v.-Zugang und bekommen darüber dann auch Flüssigkeit.
Ich habe auch gemerkt, daß dies ein wichtiger Punkt für die Angehörigen ist.

Würde mich jedenfalls sehr interessieren, mehr über die angesprochene Studie zu erfahren, evtl. gibts ja auch mehr Infos im Internet?
 

JoyfulVoice

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Hallo Aloha
Ich glaube dies war eine Studie aus Amerika, habe ich mir aber auch nicht so genau gemerkt.
Es gibt auch nur diese eine, bei der die Patienten über mehrere Wochen begleitet wurden. Es wurde genau aufgeschrieben, was gegessen oder getrunken wurde, das Gefühl der Patienten und womit sie sich besser fühlten oder nicht, Essen,Trinken, Mundpflege. Es wurde dabei immer auf jeden Patientenwunsch eingegangen.
Dabei ist dann eben herausgekommen, dass die Patienten, bei denen eine regelmäßige Mundpflege durchgeführt wurde nie über Durstgefühl geklagt haben.
Habe auf die Schnelle nur einen kleinen Hinweiß auf diese Studie gefungen NAHRUNGSVERWEIGERUNG bei Demenzkranken | Palliative Ernährung aber ich schau noch mal weiter...... melde mich dann. Frage auch noch mal unseren Chefarzt.
Schönen Abend noch an alle, die jetzt nicht mehr arbeiten und wie ich Feierabend haben.
 

JoyfulVoice

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Danke!
Werd mich informieren, vielleicht weiß ich morgen schon mehr wegen der Studie.
Wäre schön, wenn man diese Fragen klären könnte, denn es würde unseren Arbeitsalltag erheblich erleichtern, da wir wissen, dass unsere Patieten ohne Hunger und Durst, aber auch ohne Schmerzen sterben.

MFG :wink:
 

Aloha

Poweruser
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Danke für den Link (Nahrungsverweigerung bei Demenzkranken...) :daumen:
- wenn man mit den in dem Text angegebenen Quellen bei Google sucht, kommt einiges. Werde mich mal umschauen....

Vielleicht kriegst Du ja noch genaueres raus...
 

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