Fixierungsfreie Station?

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von sim_ohne, 04.08.2013.

  1. sim_ohne

    sim_ohne Newbie

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    Hallo, ich arbeite auch einer gerontopsychatrischen Station mit Demenz erkrankten! Leider wird bei uns sehr häufig unnötig fixiert, z.b. bei Sturzgefahr oder zum schlafanstoss, was ja eigentlich völliger Blödsinn ist! Nun möchte mein Stationsleiter mit mir ein Konzept entwickeln, um eine möglichst Fixierungsfreie Station zu werden (abgesehen von Notstand, etc)!
    Nun meine Frage, ob ihr mit sowas Erfahrungen gemacht habt und ob ihr Tipps, Vorschläge oder Hilfsmittel wisst, wie wir die Voraussetzungen erfüllen können? Einiges hab ich schon erarbeitet, wäre aber dankbar über jede Hilfe und Tipp...danke:-)
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wie soll das Konzept funzen? Sind die Kollegen miteinbezogen? Es hat ja Gründe, warum sie lieber fixieren. Wie will man dieses pflegekraftbezogene Problem beseitigen? Hoffentlich nicht per Dienstanordnung, Checkliste und detailierter Handlungsanweisung= Standard.

    Elisabeth
     
  3. kräuterfrau

    kräuterfrau Poweruser

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  4. Baum

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    Hey, Kräuterhexe,

    super Idee, aber da muss ich Elisabeht leider völlig Recht geben. Ich bin jetzt seit 3 Monaten auf Psych und ich muss sagen, es ist wirklich sehr pflegekraftbezogen.
    Einige validieren sehr schön, wie man das lernt und wie man- meiner persönlichen Erfahrung nach- die besten Erfolge erzielt und am effektivsten Vertrauen schaffen kann.
    Ich habe aber leider auch schon andere Dinge erleben müssen, bei denen ich sagen muss, dass diese Thematiken sehr mit den persönlichen Erfahrungen zusammen zu hängen zu scheinen oder der Motivation oder was immer.

    Tipps sind die üblichen, die Du oben genannt hast:
    - Klingelmatte
    - Patch/ GPS
    - Sturzhosen
    - Antirutschsocken

    Auf der Medizin hatten wir oftmals ein ähnliches Klientel wie auch auf der akutgeriatrischen Psych. Da wurden trotzdem eigentlich kaum Fixierungen benutzt, ich habe es lediglich 1x erlebt bei einer 38 Jährigen Dame im Durchgangssyndrom.
    Bei den älteren Damen und Herren benutzten wir oft die Antirutschsocken, Hüftprotektoren und Klingelmatten um die maximale Sicherheit zu gewährleisten und den Menschen die grösstmögliche Bewegungsfreiheit und Würde zu ermöglichen.

    Ich denke aber, dass Aufklärung und Sensibilisierung, Einfühlungsvermögen, Respekt, Motivation und immer wieder aufmerksam machen auf das Validationskonzept fast die besten Prophylaxen sind.

    Ich wüsche Dir auf alle Fälle ganz viel Erfolg und
    lG, Baum
     
  5. Ente_24

    Ente_24 Junior-Mitglied

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    Das Thema Fixierung wegen Sturzgefahr ("Eigengefährdung" (???)) ist wohl hauptsächlich für Nachtdienst und sonstige Zeiten mit geringer Personaldichte im direkten Patientenumfeld von Bedeutung. Auch der ewige Konflikt Fixierung oder ("Bedarfs-"/Zwangs-)Medikation ist bislang noch nicht gelöst. Bisher habe ich noch keinen Dementen erlebt, der aus seinen Stürzen "gelernt" hat. Ein gewisses Risiko für Frakturen, Hirnblutungen etc. besteht ebenfalls ... Die einen meinen, die "Seroquel 25 bei Unruhe" wäre besser, als Fixierung, andere sehen es strikt andersherum. Weder das "Abschießen" (siehe auch Multimorbidität des geriatrischen Patienten), noch das "Fesseln" werden dem Patienten als solchem wirklich gerecht. Leider kann man nicht zu jeder Zeit in jedem Zimmer gleichzeitig sein und auch Sturzmatten, Antirutschsocken etc. verhindern Stürze bzw. deren Folgen nicht effektiv. Bleibt mal wieder nur, zu fordern, den Berteuungsschlüssel auf ein den Patienten angemessenes Maß zu erhöhen ... und das bitte möglichst bald ...
     
  6. Baum

    Baum Senior-Mitglied

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    Hallo, Ente,

    in einem Punkt hast Du definitiv recht: dass für einige Patienten eigentlich eine 1:1 Betreuung gebraucht würde:daumen:, die aus finanziellen Gründen meist nicht möglich ist. Ich arbeite nur an der Basis, ich weiss aber, dass die Siztwachen für eine Klinik oft sehr teuer sind und deshalb nicht immer zu ermöglichen sind. Leider:cry:!

    Zum Thema "Konflikt Fixierung oder ("Bedarfs-"/ "Zwangs-") Medikation": Es besteht in meinen Augen ein grosser Unterschied zwischen Bedarfs- und Zwangsmedikation.
    Die Zwangsmedikation muss genutzt werden, wenn sämtliche Frühwarnzeichen einer Eskalation nicht erkannt wurden. Dann muss der Patient "Zwangsmediziert" werden. Er muss dazu aber in einem extremen Zustand Innerer Aufruhr sein, sodass er nicht mehr auf eine vernünftige Art und Weise zu erreichen ist. Zwangsmedikation ist das ALLERletzte zur Verfügung stehende Mittel.
    Auf die Unruhereserve oder aber "Bedarfsmedikation" wird in meinen Augen zurückgegriffen, wenn ein Patient nach Hause möchte und den Drang bekommt, eine Innere Rastlosigkeit zu entwickeln. Sobald die ersten Frühwarnzeichen zu erkennen sind, kann hiermit der Rastlosigkeit entgegengesteuert werden, was einem angetriebenen Menschen nicht selten sogar eine Erleichterung verschafft (also nicht nur dem Pflegepersonal, weil es angeblich einfacher ist, sondern in erster Linie dem Patient:nurse:. Als Pflegeperson habe ich danach alle in meiner Macht und zur Verfügung stehenden Mittel auszuschöpfen, um mögliche Stürze zu vermeiden. Wenn ich weiss, dass ich einem Patienten Unruhereserve gegeben habe und die Klingelmatte installiert ist, muss ich wie der Blitz auf der Glocke sein, was mir bisher immer möglich war. Hier kann auch die Türe aufgelassen werden uvm., ich hatte bisher immer Möglichkeiten. Im Gegenzug dazu sind schon Patienten bei mir ohne Unruhemedikation gestürzt -> Ergo: Stürze in einem bestimmten Alter sind nicht zu vermeiden :().

    Wenn Du einen Patienten in unruhigem Zustand wählen lässt zwischen einer Tablette, damit er weniger Unruhe verspürt oder einer Fixierung am Bett, ist denke ich klar, was er wählen wird. Ich denke, die wenigsten würden sich für eine Fixierung entscheiden, in der sie nicht trinken können wie sie wollen, in ihre Einlagen machen müssen (nicht selten sind die unruhigen Patienten ja dement, sodass sie die Glockenbedienung nicht ganz verstehen können). Hier hängt es jetzt auch sehr ab, welchen Patienten ich vor mir habe: ist er jung und compliant, "wählt" er sogar manchmal die "härteren" Methoden und eine Fixierung ist vor allem zum Fremdschutz angezeigt.
    Ist er ein altes Menschlein, wird er vermutlich froh sein um das letzte bisschen Autonomie und Würde. Und die ganze Zeit im Bett behalten mit Fixierung ist ja auch keine Lösung des Problems Sturzgefahr, finde ich. Die Logik hinkt doch auch völlig in sich...

    Ich habe hier noch zwei interessante Artikel gefunden zum Thema Fixierung:
    Isolierung versus Fixierung, die aber ganz klar aufzeigt, dass Fixierungen ein psychisches Trauma darstellen (Stürze auch, aber nicht auf der Ebene wie bei Fixierungen. Eine Patientin wurde immer wieder von derselben (interessant hierbei :-O) Schwester fxiert. Wenn diese kam, rief die Patientin immer nur noch: "Ich will nicht wieder gefesselt werden"... :cry1: Geht gar nicht! Ich musste dieselbe Patientin interessanter weise nie fixieren und sie war bei mir auch immer völlig entspannt. Zum grossen Teil auch ohne Unruhereservemedikation.)

    Zwang in der Psychiatrie: Das letzte Mittel - SPIEGEL ONLINE
    Klinik-Zwangsmaßnahmen: Gurte und Gitter gehören zum Alltag - SPIEGEL ONLINE
    Da hat es einige interessante Statements drinnen :gruebel:...

    Das wurde jetzt lang, ist aber auch ein grosses Thema, finde ich :besserwisser:
     
  7. Baum

    Baum Senior-Mitglied

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    PS: Und ich habe die Station gewechselt, weil die Chefs solche Fixierungen, die in der Regel immer bei einer ausgebrannten Schwester statt fanden, toleriert haben. Sie war so gut mit den Chefs, dass ein dableiben ein wegschauen gewesen wäre. Und bei sowas macht man sich ja auch irgendwie mitschuldig. Ist aber ein anderes Thema. Will nur sagen: wieviele Fixierungen stattfinden hängt auch viel von der Führungsebene ab, zeigt mir die Erfahrung...
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ist eine chemische Fixierung einer physikalischen vorzuziehen? Das würde ich sehr bedenklich finden. Fixierung bleibt Fixierung- egal mit welchen Mitteln.

    Elisabeth
     
  9. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Du hast das post doch gelesen. Was würdest DU für dich denn vorziehen? Es ging um die entweder oder Frage

    Wenn "fixiert" werden muss(!), WAS ist der humanere Weg? "Beides nicht" ist da keine Option.
     
  10. Baum

    Baum Senior-Mitglied

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    Es ist immer leicht, zu sagen: so nicht!
    Es ist schwieriger, zu sagen: welche Alternativen habe ich, die in einem im Ansatz vertretbaren Rahmen liegen? Was sind die Wege, die mir in der Realität zur Verfügung stehen und wie gehe ich sie in einem vertretbaren Rahmen, wenn ich den optimalen Weg aus welchen Gründen auch immer (mangel an Geld/ Personal etc) nicht gehen kann?

    Maniac hat es korrekt erfasst, danke!

    Das soll kein Plädoyer für Freiheitsentziehung in welcher Art auch immer sein, so ist das nicht zu verstehen und so habe ich das auch nicht geschrieben!:dudu:
     
  11. Irgendeine

    Irgendeine Poweruser

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    Man sollte vielleicht auch bedenken dass eine "Zwangsmedikation" für den Pat. nicht immer das schlechteste ist. Wer in einer solchen inneren Aufruhr ist, ist vielleicht, wenn auch nicht immer bewusst, froh durch Medikamente eine Erleichterung bzw ein "abstellen" dieses Zustandes zu erfahren.

    Ein dementer Mensch kann halt vielleicht nicht nach seinem Bedarf fragen.

    Mit dieser Aussage will ich natürlich nicht sagen dass medikamentöse/physische Fixierung gut sind!
    Nur dass zumindest ersteres den Pat. in gewissen Situationen auch entlastet.
     
  12. Baum

    Baum Senior-Mitglied

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    Gut erkannt, in einer grossen inneren Aufruhr und Rastlosigkeit sind solche Medikamente (ebenso wie eine oft kurze aber intensive Zuwendung) Mittel zum Helfen gegen die Unruhe des Menschen, wenn die Optimallösung (meist Familie, evtl. verstorbene Angehörige, zu Hause wie es frühereinmal für den Menschen existierte) nicht mehr besteht und dies nicht begreiflich zu machen ist für den Menschen in der Situation. Anders wäre es schöner, und wenn die Zeit er erlaubt, kann man sich auch mal zu diesem Menschen setzen und Zeit verbringen. Das ist aber aus zeitlichen Gründen eher seltener möglich.

    Aber bei diesen Unruhezuständen wird aber normalerweise durch genaues Beobachten zu gegebener Zeit auf die "Bedarfsmedikation" (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!) oder "Reservemedikation" (!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!)
    zurückgegriffen, weil der Patient sie meist ohne Probleme nimmt. Er schluckt sie, sodass hier in der Regel eher gute, sicherheitsgebende Kommunikation und Überzeugungsarbeit geleistet werden muss.

    "Zwangsmedikation" wird genutzt, wenn der Patient zum 20. Mal das Medikament engegenspuckt, mir einer normalen Kommunikation nicht mehr erreichbar ist uvm. Da müssen davor aber auch bereits einige Faktoren zusammen gekommen sein. Zwangsmedikation (und das habe ich eben versucht zu erklären) ist ein RIESENunterschied zu Bedarfs- oder Reservemedikation. Es wird benutzt in der bereits eskalierten Situation.
    Zwangsmedikation muss eher gespritzt werden (ich kenne das nur i.M., gibt es aber sicher diverse Varianten). Oral kann ich mir Zwangsmedikation schwer vorstellen, denn ich glaube, dass der Patient es entgegenspucken würde in einem solchen Fall. Sicher geht das auch mit bestimmten Druckmitteln, oral habe ich eine "Zwangsmedikation" aber noch nicht erlebt.

    Das ist der Unterschied zwischen den Medikationen. Geschrieben nur ein kleiner Unterschied, in der Praxis sind es in meinen Augen aber Welten! Der Unterschied ist drastisch. Zwangsmedikation wie auch Fixierung finden NACH einer extremen Eskalation statt. Bedarfs- und Reservemedikation können nur gegeben werden, wenn der Patient damit auch einverstanden ist. Hier ist eher Kommunikation, Zuwendung, Sicherheit geben uns Zeit nehmen gefragt.

    Und nicht, dass das falsch verstanden wird: am besten wäre natürlich die 1:1 Betreuung. Aber zeigt mir die Klinik ! :engel::engel::engel:
     
  13. Resigniert

    Resigniert Stammgast

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    Was ist bei euch eine Reservemedikation?
    Mit dem Begriff kann ich nichts anfangen, kenne nur die Bedarfsmedikation.
     
  14. Irgendeine

    Irgendeine Poweruser

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    Aber auch in einer solchen bereits eskalierten Situation kann eine Zwangsmedikation für den Pat. erleichternd sein, auch wenn er selbst in dem Moment völlig incompliant ist.
    Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen, mir wurde auch mit einem Beruhigungsmedikament "gedroht", und für mich wäre es im Nachhinein gesehn das Beste gewesen. Aber das realisiert man in dem Moment halt nicht.
    Zudem es ja auch Situationen gibt, in denen ein Pat. sich gar nicht beruhigen WILL und demzufolge natürlich auch kein Medi akzeptiert.
     
  15. Baum

    Baum Senior-Mitglied

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    @ Resigniert: Reservemedikation ist dasselbe wie Bedarfsmedikation :-). Die Reserve wird bei Bedarf ausgehändigt.


    @ Irgendeine: Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe eben eine Situation noch nie komplett eskaliert gehabt. Eigentlich liefen kritische Situationen immer ohne Eskalation ab, dafür dann mit viel Kommunikation. So hat sich das dann immer ordentlich eingerenkt.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob Dir der Vorgang einer Zwangsmedikation klar ist, das kommt nicht ganz klar heraus. Es ist in meinen Augen ein für die Betroffenen wie für die Ausführenden ein eher unangenehmes und durchaus traumatisierendes Erlebnis. Ich denk besonders für die Betroffenen. Es lässt sich manchmal scheinbar nicht vermeiden, wenn jemand völlig ausser Sinnen ist nach einer Eskalation, Krankheitsbedingt oder nach Medikamenteneinnahme (insbes. Drogen). Aber wie gesagt, ich habe eine solche Eskalation noch nie so weit gehabt und in meinen bisher 10 Spitaljahren haben sich Eskalationen immer mit guter Kommunikation lösen lassen ;).

    Jetzt die Frage an Dich: hätte es vielleicht auch geholfen, wenn jemand in einer solch angespannten Situation von einem anderen gesehen wird und so die Möglichkeit bekommt, einfach alles "abzuladen", loszulassen oder einmal zu explodieren in einem geschützten Rahmen? Die Situation scheint ja nicht ganz optimal gelaufen zu sein, wenn ich das richtig herauslese?... Keine Ahnung, aber das nimmt oft Luft raus und verschafft Raum zum Atmen, finde ich.
     
  16. Irgendeine

    Irgendeine Poweruser

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    Mein Problem war eine Panikattacke und Dissoziation. Zumindest nachdem was mir erzählt wurde.
    Ich denke es hätte mir aber sehr wohl geholfen wenn EINE oder max. 2 Person um mich gewesen wären. Stattdessen ist ein Team aus 2 RTW-Mannschaften und 2 Notärzten um mich rumgeturnt.

    Ganz ehrlich, in den paar klaren Momenten hab ich mir gewünscht dass der Doc. mir was zur Beruhigung gibt, aber gleichzeitig hab ich mich mit Händen und Füßen gewehrt. In diesem Moment war dieser große Mann für mich einfach nur bedrohlich, und damit natürlich auch alles was er sagte.

    Aber anyway. back to topic.
     
  17. Baum

    Baum Senior-Mitglied

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    Ja, das ist dann eben das: bei der Eskalation turnen dann schnall mal 4- 9 Leute um einen rum mit allen Konsequenzen :-O. Find`s aber gut, dass Du das hier auch erwähnst, was einem in einer Situation eher helfen könnte. Meiner Erfahrung nach ist eben eine Person zur Not eben zwei) weit deeskalierender. Auch wenn man mal stinkig ist über die Vorschläge der Person. Gehört auch hierher, weit gefasst, aber eben eher in die Sparte: was könnten noch für Alternativen zu freiheitsentziehenden Massnahmen in Betracht gezogen werden in bestimmten Situationen... Mal sehe, vielleicht gibt es das ja tatsächlich mal- Stationen (speziell in Psychiatrie), die keine Fixationen nutzen müssen... :daumen:
     
  18. annimaus

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    Also ich würde generell eine "chemische Fixierung" einer physischen bevorzugen, zu mal der Patient bei einer Fixierung meist unruhiger/aggressiver reagiert und das kann ja nicht im Sinne des Patienten sein.

    Was jetzt öfter mal aufgegriffen wurde ist, dass die Fixierungen häufig von den gleichen Schwestern durchgeführt wird, wie wäre es da denn mit einer Pflichtfortbildung zum Thema Fixierung, Moral & Ethik, sowie zum Thema Kommunikation mit psych. kranken Menschen? Vielleicht wäre da Schulungsbedarf von Nöten?
    Die beste Lösung ist natürlich immernoch Erhöhung des Personalschlüssels, aber das Problem kennen wir ja sicher alle
     
  19. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Das Problem scheint hier nicht die Unruhe zu sein sondern die Desorientierung gepaart mit einer Einschränkung der Beweglichkeit. Da wäre man mit einer chemischen Fixierung schlecht bedient. Sie würde die Situation wohl eher verschärfen.

    Elisabeth
     
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