Fettembolie bei parenteraler Ernährung?

Skraal

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Hallo,
bei uns auf Station ist ein Obduktionsbericht reingekommen, in dem Stand, daß ein Patient an einer Fettembolie in der Lunge verstorben sei. Er lag auf der KMT, deshalb kann es kein traumatischer Ursprung sein, und die Leber war auch ok. Er wurde aber parenteral ernährt.
Ich versuche gerade rauszubekommen, wie es bei parenteraler Fettgabe (Lipofundin) zu einer Fettembolie kommt, bzw. warum es nicht ständig dazu kommt. Fett ist ja nicht wasserlöslich...
Wäre nett wenn da jemand was zu erzählen wüsste, oder mir einen Link posten könnte.
Danke! : :ccol1:
 

Elisabeth Dinse

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Fettembolie
Blutgefäße können nicht nur durch Blutgerinnsel, sondern auch durch Fetttröpfchen und Luftblasen verschlossen werden. Die Fetttröpfchen sind dabei nur Bruchteile eines Millimeters dick. Sie können daher kein großes Gefäß wie bei der Lungenembolie verstopfen. Eine große Zahl winziger Fetttröpfchen kann aber entsprechend viele kleinste Blutgefäße blockieren und damit auch eine große Wirkung erzielen.

Fettembolien haben nichts mit einer Thrombose zu tun. Sie können auftreten nach:

Knochenbrüchen,
schweren Verbrennungen,
heftigen Prellungen des Körpers bei Verkehrsunfällen,
Vergiftungen und Infektionen,
Herzmassage,
Operationen mit Herz-Lungen-Maschine,
mehrstündiger Abschnürung von Gliedmaßen,
Darstellung von Lymphbahnen mit öligen Röntgenkontrastmitteln (Lymphographie).

Das Fett wird zum Teil aus dem Knochenmark in das Blut gepreßt, zum Teil stammt es aber aus dem Blut selbst, wo feinere Fetttröpfchen unter dem Einfluß von Gerinnungsfaktoren zu gröberen zusammenfließen.

Die typische Fettembolie tritt etwa 24 Stunden nach dem Unfall bzw. der Operation auf. Da in erster Linie meist die Lunge betroffen ist, ähneln die Beschwerden denen bei Lungenembolie: Atemnot, rasche Atmung, rascher Puls, bläuliche Hautfarbe. Häufig sind aber auch andere Organe betroffen: Fettembolie des Gehirns führt zu Verwirrtheit und Erregungszuständen sowie Bewußtseinsstörungen. Bei Fettembolien der Haut sieht man viele kleine Blutungen als rote Punkte auf der Haut (Petechien). Blut im Urin kann auf die Fettembolie der Niere hinweisen.

Tödliche Fettembolien sind selten geworden, seitdem man die wichtigsten Vorbeugemaßnahmen kennt:

Verhinderung des Schocks,
künstliche Beatmung,
rasche operative Behandlung von Knochenbrüchen.
 

Skraal

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Hallo Elisabeth,
vielen Dank für die Info, aber die 134 Internetseiten und 2 Bücher habe ich auch schon durchgelesen.
Meine Frage war nicht die einer typischen Fettembolie, sondern nach einer Fettembolie bei intravenöser Fettgabe, hier Lipofundin.
Ist das Fett darin emulgiert, oder warum überleben das die Patienten???
 

Elisabeth Dinse

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Gut parliert Skraal.

Aber wenn du schon die Google befragt hast ;), warum hast du dann nicht ff. Seite gefunden? *(Defekter) Link entfernt* Dort ist unter anderem nachzulesen, das die Lipidemulsionen, zu denen ja auch Lipofundin u.a. gehören, sehr wohl emulgiert sind. ;)

Elisabeth
 

Skraal

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Danke, nochmal Elisabeth, der Link ist schon recht informativ, aber die Frage ist immer noch nicht beantwortet...
Ich überlege jetzt mal laut.
Wenn ich Fett ins Blut gebe, würde das sofort die Gefäße verstopfen, da Fett nicht wasserlöslich ist, und zusammenklumpen würde.
Daher wird das Fett emulgiert, also die einzelnen Fetttröpfchen werden von Fettsäuren umgeben, die dadurch wasserlöslich sind.
Soweit habe ich es begriffen, aber können die Fettsäuren zerstört oder sonstwie angegriffen werden, so daß das Fett sozusagen entemulgiert wird?
Vielleicht durch eine pH-Verschiebung? Oder andere Vorgänge, so daß es zu einer Fettembolie kommen kann?
Oder kann man zuviel Lipofundin geben, so daß die Fettsäuren "aufgequetscht" werden?

Vielleicht kann mir ja jemand sagen, ob ich auf dem Holzweg bin, oder sich der Sachverhalt zumindest in etwa so darstellt.
 

Elisabeth Dinse

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Hallo Skraal,

was verstehst du unter zuviel? Zuviel Menge/ pro Zeiteinheit oder zuviel insgesamt?
Ist gewährleistet, das die Stabilität der Lösung erhalten bleibt? Das müßte der Hersteller beantworten können- Richtung Inkompatibilität.

Elisabeth
 

Skraal

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Ja wenn ich wüßte, was ich unterzuviel verstände, wäre ich ja ein gutes Stück weiter, deshalb frage ich ja.
Ich vermute mal, daß ein Problem auftritt wenn man ein zu hohes Minutenvolumen infundiert.
Aber Stabilität der Lösung ist glaube ich tatsächlich ein gutes Stichwort, ich werde mich mal bei www.bbraun.de umschauen und die mal anschreiben, vielleicht können die mir was dazu sagen.

Danke nochmal Elisabeth, für Deine Mühe
 

Elisabeth Dinse

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Hallo Skraal

Was ist nun bei deiner Recherche heraus gekommen?

Bei uns werden Fettlösungen über 12 Stunden gegeben. In den letzten Jahren beschränkt sich die Menge auf 250 ml. Aber auch früher bei 500ml Gaben hatten wir nie Probleme.

Ich denke die Ursache liegt dort:
Das Fett wird zum Teil aus dem Knochenmark in das Blut gepreßt, zum Teil stammt es aber aus dem Blut selbst, wo feinere Fetttröpfchen unter dem Einfluß von Gerinnungsfaktoren zu gröberen zusammenfließen.
Die Frage wäre also, welche Gerinnungsfaktoren sind das? Und lag eine solche Veränderung bei dem Pat. vor? Dieser Aspekt wäre schon interessant, denn dann wäre bei solchen Veränderungen ja eine Gabe von Fettlösungen kontraindiziert.
Ergo, nicht die Fettlösung selbst ist es, sondern Veränderungen unklarer Genese? in der Blutgerinnung.

Elisabeth
 

Tigermaus

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Hallo Skraal!!!!

Ich meine, (wenn ich im Unterricht richtig aufgepaßt habe :roll: ), daß es zu einer Fettembolie kommen kann, wenn die Lipofundin zu schnell einläuft und wenn nicht zusätzlich eine Stero läuft!

Gruß Tigermaus
 
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