Falscher Beruf für mich?

Dieses Thema im Forum "Ausbildungsvoraussetzungen" wurde erstellt von franzi1992, 08.01.2010.

  1. franzi1992

    franzi1992 Gast

    Hallo Leute,

    ich habe Angst, dass der Beruf der Gesundheits- und Krankenpflegerin doch das falsche für mich ist.
    Ich fange am 1.10 meine Ausbildung an und mache derzeit ein Jahrespraktikum. Bis heute morgen war ich mir 100% sicher, dass es der richtige Beruf für mich ist.
    Heute allerdings ist etwas passiert..eine Patientin liegt mit ALS bei uns (diese Krankheit hatte meine Oma auch gehabt). Ich habe heute morgen die Grundpflege bei ihr gemacht & danach musste ich erstmal ein paar Minuten alleine sein, da ich irgendwie ganz tief unten war. Sie tat mir so leid, diese Krankheit zu haben. Ich bin nur durch Zufall darauf gestoßen, dass sie auch unter ALS leidet.
    Jetzt habe ich Angst, dass ich wenn ich mit der Ausbildung beginne, wieder vor so einer Situation stehe die mich vollkommen aus dem Konzept bringt & ich dadurch die Ausbildung abbreche, da icih denke,ich schaffe es eh nicht. Ich habe Angst, dass es die falsche Berufswahl war.

    Was meint ihr dazu?

    Liebe Grüße
     
  2. indy J

    indy J Poweruser

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    Hallo

    Ich denke, dass jeder von uns irgendwann mal in eine Situation kommt, die ihn völlig aus dem Konzept bringt. Niemand wird wohl mit Sicherheit sagen können, dass ihn alles kalt lässt, was ihm im Pflegealltag begegnet. Von daher würde ich mir an deiner Stelle nicht zu viele Gedanken machen.
    Es ist nur menschlich, dass dich so etwas beschäftigt. Und deine Kollegen auf Station werden dir sicherlich bestätigen, dass sowas mehr oder weniger normal ist.
    Ich hab in meinen wenigen Jahren im Beruf auch schon die ein oder andere Situation erlebt, die echt heftig war und mich auch kurzzeitig hat zweifeln lassen, ob dieser Beruf wohl der richtige ist.
    Wenn dir der Beruf Spaß macht wirst du auch mit den Höhen und Tiefen umgehen können, du wirst es lernen - denke ich.
     
  3. Rosenanna

    Rosenanna Junior-Mitglied

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    Liebe franzi, es ist gut, dass Du Dich schon jetzt mit dem "wenn-dies"-"was-dann" auseinandersetzt. Du hast noch einige Zeit in Deinem Praktikum vor Dir. Zeit, in der Du immer wieder auf ähnliche Situationen stossen wirst. Nicht umsonst ist in vielen Häusern ein Praktikum Voraussetzung um überhaupt einen Ausbildungsplatz zu erhalten. Ob Du mit derartigen Situationen auch nach x-facher Wiederholung jemals klarkommen kannst, kann Dir von uns natürlich niemand sagen. Aber ich denke, es geht hier den meisten so, dass sich nicht für jeden "Fall" dem man im Pflegebereich begegnet "eigene Überstehensstrategien" entwickeln lassen. Wichtig ist doch im Endeffekt, dass Du weißt, warum Du diesen Beruf erlernen möchtest, und dass Du Dein Ziel nicht aus den Augen verlierst. Selbst wenn Du meinst, Du schaffst es nicht. Suche Dir in diesen Situationen jemanden, mit dem Du dann sprechen kannst. Meistens hilft das schon recht gut weiter. Aus solchen Gründen gleich alles hinzuschmeissen ist kein guter Weg.

    In jedem Beruf kommt man dann und wann an seine Grenzen. Ob im Büro, im Handwerk und, und, und. Seine Grenzen muss man erforschen und mit ihnen umgehen lernen - sonst wird man ein Gefangener seiner selbst. Alles Gute für Dich auf Deinem Weg!
     
  4. franzi1992

    franzi1992 Gast

    Hallo,

    erstmal danke für eure Antworten & das Mut machen.
    Allerdings weiss ich echt nicht, was ich tun soll :(
    Am liebsten würd ich es alles hinschmeißen, weil´s mir echt nah geganngen ist. Sitze das ganze Wochenende schon zuhuase & weine zwischendurch. Mir ist lange nichts mehr so nah geganngen. Keine Ahnung warum ich mir das auf einmal so zu Herzen nehme. Sonst hatte ich kein Problem damit, privates & berufliches zu trennen.
     
  5. Marty

    Marty Poweruser

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    Hallo Franzi,
    ALS ist einfach eine fürchterliche Sache, ich habe beruflich mehrmals mit solchen Patienten zu tun gehabt und wenn ich mir vorstelle, das mein Angehöriger das hätte...
    Ich glaube, du warst nicht so alt, als das mit deiner Oma passiert ist.
    Vielleicht konntest du damals nicht trauern, wir Menschen entwickeln Überlebensstrategien, damit wir weiter funktionieren können. Und jetzt, mit dieser Patientin, kam vielleicht alles wieder hoch.
    Was ich sagen will, Traurigkeit ist nicht schlimm und sie bleibt vor allem nicht. Such dir doch heute eine vertraute Person und denke ganz besonders an deine Oma und laß deine Gefühle zu.
    An die Trennung von Privatem und Beruflichem glaube ich nicht. Wir können uns sicher mal auf die eine oder andere Seite besser konzentrieren, trotzdem nehmen wir die eine immer in die andere Sache mit.
    Und ob du dich nun für diesen Beruf eignest und eine gute Schwester wirst? (Die altmodische Berufsbezeichnung ist jedenfalls meine volle Absicht!:-))
    Das ergibt sich erst im Verlauf des Lebens und des Berufes. Und wenn es nicht mehr geht, kommt was anderes.
    Wenn du Lust drauf hast, probier es, es ist der schönste Beruf der Welt.
    Und deine Sensibilität ist bestimmt kein Hinderungsgrund,abgezockt und zynisch wird man viel zu schnell.
    Ich wünsch dir jedenfalls viel Glück auf deinem Weg,
    Marty
     
  6. franzi1992

    franzi1992 Gast

    ja ich war damals erst 7 Jahre alt, als meine Oma starb.

    Danke für eure ganzen Antworten
     
  7. Kabolmaus

    Kabolmaus Newbie

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    Hallo Franzi,

    ich bin seit 30 Jahren in diesem Beruf, und auch jetzt noch gibt es Situationen die mir schwer zu schafen machen.
    Ich arbeite erst seit Oktober 2009 auf der neurologie und habe da Krankheitsbilder gesehen und kennengelernt von denen ich vorher so gut wie nie was gehört hatte. Es betraf oft sehr junge Patienten, und das war mein Problem. Ich war vorher in der Geriatrie, da waren auch sehr schwerkranke Leute, aber die waren alt. Man versuchte sich zu trösten und für sich selbst Ausreden zu finden, damit man es nicht so an sich ran lässt. Aber wenn man die jungen Leute vor sich liegen sieht, die zum Teil jünger sind als die eigenen Kinder, und diese Patienten fast nichts mehr allein machen können, nur noch vor sich "dahinvegitieren", dann frag ich mich auch sehr oft. " Schaff ich das? Ist das der richtige Beruf für mich?"
    Doch dann passieren Sachen womit man nicht rechnet, die kleinen Vortschritte die diese Patienten machen, und wenn es nur ist das wieder allein essen und trinken können, das gibt mir die Kraft weiter zu machen und merken - ja das ist es!!! Durch mich und meine Hilfe, meiner Pflege kann dieser Pat. wieder ein kleines Stück normales Leben leben!
    Diese Momente sind es, die man in sich aufnehmen sollte.
    Eine Schwester die kein Mitgefühl mehr hat, die nichts mehr berührt, die ist in meinen Augen nicht geeignet für diesen Beruf. Wir sind Menschen und dürfen auch mal unsere Zweifel haben, aber nur die positiven Momente bringen einen weiter, die negativen bremsen nur.

    Liebe Grüße
    Kabolmaus
     
  8. fishll

    fishll Newbie

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    Hey Leute,

    ich wende mich an euch, in der Hoffnung hier etwas Klarheit und Hilfe zu finden. Kurz zu mir: ich bin im 1. Jahr der GkP Ausbildung und hab die ersten Höhen und Tiefen geschafft.:schlafen: Nun zu meinem Problem. Ich habe bereits 3 Einsätze hinter mit (der 4. kommt noch) war 2 mal in der Inneren und Herzchirungie...Mir gefällt an fürsich die Ausbildung ganz gut,auch wenn ich mir mit meiner schulischen Vorbildung verdammt hart tue (habe Quali+Ausbildung),nach dem 10. Tag nicht weis wie ich aus dem Bett komm, und oft fertig nachhause komm aber irgendwie lässt mich so ein ganz bestimmtes kleines Gefühl nicht los,das mir das Interesse an der Ausbildung nimmt. Ich weis es einfach nicht ob es das richtige für mich ist. Selbst wenn ich mir eingestehe "der beruf ist nix für dich.." dann gehts mir auf einmal wieder besser und ich gehe unbefangener auf die Arbeit. Was mache ich nur falsch? In meinem Gefühl sehe ich mich schon (sehr) als Krankenschwester,aber und irgendwa anderes sagt "ich will nicht"

    :cry:

    würd mich freuen von euch zu hören..
    fishll
     
  9. Ellabella26

    Ellabella26 Senior-Mitglied

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    Was genau stört dich denn? Geht es nur darum, dass du schwer aus dem Bett kommst und kaputt bist? Liegt es an der Station? Sind sie vielleicht nicht immer nett zu dir? Oder gefälltdir die Arbeit an sich nicht so gut?

    Es wäre sicher einfacher, wenn du wüsstest, woran es liegt..

    Ich fühl mich grad auch nicht so wohl auf Station, die ein oder andere hat immer was zu stänkern :-) und lernen und gleichzeitig arbeiten ist auch sehr anstrengend.

    Aber ich weiss eben, dass ich das nur insgesamt 3 Jahre durchstehen muss und dann hab ich es geschafft und ich weiss, dass ich es die nächsten 40 Jahre machen möchte und denk mir dann einfach meinen Teil..

    Vielleicht kannst du uns näher beschreiben, was dich stört :-)

    LG

    eine Hebammenschülerin
     
  10. Hexe76

    Hexe76 Senior-Mitglied

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    Klingt nach Überforderung. Und mit dem Satz "ist nichts für mich" machst Du Dir selber klar, dass Du jederzeit raus kannst, guckst quasi nach, ob das Hintertürchen noch offen ist.
    Völlig legitim!
    Geh weg von dem Gedanken, was Du falsch machst. Du machst nichts falsch - Du reflektiertst Dein Tun und das ist eine gute Eigenschaft.
    Es ist schwer vorstellbar, wenn man nach 10 Tagen wieder aufstehen muss, dass man das für den Rest seines Lebens so haben wird - das stresst gewaltig und nimmt die Motivation.
    Sorge für einen Ausgleich zur Arbeit. Setze Dich nicht selber so unter Druck.
    Wenn der Beruf wirklich nichts für Dich ist, wirst Du es rechtzeitig herausfinden.
    Ich hatte in der Ausbildung einen Mitschüler, der 4 Monate vor den Prüfungen aufgehört hat, weil er sich erst dann sicher war, dass es der falsche Beruf ist. Die einen sagen, er hätte durchziehen sollen, dann hätte er wenigstens ne Ausbildung. Die anderen (und ich auch) sagen, es ist gut, dass er diese Entscheidung treffen konnte, bevor ein weiterer Examinierter auf die Patienten losgelassen wird, der gar keine Lust auf das hat, was er da tut. :besserwisser:
    Mach Dir selber klar, dass es EIN Weg von vielen ist, den Du beschritten hast.
    Wenn Du die Ausbildung durchziehst, wirst Du vielleicht als Examinierte feststellen, dass es sich gelohnt hat. Vielleicht aber auch nicht... Dann hast Du immer noch die Möglichkeit, Dich umzuorientieren. Du kannst Dich spezialisieren, Du kannst in ein anderes Land gehen mit anderen Arbeitsbedingungen (ich habe maximal 4 Dienste pro Woche, weil meine Dienste 12h gehen. Hat Vor - und Nachteile), Du kannst studieren, Du kannst was ganz anderes machen.
    Dir steht alles offen.
    Versuche zu ergründen, was Dich so stresst und dann guck, ob Du es ändern kannst. Wenn Du es nicht ändern kannst, ist die nächste Frage, ob Du damit leben kannst, gefolgt von der Frage, was die Alternative wäre :fidee:

    Halt den Kopf oben :troesten:
     
  11. Werde Maurer und Du hast irgendwann Zweifel an Deiner Berufswahl.
    Oder Anwalt. Oder Soldat. Oder Putzfrau. Oder, oder, oder...
    Oder heirate reich und genieße die Möglichkeit, nie wieder im Leben arbeiten zu müssen und irgendwann träumst Du von einem Frühstück mit Wurstbrot und Kaffee, statt Krabben und Champagner.
    Ich möchte den sehen, der seinen Beruf jeden Tag toll findet. Fünfundvierzig Jahre lang.
    Genieße und nutze jetzt die Möglichkeit, den Beruf kennenzulernen und wenn Du überzeugt bist, das Richtige zu tun, zieh die Ausbildung durch. Und such Dir anschließend vielleicht was im Bereich Haut- oder Augenheilkunde.
    Und wenn Du sicher bist, die falsche Berufswahl getroffen zu haben, hast Du noch Zeit, Dir was anderes zu suchen.
    Ich arbeite schon viele Jahrzehnte und habe vieles gesehen, aber an den armen Kerl, den wir reanimiert haben, nachdem er als Rollerfahrer unter einen Lkw kam, habe ich lange gedacht. Und in der folgenden Nacht schlecht geschlafen und ganz übel geträumt.
     
  12. Ellabella26

    Ellabella26 Senior-Mitglied

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    Hatte eure Reanimation (langfristigen) Erfolg?
     
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