Eure Gedanken zu diesem Fallbeispiel "mißlungene Kommunikation" bitte!

Dieses Thema im Forum "Ausbildungsinhalte" wurde erstellt von GuKAzubi, 21.06.2009.

  1. GuKAzubi

    GuKAzubi Newbie

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    Hallo! Ich muß mir für meine Ausbildung ein Fallbeispiel für eine mißlungene Kommunikation in einer alltäglichen pflegerischen Handlung überlegen und die Diskussionsleitung dafür übernehmen.
    Ich habe mir auch schon folgendes Beispiel überlegt und natürlich auch einige Gedanken dazu gemacht. Mich würden aber noch andere Meinungen interessieren, damit ich möglichst gut vorbereitet bin.

    Zunächst einmal das Beispiel :
    Die junge Krankenschwester Elfriede arbeitet auf einer neurologischen Station einer Rehaklinik und betreut einen Patienten mit einer Hemiparese.
    Herr D. (45) ist selbständiger Handwerker und besitzt eine eigene Werkstatt. Er hat infolge eines nicht diagnostizierten und daher unbehandelten Diabetes mellitus vor drei Wochen einen Schlaganfall erlitten. Er weist auf seiner betroffenen rechten Körperseite noch feinmotorische Einschränkungen, insbesondere der Kraft und Ausdauer auf.
    Herr D. übernimmt trotz seiner Erkrankung eigenständig den Großteil der morgendlichen Hygiene, und betrachtet den Gang zum Badezimmer, den die Krankenschwester stets begleitet, als sportliche Herausforderung, weil er der „kernige, sportliche Typ ist, der immer ordentlich trainieren will.“
    Als zu locker empfindet Schwester Elfriede seine latent machohaften, coolen Sprüche, die sie in ihrer Berufsrolle unterschwellig angreifen.
    Seine Aussagen tendieren meist ins Anzügliche, waren aber bisher nie so konkret, dass sie ihn hätte direkt zurechtweisen können. Sie verdreht dann innerlich die Augen und ist froh, wenn Herr D. nach zwei Wochen entlassen wird.
    Bis auf neulich, wo er beim Gang zum Badezimmer sagte: „Hoho, wenn ich jetzt stolpere, wäre es gar nicht so schlimm, dann fall ich Ihnen direkt in die Arme oder sogar auf den Busen!“
    Elfriede bleibt daraufhin stehen und antwortet: „Solche Kommentare höre ich mir nicht an! So kann ich nicht mit Ihnen arbeiten!“
    Daraufhin gefriert sein Grinsen und Herr D. fängt an zu weinen.
    Er sagt: „So was würde ich normalerweise nie sagen. Ich verstehe selber nicht, warum ich das gesagt habe. Es tut mir Leid.“


    Und hier sind meine Gedanken :
    Herr D.
    - Wesensveränderung kann hirnorganisch bedingt sein
    - Verhalten auf Angst vor ungewisser Zukunft begründet (Selbständigkeit - finanzielle Bedrohung, beruflich – privat, ständiges Handicap - Einschränkung im Alltag)
    - Überspielen der eigenen Angst
    - Versuch, Kontrolle über pflegerische Handlung zu erhalten (Gefühl der Erniedrigung "ich kann noch nicht einmal alleine ins Bad gehen")

    Elfriede
    - fühlt sich durch Machosprüche in ihrer Rolle angegriffen (Berufsrolle und Geschlechtsrolle – Kommentar bezieht sich auf persönliche Ebene, nicht auf Berufsebene)
    - geht der Situation so lange aus dem Weg bis diese sich zuspitzt
    - ihre Reaktion ist dementsprechend heftig → Unterbrechung der Therapie

    Allgemein :
    - ungleiches Machtverhältnis zw. den Gesprächsteilnehmern
    - Folgen eines Therapieabbruches sind für Herrn D. folgeschwerer als für Elfriede

    Ich würde mich sehr über Eure Gedanken freuen! :nurse:
     
  2. Ami

    Ami Newbie

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    Hallo!
    Ich finde Dein Fallbeispiel gut! :klatschspring: Auch Deine Gedanken dazu. Ich war äußerst überrascht über das Ende der Geschichte!

    Zu Herrn D.:
    - Schuldgefühle bezüglich des unbehandelten Diabetes und der damit einhergehenden Folgen
    - Probleme mit der Abhängigkeit von der Pflege (Wut?)
    - zu Ängsten: "Versagensangst"- (Kernige, sportliche Typ)
    "Todesangst"- (Schlaganfall mit 45J.)
    - Compliance- Problematik
    - evtl. ertmaliger Kontakt/ Umgang mit Krankheit/ Defiziten/ Tod
    - Körperliches Defizit: Ausweg: Psychische Gewalt?

    Elfriede:
    - evtl. Unsicherheit (Alter?)
    - Professionalitätsdruck (versucht möglichst professionell zu agieren)

    Zum "Allgemeinen":
    - Hilflosigkeit beider
    - Probleme mit Nähe und Distanz während der körperlich nahen Arbeit

    Liebe Grüße!
     
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