ESBL-Screening von Personal

Dieses Thema im Forum "Hygiene im Krankenhaus / Infektionskrankheiten" wurde erstellt von Luna83, 23.03.2013.

  1. Luna83

    Luna83 Newbie

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    Hallo!!!

    Ich hab da mal eine Frage, die mich schon länger beschäftigt....
    Ich arbeite auf einer neonatologischen Intensivstation und wir hatten vor einiger Zeit den Fall, dass bei einem FG eine ESBL-Sepsis aufgetreten ist.
    Zu dieser Zeit gab es keine weiteren ESBL-Fälle auf Station.
    Eine Kollegin schlug vor das Personal auf ESBL zu screenen. Die Hygienefachkraft war von dieser Idee begeistert und stellte dem Personal frei sich screenen zu lassen. Unser Oberarzt hingegen meinte, dass wir das besser nicht tun sollten, da ein ESBL im Darm nicht zu sanieren sei und unsere Zeit auf Intensiv damit schnell beendet sein könnte.
    Der ESBL stammte übrigens nachweislich von der Mutter des Kindes.....
    Wie sieht das rechtlich aus? Darf der AG die Mitarbeiter im Falle eines Ausbruchs auf Station zu einem Screening "zwingen"?
    Ist ESBL im Darm wirklich nicht zu sanieren? Und was passiert, wenn Mitarbeiter ESBL-positiv sind?
     
  2. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Ohne dass ein Keim bekannt ist, kann dir hier niemand eine Aussage machen was eine "Sanierung" angeht.

    Was soll denn gescreened werden? Blut, Stuhl, Urin??
     
  3. Luna83

    Luna83 Newbie

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    Soweit ich weiß ging es um E. coli und es sollten Analabstriche abgegeben werden.....
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Nicht auf diesen Fall speziell bezogen: Worum geht es eigentlich? Um die Sicherheit des Pat.? Wenn ich den Gedanken weiter spinne, dann geht es eindeutig nicht darum.

    Ist es net günstiger, man weiß um die Risiken, die von einem ausgehen um selber entsprechend besonders darauf zu achten, dass man niemanden schädigt.

    Elisabeth
     
  5. Luna83

    Luna83 Newbie

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    Ich denke die Sicherheit des Patienten sollte selbstverständlich sein und ist bei der Einhaltung hygienischer Maßnahmen gegeben.
    Mir geht es in meiner Frage eher darum, ob der Arbeitgeber seine Mitarbeiter zu einem Screening auch gegen ihren Willen heranziehen kann und was passiert, wenn ein Mitarbeiter positiv getestet wird und es nicht möglich ist den Keim wieder loszuwerden.
     
  6. matras

    matras Bereichsmoderator
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    Ein E. coli mit ESBL-Eigenschaft ist meist eine endogene Übertragung oder wie in Deinem beschriebenen Fall von der Mutter auf das Kind. Da der E. coli im Darm beheimatet ist und der Darm davon nicht befreit werden kann, ist die Aussage Deines Oberarztes stimmig und das vorgeschlagene Screening unsinnig!
    Dazu kann die vom RKI vorgegebene Richtlinie zu den MRGN (so werden die ESBL seit ca einem halben Jahr zusammengefasst genannt) herangezogen werden: http://www.rki.de/DE/Content/Infekt...ds/Gramneg_Erreger.pdf?__blob=publicationFile
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Das Problem ist und bleibt doch immer die mangelnde Händhygiene. Das RKI geht davon aus, dass diese eingehalten wird. Dann erübrigt sich logischerweise ein Sreening weil die Ergebnisse unrelevant sind.

    Wie würden wohl die Angehörigen von an multiresistenten Keimen (unabhängig von ESBL) Verstorbenen denken, wenn sie lesen, dass ein Screening ausgeschlagen wird weil man um seine Position fürchtet.

    Ansonsten erinnert mich die Diskussion zum Sreening... Als MRSA vor über 20 Jahren aufkam meinte ein Chirugie-OA: Blödsinn mit dem Pat.-Screening. Kostet nur Geld und bringt nix. Heute sieht man das ein bisserl anders. Leider auch bisserl zu spät.

    Elisabeth
     
  8. Luna83

    Luna83 Newbie

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    @Elisabeth: Aber was wäre denn deiner Ansicht nach die Konsequenz bei einem positiven Screening von Mitarbeitern?
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wechsel mal die Perspektive... welche Konsequenz würdest du als Angehöriger/Pat. erwarten?

    Elisabeth
     
  10. Luna83

    Luna83 Newbie

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    Es geht ja nicht darum, was Patienten oder Angehörige erwarten, sondern darum, welche Regelungen es in so einem Fall gibt. Wird ein positiv gescreenter Mitarbeiter entlassen, versetzt oder was auch immer?
     
  11. Bluestar

    Bluestar Poweruser

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    Das müsste eigentlich eure Hygienefachkraft wissen bzw. im Hygieneplan eures Hauses stehen
     
  12. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Da die Händehygiene nach wie vor ein Stiefkind ist würde ich persönlich für eine Versetzung in einen Bereich plädiern, in denen es weniger immungeschwächte Pat. gibt als auf einer Intensivstation. Hier kann man denjenigen so einteilen, dass das Risiko weitestgehend minimiert wird.

    Und ja- es steht primär der Pat. im Mittelpunkt und nicht um die eigene Befindlichkeit wenn es um Hygieneproblem geht.

    Elisabeth
     
  13. SchrOEder

    SchrOEder Newbie

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    Ähm... wie wäre es alternativ mit einer konsequenteren Beachtung der Hygienerichtlinien? Händedesinfektion allem voran.
    Ein screening ist wohl wirklich eher unsinnig, da wie erwähnt nicht saniert werden kann und es eh nicht für alle verpflichtend wäre.
    Davon ausgehend, dass man Träger sein KÖNNTE, sind Schutzmaßnahmen doch das sinnvollste, oder? Und dann auch noch die Angehörigen darauf aufmerksam machen. Es sind ja nur bummelige 30 Sekunden Einwirkzeit.
     
  14. matras

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    Das Screnning macht nur Sinn bei einem Ausbruch - und man kann sich denken warum (in Verbindung mit der Sequenzierung) zur Detektion der Infektionskette! Spätestens dann dürfte jedem die Wichtigkeit der oben angeführten Händedesinfektion klar werden.....
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich wünsche niemandem, dass er erleben muss, wie ein Angehöriger an den Folgen des lockeren Umgangs mit Hygienerichtlinien zu leiden hat oder, noch schlimmer, verstirbt.

    Elisabeth
     
  16. Bachstelze

    Bachstelze Poweruser

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    Bei solchen Diskussionen stellt sich mir immer die Frage, ob das ärztliche Personal auch untersucht wird und ob dort auch die Konsequenz wäre, die Leute zu versetzen, in einen Bereich, in dem sie keinen Schaden anrichten.

    Ich hatte letztens eine Diskussion mit einem unserer Ärzte, die genau darum ging. Der vertrat ganz klar die Meinung, dass Ärzte sich nicht screenen lassen müssten, weil sie ja nirgendwo anders arbeiten könnten, ab dem Zeitpunkt, an dem sie sich schon für eine Fachrichtung entschieden hätten und auf den Facharzt hinarbeiten würden, von Ober- und Chefärzten ganz zu schweigen.
    Deren Ausbildung sei schliesslich auch teuer und sie könnten ja nirgendwo anders arbeiten....
     
  17. matras

    matras Bereichsmoderator
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    .... und sie müssen auch nicht versetzt werden! Aber die Hände sollen sie sich bitte (endlich) entsprechend den Anforderungen (5 Indikationen) desinfizieren!!!
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Muss man net erst mal bei sich selber anfangen als auf andere zu zeigen: die machen es ja auch net?

    Elisabeth
     
  19. Bachstelze

    Bachstelze Poweruser

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    Falls Du mich meinst, Elisabeth, ich zeige auf niemanden. Ich weise nur auf die unterschiedlichen Sichtweisen hin, die sich bei einer normalen Unterhaltung gezeigt haben. Da wurde eben, von ärztlicher Seite, gesagt, sie würden sich keinesfalls screenen lassen, da die Konsequenzen einer eventuell positven Testung nicht abzusehen seien.

    matras - Chefärzte sind doch von natur aus steril, oder nicht? :daumen:
     
  20. matras

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    Ja wie vermehren die sich dann???
     
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