Erworbene Hilflosigkeit

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Elisabeth Dinse, 03.10.2010.

  1. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Verfahren wir mit vielen Pat./Bew. net ähnlich? Sie würden sich z.B. selber waschen... in ihrem Tempo. Das ist Pflege oft zu langsam. Also helfen Pflegekräfte wohlwollend, übernehmen statt zu assistieren... und wundert sich, warum der Pat./Bew. immer abhängiger wird.

    Verfahren wir mit Azubis net ähnlich? Dem Azubi wird von Anfang an beigebracht: Grundpflege ist was besonderes. Waschen- das kann net jeder. Er wird so verunsichert, dass er sich net mehr traut seiner Intuition zu trauen.

    ...

    Erlernte Hilflosigkeit ? Wikipedia

    Elisabeth
     
  2. Mila

    Mila Gast

    Zum Teil stimmt das natürlich. Es dauert einfach zu lang bis die Leute sich selber gewaschen haben. Da wird oft unnötiges übernommen.
    Zum anderen erwarten die Leute diese Hilfestellung. In der amb.Pflege wissen sie genau was der Spaß kostet und wollen was für ihr Geld haben. Es wird ja nicht billiger wenn ich "nur " assistiere. Und das kriegst Du aus den Leuten nicht raus.
     
  3. Mairae

    Mairae Junior-Mitglied

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    Das mit der Körperpflege stimmt. Was aber einfach daran liegt, dass bei einer Teilwäsche weniger Zeit für die Pflege berechnet wird. Was aber total falsch ist, da eine Aktivierende Pflege einfach mehr Zeit benötigt.
    Gibt bei uns im Haus PQMS-Bögen die man verwendet wenn man Patienten zur Körperpflege anleitet. So wird dieser Patient in eine höhere Pflegestufe gebracht.
    Gibt es diese Bögen auch in anderen Häusern?

    Was man aber immer dabei bedenken muss ist, dass man vielleicht die ersten Tage länger dauert, der Patient später aber dafür nicht nur in der Körperpflege wieder selbstständiger wird. Dies bedeutet im Endergebniss eine Zeitersparnis für die Pflege.

    Schlimm finde ich, wenn wir Patienten bekommen, die zu Hause "verwöhnt" werden.
    Beim Aufnahmegespräch mit den Angehörigen wird eine riesige Liste erstellt was der Patient "nicht" kann. (bessere ist es immer was der Patient kann: schließlich Arbeiten wir mit den Ressourcen des Patienten)
    Pflegt man den Patienten dann ein paar Tage stellt man häufig fest, dass er sehr viel mehr selbstständig könnte und auch macht wenn man in dazu animiert. Nur ist es den Angehörigen häufig nicht recht, da zu Hause demnächst der MDK ansteht. (O-Ton Angehörige: Sie waschen meinen Papa, schließlich muss der MDK sehen das er wirklich Hilfe braucht).
    Das finde ich einfach nur schrecklich.
     
  4. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Moin, moin!

    Ich denke, eine wesentliche Ursache ist darin zu suchen, dass grosse Teile des Pflegepersonal eher Handlungsorientiert denken: Eine durchgeführte und abgehakte "Waschung" ist eben sichtbar, der Entscheidungsprozess, eine Situation erst zu analysieren und dann auf der Basis von überprüfbaren Punkten zu entscheiden, eine Handlung eben nicht vorzunehmen ist nicht so ohne weiteres sichtbar und wird von Kollegen auch mal gerne als Faulheit ausgelegt.
    Eine andere These: In Deutschland steht die Pflege immer noch in der Tradition der immer hilfsbereiten Ordensschwestern: helfen wollen, koste es was es wolle... In manchen Situationen ist es eben schwer zu akzeptieren, dass man nicht helfen kann, oder, dass die Hilfe darin besteht eben gerade nicht zu helfen.

    Gruss Hartwig
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Erinnert mich an: der Wert des Dienstes bemisst sich an der Zahl der voll pflegebedürftigen Pat.. Ich denke, hier war auch die PPR kontraproduktiv und die neue PKM-S wird diese Ansicht weiter manifestieren. Denn viele Punkte- viel Personal. Pflegebedarf wird anhand der ATLs ermittelt. Aus meiner Sicht wäre Orem günstiger. Pflegerisches Outcome ist nur relevant im Bereich Sturz und Dekubitus.

    Elisabeth
     
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