Erfahrungsberichte gesucht: Wie kompensiert Ihr Dinge die einem wirklich nahe gehen?

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von WildeSocke, 16.06.2007.

  1. WildeSocke

    WildeSocke Newbie

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    Hallo liebes Forum!

    Mich würde es ja mal interressieren wie Ihr mit Euren Erfahrungen umgeht. Wie kompensiert Ihr Dinge die einem wirklich nahe gehen.
    Ich selber habe 14 Monate auf einer ITS der Maximalversorgung hinter mir. Habe vielleicht nicht alles erlebt, aber einiges. Gewisse Dinge sind mir ziemlich nah gegangen.
     
  2. Mobitz

    Mobitz Poweruser

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    Hi!!!
    Ist die Frage, was man nahe an sich ranlässt.
    Ich versuche immer die Situationen mit einer professionellen Distanz zu betrachten und in aller Regel gelingt mir das auch (arbeite auch auf einer ICU in einem Haus der max. Versorgungsstufe).
    Sollte ich mit einer Situation mal Probleme bekommen, dann rede ich mit meinen Kollegen darüber. Wie sie das sehen, wie es ihnen damit geht, usw., usw.!
    Ansonsten hilft auch ein ausgeglichener Freizeitausgleich was. Wenn privat abschalten kann, dann kann man bei der Arbeit deutlich konzentrierter und professioneller arbeiten.
    So geht es zumindest mir. Es passiert mir nur noch sehr selten, dass ich Situationen oder Schicksale mit nach Hause nehme, ... dafür hab ich da zu viel andere Dinge zu tun. Manchmal reflektiere ich den Tag noch auf dem "Nach-Hause-Weg", ... aber zu Hause ist Schluss.
    Ich brauche das auch einfach. Wenn ich alles mit nach Hause nehmen würde, dann könnte ich meinen Beruf nicht so ausüben, wie ich es mache.
    Nun habe ich halt auch das Glück, in einem wirklich guten Team zu arbeiten, wo man schwierige Dinge zeitnah aufarbeiten kann.

    Welche Kompensationsmechanismen hast Du denn so?
    14 Monate hinter Dir, ... das klingt so, als wäre es nicht gut gewesen. Bist Du gewechselt? Hast Du große Probleme? Warst Du Dir der Grenzsituationen vor Deinem Wechsel auf ICU nicht bewusst?

    Freundliche, kollegiale Grüße,

    mobitz
     
  3. Katy

    Katy Senior-Mitglied

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    Hallo Wilde Socke,

    ich kann eigentlich bei Mobitz unterschreiben.
    Bei uns gibt es leider weder Psychologen noch Supervisionen.
    Also bespreche ich manchmal mit Kollegen die mir nahe stehen in Mini-Supervisionen, wie es uns mit dem Erlebten ergangen ist oder ergeht.

    Und Freizeitausgleich...Sport(!) finde ich auch ganz wichtig.
    Für mich persönlich ist es auch sehr wichtig, viele Freunde zu haben, die nichts mit dem Krankenhaus zu tun haben und mit denen ich ganz andere Themen habe.

    Vielleicht hilft es Dir ja auch, Dir alles von der Seele zu schreiben..Tagebuch-ähnlich?
    Wir haben übrigens gute Seelsorger, die auch immer ein offenes Ohr haben, wenn man das denn möchte.

    Erzähl doch mal von Deinen Erfahrungen!
    Alles Gute und viele Grüße, Katy
     
  4. WildeSocke

    WildeSocke Newbie

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    Hallo Ihr Beiden!

    Bis vor kurzem dachte ich eigentlich auch, dass ich professionell genug wäre um distanzvoll aber mit genügender Nähe zu arbeiten. Mich hat die Arbeit mir Ihren Schicksalen nicht wirklich nach Hause verfolgt. Doch vor ein paar Monaten zum Ende meiner Tätigkeit ist ein junger Mann gestorben. Und dieser geistert mir noch heute durch den Kopf. Das war sicherlich auch meine Intention gewesen in dieses Forum zu schreiben.
    Was meine nötige Distanz mittlerweile wieder angeht, weiss ich das ich auf meiner alten Linie wieder angekommen bin. Nur mir war es damals wirklich passiert das ich nach dem Tod des jungen Mannes weinend auf dem Flur stand und nicht wirklich wusste was ich jetzt machen sollte. So, wie ihr bschrieben habt, dass Ihr Euch untereinander austauscht sowas gab es auf der Station nicht.
    Zum Glück bin ich jetzt in einem Team gelandet was sich wirklich untereinander austauscht.



    Ich wünsch Euch allen einen entspannten Tag und ruhige Dienste....
     
  5. Aterie

    Aterie Newbie

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    Also ich muss ganz ehrlich sagen, ich hab auch schon heulend auf dem Flur gestanden. Ich denke das ist auch menschlich.:weissnix:
    Aber es ist eigentlich echt das wichtigste, dass man das TEAM im Rücken hat.
    Wir haben auch einen guten Pastor auf Station, der kommt regelmäßig 1x die Woche und bei Bedarf ist er immer erreichbar.
    Am besten sucht man sich in der FREIZEIT eine Kompensationsmöglichkeit.
    Ich hab mein Pferd mit dem ich über alles spreche und zum Frust abbauen spiel ich Fußball.
    So nun habt noch entspannte Dienste,
    K.:daumen:
     
  6. Katy

    Katy Senior-Mitglied

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    Akt. Einsatzbereich:
    Interdisziplinäre Intensivstation
    Hallo zusammen,

    ich meld mich nochmal zu Wort.
    Ich empfinde es sogar als unnatürlich, wenn Pflegekräfte/Ärzte e.t.c. keinerlei Emotionen zeigen bzw. zugeben können.Heulen tut auch gut;)

    Um Erlebnisse zu verarbeiten, muß man sich damit auseinandersetzen.
    Ich erzähle auch manchmal meiner Schwester (die nichts mit dem Gesundheitswesen zu tun hat) was mir so im Stationsalltag passiert und nahe geht..allein, daß sie zuhört und ich das Ganze nochmal aussprechen kann verarbeitet schon einiges.

    Ich trage auch ein paar Patienten mit mir rum, soll heißen, die werde ich nicht vergessen, weil es so tragisch war, weil wir die Familie und das Umfeld nach ner gewissen Zeit ziemlich gut kannten o.ä.
    Das akzeptiere ich aber, gehört zu unserem Beruf dazu und macht mir nicht täglich Kopfschmerzen.

    Ich hoffe, daß Du in deinem jetzigen Team ein paar Leute hast, mit denen Du gut auskommst und das Erlebte besprechen kannst.

    Alles Gute, Katy
     
  7. fahlbumi

    fahlbumi Junior-Mitglied

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    Fachkrankenpfleger
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    Intensivstation!
    Hallo!!
    also vieles wurde ja schon von meinen Kollegen zuvor beschrieben, ich kann nur sagen, das ich viel mit meiner Frau über dinge Spreche die mir nahe gehen, allerdings muß ich leider gestehn gibt es nicht mehr allzuviele dinge die mich mitlerweile schocken. Da ich auch durch frühere Einsätze im Rettungsdienst und bei der BW im Ausland vieles erlebt habe das weitaus schlimmer ist als das was auf der Intensiv bzw. in Schockräumen so abläuft

    tja klingt komisch, iss aber so ! ein Patient der lange bei uns gelegen hat hat mal zu mir im Nachtdienst gesagt,"weißte" der Mensch iss ein gewöhnungstier!!!! der Past sich an ganz ganz viele dinge einfach super an!! nuja man muß halt nur schauen, das man Mensch bleibt und das man Rückhalt hat egal wo, Familie, Kollegen , Freunde, in Vereinen egal wo aber es muß leute geben die einem auch eifachmal zu hören und das man seinen Seelischenmüll auch mal irgentwo anders abschütteln kann, denn wir in der Pflege die jeden tag mehrere Stunden am bett stehen bekommen alles viel viel Intensiver mit als ein Arzt der sich ab und zu mal Blicken läst!!!

    Manche Arbeiten muß man Dutzende Male verschieben, bevor man sie endgültig vergißt.:P
     
  8. MiChung

    MiChung Gast

    Hi,

    ... mir hilft es nach belastenden Situationen am Besten mit jemandem zu reden, der nicht involviert ist und dadurch mehr Abstand zur betreffenden Situation hat. Das kann ein Freund/ Angehöriger oder ein Kollege aus einem anderen Team sein. Wobei ich den Austausch innerhalb des Teams genauso wichtig finde....
    Wir haben zudem die Möglichkeit Supervisionen zu nutzen um belastende Ereignisse zu reflektieren.

    Wichtig finde ich auch, eine Möglichkeit zu haben generell Stress zu verarbeiten. Bei mir klappt das mit Laufen ganz gut, das macht den Kopf frei.

    Andere können eher mit Musik hören o.ä. "runterfahren" - muss wohl jeder für sich selbst heraus finden.

    Am allerwichtigsten finde ich aber, dass man seine eigenen Grenzen gut achtet (und deutlich macht!). Ich kann nur helfen, wenn ich selbst stabil bin. Die ein oder andere schreckliche Situation oder Geschichte nimmt wohl jeder ab und an mal "mit nach Hause" - wenn diese Situationen sich aber häufen, denke ich muss man reagieren und auch ggf. über einen Wechsel des Arbeitsbereichs nachdenken.
     
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