Entsetzliche Zustände, was tun?

Dieses Thema im Forum "Pflegestandards und Qualitätsmanagement" wurde erstellt von Tochter70, 17.05.2012.

  1. Tochter70

    Tochter70 Newbie

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    Hallo,
    eines vorweg, ich bin selbst in keinem Pflegeberuf tätig, habe aber ein Anliegen hier, was mir keine Ruhe lässt.
    Ich halte nichts von Bewertungsportalen und hatte meiner Mutter trotz negativer Bewertung einer neurologischen Klinik eine solche in meiner Nähe empfohlen.
    Den Namen möchte ich nicht nennen, bei meinem ersten Besuch heute, glaubte ich meinen Augen nicht!
    Patienten auf dem Zimmer, die NICHT in der Lage sind zu essen bekommen es einfach hingestellt und wenn sie nicht essen, wird alles wieder abgeholt. Eine alte Dame wahr verwirrt und wollte die Kaffemilch vom Frühstück samt Verpackung verschlingen. Meine Mutter hatte dann der Dame zum Frühstück ein Brot geschmiert und sie gefüttert. Die Schwestern dort nehmen das alles gar nicht war. Eine ältere Dame ist aus dem Bett gefallen, weil dort das Gitter "vergessen" wurde hochzumachen. Die Tochter war heute auch zu Besuch und meinte, sie hätte danach einen Schädelbruch und das Jochbein gebrochen, aber es mache keinen Sinn was zu unternehmen, da es eh keinen interessiert. Dann ist alles total verdreckt und den Patienten wird im FLUR das Blut abgenommen, wo Besucher sich tummeln. Meine Mutter meinte dann, das sei normal dort, weil sie das mehrmals täglich sieht. Ich hab das alles gar nicht glauben können als ich das in diesem Portal las und jetzt sehe ich es mit eigenen Augen und meine Mutter fühlt sich mittlerweile auch schlecht, weil sie Angst hat, dass ihr niemand hilft, wenn sie jetzt in Kürze ihre OP hat. Das liegt daran, dass wenn ein Patient auf die Schwesternklingel drückt, es durchaus sein kann, dass keiner kommt oder erst nach einer halben Stunde.

    Sorry, wenn ich etwas wirr schreibe, aber ich bin immer noch geschockt, war aber auch lange nicht mehr in einem KH. Meine Tochter macht gerade eine Ausbildung in der Altenpflege und sie war auch geschockt und meinte, in ihrem Altenheim würde es sowas nicht geben.

    Ist das mittlerweile die Folge des Pflegenotstandes? Ich möchte keinen hier angreifen, aber wenn ich das sehe, glaube ich fast, dass es überall so ist?
    Gruß
    Martina
     
  2. Chris8421

    Chris8421 Stammgast

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    Dass es überall Stationen gibt, auf denen mal was nicht rund läuft ist klar. In wie weit das von dir beschrieben zutrifft, kann ich nicht beurteilen, aber ich kann sagen, dass ich keine Station in keinem Haus kenne, in dem es so abläuft. Und das sind schon so einige.
    Und dass Beschweren nichts bringt, seh ich anders. In dem Haus in dem ich arbeite, werden Beschwerden sehr ernst genommen und wenn es nötig ist, wird schnell alles daran gesetzt etwas zu ändern. Schließlich sollen unsere Patienten möglichst schnell glücklich und gesund Entlassen werden.
    Wenn alles nichts bringt, gibt es auch ein zuständiges Gesundheitsamt, an das man sich wegen mangelnder hygienischen Zustände wenden kann.
    Bettgitter "vergessen" hoch zu machen geht nicht und kann auch bei so einem wie von dir beschriebenen Fall rechtliche Konsequenzen haben.
     
  3. Claudia B.

    Claudia B. Poweruser

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    Hallo,

    Ja, vom "produzierten" Pflegenotstand. Hier eine interessante Pflegestudie: http://www.dip.de/fileadmin/data/pdf/material/dip_Pflege-Thermometer_2009.pdf

    Noch nicht, Gott sei dank und die Notbremese sprüht schon länger funken. ANgreifen tust "Du" bestimmt nicht, ich weiss was Du wie meinst, verstehe Dich und richtig ist deine Sicht auch.

    Falsch, es kann sich nichts ändern wenn nicht darauf aufmerksam gemacht wird.
    Wir in der Pflege werden schon zu lange nicht gehört und das Personal was da ist, ist froh wenn es "halb"wegs seine Arbeit schafft (wie lange, ob das Personal krank wird ect. ist der Obrigkeit schnuppe, hauptsache die Einnahmen stimmen).

    Dafür gibt es Hygienevorschriften, auch das würde ich bemängeln.

    Eindeutig Pflegepersonalmangel, bitte, bitte, bitte auch da einen Brief an dei Pflegedienstleitung (PDL) UND an den ärztlichen Direktor UND an die geschäftliche Leitung.

    Viele Patienten wollen sich wegen der vorhandenem Pflegepersonal nicht beschweren, weil sie UNS Pflegepersonal keinen Ärger machen wollen, aber gerade wir sind noch machtloser wie unsere Patienten (und schleppen so manche ungemachte Arbeit gedanklich mit in unser Privatleben).

    Unbedingt VOR OP mit der Stationsleitung und, oder mit der Pflegedienstleitungdem und dem zuständigen Stationsarzt und, oder Oberarzt und, oder Chefarzt besprechen. Notfalls Krankenhauswechsel und die OP da dürchführen lassen.

    LG
    Claudia B.
     
  4. Tochter70

    Tochter70 Newbie

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    Hallo
    wenn es wirklich woanders besser ist, denke ich über eine Verlegung nach. Die Klinik ist wirklich ein Riesentrakt, wo es für jede Abteilung ein eigenes, großes Haus gibt (Stadtklinik). Ich weß auch, dass die Krankenpflegerinnen dort ihre Frühstückspause nacharbeiten müssen (das ist in allen Abteilungen so). Denen mache ich auch keinen Vorwurf. Die Ärzte an sich dort haben einen guten Ruf und es gibt kaum Menschen, die sich über die Behandlung an sich beschweren. Das war auch der Grund und ich dachte, wenn die ärzte gut sind, wird auch die Pflege funktionieren. Die Pflegerinnen und Pfleger sind auch alle freundlich und zuvorkommend, nur wenn ich mir vorstelle, dass meine Mutter operiert wird und wenn sie dringend jemanden braucht keiner kommt oder nicht rechtzeitig. Das macht mir schon Angst.

    Lesen denn die Kliniken ihre BEwertungen nicht ? Es gibt da ein Bewertungsportal für Kliniken und was da steht, müssen die doch auch lesen? Wenn über Jahre diese Zustände dortbeschrieben werden? Ich habs ja nicht glauben wollen, erst als ich es sah, war mir klar, dass die anderen Erfahrungen der Wahrheit entsprechen.

    ich hab immer noch zweifel, ob es was bringt mit der Beschwerde, da meiner Mutter bisher ja persönlich nichts schlimmes passiert ist. Eigentlich wäre das ja Sache der anderen Angehörigen aber die sagten uns nur, es bringt sowieso nichts...
    Gruß
    Martina
     
  5. Vicodiin

    Vicodiin Poweruser

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    klingt jetz abgedroschen, aber: einen versuch ists wert!
    schlimmer wirds dadurch ja kaum werden, aber vlt könnte man sich ja doch mit ein paar anderen noch zusammenschliessen und sich beschweren. wie die andren schon geschrieben haben: wenn sich keiner beschwert gehen sie davon aus, dass es alles schon so seine richtigkeit haben wird (viele dinge kriegt die leitung vom büro aus ja gar nicht mit...)
     
  6. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Bewertungen im Internet sind anonym. Solchen Dingen wird deshalb selten nachgegangen. Du hörst ja immer nur die Version der Schreiber dort, meist aber ohne Namen, Datum, Stationsbezeichnung - wie willst Du den Wahrheitsgehalt überprüfen? Und wie willst Du sicherstellen, dass jede Beschwerde berechtigt ist, und sich nicht jemand darüber aufregt, dass sein Tee zehn Minuten zu spät kam, weil gerade jemand gestürzt ist und dies Vorrang hatte? Nur so als Beispiel.
    Fast jedes Krankenhaus verfügt heute über ein Beschwerdemanagement. Das ist Dein Ansprechpartner.
     
  7. Claudia B.

    Claudia B. Poweruser

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    Hallo,

    Doch und es wird auch "anonym" gegengeschrieben. Personal gibt sich als Pat. aus und schreibt positives.
    Genau mit dieser Denkweise wird "nichts" verändert und der Pflegenotstand weiter ignoriert.
    Genau, nur das ist mit Arbeit für die Angehörigen verbunden (neben der Sorge UM ihre Angehörigen).
    Deshalb funktioniert dieses System ja auch so lange, soooo gut.

    LG
    Claudia B.
     
  8. opjutti

    opjutti Poweruser

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    Zu sagen: "Die Beschwerden bringen eh´nix", "die Ärzte haben einen guten Ruf" und "die Pflegenden sind alle nett und freundlich" hilft in solchen Fällen nicht viel. Damit werden Misstände nur unter den nicht vorhandenen Teppich gekehrt.

    Wenn die Missstände so groß sind, halte ich es schon für angebracht, diese in schriftlicher Form an die entsprechenden Stellen zu senden, damit wird auch uns Pflegenden sehr geholfen.
    Auf schriftliche Beschwerden sollte eine Geschäftsführung und die PDL schon reagieren.

    Ich würde aber zusätzlich das Gesundheitsamt (wg. der Hygienemängel) und die Gewerbeaufsicht (gefährliche Pflege, Sicherheitsmängel) schriftlich über diese Zustände in Kenntnis setzen. Diese Stellen sind verpflichtet den Beschwerden nachzugehen.
    Und wenn das Gesundheitsamt und die Gewerbeaufsicht vor der Tür stehen und diese Mängel feststellen, ist die GF verpflichtet die Mängel in einem bestimmten Zeitraum abzustellen. Es gibt Nachkontrollen. Und ein Gesundheitsamt und ein Gewerbeaufsichtsamt lassen sich nicht veräppeln. U.U. werden dann sogar bestimmte Bereiche der Klinik dicht gemacht und das kostet das Haus viel Geld.

    Gute Ärzte allein machen kein Haus aus, sie sind nur ein Rädchen im Getriebe. Deine Mutter wird zwar gut operiert, aber du weisst nicht, wie der OP aussieht, wenn ausserhalb schon alles verdreckt ist, wie du schreibst.
    Was nützt es, wenn sie op-technisch gut versorgt wird, aber das dafür gebrauchte Material oder Personal (Ärzte können sich gut verkaufen und suggerieren, dass sie die "Besten" sind) insuffizient ist.
    Deine Zweifel und Ängste der postoperativen Pflege sind auch nicht von der Hand zu weisen. Oft sind ältere Menschen nach Op´s sehr verwirrt und haben ein sog. Durchgangssyndrom, welches sehr viel Zuwendungund damit Zeit braucht, die die Pflegenden dort nicht leisten können. Wenn dann niemand da ist, der sich kümmert, kann es zu schweren KOmplikationen kommen.

    Mein Tipp: Wenn die OP deiner Mutter sich noch schieben lässt, such dir ein anderes Haus, schau dich dort um, sprich mit den Patienten. Du weisst ja nun, worauf du achten sollst.

    Meine dringliche Bitte: Schreibe die Beschwerde!!

    Alles Gute für dich und deine Mutter

    opjutti
     
  9. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Nicht von einem auf alle schließen...!
     
  10. Claudia B.

    Claudia B. Poweruser

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    Ich unterstelle mal, dass das klar ist, sicher gibt es die korrekten Bewertungen. Wir wissen nur alle wie Statistiken GEschön werden können ect.
     
  11. Tochter70

    Tochter70 Newbie

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    Hallo
    das Problem mit dem "Was geht es mich an" hatte ich heute. Die eine Bettnachbarin wurde in der Nacht angeschnallt, weil sie wieder ausgebüchst ist. Die Angehörigen waren dann da, sagte meine Mutter, und haben einen Aufstand gemacht, warum man sie festschnallt und es gebe auch Bettgitter. Heute als ich da war, lag sie dann im Bett. Da steht sie auf einmal auf und quält sich über das Bettgitter, hing halb draußen uns wäre wohl auch rüber gekommen. Hab dann die Klingel gedrückt und in weniger als 10 Sekunden war ein Pfleger da, weil er gerade draußen vor der Tür stand. Gut, das ist Neurochirurgie, was wollen die tun, ständig jemanden da haben der nach den flüchtigen Patienten schaut. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich mich nicht für andere Patienten bei der PDL beschweren kann, dass müssen deren Angehörige tun . Meine Mutter ist halt eine Frau mit Helfersyndrom und die geht wirklich durch den Flur und fragt jeden wie es geht, dass sogar die Pfleger sagen, sie dürfe auch gerne für SICH klingeln und nicht nur für andere, wenn sie was braucht.

    Sie wurde ja dorthin verlegt auf meinen Wunsch, weil im anderen KH war es auch schlimm. Sie hat einen Bandscheibenvorfall und die dort hatten sie nach 2 Wochen entlassen mit Termin zum MRT in 1 Monat. Trotz Schmerzen! Sie bräuchten erst ein MRT und dann würden sie ihr einen kleinen Eingriff machen. Ich hatte gerade noch so die Verlegung organisiert, bevor die Entlassung durch war. Wohlgemerkt, dass war ein kleines Feld-Wald WiesenKH , wo die Othopäden neurochirurgische Eingriffe machen, weil es keine Neurologen gibt. Hier meinte dann der Neurochirurg, dass es kein MRT braucht und das CT reicht und er hat dieselbe Diagnose gestellt und auch die OP empfohlen. Der Vorfall ist schon Monate her und meine Mutter hält die Schmerzen kaum noch aus. Weder Schmerzkatheter, noch Spritzen oder Physiotherapie half.
    Ein anderes KH mit Neurologie gibt es hier nicht, nur niedergelassene Neurologen, die möglicherweise auch operieren mit Wartezeiten. Die genau wollte sie aber nicht mehr und hier kann sie sofort operiert werden.

    Dann sehe ich diese Zustände und denke mir, wenn alles dort diesen Standard hat.....der Arzt jedenfalls meinte, die OP sei Routine und danach wären die Schmerzen sicher weg....Was weg ist, glaube ich, sind die Ärzte, denn die nehmen das wohl gar nicht wahr.

    LG Martina
     
  12. opjutti

    opjutti Poweruser

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    Orthopäde ist nicht gleich Orthopäde.

    Die Orthopädie ist ein großes Gebiet und schließt auch die Wirbelsäulenchirugie mit ein. Unsere Orthopäden mit Neurochirurgieerfahrung operieren bei uns alles an der WS. Neurologen haben wir keine, weil wir nicht am Schädel operieren.
    Weisst du, ob die anderen Ärzte tatsächlich "nur" Orthopäden sind, oder sind welche dabei, die neurochirurgische Erfahrung haben.

    Wir sind auch ein sog. "Feld- und Wiesenkrankenhaus am Rande der Stadt". Unsere fachliche Qualifikation liegt einzig und allein auf der Orthopädie mit u. a. Wirbelsäulenchirurgie.
    Aber selbst bei uns brauchen unsere erfahrenen WS-Chirurgen ein MRT, zur Beurteilung der Größe des BS und in welchem Bereich der WS der BSV sich befindet. Allerdings hätte deine Mutter bei uns während ihres 2-wöchigen stationären Aufenthaltes das MRT bekommen.

    Dann wünsche ich deiner Mutter und dir alles Gute für die OP und ein gutes Gelingen.

    LG opjutti
     
  13. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
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    Merkste was? Die entsetzlichen Zustände haben einen fachlichen Grund. Bettgitter ohne Gurte sind gefährlicher als solche Patienten ohne Bettgitter - dann fällst Du nämlich nicht ganz so tief.

    Eine 1:1-Betreuung ist bei unserem Personalschlüssel unmöglich. Gurte sollen vor Eigengefährdung bewahren. Aber es ist ja so leicht, sich über das Personal aufzuregen, und so praktisch, einen Sündenbock zu haben.
     
  14. bisauf

    bisauf Gast


    Naja, ich hoffe es gibt einen richterlichen Beschluss fuer die "Fixierung"!
     
  15. -Claudia-

    -Claudia- Board-Moderation
    Mitarbeiter

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    Du weißt doch genauso gut wie ich, dass eine ärztliche Anordnung in den ersten 24 Stunden vollkommen ausreicht, schon weil Du in der Nacht deswegen keinen Amtsrichter aus dem Bett holen kannst und sollst. Den richterlichen Beschluss brauchst Du bei einer dauerhaften Fixierung, nicht im akuten Fall.

    Was erwarten die Menschen in diesem Land eigentlich? Eine Pflegekraft wacht in der Nacht über 25 bis 30 Patienten oder mehr, und schon das ist zu teuer. Wie soll unter diesen Umständen eine Betreuung gewährleistet werden, ohne dass unruhige Patienten fixiert werden, oder ohne dass ein Patient auch mal ein paar Minuten warten muss, wenn er klingelt?

    Wenn jemand fixiert wird, ist es verkehrt, wenn jemand nicht fixiert wird und stürzt, sind wir auch die bösen. Wie bitte sollen wir es denn richtig machen? Ist einer von den Angehörigen bereit, die Nacht am Patientenbett zu verbringen?
     
  16. bisauf

    bisauf Gast

    Naja, schon richtig. Wenn das Fixierungsprotokoll richtig ausgefuellt ist und die schriftliche Anordnung in der Akte ist, reicht nach jetziger Rechtslage im Akutfall aus, wenn alle 15 Minuten jemand nach dem fixierten Patienten schaut. Ich kann mich noch gut erinnern, aus meiner deutschen Zeit, dass dann aber stets ein Fax an das Amtsgericht gegangen ist und am nachsten Tag die Richterin vorbeischaute. Was ich toll fand!

    Es ist sicher klar, das nicht alles moeglich ist, wenn man die Situation in den Kliniken so betrachtet und manches scheint von aussen etwas anders zu sein.
    zur Erklaerung eignet sich natuerlich die Personalsituation.
    Ich hoere gerade andauernd sonderbare Geschichten aus den deutschen Kliniken. Es scheint in den letzten Jahren nicht besser geworden zu sein.
    Da ich aber in der letzten oft eine gewisse Gleichgueltigkeit in Richtung "Was erwarten die Patienten eigentlich!" (der Patient als Feind!) hoere, scheint sich die Energien, die sich eigentlich im Kampf gegen die schlechten Arbeitsbedingungen aufreiben sollten, gegen das schwaechste Glied- den Kranken- zu richten. Ich hoffe, ich irre mich da!
     
  17. Kalimera

    Kalimera Poweruser

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    Jetzt solltest Du mal über Deine Schlussfolgerung nachdenken. Ich empfinde es als ziemliche Frechheit auch nur anzunehmen, dass die Pflege ihre Energien GEGEN den Patienten richtet weil er das schwächste Glied ist.
    Die Pflegekräfte müssen während jeder Schicht laufend Prioritäten setzen was sie zuerst machen, und manchmal eben auch welche Klingel sie zuerst bedienen, nach welchem Patienten sie zuerst schauen...ect. Das ist erstens eine enorm hohe Verantwortung und zweitens sind das Entscheidungen, die auch mal falsch sein können, was aber erst hinterher festgestellt werden kann.
    Ich bin überzeugt, dass viele Pflegekräfte Überlastungsanzeigen schreiben. Ich weiß, dass manche Verantwortung abgelehnt wird von der Pflege, insbondere nachts, wenn der Arzt mal locker beschließt stdl. Überwachungen anzuordnen, die auf manchen Stationen nicht zu leisten sind.
    Die Pflege reibt sich oft genug bei der tgl. Arbeit auf, ich kenne niemand, der sich aufreibt um dem Patienten zu schaden.

    Patienten und/oder Angehörige können uns sehr wohl helfen mit Beschwerden, allerdings nicht im Tenor "die Pflege hat dies und jenes vergessen, ich musste zu lange warten...ect.", sondern damit, dass sie auch schreiben, dass sie sehr wohl bemerkt haben, dass die arbeitenden PP am Rande ihres Limits arbeiten oder ähnliches.
    Wenn Beschwerden geschrieben werden wo nur die Fehler und dergleichen aufgeschrieben werden muss ich mich für alles rechtfertigen, auch schriftlich. Das hilft mir kein bisschen.
    Ich rechtfertige mich manchmal tagtgl., dass ich Patienten einschiebe, die dann keinen Schrank für ihre Kleider haben, das Zimmer dadurch berechtigterweise als für zu eng empfinden. Ich versuche diese Patienten zu beruhigen, zu erklären und empfehle ihnen diesen Umstand an die entsprechenden Stellen zu richten, aber die wenigsten tun es. Dieses Erklären aber frisst enorm viel meiner Zeit, die anderen Patienten abgeht.....usw.....

    Ich will nichts alles rechtfertigen sicher passieren auch Dinge, die die Pflege zu verantworten hat, aber Dein Satz, bisauf, macht mich wirklich wütend und deshalb kann ich ihn so nicht unkommentiert stehen lassen.
     
  18. bisauf

    bisauf Gast

    Das Große revolutionaere Potential der Pflegekraefte in Deutschland ist mir vor Jahren in der Praxis vorgeführt worden. Da war ich nämlich zunaechst der e i n z i g e Streikende der Intensivstation eines sehr grossen Klinikums in Deutschland. Man musste den Pflegekraeften erst mal beibringen, das ein Grundgesetz auch für Krankenschwestern gilt. Oberpeinlich!
    Was ich nicht verstehe ist, dass es Pflegestationen gibt ,auf denen schlimme Zustaende herrschen. Aber niemand will Verantwortung dafuer uebernehmen. Wenn dann was passiert war es der Zeitmangel. Die Pflegekraefte arbeiten danach genau so weiter wie bisher. Bis zum nächsten Mal. Dann schlaegt wieder der Zeitmangel zu. Niemand ist es gewesen. Dann wird eine Ueberlastungsnzeigen geschrieben. Die verschwindet dann irgendwie, naja. Dann passiert wieder was. Jemand schreibt eine Beschwerde und so weiter.

    Eigentlich waere es dann doch die Pflicht der Pflegekraefte diesen unzumutbaren Arbeitsplatz zu verlassen und sich was Besseres zu suchen. Das wäre gut für die eigenen Gesundheit und würde auch den Patienten nutzen. Dann kommt aber die Bemerkung: „Woanders ist es genauso!“ Basta. Und so halten Pflegekraefte auf diesen Stationen genau die Bedingungen aufrecht, die doch ausschliesslich den Budget des Krankenhauses nutzen.
    Ich finde es irgendwie komisch, dass so manche Pflegekraft lieber schlechte Arbeit abliefert weil es eben nicht anders geht und sich und andere kaputt macht, als sich aufzumachen und sich was Besseres zu suchen. Das ist aber vielleicht ein anderer Thread.
     
  19. Claudia B.

    Claudia B. Poweruser

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    Das tuen viele auch und nicht um sonst gehen einige komplett aus den Beruf.

    MOooment! Das finde ich nicht korrekt: "schlechte Arbeit". Sie tuen was sie können in ihrer Situation.
    Wegen Personalmangel hat noch "nie" ein Haus zugemacht.

    In Afrika hungern Menschen, wir helfen, es ist trotz allen Bemühungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sollen jetzt alle Helfer (usw.) abziehen zum Beispiel nach Indien (oder wo auch immer)?

    LG
    Claudia B.
     
  20. monaluna

    monaluna Poweruser

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    Krankenschwester RN
    Bisauf, du arbeitest im Norden, richtig? Ich glaube das wenn man in einem Land arbeitet, wo man als Krankenschwester mehr Power hat aber auch gleich gehängt wird wenn was schief läuft, sieht man es ganz anders wie wenn man in Deutschland arbeitet. Ich merke das jeden Tag, wie sich meine Sichtweise auf bestimmte Dinge ändert.

    Es ist aber etwas viel verlangt, zu verlangen das sie alles ändern. Nicht jeder kann auswandern, nicht jeder kann einfach seinen Arbeitsplatz wechseln.... ja viele Krankenschwestern arbeiten jeden Tag am Ende ihrer Belastungsgrenzen und würden am liebsten aufhören, aber nicht jede kann es... also schafft man sich ein dickeres Fell an und natürlich muss man sich Sachen schön oder gerecht reden... Ist nicht meine Schuld, sind die Rahmenbedingungen... Wie sollen sie sonst überleben???

    Ich habe hier ja ganz andere Möglichkeiten, ich mache einfach nicht mehr wie meinen einen oder im schlimmsten Fall zweiten Pat. ..... Danach werden Leute aus dem Frei geholt. Die Kliniken tragen das mit, weil Studien haben gezeigt, das Personalmangel schlechte Pflege ergibt=Sicherheitsrisiko. Jede im Krankenhaus erworbende Infektion oder Verletzung wird von den Kassen nicht bezahlt! Da ist die Geschäftsleitung schon ganz anders hinter her, als wie in Deutschland.

    Als Angehörige muss man immer auf die Barrikaden gehen, damit sich was ändert. Denn das Personal wird leider nicht gehört.
     
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