Entlassungsgespräch in der Akutpsychiatrie!

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Alexrocks, 13.08.2009.

  1. Alexrocks

    Alexrocks Newbie

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    Ich brauch dringend mal kreative Einfälle!
    Ich muss mit einer Patientin ein Entlassungsgespräch führen. Diese hat eine "Duftstoffallergie", d.h. sie verträgt absolut keine Düfte, natürlich alles krankheitsbedingt. Sie lebt alleine und kann auch nicht zuhause putzen, da ja alles nach irgendwas duftet. Selbst ihr Hobbys, die sie früher mal hatte (Stricken, Basteln) kann sie nicht mehr ausführen, da alles "stinkt". Jetzt stellt sich mir die Frage, was für Vorschläge ich ihr zur Beschäftigung machen könnte...
    Ich habe schon dran gedacht, dass sie mal ausprobieren sollte, sich wieder Wolle zu kaufen und diese mit einem neutralen Waschmittel waschen sollte, sodass der "Duft" draußen ist. Sie lebt wirklich sehr isoliert und möchte gar keinen Besuch (Parfum) oder rausgehen, da sie sehr starke Ängste vor den Gerüchen hat. Ihre Bastelei geht auch nicht, da das Plastik auch stinkt...eigentlich stinkt alles... Von A bis Z :gruebel:

    Wär super, wenn ihr vielleicht ein paar Einfälle habt, die Situation ist schon sehr verzwickt, wenn man mal bedenkt, das eigentlich ALLES einen Geruch hat...
    Sie ist schon sehr lange in Behandlung und ich denke, dass sie diese Wahnvorstellung nicht mehr losbekommt...

    Thx Alexrocks
     
  2. Josefine13

    Josefine13 Stammgast

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    Hallo,
    mag sie denn Filme?
    Musik, kann sie doch auch anhören?
    Das ist irgendwie sehr schwer, hat sie denn überhaupt ein paar Freunde oder Familie?
     
  3. Marlena

    Marlena Junior-Mitglied

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    Bei mir kommen da erst mal jede Menge Fragen auf:

    1. Wie ist sie bei euch auf Station klargekommen? Hat sie an Therapien teilgenommen?
    2. Wieso wird sie in offensichtlich dem gleichen Zustand entlassen, in dem sie gekommen ist? Oder wurde sie wegen einem anderen Krankheitsbild bei euch behandelt?
    3. Soll sie ambulant weiterbehandelt werden? (Verhaltenstherapie, Psychotherapie)
    4. Welche Medikamente wurden ausprobiert?
    5. Leidet sie unter einem Wahn im Rahmen einer Schizophrenie oder ist es eher eine Zwangs- oder Angststörung?
    6. Wie ist ihre Reaktion auf Gerüche? Gibt es Gerüche, die ihr weniger ausmachen und welche, auf die sie besonders stark reagiert?

    Ich fürchte, ich könnte ewig so weiter fragen, denn so wie du die Situation schilderst, hätte ich mit einem Entlassungsgespräch auch Schwierigkeiten. Sind eure Ärzte denn der Meinung, sie sei austherapiert? Für mich hört sie sich halt arg behandlungsbedürftig an.

    Marlena
     
  4. IchIchIch

    IchIchIch Junior-Mitglied

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    Hallo Alexrocks,
    vielleicht ist das ein blöder Vorschlag, aber beim Lesen fiel mir spontan eine Nasenklemme ein. Zumindest könnte sie auf die Art und Weise zu Hause weiterhin ihren Hobbies nachgehen. Besser als sich nicht zu beschäftigen, denn im Grunde hat alles einen Geruch, selbst ein Buch.
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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  6. angie85

    angie85 Stammgast

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    das würde mich auch interessieren.
    wusste gar nicht dass es sowas überhaupt gibt.. :gruebel:

    wie erträgt diese patientin denn das alltägliche leben? was macht sie, wenn sie etwas isst? oder wenn sie zur toilette geht?

    hat diese allergie denn organische gründe? oder ist das psychisch?

    lg angie
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Kommt offensichtlich auf die Sichtweise an: CSN - Chemical Sensitivity Network

    Elisabeth
     
  8. Alexrocks

    Alexrocks Newbie

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    Also, das ist tatsächlich ein realer Fall!
    Die Pat hat keine einzige Freundin oder so, will sie auch nicht, sie sagt selber das sie sich damit abfindet und das es nicht so schlimm ist. Klar sie guckt Fernsehen und hört Radio; aber tagaus-tagein sich nur mit einem Fernseher beschäftigen???
    Mit "eigenen" Gerüchen, also "Toilettenduft" oder so hat sie keine Probleme, es sind dafür alle anderen Sachen.
    Ich hab ihr schon vorgeschlagen, sich wenigstens telefonisch mit Psychiater oder sozial-psychiatrischen Vereinen in Verbindung zu setzen, aber sie hat schon Psychotherapien hinter sich und sagt, dass ihr das reden nix bring. Wörtlich:
    "Da erzählt man sein halbes Leben einem Fremden und wenn man zuhause ist, gehts einem noch eine halbe Stunde gut, aber die Probleme sind deshalb noch lange nicht gelöst!"
    - Irgendwie hat sie ja auch recht damit...-
    Ich glaube kaum, dass eine Nasenklemme helfen würde, da die Dinge die so riechen ja trotzdem noch in der Wohnung sind, auch wenn sie sich grade nicht mit beschäftigt.
    Eine wirklich verzwickte Sache...
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hast du die Links angeschaut?

    Elisabeth
     
  10. Alexrocks

    Alexrocks Newbie

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    Ja hab ich, ist aber auch nicht so das richtige.
    Trotzdem Danke!

    Das PP auf Station sagt halt, das man sich damit abfinden muss, dass man nicht allen Pat umfangreich helfen kann, wie das bei einem gebrochenen Bein der Fall ist... Sie lehnt ja schließlich alle Vorschläge ab. Trotzdem ist es für mich ein blödes Gefühl eine Patientin zu entlassen, mit dem Wissen, dass es nicht mehr lange dauert bis sie wieder vor der Tür steht. Das ist leider das Drehtürphänomen in der Psychiatrie!!!
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich denke, deine Kollegen haben recht. Es gibt Pat. die zeigen uns unsere Grenzen auf. Nicht jeder Mensch kann und will unsere Hilfe. Das ist das Leben.

    Dieser Frau hilfst du wahrscheinlich am ehesten, wenn du sie ernst nimmst und ihre Entscheidung, jetzt nach hause zu gehen ohne sichtbaren Therapieerfolg, mitträgst. Manchmal ist weniger mehr.

    Elisabeth
     
  12. Alexrocks

    Alexrocks Newbie

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    Ja wahrscheinlich. Trotzdem ist das ein sehr seltsames Gefühl ein Patient so "alleine" zu lassen. Aber wenn sie damit glücklich ist, dann muss das wohl so sein...:gruebel:
     
  13. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Der Mensch ist nichts anderes als sein Entwurf;
    er existiert nur in dem Maße, als er sich entfaltet.

    Jean Paul Sartre
     
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