Entgiftungsstation

Giana

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Hallo.

Ich bin jetzt 9 Wochen in der Psychiatrie eingesetzt (Entgiftung von illegalen Drogen), und ich muss sagen, dass mir das super gefällt, den Kontakt mit den Menschen, sich mit denen zu beschäftigen oder auch einfach nur reden...
Wollte mal fragen, wer so darin Erfahrungen hat... da ich erst seit ein paar Tagen auf dieser Station bin, kann ich nicht viel sagen, nur das ich positive Eindrücke habe... wie geht ihr mit Nähe/Distanz um?
 

Polamidon

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Hallo Giana,

ich arbeite selbst sehr gerne auf einer Entzugs- u. Motivationsstation auf der wir auch Patienten haben, die von illegalen Drogen entgiften. Nähe- u. Disztanz... Schwieriges Thema... Z. Zt. wird ein Patienten bei uns behandelt, den ich aus meiner Schul- u. Jugendzeit her sehr gut kenne. Meinen Schock kannst Du dir bestimmt gut vorstellen. "Woher kenne ich dieses Gesicht...", so gestaltete sich mein Spätdienst. Als es mir dann klar wurde, bin ich auf ihn zu gegangen und habe ihn darauf angesprochen. Für uns war die Situaton natürlich alles andere als gewöhnlich, ich Laufe des Gespräches konnten wir jedoch klar kriegen, wie unsere "Rollen" verteilt sind. Eine Verlegung auf die andere Suchtstation gestaltete sich auch schwierig. Was in solch einem Fall ganz wichtig ist: Diese Beziehung offen machen, und zwar alles. So schützt man vor allem sich selbst. Den Patienten, damit er in der Patientengemeinschaft nicht in den Verdacht gerät, er hätte unter dem Pflegepersonal einen heimlichen "Verbündeten", und das gesamte Team, wenn es um Entscheidungen bezüglich der weiteren Verfahrensweise geht.

Du oder Sie?

Grundsätzlich SIE. Abgesehen von dem o.g. speziellen Fall fühlt man sich vielleicht schon mal schnell dazu verleitet, DU zu sagen: Man ist vielleicht in dem gleichen Alter wie der Patient, eventuell hat man sogar ähnliche Erfahrungen wie er gemacht. Darf ich Dir einen Tipp geben? Sprich auf jeden Fall über sich gestaltende Beziehungsgeflechte, klare Grenzen setzen, das gesamte Team mit einbeziehen. Es ist auch ein Ressentiment, aber aus meiner Erfahrung heraus neigen gerade Drogenpatieten dazu, allzu große Nähe für sich auszunutzen wenn es darum geht, Vorteile für sich zu nutzen.

Um auf o.g. Freund zurück zu kommen und wenn ich hier jetzt hier Prügel beziehe: Im Zweierkontakt duzen wir uns und sprechen uns mit dem Vornamen an. Es wäre schizophren, auf diese Formalität des Siezens in diesem Fall zu bestehen. Auch das ist im Team bekannt und wird akzeptiert.

Mach auf jeden Fall Deine eigenen Erfahrungen.

Liebe Grüße
 
B

Brady

Gast
Hallo Polamidon,

es ist sehr schwierig die Grenzen zu halten, wenn man den Patienten aus seinem eigenem persönlichen Umfeld kennt. Noch schwieriger ist es von der Patientenseite zu verstehen, nicht bewusste Erwartungen, Wünsche oder auch sich in einer anderen Rolle sehen....dann läuft es trotz vorheriger ausführlichen Aussprache doch in die falsche Richtung.

Wir haben letztens eine Patientin auch versucht auf eine andere Station zu verlegen, was aber nicht möglich war. Da es jedoch nicht so akut war, wurde sie von uns an eine andere Klinik verwiesen. Die Patientin war nicht sehr erfreut darüber.

Liebe Grüße Brady
 

Fritzi

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Hallo Giana,
Ich liebe die Arbeit auf psychiatrischen Stationen und besonders der Entgiftung. Da du aus Bad Oldesloe kommst,wollte ich mal fragen in welcher Klinik du dort arbeitest,da ich wieder auf einer derartigen Station arbeiten möchte.?. Freue mich auf Antwort von dir... Gruß Fritzi :lol:
 

Giana

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Also bei uns da auf Station ist das so, das wir uns da alle Dutzen auch die Patienten...ich finde das eigentlich sehr gut, weil ich selber noch recht jung bin...und ich finde, man hat auch ganz anderen Bezug zu den Menschen....ist schon schwierig, wenn man einen Pat. hat mit den man sich gut versteht, und sich gut unterhalten kann...da ist es schon schwierig mit nähe und Distanz...Finde ich persönlich...
 

eunerpan

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Hallo!!!


Und das "Du" erleichtert dir das Halten der fachlichen Distanz??????

:gruebel:

P.S: Ich kann mich auch trotz "Sie" mit Pat. gut verstehen und unterhalten ....


Lieben Gruss
 
B

Brady

Gast
Also bei uns da auf Station ist das so, das wir uns da alle Dutzen auch die Patienten...ich finde das eigentlich sehr gut, weil ich selber noch recht jung bin...und ich finde, man hat auch ganz anderen Bezug zu den Menschen....ist schon schwierig, wenn man einen Pat. hat mit den man sich gut versteht, und sich gut unterhalten kann...da ist es schon schwierig mit nähe und Distanz.
Hallo Giana,

ich sehe dir nach, dass du noch wenig Erfahrung mitbringst. Wenn es wirklich auf dieser Station so üblich ist, was ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dann schockiert es mich.

Solltest dich doch mal bitte mal um Fachliteratur bemühen...Nähe und Distanz.
Professionelle Arbeit sieht das Duzen nicht vor, auch wenn man jung ist. Nein, schlimmer noch, verhindert unsere Arbeit.

Liebe Grüße Brady
 

Tamara_München

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ich arbeite auf einer entgiftungsstation mit schwerpunkt alkohol und medikamente. zur entgiftung von drogen haben wir speziell noch andere station, wobei auch meine station immer öfter drogenentzug macht.

ich bin grundsätzlich gegen die anrede DU, da für mich dann die distanz "schwester - patient" einfach nicht mehr gegeben ist.

schwierig ist für mich manchmal, wenn man eben den patienten solange kennt ... da diese menschen ja immer und immer wieder zur entgiftung kommen ... man sieht den körperlichen und seelischen zerfall der leute ... die kognitiven einschränkungen und defizite, die im laufe der sucht"karriere" entstehen ...
 

Giana

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Klar habe ich wenig bzw überhaupt keine Erfahrungen, ich bin ja erst seit Freitag auf dieser Station und hatte vorher nie mit sowas zu tun...

Und wir dutzen uns da wirklich alle, ausser Arzt - Patient...

Ich habe gerade heute zu meiner schulkollegen gesagt, das das Dutzen ja schon eine Art von nähe ist...das seh ich ja auch ein, aber warum sollte ich jetzt die Klienten sietzen, wenn das auf der Station nicht so üblich ist.

ausserdem bin ich dort nur noch 2 Monate dann ist mein Einsatz auch beendet...
 

Tamara_München

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aber warum sollte ich jetzt die Klienten sietzen, wenn das auf der Station nicht so üblich ist.

weil du einfach du bist ... du bist eine eigenständige person ... ich z.b. fühle mich nicht wohl, wenn mich ein patient duzt ... ich mach ihm das auch klar, dass man SIE zu mir sagen soll.
 

naemi

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hallo giana,
auch ich habe als schuelerin einen einsatz auf einer entgiftungsstation gehabt.

genauso wie du , war ich fasziniert und habe dort direkt nach dem examen angefangen zu arbeiten.
nach ca.8 monaten merkte ich, das mir die problematik, arbeit, kontakt...spass machte und fuer meine persoenliche erfahrung/entwicklung wichtig war, aber das mir irgendetwas fehlte. mein instinkt sagte mir, mache jetzt den absprung, sonst schaffst du es nicht mehr.

dann habe ich allemoeglichen bereiche durchlaufen(intensiv,innere,chirugie...)
die faszination der psychatrie ist geblieben (ein sehr interessantes fachgebiet)
aber ich wollte damals sowie auch heute verschiedene berufserfahrung in allgemeiner krankenpflege sammeln und mich nicht so frueh auf ein fachgebiet fest legen (ein bisschen wahrheit hat der spruch: einmal psychatrie immer psychatrie).

kann mir aber sehr gut vorstellen nach meinem 40igsten geburtstag fuer immer in die psichatrie zu wechseln.

geniesse die zeit auf deiner jetzigen station, beobachte sehr gut deine kollegen und die problematik der patienten, denn du kannst sehr viel dort lernen.

viele liebe gruesse
 

Polamidon

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Nochmals Hallo Giana,

ich finde die Atmosphäre auf einer Station, auf der sich grundsätzlich geduzt wird, bestenfalls problematisch. Von einer Entgiftungsstation höre ich das auch zum ersten Mal. Das Duzen ist aber in Entwöhnungseinrichtungen oder TWG's, in denen auch Ex-User arbeiten, durchaus üblich.

LG
 

Giana

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ich als "leihe" auf der entgiftungsstation finde es aber nicht so schlecht das man sich dutzt...

Und ich möchte gern mal wissen, wie es bei euch als schüler war? da habt ihr doch auch an der Station angepasst...und ich denke, wenn das bei euch mal so gewesen wäre, das gedutzt wird, hätten einige es sicher auch gemacht...
 

Polamidon

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Zweifelsohne hätte ich mich als Schüler auf so einer Station anpasst, da muss ich Dir Recht geben. Versteh meine Meinung bitte nicht als Angriff :-)!!!
 

Giana

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ich habe es aber auch nicht als angriff gesehn, keine Angst... :aetsch:
 

Tamara_München

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ich als "leihe" auf der entgiftungsstation finde es aber nicht so schlecht das man sich dutzt...

Und ich möchte gern mal wissen, wie es bei euch als schüler war? da habt ihr doch auch an der Station angepasst...und ich denke, wenn das bei euch mal so gewesen wäre, das gedutzt wird, hätten einige es sicher auch gemacht...


kann ich jetzt nicht sagen, dass ich gerne gedutzt worden wäre ... bzw. die patienten gedutzt hätte ... liegt aber auch daran, dass ich im alter von 29-32 gelernt hab!!!

*off topic* ich wurde auch in der ausbildung von manchen schwestern/pflegern gesiezt und es war ok!!!
 

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