Endlich gesund nach Hause?

Sunnylein

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Mich würde es mal interessieren, wer von euch auf einer onkolgischen Station arbeitet und wer zur Zeit als Schüler, Praktikant oder Zivi dort arbeitet und ich möchte gerne von euch wissen, ob bei euch schon mal ein Patient wirklich ganz gesund nach Hause gegangen ist??

Ich habe mir nämlich letztlich Gedanken gemacht und musste eigentlich festellten, dass alle auf der Station immer wieder kommen und gehen zur Chemo und letzendlich dann auch sterben, aber dass mal einer wirklich gesund nach Hause ging, gabs noch nie. Ist find ich schon erschrekend. Und was mir auch auffällt ist, wenn es denn Patienten wirklich schlecht geht, dann ist eigentlich das nächste schon der Tod. Is schon der Wahnsinn.

Hoffe auf Antworten und Meinungen

Sunnylein
 

carmen

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Hi Sunnylein,

solange Pat. immer wieder zur Chemo kommen, sind sie weder gesund, noch in Remission oder gar geheilt.
Es kommt immer auf die Krebsart und dem Stadium des Krebses an, inwieweit noch geholfen werden kann und mit welchen Mitteln.
Natürlich erlebst Du, dass die meisten Pat. ihrem Krebsleiden erliegen und das aus den verschiedensten Gründen.
Wenn z.B. bei einem Pat. die Therapie abgeschlossen ist und man keinen Tumor und keine Krebszellen mehr nachweisen kann, so ist der Pat. keinesfalls als geheilt anzusehen, sondern ist ist in einer Remission.
Je nach Krebsart ist dann die Überlebensrate 3 oder 5 oder 10 Jahre.
Das heißt, wenn in diesem Zeitraum keinerlei Tumore, Metastasen oder überhaupt Krebszellen mehr nachgewiesen werden können und die jeweilge Überlebensrate abgelaufen ist, gilt der Pat. als geheilt.
Da geb ich Dir schon recht, dass die wenigsten Pat. dieses Ereignis erleben.

Gruß

Carmen
 

Elisabeth Dinse

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Hallo @all

Krankheit
subjektives u./oder objektives Bestehen körperlicher u./oder geistig-seelischer Störungen bzw. Veränderungen
Gesundheit

Gesundheit
nach WHO »Zustand vollständigen körperlichen, geistigen u. sozialen Wohlbefindens«. Die alleinige Umschreibung des Begriffs i.S. von Abwesenheit von Krankheit u. Gebrechen ist demnach unvollständig.

Ist unsere Ansicht auf die Dinge nicht zu sehr von der Lehre der Pathologie gefärbt?
Wie wärs mit einem Paradigmenwechsel (lt Gesetzesgeber ka vorgesehen) hin zur Salutogenese.

Die Salutogenese versteht sich als Gegensatz zur (in der Medizin verbreiteten) Pathogenese: Statt Krankheiten zu bekämpfen, sorgt sie sich um Gesundheit. Die wesentlichen Fragen: Was ist Gesundheit? Tatsächlich nur die Abwesenheit von Krankheit oder nicht vielmehr die Anwesenheit von Lebensqualität?
Wenn man diese Grundlage nimmt, so haben eure Pat. doch durch die Therapie Lebensqualität erworben. Eine Krankheit schränkt primär meine bis dahin vorhandenen Möglichkeiten ein. Ich werde mich mit der Krankheit auseinandersetzen. Ich werde lernen (müssen) mit den Einschränkungen zu leben. Und wenn dieser Prozess erfolgreich ist, werde ich mich auch gesund fühlen- obwohl jeder Pathologe etwas anderes anchweisen wird.

Elisabeth
 

carmen

Poweruser
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Hallo Elisabeth,

nehme mal nur den letzten Abschnitt Deines Beitrages zur Beantwortung.

In der Onkologie ist die Pathogenese eher Grundlage als die Salutogenese.
Aus dem ganz einfachen Grund, da sich die Lebensqualität bei onkologisch Erkrankten durch eine Therapie (die sich u.U. über mehrere Jahre hinziehen kann) nicht verbessert, sondern eher verschlechtert.
Das hat 2 Ursachen
1. der Pat. leidet unter der Therapie
2. durch den immer wiederkehrenden Stationsaufenthalt, tritt die psychische Belastung sehr in den Vordergrund
Du schreibst:"ich werde mich mit der Krankheit auseinandersetzen"
Dieser Prozess dauert Wochen oder Monate. Manche Pat. sind derart krank, dass sie gar nicht mehr die Möglichkeit haben, sich in irgendeiner Art und Weise mit ihrer Erkrankung auseinanderzusetzen, weil sie innerhalb von Stunden oder Tagen versterben.
Du schreibst:"ich werde lernen (müssen) mit den Einschränkungen zu leben"
Auch das ist ein sehr langwieriger Prozess, wo man nicht abschätzen kann, ob der Pat. es überhaupt lernen will, mit Einschränkungen zu leben.
Weiter schreibst Du:"und wenn dieser Prozess erfolgreich ist, werde ich mich auch gesund fühlen- obwohl jeder Pathologe etwas anderes nachweisen wird"
Frag mal einen onkologischen Pat., der unter Therapie steht oder sie schon lange hinter sich hat, trotzdem alle paar Wochen zur ärztlichen Kontrolle muß (Vor- und Nachsorge), ob er sich in dem Maße mit seiner Krankheit auseinandergesetzt hat, gelernt hat, mit seinen Einschränkungen zu leben, um sich jetzt gesund zu fühlen?

Einen Paradigmenwechsel, wie Du ihn beschreibst, schlagen keine onkologisch Erkrankten, sondern gesunde Menschen vor.
Und Nichtbetroffene haben schnell Modellgrundlagen zur Hand (siehe Deine Ausführungen "von Pathologie zur Salutogenese"), doch wo bleibt bei diesen Modellgundlagen die absolute Einbeziehung der Betroffenen? Werden sie genauestens dazu befragt?
Einen Krebspatienten kann man auch per Gesetze nicht von der Pathologie seiner Erkrankung zur Salutogenese bringen, das muß in den Köpfen der Betroffenen vorgehen.

Trotz Alledem wäre es schön, wenn Deine Ausführungen mal Wahrheit werden würden, betreff des letzten Absatzes Deines Beitrages.

Carmen
 

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