Empowerment in der psychiatrischen Arbeit

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von eunerpan, 05.06.2007.

  1. eunerpan

    eunerpan Senior-Mitglied

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    Hallo zusammen,


    war gerade auf einer Fb zu diesem Thema und finde es ganz erstaunlich wie defizitorientiert wir doch immerwieder denken, obwohl -glaube ich- jedes Haus sich auf die Fahnen schreibt das man ressourcenorientiert arbeitet .......

    Fängt eigentlich bei den Pflegediagnosen an ...... Diagnosen sind immer defizitorientiert ..........
    und wie oft nehmen wir Patienten etwas ab .... bzw. gestehen ihnen nicht das Recht auf Irrtum und Risiko zu ?!?!

    Ich erwisch mich da immerwieder bei .......

    Auch sind wir ja meistens schnell dabei zu sagen " der nimmt seine Med. nicht, der is nich compliant" aber ist das wirklich so oder möchte der Patient nur anders mit seiner Psychose umgehen?! ( Ich meine jetzt nicht Akutpatienten- wobei man einen Teil davon ja auch anders begleiten kann)


    Geht euch das ähnlich ?!

    Lieben Gruss

    :spopkorns:
     
  2. Brady

    Brady Gast

    Hallo Eunerpan,

    ja, dies kenne ich auch. Es birgt immer dieser Gefahr, weil wir ja auch "Das Beste" für unseren Patienten wollen. Bedenken aber nicht, ob dies auch für den Patienten so gilt.

    Empowerment bedeutet auch dem Patienten mehr Verantwortung und ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Es muß von dem Betroffenen selbst gewollt und geleistet werden und kann auch nicht über gestülpt werden. Wir sind dafür da diesen Prozeß zu begleiten und nicht für ihn diesen zu gehen. Fehler oder Rückschritte die ein Patient erleidet führt sofort zu einer Kritik an uns, wobei es auch für die Betroffenen selbst wichtig ist, ihre eigenen Erfahrungen zu machen.

    Ich denke, dies macht uns auch Angst.
    Deshalb immer der Blick zum Defizitären, es gibt uns mehr Sicherheit.
    Du hast sicher Techniken oder Maßnahmen in der Fortbildung kennengelernt, es würde uns sicher freuen, wenn du davon berichten würdest.

    Liebe Grüße Brady
     
  3. eunerpan

    eunerpan Senior-Mitglied

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    Hallo,


    die Fb war voll mit ganz vielen spannenden Dingen .... wichtig ist aber tatsächlich sich selbst immer wieder zu überprüfen und eine Balance zu finden zwischen "ich nehm dem Pat. alles ab" und " soll er doch alles alleine machen "


    Einen ganz wichtiger Aspekt fand ich die Hilfsmittel ...... Behandlungsverträge, Krisenpass etc.... dazu gibt es auch eine sehr gute Seite auf der es auch noch vieles mehr zu stöbern gibt :D

    Selbsthilfewerkzeug


    Lieben Gruss
     
  4. MiChung

    MiChung Gast

    Hi,

    hab beim Stöbern im Forum die Selbsthilfewerkzeuge entdeckt und fand sie sehr brauchbar.
    "Empowerment" ist mal wieder eines dieser Schlagworte... Ich finde es schade, dass es zu diesem Thema extra Fortbildungen geben muss und es nicht so eine Selbstverständlichkeit ist, dass dieses Thema in der Ausbildung gebührenden Platz findet. Meist kommt man erst innerhalb einer speziellen Fachpflegeausbildung mit dem Thema "Selbstbestimmung" der Patienten in Kontakt - wenn überhaupt.
    Ich habe die Erfahrung gemacht (und mache sie noch) dass es ein mühseliger Prozess ist, den Blick der Mitarbeiter dafür zu öffnen, dass die Patienten oftmals die besseren Experten in Bezug auf ihre Erkrankung sind und wir mit ihnen gemeinsam einen Lösungsweg (z. B. aus der Krise) finden müssen und nicht immer unsere Meinung das "non plus ultra" ist....

    LG MC
     
  5. eunerpan

    eunerpan Senior-Mitglied

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    Hallo MiChung,


    ja, es ist schon tragisch das man so einen anderen Blickwinkel teilweise hat.....
    und warum sollten Patienten nicht in jedem ihrer Wege unterstützt werden ?!

    Allerdings ist mir aufgefallen das es eine Art "pseudo- Empowerment Förderung" gibt..... heisst es wird eigentlich nur vorgegeben das man den Patienten ernst nimmt und hört mit seinen Ideen ....
    aber mit dem Ergebniss , dass der Patient dazu gebracht wird, doch das zu tun was wir als Team für richtig halten . :schraube:

    Das ist natürlich nicht immer so, kommt aber vor .....
    und davon wieder weg zu kommen ist nicht leicht

    aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt :mrgreen:



    Lieben Gruss

    :spopkorns:
     
  6. MiChung

    MiChung Gast

    ... die Hoffnung stirbt zum Glück immer zuletzt - oder besser gar nicht...

    leider gibt es überall immer wieder "pseudos" die sich irgendetwas auf ihre Fahnen schreiben wollen.
    Aber ich denke, die andere Seite der Medallie ist auch zu beachten, nämlich die Gefahr, dass der ein oder andere Patient vielleicht auch überfordert ist eigene Wege, Chancen, Möglichkeiten - was auch immer zu sehen - ich denke da vor allem an die sogenannten "chronischen" Patienten, die ihr halbes Leben oder mehr in einer psychiatrischen Klinik verbracht haben und es "verlernt" haben eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und zu äußern.
    Diesen Patienten den Blick dafür zu öffnen und sich als Pflegenden dabei auch noch selbst zu hinterfragen ist schon eine Kunst. Vor Allem wenn man dabei auch noch an institutionelle Grenzen stößt.

    Aber wenn man es schon schafft, bei den (zum Teil ebenfalls chronifizierten Mitarbeitern) überhaupt eine Grundhaltung zu erzielen, die in diese Richtung geht und in kleinen Schritten das ein oder andere Umdenken im eigenen Arbeitsbereich schafft - ist es schon die Mühe wert finde ich.

    LG MC
     
  7. JOhari

    JOhari Newbie

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    Vielleicht liegts an der Konsequenz der "Selbstbestimmung" - warum man sie nicht gerne zulässt?

    Vielleicht könnte ein zuviel an Empowerment zu sehr in die Richtung "Antipsychiatrie" führen? Und davor hat man Angst - Zugeständnisse in diese "extreme Richtung" zu machen?8O

    Nur ein Denknsatz, weil ich eine Fachbereichsarbeit über das Thema Empowerment schreiben möchte.

    Man kann das gesunde Mittel im Arbeitsfeld nur erkennen, wenn man zuerst die äußersten Grenzen aller gehbaren Richtungen absteckt.

    Bin für Infos und Denkanstösse dankbar...


    Es grüßt aus Österreich / Tirol
    JOhari
     
  8. rudi09

    rudi09 Stammgast

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    Hallo,
    ist die Denke, dass wir defizitären Menschen helfen wollen nicht auch normal. Wer gent denn sonst ins Krankenhaus? Gesunde ja nun nicht.
    Ausser dass uns dies immer so beigebracht wurde, gehört dies doch auch zum Grundverständnis, um mit Kranken arbeiten zu können.
    Der geforderte Umdenkprozeß ist ganz sicher notwendig, aber vor dem Hintergrund dieser elementaren Einstellung (auch der Patienten!) nicht so leicht, wenn überhaupt zu schaffen.
    Am besten ist es da noch bei Patienten, die eine Grundkompetenz mitbringen. (Gemeint: Die sich nicht alles an Verantwortung und Alltagsarbeiten, .. wegnehmen lassen)
    MfG
    rudi09
     
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