Emotionen im Krankenhaus

Dieses Thema im Forum "Ausbildungsinhalte" wurde erstellt von *Anna*, 26.09.2006.

  1. *Anna*

    *Anna* Newbie

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    Hi,
    ich hab da mal ne Frage...
    Und zwar hab ich mir mal so überlegt: wie gehen die Examinierten oder auch andere Mitschüler und Ärzte eigentlich damit um, wenn einem Schüler mal eine Angelegenheit emotional so nahe geht, dass er anfängt zu weinen? Oder kommt das nicht vor?

    Weil ich denke schon, dass man mit dem einen oder anderen Patienten, der schon länger im KH betreut wird, schon irgendwo eine Beziehung aufbaut (zumindest finde ich, sollte das bis zu einem gewissen Grad so sein)

    Und wenn derjenige stirbt oder eben bald sterben wird...
    Ich kann mir da schon vorstellen, dass mir persönlich da vielleicht ma die Tränen kommen (vielleicht nicht gerade in Gegenwart des Patienten...)

    Ich meine... Bin ich für den Beruf dann ungeeignet und muss man da "ein dickes Fell" haben, was solche Sachen angeht? Oder kommt das mal öfter vor? Und wie stehen Kollegen denn dazu/ gehen damit um? Wird man da eher mitleidig belächelt?
     
  2. na_du2001

    na_du2001 Junior-Mitglied

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    Hi Anna,
    ich denke wenn du diese Gedanken nicht hättest müsstest du dir eher Gedanken machen ob du für diesen Beruf geeignet wärest.:wink:

    Ich denke jeder hat schon mal eine Gänsehaut bekommen, geweint oder ähnliches...man kann nicht alles von sich weisen...und schwestern und pfleger (und manchmal auch chefärzte)sind auch nur menschen :-)

    Du solltest aber trotzdem auch versuchen manche Dinge oder Situationen nicht all zu nah an dich heran zu lassen, denn das dicke Fell wächst erst nach einiger Zeit.

    Und wenn du mit manchen situationen gar nicht zurecht kommst bitte einfach einen kollegen darum....die sind einem auch nicht böse.

    grüße aus rüsselsheim
    jule
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Du baust/ solltest im KKH zu den Pat.keine freundschaftlichen Beziehungen (aufbauen). Die Beziehung ist professioneller Natut. Du bist ein Dienstleister- dazu gehört auch das man Nähe und Distanz zum Pat. in einer gesunden Waage hält. Zuviel Nähe in einer Beziehung kann hier nur schaden: was nützt es dem Pat. wenn du in Tränen ausbrichst und emotional so belastet bist, dass du nicht mehr helfen kannst.

    Diese Art des Beziehungsaufbaus lernst du in der Praxis. Pflegemodelle können dir teoretische Hilfe leisten, mit den verschiedenen Situationen im KKH umzugehen.

    Elisabeth
     
  4. narde2003

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    Guten Morgen Anna,

    es gibt sicher Patienten die einem näher gehen als andere, aber du wirst sehr schnell lernen dich abzugrenzen, sonst bleibst du nicht lange in dem Job und wirst selber krank.
    Auch nach 20 Jahren in der Pflege, gibt es bei mir Situationen die mich betroffen machen, allerdings bin ich noch nie in Tränen ausgebrochen.

    Wenn ein Schüler mal in Tränen ausbricht, ist es nicht weiter schlimm, allerdings sollte es nicht ständig vorkommen.

    Du darfst die Probleme der Patienten nicht mit "nach Hause" nehmen.
    Klar wird es Fälle geben über die du auch mit Kollegen/Freunden sprichst, weil diese dramatisch verlaufen oder ein ungewöhnliches Krankheitsbild zeigen, das denke ich ist normal, aber den "Durchschnittspatienten" habe ich an der Ausgangstüre der Klinik vergessen.

    Viel Spass bei der Ausbildung
    Narde
     
  5. Anika

    Anika Senior-Mitglied

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    Hallo Anna,
    wenn Dich wirklich gar nichts berühren würde wärest Du ein emotionsloser Klotz! Das dicke Fell entsteht mit der Zeit und wird auch größer, aber trotz allem bist Du auch nur ein Mensch!
    Ich selber habe schon einige Male geweint, auch vor Patienten sind mir schon die Tränen gekommen. Ich finde das durchaus okay, denn weinen weil Dich etwas berührt ist ganz normal. Wegen jeder "Kleinigkeit" das Heulen anzufangen ist allerdings was anderes. Aber Du bekommst auch Hilfestellung zum Umgang mit Belastungssituationen in der Schlule, von Kollegen oder wenn Du willst auch vom Krankenhausseelsorger. Mit der Zeit wirst Du für Dich einen Weg zum Umgang damit finden, di Zeit kannst Du Dir auf jeden Fall auch mit vielen Tränen geben. Und es kommt schon auch immer darauf an, wie intensiv die Beziehung zu dem Patienten ist. Manche bleiben ja doch sehr lang oder kommen immer wieder,... Mir ging es so, dass es schmerzhafter wurde je besser ich jemanden kannte.
    Ich hab auch schon Ärzte weinen sehen, einen z.B. der eine frischgebackene Mama per Psych-KG in die Psychiatrie eingewiesen hat, weil sie drauf und dran war ihrem Kind ernsthaften Schaden zuzufügen.
    Das ein oder andere wirst Du wahrscheinlich schon mit "nach Hause" nehmen, ich denke das lässt sich kaum vermeiden. Wichtig finde ich, dass man nicht einfach alles runterschluckt, sondern jemanden hat, der einen wieder aufbaut und mit dem man reden kann, und dass man lernt, professionell mit diesen Belastungen umzugehen. Aber das braucht Zeit!
    LG Anika
     
  6. nekskorpio

    nekskorpio Senior-Mitglied

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    Hallo ihr lieben,
    ich dachte mir der Spruch passt rgendwie



    Eine Pflegekraft mit zuwenig Herz ist herzlos, eine Pflegekraft mit zuviel Herz dagegen hilflos

    .

    Nähe ist zwar im hilfreich im Umgang mit Patienten, die Distanz jedoch ist notwendig um die Probleme des Patienten nicht zu seinen eigenen zu machen.

    schönen Tag noch
     
  7. Sr.Katja

    Sr.Katja Senior-Mitglied

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    Huhuuu Anna !!!

    Also Emotionen gehören einfach zum Beruf dazu. Ich bin seit 4 Jahren examiniert und jedesmal wenn es einem Patienten schlechter geht oder irgendeine komplikation nach op vorkommt geht einem das ganz schön nahe. So geht es nicht nur mir sondern auch meine Kollegen die schon länger examiniert sind. Das gleiche ist wenn ein Patient im sterben liegt oder gestorben ist. Das hatte ich vor kurzen mal wieder als ich erfuhr das meine Lieblingspatientin zu der ich eine enge Beziehung hatte nicht mehr lange zu leben hat. Und als sie 1 Tag später gestorben war ,war es für mich ganz schrecklich. Aber sowas ist natürlich kein normal fall denn es gibt auch schöne Momente im Krankenhaus. Und die Schüler bei uns da wird ganz besonders drauf geachtet. Und wenn ein Schüler halt mal weinen muß ok dann soll er auch und wird bei uns auch getröstet. Aber das ein Schüler weint hab ich in meinen 4 jahren noch nie erlerbt.

    Gruß Katja
     
  8. Brady

    Brady Gast

    Hallo Sr.Katja,

    mich würde interessieren wie sich deine Arbeit unterscheidet bei einer Lieblingspatientin zu den anderen Patienten?

    Wie kann ich mir das vorstellen? Hatte sie mehr Aufmerksamkeit durch dich? Wodurch wurde sie deine Lieblingspatientin? Hat sie es mitbekommen, dass sie deine Lieblingspatientin ist? Wenn du enge Beziehungen eingehst, gibt es privaten Kontakt nach dem Krankenhausaufenthalt? Denn enge Beziehungen bricht man ja nicht so einfach ab.......

    Liebe Grüße Brady
     
  9. Sr.Katja

    Sr.Katja Senior-Mitglied

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    Huhuuu Brady !!!!

    Also ich denke man hat es so im Gefühl welche Patienten man Lieblingspatienten nennt. Ich betreue alle Patienten gleich. Aber es gibt halt Patienten um denen kümmern sich meine Kollegen nicht so gerne weil sie angst haben. Und wenn man halt immer hingeht ihr Mut zuspricht und die Familienverhältnisse kennt dann ist es schon was anderes und immer ein offenes Ohr hat. Und man merkt es halt wenn die angehörigen immer nach der gleichen Person fragen wenn sie fragen haben. Aber ich trenne grundsätzlich privates und beruf. Würde nie einen Patienten privat zuhause besuchen. Oft ist es das die Patienen wenn sie in der nähe sind vorbeikommen grade wenn sie lange bei uns gelegen haben.

    Gruß Katja
     
  10. mary86

    mary86 Newbie

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    hi
    ich heiß marina und komme jetzt in das 3ausbildungsjahr und stehe kurz vorm zwischenexamen. ich wollte dir eigetnlich nur mal sagen was ich so schon erlebt habe.als ich im ersten ausbildungsjahr war habe ich zum ersten mal erlebt wie ein wirklich lieber pat. gestorben ist und die erfahrung die ich dabei gemacht habe wünsch ich wirklich keinen.und ja ich habe geweint heimlich weil diese person so nett war und nicht verdient hat so zu sterben und danach ging es mir auch besser.aber jeder muss selber seine erfahrungen machen und damit klar kommen das jeder sterben kann und wird.
    liebe grüße mary
     
  11. *Anna*

    *Anna* Newbie

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    Vielen Dank für eure vielen Antworten... Also mir macht das schon Mut, dass ich weiß, dass das okay is, wenn man mal traurig is und vll auch mal weint... Ich hatte nur etwas Bedenken, dass man dann von Kollegen oder vll sogar von Ärzten schräg angeguckt wird... Ich denke auch, dass man sich nach einer Zeit einfach "daran gewöhnt", auch wenn es sich hart anhört.
    Denke aber auch, dass ich, wie viele gesagt haben, schon, zumindest am Anfang, die Probleme "mit nach Hause nehme" aber ich denke, es ist ja auch gut zu wissen, dass man dann damit nicht alleine ist und vll auch mal mit anderen aus dem Kurs sprechen kann, denke mal, vielleicht werde ich damit ja nicht alleine sein.
    Mein "Problem" ist eben nur, dass ich generell sehr emotional bin. Auch wenn ich mich über etwas total freue, ist es schon öfter passiert, dass ich die eine oder andere Träne vergossen habe... Aber ich denke trotzdem, dass ich dem gewachsen bin und schließlich hat man dafür ja auch Freunde und Familie, die dann hinter einem stehen, denn auhc dafür sind die ja schließlich da ;)
     
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