Einwilligung für Wundfotographie aber nicht für Röntgenaufnahmen notwendig?

narde2003

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wenn ich das Bein eines Patienten zur Wunddoku fotografieren will, benötige ich seine Einwilligung, schriftlich/mündlich.
Wenn ich das Bein eines Patienten röntgen will, brauche ich diese nicht.

Warum ist das so, oder geht man davon aus, dass wenn der Patient zum Röntgen geht, ist er automatich mit dem Bildgebenden Verfahren einverstanden?

Fragende Grüsse
Narde
 

Elisabeth Dinse

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Interessante Frage.

Bei der Aufnahme unterschreibst du doch so ein Blatt. Vielleicht findet sich da die Antwort. Man erklärt sich mit der diagnostischen Maßnahme einverstanden. Fragt sich, ob ich das Foto auch brauche um therapieren zu können. Dürfte eine Auslegungssache sein.

Elisabeth
 

-Claudia-

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Doch, beim Röntgen brauchst Du auch die Einwilligung des Patienten, wie bei jeder anderen Untersuchung auch. Im Notfall gehe ich da halt von der mutmaßlichen Einwilligung aus.

Das bildgebende Verfahren ist Teil des Röntgens. Wenn ich in die Untersuchung einwillige, dann dürfen die auch das Bild entwickeln.

Wenn ich das Bild z.B. in einem Vortrag benutzen will, brauche ich auch die Einwilligung dazu.
 

Elisabeth Dinse

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Ich kenne die Einwilligungsscheine/Aufklärungsbögen für MRT und Co.. Für eine einfache Röntgenaufnahme hab ich das noch nicht gesehen, geschweige denn unterschrieben. Seit wann gilt dieses Gesetz?

Elisabeth
 

Joerg

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Ich kenne die Einwilligungsscheine/Aufklärungsbögen für MRT und Co.. Für eine einfache Röntgenaufnahme hab ich das noch nicht gesehen, geschweige denn unterschrieben. Seit wann gilt dieses Gesetz?

Elisabeth
Geht mir auch so. Bislang habe ich auch nie was unterschreiben müssen wenn ich eine einfach Röntgenaufnahme gemacht bekommen habe.
Aber ein interessanter Aspekt ist das schon, den Narde da in den Raum wirft. Da werde ich morgen meinen BR-Kollegen mal fragen, der ist MTRA und sollte das ja eigentlich wissen.
 
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Für mich ist neu, dass man für eine Wunddoku unterschreiben muss. Dokumentation gehört doch in geeigneter Form zum Pflegeprozess dazu. Und für den unterschreibt der Patient doch indirekt im Behandlungsvertrag.

Gruß
Die Anästhesieschwester
 

matras

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Bei der Aufnahme unterschreibt der P. einen Behandlungsvertrag. Dieser schließt die notwendigen Maßnahmen zur Behandlung mit ein. Dazu gehört die Wunddokumentation nicht jedoch (geschichtlich bedingt) die Fotographie der Wunde. Da manchen Justiziaren die Vorteile der Wunddoku mittels Foto nicht unbedingt klar sind und aus mangelnder Differenzierung im datenschutzrechtlichen Sinn wurde/wird oft die zusätzliche Einwilligung verlangt. Dass die Anonymität der Person bei einem Wundfotos des Beines gewahrt ist (was an sich wieder ein Problem der Zuordenbarkeit zu einer bestimmten Person bedeutet) ist leider noch nicht überall oben angekommen. Im Prinzip müsste ich bei der Wunddoku immer so fotografieren, dass das Gesicht des P. klar zu erkennen ist, was auf Grund nachvollziehbarer Gründe nicht geht. Aber das Aufkleben von irgendwelchen P.-Klebern um die Wundfotos einem bestimmten P. zuordnen zu können ist m. E. manipulier- und korrumpierbar.
 

Elisabeth Dinse

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Na ja- du kannst auch falsche Daten auf das Blutröhrchen kleben. Vor menschlichen Fehlern dürfte wohl niemand gefeit sein.

Elisabeth
 

narde2003

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Das Foto ist in der Wunddoku nicht zwingend vorgeschrieben, wenn du es aber machst, dann muss die Fallnummer und das Datum oder Patienten ID mit auf das Bild fotografiert werden. Alleine aufkleben und draufschreiben reicht nicht (hatte gerade MDK-Prüfung und wurde gelobt für unsere Doku).

Aber das ist ja nicht meine Frage.
 

Elisabeth Dinse

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Was sagt die hauseigene Rechtsabteilung dazu?

Elisabeth
 

narde2003

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Die Anfrage dort zu stellen bedeutet in ca. 5 Jahren eine Auskunft über 57 Seiten bekommen - sorry, das ist mir zu umständlich.
 

matras

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Na ja - aber durch den Behandlungsvertrag werden die notwendigen diagnostischen Maßnahmen "stillschweigend" eingeschlossen. Ich bin der Meinung, dass für die dokumentarischen zu Unrecht eine zusätzlichen Einwilligung verlangt wird. Diese erfolgt ja auch zum Wohl der Patienten (natürlich nicht nur)
lieg ich da etwa daneben?
 

-Claudia-

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Ein Behandlungsvertrag bedeutet doch nicht, dass ich jetzt (grob ausgedrückt) mit dem Patienten tun und lassen kann, was mir beliebt. Er kann jede einzelne Maßnahme weiterhin ablehnen. Deshalb gibt ja die ganzen Einverständniserklärungen für invasive Eingriffe, die meisten Untersuchungen usw. Eine Behandlungsvertrag ist keine pauschale Einwilligung.

Du benötigst die schriftliche Einwilligung des Patienten auch über die "normale" Dokumentation hinaus, wenn z.B. die Daten ans Deutsche Krebsregister übermittelt werden sollen.

Schriftliche und mündliche Einwilligungen sind genaugenommen gleich wirksam, die schriftliche kannste halt beweisen.

Vielleicht begründet sich das Ganze mit Persönlichkeitsrechten? Wenn Du mich von außen fotografierst, kann man mich erkennen. Auch fotografierst Du ja möglicherweise Körperstellen, die ich normalerweise nicht der Öffentlichkeit präsentiere. Aber wer soll mich anhand meines Röntgenbildes erkennen?
 

narde2003

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Wenn du eine seltsam geformte Wirbelsäule hast, ein Implantat oder ähnliches, bist genauso erkennbar wie der "schwarze Zeh" von Frau XY. Oder auch Zahnprofile - die sind auch recht einmalig.
 

-Claudia-

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Ärzte, Gerichtsmediziner können mich auf die Art identifizieren. Meine Nachbarin kann das nicht.
 

Susi_Sonnenschein

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Die kann es aber auch ned anhand eines Ulcus am Fuß oder eines Dekubitus, oder? Ich find die Frage von Narde auch sehr interessant.
 

-Claudia-

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Vielleicht will ich aber nicht, dass meine Nachbarin meinen Hintern sieht? :wink1:

Ich musste auch eine schriftliche Einwilligungserklärung unterschreiben, als man mich für einen Flyer und einen Artikel in unserer Klinikzeitung geknipst hat. Dieses Formular ist blanko bei meinem Betrieb im Internet. Ende der Woche kann ich mal gucken, ob sie da eine Begrüdnung angeben.

Ich schätze, es liegt an der Definition des "Rechtes am eigenen Bild", das eben Röntgenaufnahmen nicht als Bild wertet, auf dem Nicht-Fachleute mich erkennen könnten.
Recht am eigenen Bild
 

Susi_Sonnenschein

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Aber wenn man nur den Unterschenkel wegen einem Ulcus oder die Ferse wegen einem Dekubitus fotografiert, erkennt auch keiner, wer da auf dem Foto ist (mal abgesehen vom Namen, den man evtl. mitfotografiert, aber der steht auch auf dem Röntgenbild). Und wie soll die Nachbarin an unsere Wunddoku kommen?
 

narde2003

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Wieso soll deine Nachbarin deinen Hintern sehen? Die Bilder werden ja nicht bei FB eingestellt, sondern liegen in deiner Akte.

Ich habe unterschiedliche Aussagen. Einmal, wenn für die Akte, dann reicht ein Hinweis, dass es gemacht wird. Bis zu es muss unterzeichnet werden und wenn der Patient es wünscht ggf. auch vernichtet werden.
 

-Claudia-

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Wieso soll deine Nachbarin deinen Hintern sehen? Die Bilder werden ja nicht bei FB eingestellt, sondern liegen in deiner Akte.
Auch wenn die Bilder nur KH-intern verwendet werden - das Recht am eigenen Bild bleibt. Du darfst mich nicht fotografieren ohne mein Einverständnis, jedenfalls nicht scharf (und ein unscharfes Bild nützt zur Wunddoku ja nichts). Meine Bank muss mich ja auch darüber in Kenntnis setzen, dass ich am Geldautomaten gefilmt werde.

Eine schriftliche Dokumentation braucht es wahrscheinlich nur, damit das Krankenhaus das Einverständnis nachweisen kann. Mündlich würde theoretisch auch ausreichen.

Ich glaube nicht, dass ein Gesetz explizit die Wunddokumentation per Foto regelt. In meinem Haus gibt's dafür eine Dienstanweisung.
 

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