Einrichtung eines Krankenzimmers

Rabenzahn

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Hallo,

welche Empfehlungen kann man Angehörigen geben, die Angehörige pflegen, bezüglich der Einrichtung eines Krankenzimmers ?
Die meisten Menschen haben doch niedrige Ehebetten, was sehr ungesund für den Rücken der Pflegenden ist.

Ehebett oder Pflegebett ?

Und was noch so wichtig ist .
 

urmel

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Hallo,
also das kommt drauf an. mein Opa war immer soweit fit, dass er aus dem Ehebett konnte. Dann aber nicht mehr, also wurde ein Pflegebett mit Galgen bestellt. Dazu noch ein Toilettenstuhl, ein Rollator, ein Rollstuhl. Eine Waschschüssel und Nierenschale.
Das war es dann auch schon. Ein besonderes Nachtschränkchen wurde nicht geholt (ist ja auch nicht dringend notwendig).
Ein extra Zimmer wurde für ihn ausgestattet (vormals Wohnzimmer). So konnte er Fernsehen, hatte seinen geliebten Sessel da (mit dem er auch mal alleine aufstehen konnte dank der modernen Technik). Eine extra Dusche wurde nebenan eingebaut, damit er es nicht zu weit hatte.
Telefon stand neben dem Sessel.
Gott sei Dank wurde er nie zu einem bettlägrigen Pflegefall, das wäre das schlimmste gewesen für ihn.

LG
urmel
 

Tisi

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Hi!
Urmel hat alle wichtigen Hilfsmittel schon angesprochen ich möchte nur noch sagen, dass das "Krankenzimmer" trotzdem so persönlich wie möglich bleiben sollte und es möglichst da sein sollte wo sich am meisten in der Wohnunh abspielt, dass der Kranke das Gefühl hat nicht abgeschoben zu sein und trotz allem am Familienleben teilnehmen darf!
Tisi
 

Rabenzahn

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Hallo,

ich hatte eigentlich so ein paar Informationen erwartet wie:

- helles Zimmer
- wenig Topfpflanzen
- Bett von 3 Seiten begehbar
usw. usw.

Kann ein Angehöriger mit den bisherigen Ratschlägen wirklich etwas anfangen ?
 

urmel

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Hallo Rabenzahn,

Du hast Dir Deine Antworten doch schon gegeben :roll: , oder :?: :?: :?:

Und noch was: von drei Seiten begehbar dürfte nicht immer machbar sein (aus Platzgründen), dass das Zimmer hell sein soll, schön und gut (da dürfte dann ein Anbau bei manchen von Nöten sein unnd ist meiner Meinung nach auch nur zwingend notwendig, wenn dieser Mensch bettlägrig ist).

LG
urmel
 

Rabenzahn

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Hallo Urmel,

es ist in der Tat so, dass ich die Antwort selbst gegeben habe. Wollte aber gerne eine Diskussion anschieben und zum Nachdenken anregen.

Z.B. Warum von 3 Seiten begehbar ? Oder wenigstens von 2

Oder warum keine Topfpflanzen ?

Und was kann man Angehörigen noch raten?

Mal sehen, vielleicht kommen noch so ein paar Ratschläge.
 

Elisabeth Dinse

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Hallo Rabenzahn,

dann frage ich mal:

Z.B. Warum von 3 Seiten begehbar ? Oder wenigstens von 2

Oder warum keine Topfpflanzen ?
Es handelt sich um häusliche Pflege, richtig? Durchgeführt durch Angehörige und Pflegedienst, richtig?

Elisabeth

www.pflegediskurs.org
 

Rabenzahn

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Hallo Elisabeth,

auch Angehörige oder Pflegedienst müssen sich den Rücken nicht kaputt machen wenn gelagert werden muss. Es erleichtert sicherlich die Arbeit wenn ich von mindestens zwei Seiten an den Patienten komme.

Und das mit den Topfpflanzen hat den Hintergrund, dass die älteren Menschen eine abgeschwächte Abwehr haben. Erwiesen ist auch, dass sich in der Erde von Topfpflanzen viele Pilze und Sporen befinden, die u.U. die Entstehung einer Lungenentzündung fördern könnten.

Liebe Grüße
 

Elisabeth Dinse

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Hallo Rabenzahn
Ich denke zu Hause sollte kein steriles Umfeld entstehen. Viele wollen zu Hause gepflegt werden, weil sie ihre gewohnte Umgebung nicht verlassen wollen....mit Grünpflanzen auf der Fensterbank,mit dem an der Wand stehenden Bett, das Sicherheit vermittelt und allemal besser ist als Bettgitter links und rechts.
Ich durfte am Wochenende eine stationäre Altenpflegeeinrichtung besuchen. Das wichtigste für mich waren: großzügig geschnittenen Räume, ein behinderten gerechtes Bad, eigene Möbel im Wohnraum, ein holzfarbenes "Krankenhausbett" (war zuerst als solches gar nicht erkennbar) das an der Wand stand- aber bewegt werden konnte, sowohl horizontal als auch vertikal, Blumen und Grünpflanzen.
Arbeitest du eigentlich in der ambulanten Pflege? Hast du schon mal ein Zimmer in der Häuslichkeit umgeräumt?

Elisabeth
 

Rabenzahn

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Hallo Elisabeth,

ich habe in der ambulanten Pflege gearbeitet, im privaten Bereich auch gepflegt und zusätzlich Fortbildungen bei Altenpflegerinnen abgehalten. Und weil ich dachte eine Marktlücke füllen zu müssen, habe ich an der Volkshochschule Kurse, Thema Anleitung zur häuslichen Krankenpflege durchgeführt.
Ich war sehr erstaunt über die vielen Fragen, die die Angehörigen zu Themen hatte.
Da wurde gefragt, wie oft der Nachtstuhl desinfiziert werden muss ( pro Tag ) , was für eine Ernährung sinnvoll ist, wo bekome ich Hilfe wenn ich nicht mehr kann und und und .

Ich denke es ist unsere Pfleicht Angehörige zu unterrichten, führen und anleiten . Und sie über bestimmte Dinge zu informieren. ( Blattpflanzen etc. )
Natürlich soll das Krankenzimmer Daheim keine sterile Zelle innerhalb der Wohnung sein. Aber so ein paar Veränderungen können durchgeführt werden. Oder?

Liebe Grüße :lol:
 

Elisabeth Dinse

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Hallo Rabenzahn,
da fällt mir nur folgendes ein: Müssen wir uns auf die Wünsche und Bedürfnisse des Menschen einstellen, oder muß er uns eine paßgerechte Umgebung liefern, damit wir pflegen können.
Und bei den Nachfragen der Angehörigen, frage ich in der Regel immer erst mal, was dem zu betreuenden den wichtig wäre, was dessen Wünsche sind. Und dann kann man über Kompromisse nachdenken.
Zuhause ist nicht das Krankenhaus nachzubauen!
Elisabeth
 

Karl-Heinz Ritter

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Sehr geehrte Frau Dinse,

sie haben Recht mit ihrer Aussage :

"Zuhause ist nicht das KH nachzubauen"

Zu Hause ist nämlich :

1.

Der Patient mit einem Gewicht über 100 kg liegt im Ehebett. Zwischen dem Bett und dem Schrank ist für das Pflegepersonal kaum ein Durchkommen möglich. An eine Pflegequalität ist nicht zu denken. Basale Stimulation oder Bobath müssen leider Fremdwörter bleiben.

2.

Beim Besuch der Pflegekraft morgens gegen 7.00 Uhr ist der Patient aus dem Bett gefallen und liegt zwischen Bett und Schrank. Das Pflegepersonal kann den Patienten nicht fachgerecht aufrichten und zurück ins Bett bringen da der notwendige Platz fehlt.

3.

Das Zimmer steht voll mit "persönlichen" Gegenständen des Patienten. Die Pflegekraft bahnt sich mühsam einen Weg zwischen den verschiedenen Möbelstücken , Blumentöpfen usw. zum Patienten.

4.

Das Bad ist eng und überheizt. Der Rollstuhl des Patienten geht nicht durch die Tür. Badelifter ist natürlich auch nicht vorhanden.

5.

Licht brauchen wir auch nicht. Das verbraucht doch nur unnötig Strom

usw. usw.

Dies ist leider der tägliche Frust in der ambulanten Pflege.


Gruß vom "Laien" Karl-Heinz dem Ehemann einer KS in der ambulanten Pflege.
 

Elisabeth Dinse

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Werter Herr Ritter

Endlich ein Thema, wo sie mitreden können! Aber versuchen sie sich einmal in die Situation des zu Pflegenden zu bewegen. Das müßte ihnen als Laie leichter fallen, als als Pflegekraft. Was wäre ihnen wichtig?
Zu Betten Der Wunsch, ein Bett ständig von allen Seiten zugänglich zu haben, ist in vielen Krankenhäusern schon nicht mal Realität. Enge ist uns durchaus auch ein Begriff. Und wenn Patienten stürzen, liegen sie auch bei uns nicht immer optimal, sondern nicht selten auch verklemmt. Das Problem ist also nicht nur in der häuslichen Pflege vorhanden. Gleiches gilt für die Ausstattung mit behinderten gerechten Bädern.
Wenn Basale Stimulation nur in optimalen Umgebungen geleistet werden kann, dann stimmt irgend etwas nicht. Für Bobath würde ich das gleiche sagen wollen.
Da ihre Frau ja im ambulanten Dienst tätig ist, würde mich interessieren, welche Argumente zu Pflegende bringen um ihre häusliche Atmosphäre zu erhalten und keine Veränderungen anstreben.
Das der Markt bereits auf solche Probleme reagiert hat, ist unter folgendem Link einsehbar *(Defekter) Link entfernt* . Das Problem dürfte allerdings die Kasse sein, die so etwas bezahlen müßte. Ergo, ist der Patient mit seinem Wunsch nach privater Atmosphäre durchaus berechtigt.
MfG Elisabeth
 

Mellimaus

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also ich finde es wichtig das die Pat. sich in ihrem Haus noch wohl fühlen und wenn sie ien Blume wollen dann ist das auch okay inmeinen Augen. Ich denke man muss auch immer unterscheiden wieviel Hilfe der Patient benötigt und ob er überhaupt noch in der Lage ist auf die Idee zu kommen alleine aufzustehen.
Ich habe viele vorbildliche Zimmer gesehen aberr auch "bewohnte" Zimmer. Beides kann Probleme machen. Im Gegenzug ist es bei uns im KH auch nicht üpberall vorbildlich. Wenn ich einen Pat im Rollstuhl zur Toilette begleiten muss wird es verdammt eng, weil dann zwschen Rollstuhlund Wand noch 20cm Platz ist.......die Zimmer sind auch teilweise so eng. Wenn da ein Toilettenstul steht und ich dann noch mit nm Pflegewagen reingehe is auch Feierabend. Da ist nicht mehr viel mit Platz am Bett........
Also ich denke die Kunst liegt dan da sich trotzdem so "einzurichten" das man noch optimal Pflegen kann!
 

Sodele

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Hallo,

ich würde pflegenden Angehörigen folgende Tipps für die Einrichtung eines Pflegezimmers geben:

-Anschaffung eines höhenverstellbaren Pflegebettes mit Rollen und Seitengitter.
-Anschaffung eines Nachtstuhles - kann auch zum Transport ins Bad benutzt werden.
-Anschaffung eines Bettpflegetisches, höhenverstellbar, mit Rollen - kann für Nahrungsgabe, Aufnahme der Waschutensilien bei der Körperpflege, Aufstellen eines kleinen Spiegels, zur Ablage von Lesestoff etc. verwendet werden.
-alle Teppiche entfernen, da Krankenbett und Roll-/Nachtstuhl dann leichter zu bewegen sind.
-Platz schaffen, unnötige Schränke/chen, Schreibtische etc. aus dem Zimmer entfernen.
-geeignete Lichtquellen um das Bett herum installieren zur Begutachtung des Gesundheitszustandes des ZuPflegenden, der ZuPflegende kann besser lesen etc..
-Anbringen von Landschaftspostern, Bilder etc. an der Decke des Zimmers.
-Installation eines Fernsehers in Augenhöhe des ZuPflegenden, mit Fernbedienung.
-ein Telefon oder und Notrufgerät in der Nähe des Bettes.
-Pflanzen im Zimmer, wenn der ZuPflegende ein Pflanzen-/Naturfreund ist.
-bei schwer ZuPflegenden einen Patientenlifter.
-wenn kein Lifter dann Gleitmatten zur mühelosen Lageveränderung des ZuPflegenden im Bett.

Ansonsten noch:
-Schnabelbecher
-Nierenschale

Je nach Krankheitsbild kommen noch weitere Geräte/Pflegeutensilien in Betracht - Das würde hier aber zu weit führen.

Gruß
Sodele
 

Mellimaus

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Die Beschreibung finde ich sehr gut. WEnn man das so liest kann man sich das auch vordtellen und für mich macht es einen "pflegeleichten" und dennoch heimeligen und gemütlichen Eindruck.........
 

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