Einfach k.o., sehe keine Alternative

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von Fiddl87, 10.03.2014.

  1. Fiddl87

    Fiddl87 Newbie

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    Hallo Community,

    hab mich jetzt überwunden hier anonym ein wenig meinen Frust zu teilen.
    Bin 28, arbeite im geschützten Bereich einer Gerontopsychiatrie. "Eigentlich" mag ich wirklich meine Arbeit, aber ich bin so müde geworden, weiß nicht mehr, wie ich die Arbeit überstehen soll und mir wirds regelmäßig schlecht wenn ich daran denke. Grund ist, dass ich nie meinen Idealen genügen kann - was leider heute in der Krankenpflege normal geworden ist. In der Psychiatrie hat man, je nach Station, manchmal noch mehr Zeit für die Patienten - jedoch sehe ich das bei uns kaum so, bzw. wenn einer unseres Teams wirklich mal Zeit hat um sich näher mit den Patienten zu beschäftigen fehlt diesem dann der Kopf dafür.
    Habe auch gemerkt, dass ich nicht sonderlich ein flexibler/spontaner Mensch bin und Planung liebe. Klappt leider bei uns nicht, weil man dann doch wieder die Schicht wechseln muss und an Dienstpläne S/F/S/S/S/F/N/N/N/N werde ich mich glaube ich nie gewöhnen. Jedoch frag ich mich, obs überhaupt etwas gibt in der Pflege wo die Arbeitszeiten Arbeitnehmerfreundlicher sind und man nicht ständig einspringen muss und der Dienstplan feststeht. Aber irgendjemand ist immer krank und dann verändert sich sowieso wieder alles.
    Ich sehne mich so nach Ruhe, finde aber keine, komme nach Feierabend nicht mehr herunter, habe keinen Kopf mehr irgendwas zu machen und schlafe regelmäßig nach dem FD um irgendwie nochmal kraft zu haben irgendetwas neben der Arbeit zu machen.

    Ich überlege immer wieder Alternativen, mir fällt aber nichts wirklich ein, und in der Pflege wird immer flexibilität gefordert, mir scheints so, als hätte ich mein privatleben mit dem Beruf aufgegeben. Ich kann mir einfach nicht mehr vorstellen, dass es Arbeitsumstände gibt in der Pflege, die mich nicht kaputt machen und bewundere mittlerweile jeden, der die Schichterei und Springerei und den Druck von oben sowie die Verantwortung wegsteckt. Und ich bewundere die Menschen mit der "sch***-egal" Einstellung. Aber ich kriegs einfach nicht hin die mir endlich auch anzueignen. Auch wenn der Beruf sehr schön ist, ich denke, ich habe einen großen Fehler gemacht diesen Beruf gewählt zu haben, was hilft es, wenn die Arbeit zwar schön ist, man jedoch trotzdem von ihr kaputt geht? Weiß nicht.
     
  2. Postler

    Postler Junior-Mitglied

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    Azubi GuK
    Oh mein Gott du sprichst mir gerade aus der Seele...ich bin noch in der Ausbildung, doch schon seit meinem 2. Einsatz vor mittlerweile über einem Jahr, hat sich diese Sicht der Dinge in meinen Kopf gefressen und ich bezweifle nach der Ausbildung jemals in diesem Beruf arbeiten zu können. Es war mein Traum, aber Träume sind wohl nicht wirklich zum Leben da...nicht in diesem System.
    Dein schönster Satz: Jap...
    Als einzige Alternative fällt mir grade nur die ambulante Pflege ein. Ich war bei einem privaten ambulanten Dienst eingesetzt, der den Mitarbeitern ermöglichte, ihr Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten. Dazu kommt die generelle "Freiheit", die man bei der täglichen Arbeit dort erlebt. Solche ausgeglichenen Menschen aus der Pflege habe ich sonst noch nie gesehen, sie schienen wirklich zufrieden zu sein und nicht gefrustet und haben das auch so geäußert. Es war wirklich eine tolle Erfahrung und aus jetziger Sicht für mich vielleicht die einzig rettende, dass es für mich eine Möglichkeit in der Pflege gibt. Denn im Krankenhaus sehe ich mich nicht...diese Gesichter sehen für mich alle gleich aus. Alle gefrustet, müde, resigniert. Manch einer versucht einem etwas anderes vorzuspielen, aber das ist nur ein Versuch, den Anschein zu bewahren....für ein paar Stunden.
    Und trotzdem weiß ich, dass die MAs sich zum Teil unglaublich viel Mühe geben und ihre Stressresistenz und Geduld ist trotzdem oft extrem beeindruckend. Doch ihr Ideal wurde irgendwann über den Haufen geworfen. Aber jeder muss doch auch auf sich selbst achten, nur wer sich und seine Seele pflegt, kann auch andere pflegen.
    Ich muss sagen, was du schreibst hört sich für mich sehr nach einem Risikopotential für Burn-out an. aber was erzähle ich dir da.. tu was für dich und zwar so schnell wie möglich, damit dich dieses System nicht auffrisst...
    Von Herzen alles Liebe und dass du einen Weg für dich findest!!!!!!!!!
     
  3. Silvermoon

    Silvermoon Junior-Mitglied

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    Mir ging es genauso. Habe allerdings vor einiger Zeit mein Kind bekommen und bin gerade noch in der Elternzeit. Seit dem Abstand zum ganzen Rest hat sich meine Einstellung irgendwie geändert und ich denke, man muss einfach schauen, dass man sich selbst der Nächste ist und sich ein dickes Fell aneignen. Wenns dir nicht gut geht, dann solltest du eventuell wirklich über Alternativen (Wechsel in ein anderes Fachgebiet, vllt. Weiterbildung...) nachdenken oder in der Freizeit wieder mehr deine Hobbys/Freundschaften pflegen als Ausgleich. Denn die Kollegen, Patienten, Ärzte und sonstige Personen im Arbeitsalltag interessiert es auch nicht, wenn dein Körper so geschafft ist, dass du selbst nach dem Frühdienst kaum mehr auf die Beine kommst. Falls es anderen gleich geht, dann hilft es auch einfach mal im Team darüber zu sprechen.
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
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    Intensivüberwachung
    Das kann kein AG ändern. Wenn es dir nicht gelingt, deine Ideale den Gegebenheiten anzupassen, müsstest da selber bei dir schauen, woran es liegt. Das das nicht ohne Profi geht, weißt ja selber.

    Aber erst mal solltest alle andere professionelle Hilfe ausschöpfen.
    Schon mal an Einzelsupervision gedacht? Kostet zwar Geld- lohnt sich aber. Hier wäre es möglich Alternativen zu finden, um erst mal dem Druck entweichen zu können. Wenn du Glück hast und sich etwas findet, dass eher passt, lässt sich das Problem- zumindest für einen Zeitraum- lösen.

    Wie belastet sieht dich dein Hausarzt? Reicht es für eine Kur?

    Und nicht zuletzt: anderen Arbeistplatz suchen. Vielleicht hast Glück und es findet sich was, was deinen Idealvorstellungen eher entspricht. Das würde, zumindest für einen gewissen Zeitraum, dein aktuelles Problem lösen.

    Ich drück dir die Daumen, dass du den Sprung schaffst- egal in welche Richtung.

    Elisabeth
     
  5. Teilzeitschwester

    Teilzeitschwester Poweruser

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    Hämato-Onkologie
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    Wundexpertin ICW/Hygieneberater
    Meiner Meinung nach lässt sich dieser Beruf nur noch in Teilzeit 75% schaffen und selbst dann ist es hart. Das will nur keiner hören und kann sich nicht Jede/r leisten.Und darf das sein,das man nicht mehr 100% arbeiten kann ohne selbst krank zu werden... werden wir in XX Jahren über unsere Renten jammern?und dann zu hören bekommen: "Naja, Sie haben ja nur Teilzeit gearbeitet" Ich habe den Vergleich, da ich immer mal wieder Vollzeit arbeite, merke ich in Teilzeit: das ich wieder abschalten kann,Zeit für mich und zB Sport habe um "runter zu kommen".Der Wechsel des Einsatzbereichs kann der Anfang zu einem Wandel für Dich sein. Geronto Psychiartrie stelle ich mir sehr anstrengend und mit wenig Erfolgserlebnissen vor,kann mich aber auch irren.
    Alternative? Ambulanz,Study nurse,Teamleitung, Lehre/in für Pflegeberufe...:-)
     
  6. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    KrSr
    Ort:
    Niedersachsen
    Akt. Einsatzbereich:
    ambulante
    Als Alteisen in der Pflege erscheint mir der sogenannte Burnout als Normalzustand.
    Die Bedingungen werden von Jahr zu Jahr schlechter; sowohl die Arbeitsbedingungen alsauch die
    "Vergütung".
    Es muss wohl jeder für sich Bewältigungsstrategien finden - Sonst ist es nicht dauerhaft zu machen.

    Mir hat es - ein wenig - geholfen, ein kleines Buch zu schreiben.
    Wenn man es zu Papier bringt, kann man es anders betrachten. (Gibt Abstand)
    Ganz bewusst nicht am Rechner sondern - ganz altmodisch - mit Füller(!) und Papier.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    Wenn du Burnout mit Erschöpfung gleichsetzt dürfte es stimmen. Vielleicht sollten die Bewältigungsstrategien mehr Eingang finden in den Unterricht- inklusive praktischer Anleitung und Übung. Hier würde die in der Grundausbildung sehr beliebte Selbsterfahrung mal richtig Sinn machen.

    Elisabeth
     
  8. kleiner-Schussel

    kleiner-Schussel Senior-Mitglied

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    Es gibt nicht so wahnsinnig viele Stellen ohne Schichtdienst, aber es gibt sie...
    Z.B. Funktionabteilungen im Krankenhaus (Sono, Endoskopie etc.), Ambulanzen oder auch manche Praxen (z.B. Gastroenterologen, Dialyse) suchen ab und zu GUK.
     
  9. HellBunny

    HellBunny Senior-Mitglied

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    Beruf:
    GuK, RbP
    Akt. Einsatzbereich:
    Funktionsbereich.
    .. Man darf in grösseren bspw. Endo-Abteilungen aber auch nicht vergessen, dass es sehr wohl Schichtdienst gibt/geben kann (Früh/Spät).

    Und Rufbereitschaften sind ebenfalls nicht zu vernachlässigen (v.a. wenn bekannt ist dass man wirklich IMMER ausrücken muss).
     
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