Einatmen beim Drainage ziehen?!

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Chirurgie" wurde erstellt von Irgendeine, 30.09.2014.

  1. Irgendeine

    Irgendeine Poweruser

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    Hallo
    Ich habe heute mitbekommen, wie ein Pj'ler einem Praktikanten erklärt und gezeigt hat, wie er eine Drainage zieht. Es handelte sich um eine "ehemalige" Bülow-Drainage, an der aber nur noch ein Beutel ohne Sog war.
    Der PJ'ler erklärte dann dem Praktikanten dass es sehr wichtig sei, dass der Pat. beim Ziehen einatme, da dann die Lunge ausgedehnt sei.

    Ich habe gelernt, dass man beim Drainage ziehen den Pat. ausatmen lassen soll. Warum ist es hier so wichtig, dass die Lunge ausgedehnt ist?

    lg
     
  2. Schwester Sara :)

    Schwester Sara :) Junior-Mitglied

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    Hallo Irgendeine,

    ich kenne das so, dass man bei einer Pleuradrainage auf jeden fall einatmen soll und beim rausziehen pressen, bzw. dagegen atmen soll, damit so keine Luft in den Pleuraspalt gelangt.
    Warum man das aber bei "normalen" Drainagen wie Redon oder Bülow machen soll, kann ich mir nur so erklären, dass es als Ablenkung dienen soll.
    Vielleicht weiß jemand anderer mehr? :-)

    Liebe Grüße
    Schwester Sara :-)
     
  3. Irgendeine

    Irgendeine Poweruser

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    Ich schiebe das Thema nochmal nach oben. Würd mich über eine Antwort immer noch freuen.
     
  4. Gego

    Gego Poweruser

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    Hallo Irgendeine!

    Auch Ärzte machen Fehler... :biggrin:

    Beim einatmen entsteht im Pleuraspalt (dort liegt ja die Bülau-Drainage) ein Unterdruck, mit dem erhöhten Risiko, daß über den Einstichkanal Luft eintritt -> Patient bekommt einen Pneu...

    Wie schon oben beschrieben, sollte beim Bülau-Zug der Patient ausatmen und pressen ("wie zum Stuhlgang")(-> Erzeugt einen Überdruck im Pleuraspalt) um ein Eintreten von Luft über den Stichkanal zu vermeiden.

    Nebenbei: Nur Ablaufbeutel, ohne zwischengeschaltetes Heimlich-Ventil oder ähnliche Schutzmaßnahmen, halte ich eher für Fragwürdig...

    Schönen Gruß, Gego
     
    #4 Gego, 10.04.2015
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 10.04.2015
  5. Toolkit

    Toolkit Poweruser

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    Hallo,

    ob Ein- oder Ausatmung, es besteht IMMER ein Unterdruck in der Pleura, von daher ist das Argument hinfällig.

    Viel wichtiger ist ein konstanter Druck beim Ziehen, es soll zu keinen plötzlichen Druckänderung und somit Änderung der Verhältnisse von innen und außen kommen. Deswegen ist es gut, wenn ein Patient bei MAXIMALER Inspiration die Drainage gezogen bekommt.

    Warum?
    Weil es schmerzhaft ist und der Patient intuitiv einatmen wird, somit eine Druckänderung in der Pleura, ein Bewegung im gesamten Thorax, sowie die Gefahr eines Restpneus besteht.

    Grüße,
    Tom

    P.S.: Heimlichventil an der Thoraxdrainage ist wirklich Minimum ;)
     
  6. Gego

    Gego Poweruser

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    Hallo Toolkit!

    In diesem Fall nicht ganz. - Beim Einatemvorgang (d. h. Erweiterung des Thoraxraumes durch Atemmuskulatur) wird ein Unterdruck im Thorax erzeugt, dem die Lunge passiv zu folgen versucht. Im Normalfall klappt das ja auch, aber hier kann durch den Stichkanal der Drainage Luft eindringen und so den Unterdruck ausgleichen. -> Pneugefahr!

    Beim Einatmen nimmt der Unterdruck im Pleuraraum zu, d. h. es besteht ein größeres Druckgefälle zwischen Pleuraspalt und Umgebungsluft. Das hat zur Folge, daß leichter Luft über den Stichkanal eingesaugt wird.

    Bei gehaltener maximaler Inspiration ("Luft anhalten") und gleichzeitigem Pressvorgang ("wie zum Stuhlgang") wird das Druckgefälle zwischen Pleuraspalt und Umgebungsluft minimiert.

    Schönen Gruß, Gego
     
  7. Toolkit

    Toolkit Poweruser

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    Hey,

    eure "Taktik" ist also quasi einen positiven Druck in der Pleura zu erhalten, um keine Luft von außen nach innen zu bekommen, ggf. aber mit dem Risiko, das durch plötzliche Druckschwankungen doch einen Kanal von innen nach außen zu provozieren.

    Unsere "Taktik" beruht halt darauf, dass der Pneu eh wegdrainiert ist und durch einen konstanten Pleuradruck während des Ziehens kein Kanal aufgestoßen wird.

    Mir gefällt euer Vorgehen, aber viele Wege führen nach Rom :D

    Grüße,
    Tom
     
  8. matras

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    Für wie starr haltet Ihr eigentlich Gewebe? Und für wie wie "dünn" erscheint Euch die Thoraxwand?
    Hat schon mal jemand in ein Stück Schweinebauch mit einem Messer gestochen und versucht den Schnittkanal anschliesend mit etwas zu sondieren. Wird wohl nicht gelungen sein - weil das Gewebe sich kulissenartig verschiebt und den Stichkanal verschliest. So ist es auch (und noch deutlicher, - weil durchblutet und vital) bei der Thoraxdrainage.
     
  9. Irgendeine

    Irgendeine Poweruser

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    Hm ich stell mir das bei einer thoraxdrainage aber doch etwas anders vor weil der Schlauch ja durchaus ne Zeit da drin liegt und das "Loch weitet". Stell ich mir halt grad so vor. Aber ich hatte auch noch nicht sooo oft mit thoraxdrainagen zu tun und in der Schule hatten wir das Thema auch noch nicht.
     
  10. Toolkit

    Toolkit Poweruser

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    Ohne mich rühmen zu wollen, mein Finger hat schon oft eine Pleura durchstochen, ich weiß wie derbe das ganze ist. Hier kann ein direkter Verschluss (ohne Ausnahme) nicht gewährleistet sein, hier wird auch keine Naht gesetzt.
    Die Haut und das Muskelgewebe hingegen, sind sehr flexibel, lassen sich sehr leicht wegschieben.

    Deshalb, @matras, muss man sich doch nicht ausschließlich auf das Gewebe verlassen. Und 32French, sind halt nicht unerheblich.

    Grüße,
    Tool
     
  11. matras

    matras Bereichsmoderator
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    Wo sich so ein Finger überall hinverirrt?!? - erstaunlich. Bei den meisten unserer doch sehr wohlernährten Patienten halte ich das für nicht sehr gut nachreproduzierbar. Bei kachektischen und auch dahydrierten Patienten schon eher. Wer schon mal bei einer lateralen Thorakotomie dabei war weis was ich meine...

    und ausschließlich auf das Gewebe verlassen würde auch ich mich nicht, halte aber die Atemphase beim Ziehen für unerheblich.
     
  12. Irgendeine

    Irgendeine Poweruser

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    Also wenn ich das jetzt richtig verstanden habe ist es also relativ egal ob der ein- oder ausatmet?
     
  13. Gego

    Gego Poweruser

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    Hallo Irgendeine!

    Wenn die Bülau-Drainage während der Einatmenphase gezogen wird, ist das Risiko der Pneuentstehung maximal...

    Schönen Gruß, Gego
     
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