Ein Patient geht mir nicht mehr aus dem Kopf!

Dieses Thema im Forum "Ambulante Pflege / Private Kranken-Altenpflege zu Hause" wurde erstellt von Scrollan01, 20.09.2008.

  1. Scrollan01

    Scrollan01 Junior-Mitglied

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    Hallo zusammen!

    Mir geht ein Patient nicht aus dem Kopf und es nimmt mich sehr mit!

    Folgende Situation:

    Mann, knapp über 70 Jahre alt, Apoplex gehabt, Hemiplegie rechts an Arm und Bein. Sprachverständnis vor erhalten, Sprechen geht auch sehr gut.
    Lebt zusammen mit der Ehefrau (Alkoholikerin - jedoch nicht tägl. ) im Haus im oberen Stochwerk - 3 kleine Zimmer KDB.

    Das Haus gehörte der verstorbenen Mutter seiner Frau die dachte, sie bekommt das Haus. Haupterbe war jedoch der Sohn und hier beginnt die Tragödie! Der Sohn will das Haus für sich und Ehefrau alleine. Die Eltern bekommt er so ohne Weiteres nicht raus. Die Eltern dürfen die untere Wohnung nicht betreten - da wird gerade entrümpelt! Sie hausen oben in der Wohnung ohne Balkon und dürfen den riesen Garten nicht mehr betreten. Alles mittels Vorhangschloss gesichert...

    Die Ehefrau des Pat. hat eine sehr raue Art an sich - um es ganz deutlich zu sagen: prollig! Sicher ist sie kein sehr schlechter Mensch - aber ohne Grund ist der Sohn nicht sooo gemein!

    Der Ehemann liegt im Bett, hat DK ansonsten nichts weiter. Kann Nahrung aufnehmen und trinkt auch!
    Aber statt daß er mobilisiert wird muß er das Bett hüten! Früh um halb 7 wird er gewaschen und so und liegt. Um 11h komme ich oder je nach dem wer Dienst hat und sieht nach, ob die Einlage sauber ist und macht ihn ggf. frisch.

    Heute war ich dort und da er sauber war nahm ich mir die Zeit und unterhielt mich mal länger mit ihm als sonst!

    Ich fragte ihn, ob er auch mal rausgesetzt wird. Er fing furchtbar an zu weinen, daß er seit dem Schlaganfall vor längerer Zeit erst 3 oder 4x draußen war - in dem Monat wo ich für ihn zuständig bin - noch nicht!

    Wie kann das sein????

    Ist es denn möglich, daß er nun den Rest seines Lebens im Bett liegen muß, bei vollem Verstand und obwohl die Möglichkeit da wäre ihn zu mobilisieren? ich meine, er säße zumindest bis 11h im Stuhl, ich würde ihn wieder hinlegen!

    Mir geht es nicht aus dem Kopf! Er liegt mit dem Gesicht dem Fenster abgewandt, d.h. das Fenster befindet sich hinter seinem Bett - er sieht nicht mal die Sonne oder den Himmel! Er ist total verzweifelt und sagte auch, daß er seine Frau und den Sohn hasst! Sie sitzen auf dem Geld und zanken wegen dem Haus und niemand interessiert sich für ihn. Hauptsache er liegt im Bett, wird gewaschen und so - dann hat er sich still zu verhalten! Er hasst es, wenn seine Frau früh zu ihm komt und nie ein gutes Wort hat für ihn! Er schämt sich und ist so fertig, weil er sich eingesperrt fühlt!

    Dabei haben wir noch andere Apoplexpat., die werden rausgeholt, wobei eine Dame von 8h bis 21h15 sitzen muß! Im Rollstuhl. Sie wird also nicht zwischendurch nochmal hingelegt!

    Ist das bei euch auch so?
    Am liebsten würde ich ihn mit heim nehmen - er tut mir entsetzlich leid!

    .....................

    Ich habe gekündigt - doch was wird aus ihm?

    LG Scrollan
     
  2. Bluestar

    Bluestar Poweruser

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    Wer wäscht ihn morgens ? Fahrt ihr nur einmal am Tag hin ?
     
  3. Scrollan01

    Scrollan01 Junior-Mitglied

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    Hallo!

    Früh wird er um 7h gewaschen. Um 11h kommt wieder eine Schwester - das WE bin ich dran (habe ihn jedoch nicht in der Frühpflege in meiner Tour drin sondern erst um 11h zur Teilpflege) und macht wie gesagt die Kontrolle, ob er Stuhl gelassen hat oder nicht. Dann kommt wieder eine Kollegin um 16h 30 zur Abendpflege vorbei!

    LG Scrollan
     
  4. Bluestar

    Bluestar Poweruser

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    Und warum setzt ihr ihn dann nicht raus ???
    .
    .
     
  5. Scrollan01

    Scrollan01 Junior-Mitglied

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    Ja, genau DAS frage ich morgen früh meine Kollegin!

    Ich sehe ihn nicht so oft! Ich arbeite ja nur alle 2 WE im Frühdienst und habe ihn nur schon 5 mal um 11h gehabt zur Betreuung! Und da ich immer so eine lange Tour habe, blieb mir nie viel Zeit für ein wirkliches Gespräch mit ihm! Heute waren gleich 2 Patienten für mich ausgefallen und ich hatte endlich mal Zeit - und dann zum Glück für ihn! Ich habe ihm angeboten, ihm etwas vorzulesen o.ä. ... ich fühlte mich so schlecht, weil ich ihn auf jeden Fall raussetzen würde!

    Ach - ich bin eh bald weg dort, aber dieser Mann - wenn ich ihm nur irgendwie helfen könnte! Er würde so gerne in ein heim gehen - bloss weg von Frau und Haus und dem Gekörmel dort! Doch niemand wird es ihm zahlen! Er sagte, es geht allen nur ums Geld - ohne Rücksicht auf ihn!

    Ich weiß gar nicht, wieso die Kolleginnen ihn nicht rausholen!

    LG Scrollan
     
  6. Trisha

    Trisha Poweruser

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    1. die KollegInnen müssten dann ja mit- und nachdenken
    2. sie müssten in der Lage sein, sich in die Lage des Pat. zu versetzen
    3. die Mobilisation ist keine vom Pat. beauftragte Leistung
    4. noch eine zusätzliche Mobilisation kostet kostbare Zeit

    Hinfahren, Arbeit machen, schnell wieder raus.

    Hat der Pat. einen amtlichen Betreuer? Er könnte quasi einen bestimmen, der für ihn, statt der Familie, alles regelt.
    Aber das wird wohl schwierig sein.
    Es ist schwer, als Einzelperson lang bestehende familiäre Strukturen zu durchbrechen. Die Pat.-Situation hat sich sicher durch den Apoplex verschlimmert.
    Hast Du mit der Ehefrau darüber gesprochen? Auch das wird schwierig sein, aber das ist der erste Schritt, sie mit ins Boot zu holen und ihr seine Situation klar zu machen.
    Deine Vorgesetzten sollten ebenfalls informiert werden, möglicherweise können die ebenfalls noch was erreichen.
    In solchen Fällen muss man mobil machen, was mobil zu machen geht.

    LG
    Trisha
     
  7. Scrollan01

    Scrollan01 Junior-Mitglied

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    Hallo Du!

    Die Betreuung wird durch die Frau geleistet ... wie auch immer!:eek1:

    Sie mit ins Boot nehmen: hm, sie motzt nur herum mit ihm ... denkt nur an sich und wie schlimm es ihr geht wegen dem Sohn!
    Sicher ist der Stressfaktor oder die Wut über den Sohn bei ihr vorrangig - aber ... naja ...

    Morgen früh frage ich meine Kollegin mal aus! Vielleicht weiß sie was genaueres. Ich hätte vielleicht überlegt, einen Zivi einzustellen für den Pat. ... um dem Mann zu helfen auch mal wieder in den Rolli und damit vor die Tür zu kommen!

    Schade!

    Famili. Strukturen kann man nicht brechen! Das ist mir klar, aber ich habe Mitleid! Vielleicht rege ich ja vor meinem Austritt dort eine Disskussion an!

    Wann vergisst man einen solchen Menschen wenn man gekündigt hat?!

    Ich sagte heute zu meinem Männe, daß ich immer daran denken werde!

    Aber geholfen ist ihm damit nicht ...

    Mal überlegen!

    Danke!

    LG Scrollan
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Es geht hier primär um dich und deine mangelnde Fähigkeit dich abzugrenzen. Such dir einen professionellen Gesprächspartner. Den findest du in der Regel in den kirchlichen Beratungsstellen.

    Zur Situation des Pat.. Du hast ihm bereits geholfen. Du hast zugehört und Empathie gezeigt. Du hast ihm deine Grenzen gezeigt.
    Wenn dein Pat. die Situation nicht mehr ertragen kann, hätte er sich bereits daraus befreit. Manche Menschen brauchen diese Opferposition. Im Leid sehen sie ihren Lebensinhalt.

    Elisabeth
     
  9. Scrollan01

    Scrollan01 Junior-Mitglied

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    Hallo,

    ich glaube, es war gut zu kündigen!

    Ich bin seit fast 20 Jahren in der Pflege und konnte die Tür hinter mir stets locker zumachen und Arbeit Arbeit sein lassen! Aus welchen Gründen auch immer: ich kann es nicht mehr! Ich bin dadurch unprofessionell geworden!
    Vielleicht liegt das an der Erkrankung meiner Tochter ... :gruebel:

    So kann eine KS nicht arbeiten, so würde sie kaputt gehen!

    Ich habe mich entschlossen, aus der Pflege ganz raus zu gehen ....

    Muss nur jetzt mal überlegen, WAS genau ich ändern kann!

    Alles Liebe!

    Scrollan
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Bezogen auf dich?

    Elisabeth
     
  11. Scrollan01

    Scrollan01 Junior-Mitglied

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    Hallo,

    ja, bezogen auf mich!

    Ich denke, ich kann mich nicht mehr genügend abgrenzen!
    Und privat ist es auch desöfteren schwer für mich wegen meiner Tochter.

    Weißt Du, ich war immer schon die Stärkste in meiner Familie, und mein Mann sagt heute über mich, ich hätte die Hosen an hier ;)

    Naja, einer muss ja alles koordinieren, oder?

    Und beruflich war ich immer die Person, die 1001% gegeben hat! Ich nehme meine Arbeit sehr ernst und konnte bislang super organisiert arbeiten und alles. Aber ich war auch immer MENSCH mit viel Humor und einem riesen Herz.

    Und nun kann ich nicht mehr! Vor 3 Wochen wurde ich im RTW ind die Klinik gefahren weil ich daheim bewusstlos wurde. Lt. Ärzten bin ich knapp am Jenseits vorbei... nun ja ... das alles - das hat mich zum Nachdenken gebracht. Dann verschiedene Situationen beruflich - ich brauche eine Auszeit!

    Habe mich eben über Google und hier informiert bzgl. einer Weiterbildung!

    Ach ja ....... alles z.Zt. nicht so leicht, aber ich lass mich nicht unterkriegen und finde schon einen Weg für mich ;)

    LG Scrollan
     
  12. Susi_Sonnenschein

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    Hallo Scrollan01,
    ich wünsch Dir jedenfalls für die Zukunft alles Gute!
     
  13. Angel78

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    Tschuldigung aber als ich das gerade gelesen habe, mußte ich einfach mal was schreiben. Elisabeth ich möchte dich nicht persönlich angreifen, aber ich finde es schade wenn man in solchen Sachen sagt: "dir fehlt die nötige Distanz". Zumal ich es auch sehr bedauernswert finde das du der Meinung bist sie hätte dem Pat. schon geholfen weil sie zugehört hat. Das erinnert mich unheimlich an meine Ausbildung und alteingesessene Krankenschwestern, die einfach sagen: "das war hier schon immer so und wir ändern da nichts dran." Und einfach zu behaupten das manche Menschen eine Opferposition brauchen finde ich sehr leichtsinnig, das wäre ja fast so wie wenn man zu schaut wie der Nachbar Tag ein Tag aus seine Kinder schlägt. Wenn man sich mit solchen Themen auseinandersetzt kann man auch etwas verändern, nur wenn man solche Geschehnisse duldet, wird sich in der Pflege nichts ändern.

    So nun mal zum eigentlichen Problem, bei uns im Landkreis bietet der Soziale Dienst aus dem Krankenhaus, auch an Leute die in solchen Situationen sind zu Hause zu besuchen und eine Lösung zu finden. Wenn es sowas bei euch nicht gibt, würde ich das ganze dem Sozialamt mitteilen, damit die sich selbst ein Bild vor Ort machen können, denn wenn der Pat. lieber in einem Heim wäre als zu Hause dann müssen die Kinder und die Frau dafür aufkommem ob sie nun wollen oder nicht. Wenn dann ein Sozialarbeiter draußen war und der Pat. sagt ich möchte doch nicht, dann kann man zumindest sagen ich habe alles versucht. Aber von Anfang an hier die Hände in den Schoß zu legen finde ich fatal. Ich finde es auch schlimm das deine Kolleginnen noch nie auf die Idee gekommen sind den Herren da mal aus dem Bett zu holen, liegt wahrscheinlich an der angemessenen Distanz:cry:. Ich erledige meine Arbeit ohne zu überlegen und schnell wieder weg.:knockin:
     
  14. flexi

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    Hallo Angel78,

    ich möchte dich bitten, deine Zitate von Elisabeth einfach auch zu lesen!!
    Du zitierst ausdrücklich:
    Das hat Elisabeth in keinem ihrer Beiträge direkt oder auch indirekt zum Ausdruck gebracht! Deine daraus gefolgerten Schlüsse passen absolut nicht zu beschriebenen Situation und beschuldigen unagemessen eine ganze Gruppe von KollegInnen. Ob wir sowas brauchen?
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    @Angel78- wem es nicht gelingt sich in unserem Beruf ausreichend gegen das Elend abzugrenzen, der wird auf der Strecke bleiben.

    Nähe und Distanz ist ein endloses Thema. Ich nehme eine- für mich- unbefriedigende Situation wahr. Kann ich diese ändern? Es gibt auch für uns Grenzen. Hier war die Grenze erreicht. Man kann an der Situation nichts ändern, wenn der Betreffende selbst nicht aktiv wird.

    Dein Beispiel mit der Gewalt gegen Kinder hat nichts mit der Situation des hier angeführten Patientenbeispiel zu tun. Bei dir handelt es sich um Schutzbedürftige, bei dem hier angeführten Beispiel um die Unfähigkeit des Pat. zur Konfliktlösung. Indem ich die Konflikte des Pat. löse, helfe ich ihm nicht.
    Ergo: zuhören ist hier besser als aktiv werden solange der Pat. nicht an Leib und Leben gefährdet ist.

    Elisabeth
     
  16. Angel78

    Angel78 Junior-Mitglied

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    @Flexi
    Ich habe das was Elisabeth geschrieben hat mehrfach gelesen und das was sie schrieb war: "Es geht hier primär um dich und deine mangelnde Fähigkeit dich abzugrenzen. Such dir einen professionellen Gesprächspartner. Den findest du in der Regel in den kirchlichen Beratungsstellen."

    Das heißt für mich das sie damit zum Ausdruck bringt das hier fehlende Distanz vorhanden sei. Wenn es von ihr nicht so gedacht war, das es so rüberkommen soll dann hätte man auch andere Worte wählen können. Ich dachte das hier ist ein Forum in dem man seine Meinung äußern darf und für mich ist es halt so rübergekommen.Nun denn, wenn ich Elisabeth oder sonst wem hier mit meiner Aussage auf den Slips getreten bin tut es mir Leid.
     
  17. Angel78

    Angel78 Junior-Mitglied

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    @ Elisabeth
    Woher weißt du, das man an der Situation des Pat. nichts ändern kannst, wenn du es nicht versuchst? Wie soll ein Hemiplegiker selbst aktiv werden, wenn noch nicht mal die Angehörigen es schaffen ihn aus dem Bett zu holen? Klar gibt es für jeden von uns Grenzen, doch noch schafft sich jeder seine Grenzen selbst. Wenn bei dir da schon die Grenze ist, dann ist es halt so, doch ich kann aus meiner eigenen Erfahrung sagen, das man da noch einiges hätte versuchen können.

    Und mein Beispiel mit den Kindern hat sehrwohl etwas hiermit zu tun, denn auch dieser Pat. ist laut Gesetz ein Schutzbefohlener, denn durch seine Erkrankung kann er nicht mehr alle alltäglichen Dinge des Lebens selbst ausführen. Ich gebe dir Recht das der Pat. ein Problem damit hat Konflikte zu lösen, aber mein Vorschlag war ja auch nicht das man selbst als Konfliktlöser einspringt sondern dem Menschen einen Berater der sich mit sowas auskennt zur Seite stellt. Wen wir immer erst einschreiten wen Leib und Leben in Gefahr ist, können wir nichts ändern. Ist es nicht besser dem vorzubeugen? Zudem wollte ich nur Aufzeigen das es hier wohl noch Möglichkeiten gibt dem Mann zu helfen, ob es der Pflegende dann tut liegt doch in seinem eigenen ermessen oder nicht!

    Wie ich es auch schon Flexi geschrieben habe, ich wollte nicht dir oder irgendeineranderen Pflegekraft auf die Füße treten, ich wollte nur klar machen das man nicht immer gleich so schnell aufgeben sollte, wenn man etwas erreichen oder verändern will dann klappt das auch, es braucht halt nur Zeit.
     
  18. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Der Kontakt des Pat. beschränkt sich nicht nur auf die Pflegekräfte. Aktuell dürfte der Hausarzt ebenfalls vor Ort sein.
    Es gibt nicht die Idealfamilie und was hinter machen Türen abläuft ist nicht immer nachzuollziehen. Manche Partnerschaften funktionieren aus unserer Sicht eigenartig. Aber das soll nicht unser Problem sein.

    Schutzbefohlener ist ein Pat. mit Bewegungseinschränkungn nicht. Er ist nicht entmündigt. Er kann also konkret nachfragen. Er hat hier nicht um Veränderung der Situation bzw. um einen Kontakt zu anderen Institutionen gebeten.

    Ich glaube schon, dass es schwer ist manchmal zu akzeptieren, dass wir nicht zuständig sind für alles Leid dieser Welt. Aber es ist wichtig, sich abzugrenzen und nicht alles als eigene Aufgabe zu sehen.

    In dieser Situation gibt es keine andere Möglichkeit als zuzuhören. Dem Hausarzt könnte man noch einen Tipp geben. Die Situation verändern kannst du nicht gegen den Willen des Pat. bzw. der Familie.

    Elisabeth
     
  19. Angel78

    Angel78 Junior-Mitglied

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    Ich wollte hier nur nochmal kurz einstellen was laut Lexikon die Definition von Schutzbefohlenen heißt, denn Pat. mit Bewegungseinschränkungen sind Schutzbefohlene.

    Schutzbefohlene, strafrechtlich besonders geschützter Personenkreis, v. a. Jugendliche und in Ausbildung befindliche Personen, die von ihren Erziehern abhängig sind; Gebrechliche, Kranke, Wehrlose, die der Obhut einer Person unterstehen. Strafrechtlichen Schutz erhalten Schutzbefohlene bei Misshandlungen (§ 225 StGB), sexuellem Missbrauch (§ 174), Verletzung der Fürsorgepflicht (§ 171).

    Ebenso gibt es auch noch im StGB einen ausführlichen Absatz darüber und unser Beruf steht damit nunmal im engen Zusammenhang. Denn jeder der uns anvertraut wird und ein körperliches Gebrechen hat ist laut Gesetz unser Schutzbefohlener.

    Das wollte ich nur nochmal anmerken. Ist halt nicht nur meine Meinung sondern gesetzlich verankert.
     
  20. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wenn du den Patienten von dir abhängig machst mit deiner Pflege, dann läuft da was falsch. Bei der Pflege ght es um die Hilfe zur Bewältigung des Alltages. Der Patient ist jederzeit autonom. Autonomie =Selbstbestimmung. Autonomie ist nicht gleichzusetzen mit Autarkie = etwas selbst machen können.

    Du unterstützt den Pat. also in seiner Autonomie und machst ihn nicht vo dir abhängig.

    Elisabeth
     
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