Ein Gespräch im Bus

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von carmen, 21.06.2003.

  1. carmen

    carmen Poweruser

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    Hallo zusammen,

    als ich gestern im Bus saß, um zum Dienst zu fahren, saßen mir zwei ältere Frauen gegenüber, deren unüberhörbares Gespräch um Folgendes ging.
    Es sei nicht schön, dass die Hausärzte an den Wochenenden keine Sprechstunden, wie unter der Woche abhielten, weil die Samstage und Sonntage dadurch sehr langweilig würden.
    Eine der beiden Frauen erzählte, dass sie 2 Hausärzte habe, die sie im Wechsel unter der Woche aufsuchen würde, um von dem einen Arzt die Medikamente aufgeschrieben zu bekommen, die der andere Arzt ihr verwehre, da es keine Notwendigkeit dafür gäbe. Außerdem wären die Gespräche in den Wartezimmern immer sehr interessant und der Tag ginge schneller rum.
    Die zuhörende Frau fragte die Erzählende, ob sie denn so krank sei, um jeden Tag zu einem der beiden Hausärzte in die Sprechstunde zu gehen und sich soviele, verschiedene Medikamente aufschreiben zu lassen.
    Die Antwort war verblüffend.
    Nein, krank sei sie nicht.
    Aber 1. wär sie von Zuzahlungen für Medikamente befreit, weil sie nur eine kleine Rente habe und 2. könne sie der Langeweile wenigstens 1x am Tag entfliehen.

    Da konnte ich nur noch unverständlich mit dem Kopf schütteln und aussteigen, weil mein Fahrziel erreicht war.

    Was hättet Ihr gedacht, wenn Euch das Gespräch zu Ohren gekommen wär?


    Viele Grüße

    Carmen
     
  2. Dirk

    Dirk Stammgast

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    ... und da wundert sich einer, dass das Gesundheitssystem in Deutschland krankt ????
    Ich denke, da sollte von Seiten der Krankenkasse interveniert werden, doch die scheint solche Dinge nicht zu interessieren.

    Da war ich letzlich mit meiner Tochter in einem Krankenhaus für eine Untersuchung. Je nach Ergebnis sollte sie auch evtl. eine Nacht dort bleiben.
    Ich bin am morgen um 8.00 Uhr gekommen, und mittags gegen 3.00 Uhr samt meiner Tochter wieder gegangen.
    In dieser Zeit wurde 1 radiologische Untersuchung durchgeführt, und das Ergebnis mit mir besprochen.
    Ich habe die geamte Zeit im Wartezimmer der Kinderstation gesessen, eine Kollegin habe ich in dieser Zeit nicht gesehen.

    Dennoch wurde diese Untersuchung der Krankenkasse als stationäre Behandlung verrechnet.

    Auf mein kritisches Nachfragen (da die radiologische Untersuchung eine Sonderleistung ist, die einzeln abgerechnet wird) wurde von der Gesundheitskasse nur nachgefragt : aber .. weshalb sind sie denn daran interessiert ?!?!
    Die Kasse hat zusätzlich den Tagessatz bezahlt ....

    Liebe Grüsse

    Dirk
     
  3. lixtig

    lixtig Senior-Mitglied

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    ... und da wundert man sich, das das Deutsche Gesundheitssystem pleite ist.
    Mich wundert es nur, das dort von seiten der Krankenkassen nicht stärker Druck ausgeübt wird, da dies sicher kein Einzelfall sein wird.

    MfG

    Lixtig
     
  4. Schaaf

    Schaaf Newbie

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    ... da fällt einem echt nichts mehr zu ein! Das ist eine Frechheit, gut, das alte Menschen viel Langeweile haben und wahrscheinlich sehr einsam sind ist eine Sache, aber es sind ja nicht nur alte Menschen die so einen Hammer bringen!
    Das erinnert mich alles sehr an meinen Einsatz in der ZNA

    Das fing Freitagsabends an und ging bis Sonntagabends!
    Da kommen tatsächlich Pat. die seid drei Tagen eine Erkältung haben... sehr beliebt waren auch fieberhafte Infekte mit Temperaturen die grade die 36.5 Grad überschritten... oder Schnittwunden auf die sich "normale" Menschen nicht mals ein Pflaster geklebt hätten...

    Da fragt man sich wirklich wofür es Notdienste (Hausärzte) gibt, aber die Antwort leigt ja jetzt auf der Hand, Die älteren Herrschaften brauchen ja auch am Wochenende eine Abwechselung!
    Und was mit den anderen ist versteh ich bis heute nicht!

    Schaaf 8O
     
  5. david

    david Senior-Mitglied

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    Hi!

    Zum Thema Geldvernichtung: Wir mußten Freitag nachmittag eine Patienten von der Ambulanz übernehmen nach einer Pleurapunktion. Auftrag: Überwachen, Röntgen um 18.00h, dann Entlassung.
    Das war natürlich vollkommen schwachsinnig, das Röntgen hätte man auch auf der dann noch offenen Notfallambulanz durchführen können. Die Observanz detto. Stattdessen wurde sie aber bei uns stationär aufgenommen, für exakt 2,5 Stunden (!).

    Die Kasse wirds einfach so zahlen. Wir sind eine sehr teure Klinik, das Bett alleine kostet am Tag an die 1000 Euro... Dazu der ganze Verwaltungsauswand - mir war richtig schlecht...

    +lg, david
     
  6. Trine

    Trine Stammgast

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    Hallo zusammen!

    Mein Freund hatte vor wenigen Monaten zwei Bandscheibenvorfälle. Die Beschwerden wurden an einem Samstagnachmittag so heftig, dass wir eine neurologische Ambulanz aufsuchen mussten. Dort wurde die Arbeitsdiagnose Bandscheibenvorwölbung (kein Vorfall) einer Bandscheibe gestellt, mein Freund mit Schmerzmedikation versorgt und mit einer Empfehlung zum CT nach Hause geschickt. Das CT konnte erst in der darauf folgenden Woche Freitag durchgeführt. Ich habe meinen Freund mit starken Analgetika aus dem Krankenhaus versorgt (war natürlich nicht korrekt, aber der Hausarzt hielt Diclofenac-Zäpfchen für völlig ausreichend) und ihn bei seinen Schmerzen getröstet.

    Der CT Termin war um 9.00 in einem Ärztehaus angesetzt, fand gegen 12.00 statt, die Diagnose "2 Bandscheibenvorfälle" stand gegen 14.00, die Besprechung mit dem Radiologen um 14.30, die Besprechung mit dem Neurologen um 14.45. Der Neurologe füllte eine Überweisung an einen niedergelassenen Orthopäden aus, der meinen Freund konservativ behandeln (mit Spritzen versorgen) sollte.

    Wir haben um 15.10 an einem Freitagnachmittag versucht, einen Orthopäden zu finden und die gelben Seiten unserer Umgebung abtelefoniert. Ca. 80% hatten bereits Feierabend und den AB eingeschaltet, die übrigen 20% wollten mit Termin behandeln. Ich habe versucht zu erklären, dass die Diagnose 2 Bandscheibenvorfälle erst seit knapp zwei Stunden feststehen würde, mein Freund bereits seit einer Woche neurologische Ausfälle an dem betroffenen Bein/Fuß habe und er dringend behandelt werden müsse.
    Die abtelefonierten Kliniken wollten ihn nur mit einer Überweisung eines niedergelassenen Arztes behandeln. Haha, selten so gelacht.

    Lange Rede, kurzer Sinn:
    Wir sind nach telefonischer Voranmeldung wieder in die neurologische Ambulanz eines Krankenhauses (von vor einer Woche) gefahren. Die diensthabende Ärztin war sehr nett und erklärte, dass sie meinem Freund gerne zwei Spritzen in die entsprechenden Bereiche setzen würde, allerdings sei ihr dies als "Blindpunktion" zu gefährlich, dies müsse unter CT-Kontrolle geschehen (sehr schön das hier zu erfahren, man macht sich da ja doch Gedanken, was beim niedergelassenen Orthopäden bei einer derartigen Spritze alles hätte passieren können). Das würde jedoch sehr hohe Kosten verursachen, so müsse mein Freund über Nacht im Krankenhaus bleiben, um diese Behandlung zu refinanzieren.

    Ich war so böse, dass ihm an einem Freitagnachmittag niemand helfen wollte. Er hätte doch wirklich nicht früher kommen können, da er ja erst um 15.00 aus dem Ärztehaus kam. Übrigens auch eine tolle Organisation dieser Praxen, einen rückengeschädigten Menschen fünf lange Stunden sitzen zu lassen.
    Mit privater Krankenversicherung wäre das nicht passiert. Ich war selbst früher privat versichert. Da ist man echt der König!

    Gruß,
    Trine
     
  7. Inuriel

    Inuriel Gast

    Hi,

    ich glaube jetzt versteh ich einiges besser - refinanzieren? Wenn also eine OP oder eine sonstige Behandlung große Kosten verursacht, dann läßt man den Kranken ein paar Tage auf Station liegen, sofern Betten frei sind, ja?

    Mein Freund ist seit heute morgen wieder im krankenhaus. Er hatte letztes Jahr im Juli einen Unfall und stürzte unglücklich auf sein Handgelenk. Eine erste Kernspintomographie ergab zwei Knochenbrüche, Verschiebung des Mondbeines und Verdacht auf kompletten Bänderabriss. Der behandelnde Arzt konnte aber wohl nicht lesen und gipste das handgelenk erstmal für acht Wochen ein.. erst im Oktober glaubte man meinem Freund, dass er mit den starken Scherzen nicht arbeiten könne. Er wurde operiert (zwei Stahlstifte zur Arritierung der Knochen) und blieb 9 tage im KKH. Bei einer OP, die direkt am knochen arbeitet kann ich das ja noch verstehen, aber heute wird "lediglich" der nerv gekappt, der für die andauernden Schmerzen verantwortlich sein soll, sowie die verklebte Narbe wieder abgehoben. Und dafür darf er nun bis Freitag drin bleiben. Ich muss in der ganzen zeit nicht arbeiten und könnte mich selbst um ihn kümmern.
    Wahrscheinlich ist dieser Aufenthalt auch eine Refinanzierung für die OP-Kosten??

    Bye Inu
     
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