Durchgangssyndrom

Dieses Thema im Forum "Fachliches zur Kinderkrankenpflege" wurde erstellt von Pucky, 12.09.2012.

  1. Pucky

    Pucky Newbie

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    Hallo,

    wir haben heute ein Kind auf einer normalen Kinderstation aufgenommen mit der Begleiterscheinung "Durchgangssyndrom".
    ( es tut mir Leid, wenn ich mich im Forum vertan habe) Ich habe mir schon viele Infos übers Internet geholt und ich weiß jetzt auch was damit gemeint ist. Aber leider finde ich nicht die Antwort auf meine Frage, ob man dieses Syndrom bekämpfen kann und wenn Ja, wie lange dieses anhalten kann. Könnt ihr mir mitteilen, wie lange dieses anhalten kann?

    Liebe Grüße:nurse:
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Durchgangssyndrom- wie äußert sich das denn?

    Elisabeth
     
  3. Pucky

    Pucky Newbie

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    Als Durchgangssyndrom werden weitgehend unspezifisch ausgelöste Psychosen (Unter einer Psychose versteht man eine psychische Störung, die durch einen tiefgreifenden strukturellen Wandel im Erleben des eigenen Ichs und der Umwelt gekennzeichnet ist.) bezeichnet, die unter anderem im Zeitraum nach großen chirurgischen Eingriffen auftreten können.
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Welche Symptome hat das von dir betreute Kind?

    Elisabeth
     
  5. Pucky

    Pucky Newbie

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    - Verwirrtheitszustände
    -unkooperativität
    - unmögliches Verhalten ( beleidigt die Mutter und spuckt sie an, ist unfreundlich zu Krankenschwestern)
     
  6. mary_jane

    mary_jane Poweruser

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    Wenn du etwas aus einer bestimmten Internetseite einfügst, musst du das auch kenntlich machen und die Quelle angeben.
     
  7. Pucky

    Pucky Newbie

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  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Es scheint sich um ein postop. Durchgangssyndrom zu handeln. Das ist in der Regel reversibel. Wie lange es dauert, dazu kann man keine Aussage treffen.

    Elisabeth
     
  9. Pucky

    Pucky Newbie

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    aso ok trotzdem danke
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    **Hier stand ein Link... diese Verlinkung war defekt und wurde vorübergehend entfernt** ... erklärt ganz gut das Problem und zeigt Optionen auf für den pflegerischen Umgang mit dem Pat..

    Elisabeth
     
  11. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Die Veröffentlichung bzw. Arbeit ist wirklich gut, aber was mir absolut fehlt:

    Wie beurteilt eine Pflegekraft und ein Arzt ein Durchgangssyndrom bzw. wie stellen sie es fest und welche Hilfsmittel kann man sich zu nutzen machen?
     
  12. bisauf

    bisauf Gast


    Bei uns auf der Intensivstation werden alle Patienten 2 x am Tag durch eine Pflegekraft CAM-ICU gescreent (8:00 und 20:00). Außerdem 3 mal am Tag RASS gescreent. Der Ausdruck Durchgangssyndom ist eigentlich veraltet, man nennt die Problematik meistens Intensivdelir. Unter dem Stichwort kann man schon so einige Information aus dem Intenet holen.
     
  13. narde2003

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    Bisauf, du solltest Pucky erklären was es mit RASS aund CAM-ICU auf sich hat. Pucky ist noch Schülerin auf einer Kinderstation und kann vermutlich damit relativ wenig anfangen.
     
  14. bisauf

    bisauf Gast

    Ich könnte ein wenig die Problematik vertiefen, dazu muss ich ein paar Dinge erzählen, die nicht direkt zu CAM-ICU und RASS gehören:
    Es gibt nicht sehr viele deutsche Studien über das Thema. Die aktuellsten Untersuchungen stammen (so weit ich weiß) von Intensivstationen aus dem angelsächsischen Raum und aus Skandinavien. Der Grund, warum so viel in Skandinavien darüber geforscht wird, scheint mir in dem anderen Umgang mit Intensivpatienten zu liegen. Die Patienten sind hier nicht fixiert und nach Möglichkeit auch nicht sediert. Deshalb ist man sehr auf eine Zusammenarbeit mit den Patienten angewiesen. Man hat aber dadurch auch den unschätzbaren Vorteil, den seelischen Zustand des Patienten beobachten zu können. Im Gegensatz zu anderen Parametern (beispielsweise Urinproduktion), kann man (zur Zeit) die Hirnfunktion nur indirekt beurteilen. Deshalb behilft man sich mit psychologischen Tests.
    Einer dieser Test ist der CAM-ICU (einfach googeln). Dieser Test wird regelmäßig angewandt, um einer Veränderung bemerken zu können. Wenn eine Veränderung bemerkt wird, fängt man an, nach der Ursache zu forschen. Es gibt verschiedenste Gründe, warum ein Patient in ein Delir rutscht. Beispielsweise könnte der Patient eine Sepsis entwickeln. Da sich die Laborparameter sich erst nach längerer Zeit verändern, könnte man dann die Behandlung früher beginnen und hätte dadurch einen Überlebensvorteil für den Patienten.
    Er könnte eine Substanz brauchen (Alkohol). Die Behandlung richtet sich hauptsächlich nach der Ursache des Delirs.
    Die Symptome kann man nach Bedarf mit verschiedenen Medikamenten dämpfen. Es gibt aber noch kein ideales Medikament.
     
  15. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    zur schon genannten confusion assesment method - CAM
    passt auch die Delirium Obervatie screening Schaal - DOS

    http://kpw-dcn-uhbs.ch/downloads/screeningassessmentunddiagnostik.pdf
    zum Thema Delir im Alter gibt's vom Hans Huber Verlag ein dickes Buch, der eingefügte Link ist ebenfalls vom Hans Huber Verlag
    aus dem eingefügten Link, S.2: "...Delir ist der internationale Begriff...für Verwirrtheit...Durchgangssyndrom...."

    Beide Skalen, DOS und CAM sind auf den 3 letzten Seiten drauf, mit Erläuterungen - somit erklären die beiden sich selbst
    Delirmanagment, WAS tun, ab Seite 9

    Delir beim älteren/alten Menschen, DA spricht man
    häufig von Tagen
    manchmal von Wochen
    selten auch von mehreren Monaten
    (erinnerlich aus meinem Bonse, Neurologie und neurologische Pflege, den ich grad - verliehen habe)
    bei Kindern...

    ein paar - nicht alle - auslösende Faktoren (aus Delir im Alter, Hans Huber Verlag, Bern)

    Blutarmut
    Med. gegen Übelkeit, gegen Krampfanfälle
    Flüssigkeitsmangel, Überwässerung
    mechanische Fixierung
    Blutzucker/ Kalium/ Calcium/ Natrium - zu hoch oder zu niedrig
    Sauerstoffmangel
    Narkosemedikamente
    ärztlicher Eingriff
    Infektion
    Komplikationen mit iv Katheter
    Blasendauerkatheter, Harnverhalt
    mangelhafte Ernährung
    Imobilität, Bettlägrigkeit
    Verstopfung
    Schock, Schlafmangel, Schmerzen, Stress
    Mangel oder Überfluss an Anregung (sensorische Stimuli)
    >1 zusätzliches Psychopharmaka
    >3 zusätzlich verordneten Medikamenten
     
  16. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    ihr denkt schon daran, dass es um Kinder geht
     
  17. bisauf

    bisauf Gast

  18. Julien

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    Vielleicht ist das Problem bei Kindern nicht so häufig? In dem Zusammenhang gibt es vermutlich eher Studien zum Thema Hospitalismus und dessen Langzeitfolgen als für ein eher zeitlich begrenztes Problem wie das Durchgangssyndrom? Die von Pucky beschriebenen Symptome könnten auch schlichtweg mit großer Angst erklärt werden, die Kinder nicht mit Vernunft und Logik wie ein Erwachsener unterdrücken können (vor allem kleinere Kinder). Meine derzeitigen Patienten sind für sowas zu jung, aber ich kann mich auch während der Ausbildung nicht erinnern, Durchgangssyndrom im Zusammenhang mit Kindern gehört und/oder gesehen zu haben. Panische Angst, logischerweise keine Kooperationsbereitschaft (warum soll man jemandem helfen, der einem wehtun will) und ab und an mal eine paradoxe Reaktion auf die Praemedikation, das schon. Und auch Panik im Aufwachraum, aber mal ehrlich, welches Kind hat keine Angst an einem fremden Ort ohne seine Mutter direkt neben sich? Hat vielleicht jemand von der Kinderchirurgie da mehr Erfahrung?
     
  19. Hallo!
    Ich arbeite auf einer kinderkardiochirurgischen Intensivstation und wir haben gelegentlich auch Patienten (aller Altersstufen!), die am Durchgangssyndrom leiden.
    Hervorgerufen wird dieses am wahrscheinlichsten durch die perioperative Narkose/Hypothermie und die postoperative z.T. länger notwendige Analgosedierung mit unterschiedlichen Medikamenten. (rein subjektive Beobachtungen/Erfahrungen, die man als Pflegeperson über die Jahre so macht...)
    Z.T. sind aber auch Kinder nach Reanimation für Tage bis Wochen "durchgängig". (Wir haben auch schon mal 2 große Betten zu einer großen Liegefläche zusammengeschoben und entsprechend abgepolstert, um ein (Selbst)Verletzungsrisiko zu minimieren)
    Je nach Ausprägung/Intensität des Durchgangssyndromes ist der Umgang und die Versorgung der Kinder z.T. eine recht große Belastung für uns Pflegende und die Angehörigen. Hilfreich ist es in jedem Fall, die Eltern zu fragen, wie das Kind denn auf gewisse Situationen normalerweise reagiert.
    Wir versuchen, eine ruhige Atmosphäre für die Patienten zu schaffen, nach Möglichkeit häusliche "Rituale" in den Pflegealltag einzubinden und natürlich wird auch medikamentös gegengewirkt und die Kinder werden ggf. auch sediert.
    Man muß das sehr individuell abwägen - je nach dem persönlichen Krankheitszustand (Grunderkrankung!) und sonstigen Umständen und natürlich auch den räumlichen Gegebenheiten (Mitpatienten im Zimmer).
     
  20. pericardinchen

    pericardinchen Poweruser

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    Es ist nicht ganz korrekt, dass man ein postoperatives Durchgangssyndrom ohne Weiteres gegen den Begriff Delirium austauschen kann. Es bedarf dahingehend einer weiteren Erläuterung.

    Ein postoperatives DGS kann durch schon ein abgeklungenes Ereignis entstehen und bei direkter Reaktion nennt man es durchaus noch DGS. Hingegen sollte man es Delirium nennen, wenn die direkte Diagnose und Therapie ausgeblieben ist.

    Dies ist auch zutreffend auf Kinder!

    RASS ist die übliche Einstufung heutzutage! Der Uhrentest ist meiner Meinung nach nicht sicher und eher bei Demenz sinnvoll. Wohingegen die Grenzen sich dahingehend stark vermischen und somit Alles wieder unter einer Begrifflichkeit genannt werden könnte. Ist allerdings nicht die gängige Praxis.
     
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