Dienstplangestaltung bei hoher Krankheitsrate

meisje

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Hallole und frohes Fest,
ich habe ein nur zu bekanntes Problem und möchte auf diesem Wege Erfahrungen austauschen.
Die Lage in unseren Krankenhäusern ist ja nur zu gut bekannt.Viel Arbeit, wenig Personal,Stress und hoher Krankenstand,weil das Personal ausgebrannt ist.
Die lästige Frage: Wer kann einspringen im Krankheitsfall?Hilfe von anderen Stationen ist nicht zu erwarten, da die Situation dort sich gleichermaßen gestaltet.Hole ich Personal aus dem geplantem Freizeitausgleich oder gar aus dem Urlaub(kommt zeitweise vor ->auf Anordnung PDL).Ist dies zulässig?
Für einen regen Gedankenaustausch wäre ich euch dankbar.

Gruß Meisje :P
 

Catsister

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Hallo,
bei uns ist es unter der Woche so, daß morgens bei der Besprechung mit PDL und Stationsleitungen durchgegangen wird, wieviel Personal auf jeder Station, wieviel Pat und wieviel Ab- bzw. Zugänge zu erwarten sind. Dann wird entschieden, ob jemand von einer Station auf eine Ándere zum aushelfen muß. Ungerecht ist manchmal, daß man zwar vielleicht weniger Pat - dafür die dann aber aufwendiger sind und dies aber nicht berücksichtigt wird.. Und manche Stationen immer "Gastarbeiter" bekommen und andere es ohne schaffen müssen.... :cry:
Am Wochenende muß man lt. PDL "Prioritäten schaffen" und es ohne Aushilfskräfte schaffen, wenn der Ausfall erst am Freitagmittag oder am Wochenende selbst stattfindet, denn dann hat unsere PDL immer keine Lust zum suchen... Außer ein bestimmter hat Dienst und der kümmert sich um Ersatz (aber auch nur Der :!: )
Ansonsten werden die Leute im frei angerufen, man kann aber ohne Angaben von Gründen "nein" sagen, wird aber häufig nicht gemacht, denn die meisten haben dann ein schlechtes Gewissen.
Aus dem Urlaub darf niemand geholt werden, war aber ein Kampf bis das geklärt war.
Die meisten von uns haben jetzt schon ISDN, bedeutet man sieht die Nummer und dann geht man einfach nicht hin, hat dafür aber ein schlechtes Gewissen...
Gruß Catsister
 

meisje

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Hey Catsister,
erstmal Danke für die Antwort.Ihr habt dann noch etwas Glück mit eurer PDL.Ich bekomme meist die Standardantworten:"Wir haben zu wenig Personal im Haus"-"Auf den anderen Stationen sieht es auch nicht besser aus!" oder es wird an uns delegiert , Leute aus dem Frei zu holen.
Wobei wir uns erst an die PDL wenden, nachdem wir schon auf anderen Stationen um Hilfe gebeten haben.
Momentan ist es halt so, daß uns auch langsam die Luft ausgeht und es uns immer schwerer fällt, die Mitarbeiter weiter zu motivieren, was auch verständlich ist.
Kopf hoch, auch wenn der Hals noch so schmutzig ist :P
Gruß Meisje
 

Elisabeth Dinse

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Hallo @all

bei Hospitationen auf anderen Stationen erlebe ich immer wieder, dass ausreichend bis zuviel Personal auf den Stationen ist. Das wird dann regelmäßig mit dem Satz kommentiert: du kommst gerade zur unrechten Zeit. Letzte Woche hättest du da sein müssen.
Das hat mich zum Grübeln gebracht.

Tatsache ist, dass sich die Patientenklientel in den letzten Jahren geändert hat.
Tatsache ist, dass der Arbeitsaufwand nicht planbar ist.
Tatsache ist, dass es Arbeitsspitzen aber auch Arbeitsflauten auf den jeweiligen Stationen gibt.
Tatsache ist, dass es zuwenig Personal gibt um immer für die Arbeitsspitzen ausreichend gerüstet zu sein.

Was kann man mit den Fakten anfangen?
Mehr Personal beantragen- Überlastungsanzeige. Bringt meistens eher wenig. Personal ist nur begrenzt da. Das hängt auch mit den knappen finanziellen Ressourcen im Gesundheistwesen zusammen. Die PDL kann nun mal keinen Kredit aufnehmen um mehr Personal bezahlen zu können.

Was bleibt dann noch? Sich jammernd in sein Schicksal ergeben?

Haben wir es verpasst auf die Veränderungen im Gesundheitswesen zu reagieren? Warten wir auf Hilfe von außen? Ist Aushilfe auf einer anderen Station nicht etwas, was wir nur allzugerne ablehnen? (Schließlich mußten wir auch mehr als genug arbeiten.) Wie real schätzen wir unseren Arbeitsaufwand ein? Und sind alle Tätigkeiten (z.T. liebgewordene Tradition) noch notwendig und wichtig? Wieviel Veränderung wollen wir?

Elisabeth
 
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meisje

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Hallo Elisabeth,
keiner wird sich jammernd seinem Schicksal ergeben.
Gerade in unserem kleinen Haus wären wir schon lange am Ende, würden wir nicht auf Veränderungen reagieren.
Unseren Arbeitsaufwand können wir durch eine Vielzahl von Mehrarbeitszeit belegen, sowie wir auch mit manchen "Traditionen"
gebrochen haben. Diesbezüglich waren wir schon immer flexibel und sind es noch und werden es weiterhin sein.
Nur sollten die Verantwortlichen, die Flexibilität und Engagement verlangen genauso flexibel und engagiert sein.
Was nützen Verbesserungsvorschläge etc., wenn von "Oben" keine
Rückmeldung kommt?
Gruß Meisje :P
 

Catsister

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Hallo,
ich muß irgendwo "leider" Elisabeth rechtgeben, ich hatte auch schon das Erlebnis, daß bei uns auf Station die Hölle los war, aber von uns jemand (aufgrund Anweisung der PDL - weil wir angeblich zu gut besetzt waren, aber bei hohem Pflegeaufwand) auf eine andere Station mußte und dort waren dann (bei einer 40 Betten - Kardiostation mit wenig pflegerischen Aufwand) 5 Examinierten Kräften + 2 Langzeit-Zivis.
Das wäre kein Problem gewesen, aber als ich zum Helfen um 10.00 Uhr auf Station kam, hatte der eine Bereich (die Station ist inoffiziell in drei Bereiche geteilt) noch einen frischen Herzinfarkt zu waschen, einen älteren Pat. am Waschbecken zu waschen und noch alle Betten zumachen bei ca. 12 Pat.
Die anderen Bereiche waren fertig und tranken Kaffee und ich ging erst die Ganzkörperwäsche im Bett, dann den älteren am Waschbecken und dann machte ich noch alle Betten. Half der Schwester beim Visite ausarbeiten und Essenausteilen. Selbst da wurde strikt nach Bereich getrennt und nicht untereinander geholfen.....
Ich hab mich beim besten Willen nicht überarbeitet, aber den Sinn hab ich nicht verstanden.
Bei uns tobt der Bär (wir haben auch drei Bereiche - aber helfen zusammen) und dort wird nicht zusammengeholfen, sondern wir holen ´ne Aushilfsschwester. Ich hab mir dann auch überlegt, was hat die Schwester bis zu meinem Eintreffen von 6.30 - 10.00 Uhr gemacht??
Alle anderen Pat waren körperlich fit, hatten keine Untersuchungen (auf der Station fährt prinzipiell keine Schwester, sondern immer nur die Zivi´s)
Auch muß ich Ihr Recht geben, wir fordern nur sehr selten jemanden an, denn wir haben sehr viele Kompressionsverbände, spezielle Salbeneinreibungen und da können uns Aushilfen nicht so super helfen... Da wird zusammengeholfen, mal die Eine oder Andere Therapie sein gelassen (was man vorher mit dem Doktor abklären muß) und dann klappt es meistens doch...
Es gibt immer mal Zeiten, wo es ruhiger zugeht, das wird bei uns dann aber für überfällige Aufräum- und Putzarbeiten genutzt - denn manche Sachen machen die Putzfrauen eben nicht - oder die Stationsleitung (die normalerweise im Bereich mitarbeitet) kümmert sich mal den ganzen Tag um Dienstplan, Abrechnung oder ähnliches.
Dafür wird dann aber auch im Notfall der Dienstplan mal 1-2 wochen später fertig
Aber das ändert nichts daran, daß immer mehr Stellen abgebaut werden und das Personal so knapp bemessen ist, dass bei einer Krankmeldung die Station am zusammen brechen ist oder das für den Pat. keine Zeit mehr bleibt - wann hat man mal Zeit den Schülern zu ermöglichen bei Untersuchungen, Op´s zuzuschauen oder sie mal Visite ausarbeiten zu lassen (dafür hat man keine Zeit) und wenn man dann doch mal besser besetzt ist - muß man wo aushelfen, wo es manchmal eigentlich nicht nötig ist...
Aber Meisje hat Recht: wir sind flexibel und arbeiten engagiert auch wenn man leicht krank ist - versucht immer höflich, nett und freundlich zu sein, versucht noch Neuerungen einzuführen, oder Verbesserungen - und wer sträubt sich von vornherein - die Oberen.....
Und das nimmt einen dann eigentlich die Motivation, nicht der Streß, die Arbeit oder .......
Gruß Catsister
 

Mücke

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Hallo an Alle,
Eure Kommentare hier im Forum kommen mir sehr bekannt vor und ich denke, dass es in vielen Häusern so läuft...leider.
Hohe Flexibilität wird von uns allen gefordert, Traditionen gehören unlängst der Vergangenheit an und an der Teamarbeit wir immer weiter gearbeitet, damit auch der letzte Mitarbeiter begreifen lernt, dass wir alle an einem Strang ziehen müssen.
Auch wir haben in unserem Team die Nachteile einer Bereichspflege kennengelernt, hinzu kommt, dass wir einige MA aus einem anderen Bereich bekommen haben, die jahrelang ihren eigenen "Schuh" gefahren sind.(Unsere Betten wurden aufgestockt, Fachbereiche sind jetzt Chirurgie und Neurologie).
Und....25% der MA sind über 20 Jahre in diesem Beruf tätig und die Motivation ist da sehr unterschiedlich :?
Ich kann nur allen empfehlen, immer wieder Überlastungsanzeigen an alle Stellen zu schreiben, es gibt zwar keine neuen Mitarbeiter (vielleicht mal eine Aushilfe die anderenorts dann fehlt), jedoch wird die PDL immer wieder auf Defizite hingewiesen und die SL sichert sich ab.
Ich wünsche Allen, dass niemand den Mut verliert, doch noch etwas bewegen zu können und viel Kraft, für die Wege, die Ihr beschreiten wollt.
LG
Mücke
 

carmen

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Hallo zusammen,

unsere Stat. hat das Glück, in 2 Wochen 2 "neue" Sr zu bekommen.
Sie sind vom Haus, kennen sich also auch in der Klinik aus, was von großem Vorteil ist.

Nun ist es aber auch so, dass wir seit ein paar Tagen, 2 Schüler auf Stat. haben. Was nix Ungewöhnliches ist.
Doch sowie sich unsere Öse an den PC setzt und den Dienstplan für den nächsten Monat eingibt, steht bei jedem Tag in Rot der Kommentar "überbesetzt".

War oder ist es nicht so, dass Schüler gar nicht in den Dienstplan mit aufgenommen werden sollen oder dürfen?

Carmen
 

aventis

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carmen schrieb:
Hallo zusammen,

unsere Stat. hat das Glück, in 2 Wochen 2 "neue" Sr zu bekommen.
Sie sind vom Haus, kennen sich also auch in der Klinik aus, was von großem Vorteil ist.

Nun ist es aber auch so, dass wir seit ein paar Tagen, 2 Schüler auf Stat. haben. Was nix Ungewöhnliches ist.
Doch sowie sich unsere Öse an den PC setzt und den Dienstplan für den nächsten Monat eingibt, steht bei jedem Tag in Rot der Kommentar "überbesetzt".

War oder ist es nicht so, dass Schüler gar nicht in den Dienstplan mit aufgenommen werden sollen oder dürfen?


ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube mit dem Dienstplan hast du recht. Schüler sind zusätzlich.
Bei uns sind sie es jedenfalls. Aber wenn dann jemand kurzfristig krank wird ist es so das wir dann sagen, es ist ja noch die schülerin da, das schaffen wir schon. Damit niemand aus dem frei geholt werden muss.

:P
 

Severin

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carmen schrieb:
War oder ist es nicht so, dass Schüler gar nicht in den Dienstplan mit aufgenommen werden sollen oder dürfen?

Wir haben damals vor und während unserer Ausbildung immer wieder zu hören bekommen, dass Schüler eigentlich nicht im Dienstplan mitgerechnet werden dürften, da sie eben keine "vollwertigen" Kräfte sind.
Sowas sollte eben Verhindern dass in Minimalbesetzung 1 Examinierte und 1 Schüler gearbeitet wurde ....
 

flexi

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Hallo zusammen,
bei der Dienstplanung mit den diversen Personaleinsatz-Planungsprogrammen hat man meist nur die möglichkeit, den Schüler einfach zahlenmässig mitzuzählen. Manche programmen lassen dann aber für die Station eine neue Dienstgruppe zu, in die man dann Schuler und andere Hilfskräfte einordnen kann. Dann muss man sicher auch überprüfen, welche Qualifikationen in der Soll-Besetzung vorhanden sein müssen.
grundsätzlich darf man Schüler nicht 1:1 mitzählen, da natürlich volles mitzählen auch volle Qualifikation bedeutet.
Trennen muss man davon die Stellenplanberechnung auf der Station, wo die Anrechnung bisher 1:7 betrug.
 

Sinclaire

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Hallo Kollegen,

nach der LEP (Leistungserfassung in der Pflege) werden Schüler nur im Rahmen ihrer Ausbildung mitgezählt, d.h. in welchem Status der Ausbildung sie sich befinden:

1. Ausbildungsjahr: 0,2 VK
2. Ausbildungsjahr: 0,5 VK
3. Ausbildungsjahr: 0,8 VK

So müsste sich dies eigentlich auch im Dienstplan darstellen.

Cheers

Ingo :wink:
 

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