Dienstanweisung Intramuskuläre Injektion

Dieses Thema im Forum "Arbeitsrecht / Gesundheitsrecht / Krankenpflegegesetz" wurde erstellt von tempest78, 10.12.2008.

  1. tempest78

    tempest78 Newbie

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    Guten Abend,

    ich bin gerade in einer verzwickten Situation und brauche einen Rat.

    Meine Arbeitgeber hat mir folgende Dienstanweisung mitgeteilt:

    Ich als examinierter Krankenpfleger muss einer Kollegin die eine einjährige Ausbildung zur Sozialpflegehelferin gemacht hat, die Ausführung der Intramuskulären Injektion beibringen, damit sie diese in Zukunft selbstständig durchführen kann. Muss ich diese DA folgeleisten? bzw. darf ich rechtlich gesehen dieses durchführen?
    Oder muss der Arbeitgeber eine entsprechende Weitebildung für die Kollegin anbieten.
    Vielen Dank
     
  2. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wie sieht der behandelnde Arzt das? An wen hat er delegiert?

    Elisabeth
     
  3. Lin

    Lin Poweruser

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    Mich würde eher verwundern, dass eine Sozialhelferin mit einjähriger Ausbildung eine i.m.Injektion durchführen darf. Wie sieht es da rechtlich aus? Darf sie das laut Ausbildungsverordnung überhaupt?

    Gruß,
    Lin
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Laut Ausbildungsordnung darf sie dies nicht. Darum geht es aber hier nicht. Es gibt in D keine Vorbehaltsaufgaben für dreijährig examinierte Fachkräfte.

    Es ist die Frage ob ein AG eine ärztliche Delegation problemlos weiter delegieren darf.
    1. An wen hat der Arzt delegiert?
    2. Was passiert mit der KPH, wenn diese einen Fehler macht?
    3. Wer nimmt die Überprüfung der Fähigkeiten der KPH vor? Laut Gesetz muss sich der Arzt von den Fähigkeiten überzeugen.

    Elisabeth
     
  5. jackdanielsx84x

    jackdanielsx84x Gesperrt

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    @Elisabeth

    wäre es dir möglich den entsprechenden Gesetzestext einzustellen?


    Gruß
    Dennis
     
  6. flexi

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    An Tempes78, der examinierter Krankenpfleger ist! (siehe #1)
    Die zu unterrichtende ist "Sozialpflegehelferin" (siehe #1)
    Nicht KPH, sondern "Sozialpflegehelferin". Diese ist der FSJ-Tätigkeit gleichzusetzen. Siehe hier.
    Die Tätigkeit kann also folgedessen nur der ARZT delegieren, der sich von den Fähigkeiten des Beauftragten zu überzeugen hat. Schlüssig ist dann auch, das er den Beauftragten unterweisen muss, um es juristisch einwandfrei zu gestalten.
    Injektionen gehören zur Behandlungspflege und somit sicher nicht zum den Arbeitsaufgaben einer "Sozialpflegehelferin", der man grundpflegerische Aufgabe sehr wohl übertragen kann.
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ein Arzt kann jegliche Tätigkeiten an Willige delegieren. Wie flexi schon schrieb, muss er sich von den Fähigkeiten des Übernehmenden überzeugen. Ob das eine dreijährif examinierte Fachkraft oder ein Sozialhelfer ist, tut nix zur Sache.

    Stichwort Haftungsrecht: Zwei Sachen sind hier zu beachten:
    1. Der Pat. muss dieser eigenwilligen Konstruktion zustimmen. Injektionen werden Körperverletzungen gleich gesetzt. Der Pat. kann im Falle eines Falles Schadensersatz geltend machen gegen den Ausführenden: BGB § 823

    2. Aus dem mit dem Arzt abgeschlossenen Behandlungsvertrag ergeben sich aus BGB § 278 im Falle eines Falles Schadensersatzansprüche gegen den Arzt.

    Maßnahmen:
    1. Info an AG über Rechtslage
    2. Info an Arzt, das Behandlungsvertrag verletzt werden soll
    3. Info an Sozialhelferin über die haftungsrechtlichen Ansprüche
    4. ggf. Info an Pat./ Betreuer- das die Sozialhelferin haftungsrechtlich anzusehen

    Ergo: Für den Anleitenden ergibt sich erst dann ein Problem, wenn die Sozialhelferin unter seiner Aufsicht am Pat. aktiv wird. Theoretische Grundlagen kann man erklären soviel man will. Die Injektion ducrh die Sozialhelferin darf nur unter Aufsicht des behandelnden Arztes erfolgen.

    Eigentlich ganz einfach.

    Elisabeth
     
  8. adalbert

    adalbert Stammgast

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    Behandlungsverträge werden mit der Einrichtung abgeschlossen und nicht mit dem Arzt.
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich bin von einer ambulanten Versorgung ausgegangen. Für den Klinikbereich hast du natürlich recht.

    Elisabeth
     
  10. adalbert

    adalbert Stammgast

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    Darüber habe ich auch schon nachgedacht, kann mich aber nicht erinnern einen Behandlungsvertrag unterschrieben zu haben, egal ob Hausarzt oder Radiologe o. ä.
    Da wird wahrscheinlich von einer stillschweigenden Vereinbarung ausgegegangen... Erstmal egal für den Fall...
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    *grübel* Jetzt bringst du mich zum Nachdenken. Der Hausarzt verordnet die Injektion und beauftragt dann den Pflegedienst, das Heim mit der Maßnahme. Wird der Vertrag nun mit dem behandelnden Arzt geschlossen oder mit der Einrichtung?

    Aber hast recht- ist hier eigentlich nur sekundär wichtig.

    Elisabeth
     
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