"Die Schwester" - die Eierlegendewollmilchsau

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von alesig, 28.08.2007.

  1. alesig

    alesig Poweruser

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    Hallo
    In einem Thema vorher ging es um Krankenhaus und Hotel,
    Was mich viel mehr aufgregt ist die Forderungen der Verwaltung an uns Schwestern. Die Küche ist überlastet der Hol-und Bringdienst der Küchenwägen muß mit ans Fließband, also muß die Schwester den Wagen aus der Küche holen und zurückbringen, und wehe er kommt zu spät, den die Spülerinnen wollen pünktlich heim, und sind nicht verpflichtet den Wagen zu Fahren.Das Labor leidet an Unterbesetzung also darf die Schwester die BZ-Tagesprofile selber machen, an den Wochenenden sowieso schon seit Jahren Standard.Der Patienten Hol-und Bringdienst ist krank, wer fährt die Patienten zu den Untersuchungen-die Schwester. Die eigenständige CT-Praxis i Krankenhaus ruft an weil Patient auf Topf muß und die Arzthelferinnen sich nicht zuständig fühlen wer sollte ran -die Schwestern.
    Das Klo ist dreckig die Putzfrau weigert sich, wer soll putzen- die Schwester. Unsere lieben Docs lassen am Sonntag eine Menge Patienten nach Hause, es gibt keine sauberen Betten mehr, Zugänge kommen, wer putzt die Betten - die Schwestern. Die Docs haben ja so viel Arbeit und in Ermangelung einer Arztsekretärin, wer soll sie entlasten -die Schwestern.
    Egal wo es eng wird, wo es personelle Engpässe gibt, wir von der Pflege sollen alles übernehmen wofür die anderen keine Zeit(Lust?) haben.
    Und um nicht als die böse Schwester dazu stehen, und damit uns alle weiter lieb haben machen wir es natürlich auch. Rückendeckung von der Verwaltung bekommen wir natürlich nicht weil irgendein Depp muss die Arbeit schließlich machen, und bis jetzt stand auf der Stirn der Pflege immer ganz groß DEPP.
    Es ist klar, der Patient muss Essen also hole ich den Wagen, wenn die Spülerin ihn haben will, dann soll sie ihn sich holen.
    Der Patient muss zu seinen Untersuchungen also fahre ich.
    Der Blutzucker muß stimmen also kontrolliere ich.
    Weigert sich die Putzfrau, zitiere ich ihre Vorgesetzte her und sperre so lange das Klo ab.
    Kommt die Arzthelferin mit dem Patientenbedürfniss in ihrer Praxis nicht zurecht soll die die 19222 anrufen, nur weil die Praxis am Krankenhaus ist bin ich nicht berechtigt meine Station zu verlassen um rüberzulaufen.
    Für die Unsitte alle Patienten am Sonntag heimzuschicken hilft es, dem Doc den Putzlumpen in die Hand zu drücken und zum Putzen aufzufordern, da man selber keine Zeit hat. Dann geht es mit der Entlassung auch am Samstag wo die Betten noch gereinigt werden oder am Montag.
    Wollen mich die Docs zu ihrem Bimbo machen, erkläre ich ihnen freundlich daß ich alle Aufträge sofort erledige, wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin und ich dann noch Zeit habe. Wenn ich mit meiner Arbeit fertig bin, dann habe ich eh schon meist eine halbe Stunde überzogen und die Docs bekommen ihre Auftragsliste zurück. Ich bekomme schon seit einiger Zeit
    keine Listen mehr.*g*
    Ich kann mich nur im kleinen wehren und mich abgrenzen,berufsfremde Tätigkeiten ablehnen und um dem Vorwurf der Arbeitsverweigerung zu entgehen erklären ich mache alles sobald ich Zeit habe, und dann habe ich eben keine Zeit mehr. Der Vorteil- ich habe mehr Zeit für die Patienten bin deshalb weniger gestresst, der Nachteil -ich bin für die Docs und die Funktionseinheiten die böse unkollegiale Schwester über die man lästert.
    Gaaaaanz langsam wachen meine lieben Kolleginnen auf und lernen sich ebenfalls abzugrenzen, gottseidank habe wir die Unterstützung unserer Stationsleitung.
    Alesig
     
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  2. mary_jane

    mary_jane Poweruser

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    hallo alesig,

    danke für den tollen beitrag, denk du sprichst vielen aus der seele.
    werde das jetzt auch mal so wie du versuchen und mich nicht immer so reinstressen allen gerecht zu werden und dann doch nichts so zu schaffen wie es sein soll.

    lg mary:wink:
     
  3. narde2003

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    Hallo Alesig,

    ich frage mich nur, warum sich die Schwester alles auf 's Auge drücken lässt.
    Im übrigen handle ich ähnlich wie du, im letzten Dienst meinte eine Ärztin, ich hab am Freitag vergessen, der Patient braucht noch nen Thorax - alles klar, kein Problem, dann fährst du den Patienten halt zum Röntgen, ich bin an ihm fertig. Die Ärztin: stammelt, ja, aber das Bett schiebt sich doch so schwer - klar wenn die Schwester es schiebt, fährt es von alleine....

    Nein, ich verweigere die Arbeit genausowenig wie du, aber sie die Zusatzaufgaben kommen irgendwo ganz weit hinten, und Überstunden soll ich doch auch keine machen, also müssen viele die mir übertragenen Zusatzaufgaben selber machen, schade nur, wenn dir die Kollegen in den Rücken fallen.

    Liebe Grüsse
    Narde
     
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  4. flexi

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    Hallo Narde,

    ich danke dir für dies Beispiel.
    Die Kollegen brauchen solche Schilderungen mit Lösungsvorschlägen, um sich vor Ort und sofort wehren zu können!
     
    #4 flexi, 28.08.2007
    Zuletzt bearbeitet: 28.08.2007
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    http://www.krankenschwester.de/foru...7-modernes-krankenhaus-hotel-5.html#post96678

    Deutsche KKH arbeiten nun mal gerne mit den "eierlegenden Wollmilchsäuen"... zumal man sich um den Nachwuchs nur wenig Sorgen machen muss. "Es war so, es ist so und es wird immer so sein" scheint auch heute noch ein allseitsbeliebter Satz zu sein. Und wenn selbst der DPR sich engagiert für den Pflegeinsatz in diversen Funktionsbereichen so ist dem nichts mehr hinzu zu fügen.

    Aus dem Focus Nr. 34, erschienen am 20. August 2007

    Auf die Frage, wie gut die Pflege aufgestellt ist um ärztl. Tätigkeiten übernhemen zu können antwortet Fr. Müller, Vorsitzenden des Pflegerates:
    Ob ihr bewusst ist, dass es eigentlich kaum Hochschulabschlüsse gibt, die zur Umsetzung und Anwendung in der Praxis befähigen? Die meisten Anschlüsse sind m.E. im Bereich Management angesiedelt. Dort wird Pflegefachwissen eher klein geschrieben.

    Der Journalist erkundigt sich dann nach vorstellbaren Verantwortungsbereichen für Pflegekräfte.
    Soviel Selbstbewußtsein verwundert selbst den Journalisten und er hakt nochmal nach, ob das wirklich alle Pflegekräfte machen sollen.
    Und Frau Müller rudert zurück:
    das läßt den Journalisten hellhörig werden- gabs da nicht gerade einen Zwischenfall bei Hellios?
    Wie war das noch?
    Mit solchen konfusen öffentlichen Aussagen stellen wir uns selbst ins Abseits und werden von der Politik wohl nur milde belächelt. *grummel*

    Elisabeth
     
  6. flexi

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    siagst, deswegen die praktischen Tipps -->> siehe oben, das wird gebraucht!!

    Den Kollegen zeigen, wie man akzeptabel "NEIN" sagt!

    Und das klappt auch ohne Berufspolitik!!
     
  7. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Was glaubst, wie lange jemand gegen den Strom schwimmen kann? Wieviele gehen vorher ... ins Managementstudium, weil sie glauben dann etwas verändern zu können... ins Pädagogikstudium, weil sie glauben, man muss nur besser ausbilden... in die Referententätigkeit, siehe Pädagogikstudium... in den MDK, weil sie glauben mit der richtigen Kontrolle läßt sich alles richten... in die Vertretertätigkeit, weil man wenigstens so den Glauben hat, dem Kollegen mit einem besseren Produkt helfen zu können...usw. ... und wieviele müssen jährlich den Beruf aufgeben, weil sie zuviel gewollt haben und ihr Körper dem ständigen Widerstand irgend wann nichts mehr entgegen setzen konnte?

    Müsste man doch glatt mal Statistiken wälzen. *fg*

    Derzeit kämpfen die meisten Stationen um das einfache Überleben. Da ist ein Dienst, der problemlos lief, schon wie ein Geschenk.

    Elisabeth
     
  8. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Elisabeth,

    es ist richtig, derzeit herrscht der Kampf ums Überleben, nicht umsonst nenne ich meine Aushilfstätigkeiten auf einer Allgemeinstation immer Survivaltraining, aber ich kann nur an mich denken und nur für mich sprechen. Ich kann als Vorbild fungieren, was bei Kollegen zu interessanten Reaktionen führt - entweder sie fallen mir in den Rücken oder sie schauen mich mit grossen Augen an und sagen: Was du dich alles traust und wagen es beim nächsten Mal auch.
    Wenn ich weiterkommen will und nicht untergehen will oder frustriet den Job hinwerfen will muss ich an mich denken. Frei nach dem Motto: Alle denken nur an sich, ich bin da ganz anders - ich denk nur an mich.

    Wenn ich eine gute Pflege leisten will, egal in welcher Fachabteilung, dann muss es mir auch gutgehen, das wird es aber nicht, wenn ich mir jeden Schuh anziehe, der mir vor die Füsse geworfen wird.

    Liebe Grüsse
    Narde
     
  9. flexi

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    Eben, und mit Statistiken hilfst du ihnen nicht, sondern sie brauchen Werkzeug, in der akuten Situation vor Ort mit zugkräftigen Argumenten "Nein" zu sagen!
    Dafür suchen wir in diesem Thread Beispiele und Hilfestellungen, und keine lügenden Statistiken...
     
  10. Brady

    Brady Gast

    Hallo zusammen,

    ich denke auch, dass uns hier Beispiele und Hilfestellungen besser helfen. Denn es ist klarer zu verstehen, da teilweise vieles so verwoben ist und jeder Angst hat, darf ich das ablehnen? Wie verhalte ich mich richtig?
    Was mache ich, wenn meine Kollegen dies anders sehen? Gelte ich dann als faul?, usw..

    Es sind auch oft die Kleinigkeiten, die wir garnicht bemerken, die dazu führen uns auch anzubieten, wo dann doch gerne jemand dies ausnutzt.
    Aus eigenen narzisstischen Gründen, aus einem Kontrollbedürfnis heraus, aus Größenideen; ohne uns geht und läuft nichts richtig und vieles mehr. Dies ist ohne Bewertung, denn jeder von uns hat auch diese Anteile und sollte sie beim Handeln stets hinterfragen. Denn wenn wir bei einem Patienten oder Arzt es tun oder bei anderem Patienten oder anderem Arzt es nicht tun, aus Gründen der Sympathie ist es auch nicht ok. Denn das spaltet und macht uns unglaubwürdig.

    Wir haben bei uns auch immer die Probleme mit dem Telefon. Jeder ruft bei uns an, obwohl die Ärzte, der Psychologe selber einen Telefonanschluss haben. Immer erst wird unsere Nummer gewählt. Auch rennen andere ärztliche Kollegen an den Zimmern der ärztlichen Kollegen vorbei, um erstmal uns zu fragen, ist der oder derjenige da? Ich dann immer, sie sind doch an dem Zimmer vorbei gekommen, haben sie dort nachgeschaut? Dann kommt glatt die Antwort: "Nein, habe ich nicht reingeschaut." Gucken dann ganz irritiert....

    Egal ob ich im Patientenkontakt bin oder auch anderweitig beschäftigt bin, ich werde erstmal gestört.
    Ich werde auch nicht müde dabei zu sagen, keine Ahnung, sie müssen schon selber dort anklopfen oder anrufen. Ich renne nicht los und suche ihn.

    Mittlerweile kommt es wohl diesen Ärzte selbst schon merkwürdig vor und es hat nachgelassen, mich zu fragen, wo denn der Kollege sei. Sie können jetzt selbständig an die Türe anklopfen und auch dort anrufen. Bei telefonischen Kontakt sage ich: "Ach, ist er nicht immer Zimmer?". Dann höre ich am anderen Ende erstmal nichts und dann wird gesagt: "Ok, ich rufe dort an".

    Gruß Brady
     
  11. behid

    behid Gast

    100%ige Zustimmung meinerseits!!!
     
  12. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Die Auswirkungen der lügenden Statistiken erleben viele Kollegen Tag für Tag. Und die Statistiken bestätigen ihr Gefühl, dass da was nicht stimmt. Soviel dazu.

    Wenn man mit dem einfachen NEIN- sagen soviel verändern kann... warum verändert sich dann sowenig?
    These: Es muss funktionieren in der Organisation KKH. Solange nur einzelne NEIN-sagen, hat die Organisation zwei Möglichkeiten:
    a) sie akzeptiert das NEIN und ändert die Abläufe
    b) sie bemüht sich um Schadensbegrenzung und versucht den Störfaktor zu eliminieren. Stichwort: Sozialwissenschaften, Gruppendynamik.

    Das Problem bleibt die Uneinigkeit in der Pflege. Schon die alten Römer wussten: Teile und Herrsche. Und die Vergangenheit zeigt, dass nur eine geeinte Macht etwas verändern kann.
    Ergo: wir brauchen eine Berufsidentifikation die trägt. Und wenn die Verbände dies nicht schaffen (top down) dann muss es die Basis schaffen (button up). Und dafür braucht es mehr als nur NEIN- sagen. Die Folgen könnten sein: siehe oben.

    Warum scheuen wir die Auseinandersetzung mit dem Berufsbild? Warum schaffen wir es nicht, den Begriff Professionelle Pflege zu benennen und daraus schlußfolgernd Vorbehaltsaufgaben für Pflegekräfte festzulegen.
    These: Der Leidensdruck ist noch nicht groß genug. Und das Helfersyndrom hilft über vieles hinweg.

    Elisabeth
     
  13. flexi

    flexi Administrator
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    Hallo Elisabeth,

    dazu existieren doch schon diverse Threads und Beiträge von dir......

    Mit der Suchfunktion findet man "Vorbehaltsaufgaben", "professionelle Pflege" und diverse andere Schlagwörter, und du siehst dort, was sich tut: NIX !
    Es ändert sich auch nicht, wenn diese Wörter in möglichst vielen Threads auftauchen.
    Und was das NEIN-Sagen angeht, da müssen wir Pflegekräfte das Lernen, denn bis dato verstehen sich die Mehrheit von uns immer noch als "dienend" und merken nicht, daß sie oft "ausgenutzt" bis "missbraucht" werden.

    So, liebe Leser, bitte, schreibt hier weiter, wie ihr wirkungsvoll und argumentativ NEIN sagt, wenn man euch als "Mädchen für alles" ausnutzt!
     
  14. alesig

    alesig Poweruser

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    Hallo
    Krankenstand hoch,Station voll,viele Pflegefälle, es werden wieder die Halbtagskräfte(bereits schon mehr als 100 Plusstunden) angerufen, die haben ja eh so viel frei. Wir haben uns zusammengeschlossen und entschieden, da wir ja sowieso schon mit 75% im Dienstplan geplant sind springen wir nicht mehr ein. Das Ende vom Lied - unser PDL hat 3 Tage auf Station mitgearbeitet, da 2 Vollkräfte am Vormittag einfach zu wenig.
    Unsere "lieben'" männlichen ärztlichen Kollegen lassen ständig ihr Geschirr am Tisch stehen wenn sie gegessen haben. Es wurde gebeten, gebettelt, geschimpft- es hat nichts geholfen. Die Lösung- man stelle schmutzige Tassen und Teller in die Fächer der Ärzte verschmutze ausgefüllte Anträge, Arzt muss Tasse und Teller entsorgen und Anträge neu schreiben.
    Bei ganz resistenten hilft es sein schmutziges Geschirr ein paar Tage zu sammeln und dem Chefarzt auf den Tisch zu stellen, mit der Bitte seinen Ausbildungsauftrag zu erfüllen, da sein Assistenzarzt noch keine Ordnung gelernt hat gehört dies dann wohl dazu.( Diese Massnahme empfiehlt sich nur bei Chefärzten mit einem ausgeprägten Sinn für Humor.)
    Ich schwimme jetzt seit fast 20 Jahren gegen den Strom, und freue mich über jeden kleinen Erfolg. Was mich aber immer noch tierisch aufregt sind meine lieben Kollegen/innen. Die meisten lassen sich alles gefallen, jammern mir die Ohren voll, beschweren sich über ständige Überlastung, darüber dass sie ständig einspringen (müssen?),dass die Ärzte sie als Bimbos benutzen, dass die Funktionseinheiten auf ihnen rumtrampeln usw.usw.usw.
    Als Begründung sich als Fussmatte benutzen zu lassen kommt dann meist
    - wenn ich nicht einspringe habe ich ein schlechtes Gewissen (wozu gibt es Überlastungsanzeigen?)
    - wenn ich diese oder jene ärztliche Tätigkeit nicht übernehme dann könnte der Doc ja glauben ich sei dumm (wenn ich dadurch weniger Arbeit hätte würde ich mir Dumm auf die Stirn malen)
    - wenn ich zu den Funktionseinheiten berechtigter Weise Nein sage ,können die mich nicht mehr leiden
    - wenn ich überhaupt zu Arbeiten die mich nichts angehen Nein sage hat mich keiner mehr lieb ( will ich irgendjemand von denen heiraten oder mit nach Hause nehmen ??)
    Die meisten intelligenten Menschen akzeptieren ein freundliches Nein, als Zuckerl folgt dann meist auch noch die Begründung von mir.
    Hat mich deshalb jemand weniger gern - sein Problem.
    Sie brauchen mich nicht lieben ,es reicht wenn sie mich respektieren.
    Eine rebellische Alesig die schon über 27 Pflegejahre auf dem Buckel hat und seit 15 jahren nicht mehr als frech sondern inzwischen als resolut bezeichnet wird.
    Möge die Rebellion mit Euch sein.
    Alesig
     
  15. danilicos

    danilicos Newbie

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    Bei uns auf Station herrscht zum Glück schon eine sich entwickelnde Emanzipation.Auch dank unserer Stationsleitung, die uns bei jeder Teambesprechung motiviert und deren Leitsatz ganz klar und deutlich lautet: "Die Pflege und Versorgung unserer Patienten steht an erster Stelle."

    Dazu gehört natürlich auch ein sachlicher Tonfall gegenüber anderen Berufsgruppen. Ich finde man sollte eben versuchen sich gewählt auszudrücken einfach um zu zeigen, dass die Pflegenden nicht ungebildet sind.

    Wenn ein selbständiger Patient im Flur mich z.B. um einen Kaffee bittet während ich am Verbandwagen Materialien zusammensuche, dann sage ich freundlich: Bitte wenden sie sich an eine unserer Hilfspersonen, z.B. unsere Praktikantin, ich bin gerade in einem sehr komplizierten Vebandwechsel eines Druckgeschwüres bei einer betagten Patienten, die nicht mehr um genügend Ressourcen verfügt um eine Lageveränderung selbständig durchzuführen.

    Das klingt doch schon mal besser als: "Ich hab jetzt keine Zeit!"
    und gibt der fragenden Person auch Information.


    Desweiteren erlebe ich auch immer wieder, leider auch bei uns, das man sich am Telefon mit "Schwester Monika" oder "Pfleger Ulli" meldet. (Gegenüber Anrufen von Ausserhalb bzw. von anderen Berufsgruppen).

    Ich und auch eine meiner Kolleginnen haben rigoros damit aufgehört. Es wird sich jetzt mit dem Nachnamen vorgestellt, bei neuen Patienten mit Nachnamen und Funktion. Leider sind wir da in der Minderheit, aber hier zeigt sich dann schon ein deutlich anderer Tonfall am anderen Apparat.
    Es ist wirklich beeindruckend, wie anders sich der Gesprächspartner verhält..

    Ich will damit sagen, dass es anderen vielleicht auch leichter fällt, jemanden auszunutzen, wenn der sich durch die Nennung des Vornames und schlechter Ausdrucksweise + geringe Informaton schon auf eine Art "untere Stufe" stellt.

    Wenn jemand meint, ich müsste das WC schruppen, weil der Patient vorher leider ein Maleur verursacht hat, dann sage ich: "Danke, ich werde die Raumpflegerin informieren, in der Zwischenzeit können sie das WC xy nutzen."
     
  16. dieEv

    dieEv Poweruser

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    Finde ich total klasse, was du da schreibst und stimme dir voll zu!
     
  17. suzured

    suzured Junior-Mitglied

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    Hallo,
    danke für Deinen Beitrag, er spricht mir aus der Seele.
    Fast jeder, der den Beruf wählt, hat eine sehr hohe soziale Kompetenz und man wird darüber ausgenutzt.
    Wenn Du gewisse Dinge nicht machst, leiden die Patienten drunter und dieses Druckmittel ist ein ganz starkes.
    Wir wollen doch auch ehrlich gesagt, gerne die "Lieben" sein.

    ...noch ein Beispiel, den viele möglicherweise nachvollziehen können:
    Bei uns auf der Station war es üblich, das reihum jeder aus dem Team mal etwas mitgebracht hat, z.B. Gummibärchen oder Kuchen, unsere Ärzte kommen in den Aufenthaltsraum und die erste Frage, darf ich was haben?
    Im Gegenzug kam keiner auf die Idee, mal was mitzubringen, selbst der Wink mit einem "ganzen Lattenzaun" zeigte keine Wirkung.
    Fazit: ich bringe nichts mehr mit

    Auch das Spülen der Kaffetassen der Ärzte fällt in den Zuständigkeitsbereich der Schwestern.

    Versteht mich nicht falsch, ich bin generell für ein harmonisches Miteinander beim Arbeiten, aber die Frage an den Herrn Oberarzt, "den Kaffee geschüttelt oder gerührt" :-), finde ich deutlich überzogen.
    ...dann bin ich halt nicht lieb!

    LG Suzu
     
  18. aquarius2

    aquarius2 Poweruser

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    Wer beizeiten lernt, Nein zu sagen der bleibt im Beruf, die anderen werden irgendwann mal vom Burnout dahingerafft...
    Würde jemand von den Ärzten verlangen, einen Patienten auf die Bettschüssel zu setzen??? NEIN!
    Verlangt jemand vom Hol und Bringedienst, dass die das Insulin spritzen? NEIN!
    Also warum sollten wir Pflegenden alles machen, wenn kein anderer da ist.
    Holt und bringt keiner die Essenswägen muß es nicht automatisch die Pflege tun!
    Warum müssen wir anderer Leute Fehler ausbügeln???
    Arbeitsverweigerung ist das nicht, wenn man nein sagt, in der Zeit, in der ich Sachen von A nach B bringe kann ich meine Patieten nicht versorgen und wenn die durch gefährliche Pflege Schaden erleiden wer ist dafür verantwortlich? ICH
     
  19. Joerg

    Joerg Poweruser

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    stellv. Betriebsratsvorsitzender, Sprecher der ver.di-Vertrauensleute
    Oh, unsere Docs waren auch mal der Meinung, dass Pflege ihnen die Tassen nachräumt (wir haben wohlgemerkt eine Spülmaschine auf Station, es ging darum die Tassen vom Arztzimmer in die Maschine zu bringen). Das Ende vom Lied war, die Tassen haben im Arztzimmer "angefangen zu reden" und wären ein paar Tage später sicher irgendwie allein in die Maschine gelaufen, viel gefehlt hat net mehr. Dummerweise ist der Chef dann im Arztzimmer aufgetaucht, was eher selten vorkommt, und dann kann man sich vorstellen was los war, als er die Tassen gesehen hat.
    Mittlerweile haben unsere Docs sogar gelernt wie man die Tassen IN die Spülmaschine stellt und nicht nur oben drauf.
    Auch Ärzte können lernen. :mrgreen:
     
  20. panki

    panki Senior-Mitglied

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    Ich danke für diesen Beitrag!:up:

    Stichwort: Selbstpflege, Psychohygiene!
    Darüber haben wir damals sogar in unserer Ausbildung etwas gelernt, es war Bestandteil des Pflegeunterrichts!

    Nur was ist im Pflegealltag draus geworden.....????:(
     
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