Demenz

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Hallo.

ich habe mal eine Frage an euch: bei uns auf der Station haben wir einen Bewohner der dement ist und einen starken Laufdrang hat, der so anfängt:
Er ist morgens so um 6.20 jeden Tag schon wach und läuft schon halb bekleidet auf der Station rum. In der Nacht schläft er relativ wenig. Wir haben es schon so gemacht das wir abwechselnd schon früher kommen um ihn halt schon waschen und ankleiden zu können.

Tagsüber ist er nur unterwegs, geht in andere Zimmer hinein - von der Art her ist er sehr freundlich, er kann es nur nicht verstehen was die anderen Bewohner gegen ihn haben. Wir müssen wegen den anderen Bewohnern die Zimmmer abschließen auf eigenen Wunsch. Er war sogar schon auf anderen Stationen. Zum eigenen Schutz müssen wir sogar andere Räume wie Küche, Speisesaal etc. abschließen.

Es ist immer so: wenn man ihn auf sein Zimmer bringt oder auf einen Stuhl setzt steht er wieder nach einiger Zeit auf und geht.
Nun meine Frage: habt ihr einen Rat wie man den Bewohner dazu bekommt, dass er sich mal ausruht oder mal abends durchschläft ohne Medikation? Er bekommt schon viel, so dass er nicht wieder aufsteht. Ich weiß, es ist sehr schwer einen Rat zu geben, weil man diesen Laufdrag nicht wegbekommt.

Oder habt ihr eigene Erfahrungen mit dementen Bewohnern erlebt und könnt mir diese mitteilen? Wäre euch sehr dankbar.

Schöne Grüße
der_Altenpfleger
 

Bravado

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Hallo,

Gibt es bei euch im Haus eine Beschäftigung?

Bei uns im Haus gibt es eine Beschäftigungstherapeutin sowie viele Ehrenamtliche die auf die Stationen kommen und die Leute beschäftigen.

Dies ist wirklich gut für die Leute, denn sie können Lieder singen die sie gern mögen, sie können Handarbeiten durchführen die sie früher erlernt haben (Häkeln, Stricken, Sticken...) oder die Bewohner können sich einfach über ihre Erfahrungen austauschen.

Dies wäre bestimmt einen Versuch wert oder?

Bravado
 

Gruseliene

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Biographiebezogenes Arbeiten...
Versuch(t) mal, sich an seinen früheren Interessen/ Beruf zu orientieren und solche Beschäftigungen anzubieten...
Snoezeln ist da auch ganz gut... aber solch einen Raum habt ihr wohl nicht im Heim!?
 
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Hallo bravado.

Danke für deinen Tipp.
Wir haben bei uns in der Einrichtung schon einen Sozialdienst der viele Aktivitäten jeden Tag mit den Bewohnern macht. Er nimmt auch an manchen teil, es geht auch für einen Moment wunderbar, aber nach einiger Zeit steht er wieder auf und geht.
 
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danke Gruseline,

Das biographiebezogene Arbeiten... ist eine gute Idee.
Ja, er hatte 35 Jahre in einer Firma gearbeitet und war auch im Betriebsrat. Fast jeden Tag kommt seine Frau und besucht ihn. Sie bleibt auch lange bei ihm...
Ich weiß nicht genau ob wir so einen Raum haben, glaube ich nicht. Ist eine gute Idee, denn vom Snoezeln habe ich gehöhrt und ist sehr effektiv.



Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
(Berthold Brecht)
 

Sheila

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Reha
Hallo!
Versucht auf jeden Fall einmal herauszufinden, was seine früheren Interessen waren. Vielleicht hat er gerne handwerkliche Arbeiten ausgeführt? gerne gekehrt? gelesen oder geschrieben? Bietet ihm Bücher oder Zeitschriften an, die Themen umfassen für die er sich eventuell früher interessiert hat.
Eine Überlegung wäre auch: Kennzeichnung seines Zimmers, vielleicht sucht er sein Zimmer tagsüber und findet es nicht? Oder überprüft evtl. die Raumgestaltung, hat er seine Ruhe beim Schlafen? Ist es dunkel oder hell genug? Hat er persönliche Dinge im Zimmer, oder wünscht er sich vielleicht welche?
Vielleicht könnte man ihm Aktivitäten anbieten, die ihn körperlich betätigen, z.B. Seniorengymnastik in der Gruppe? Spaziergänge? Kegeln?
Könnte man ihm eine sinnvolle Beschäftigung geben, die er täglich ausführen kann und ihm Freude macht? Z.B. Blumen gießen, fegen, Tisch decken, ein Schreibtisch mit Schreibzeug oder Papier zum Sortieren? (Ist ihm vielleicht vertraut durch seine frühere Arbeit)
Ich wünsche dir viel Erfolg!!
Grüße Sheila
 

spiderman82

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Nun, ich kann beim besten Willen nicht verstehen was dagegen spricht das der Mann durch die Gegend läuft. Ich arbeite im Moment auf einer geschlossenen Gerontopsychiatrischen Station. Da laufen fast alle den ganzen Tag durch die Gegend. Mein Gott, so wirkt sich die Krankheit eben bei manchen aus, freut euch doch darüber das der Mann noch so Mobil ist und versucht das irgenwie in die Tagesstruktur mit einzubauen.

Das ist ein echtes Problem das wir Pflegekräfte haben, wir schaffen uns selber Probleme wo eigentlich gar keine bestehen - es heißt doch wir sollen Ressourcenorientiert arbeiten, oder?

Ich denke es wird sich schwierig gestalten, den Bewegungsdrang dieses Mannes zu unterdrücken bzw. ihn abzulenken... das er in andere Bewohnerzimmer geht, bleibt ruhig... versucht ihm Orientierungspunkte zu geben, Bilder, Fotos an der eigenen Tür...falls er auf der Suche nach seinem eigenen Zimmer ist.
 

Nordlicht

Poweruser
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Moin der-Altenpfleger!

Zu Deinem Satz:

"Es ist immer so: wenn man ihn auf sein Zimmer bringt oder auf einen Stuhl setzt steht er wieder nach einiger Zeit auf und geht."

fällt mir nur ein: das würde ich auch tun, selbst wenn ich nicht dement wäre.
Was wird denn von dem Mann erwartet, dass er tun soll? Nur sitzen und artig sein?:gruebel:

Entschuldigung, wenn es provokant klingt, aber Du arbeitest im Altenheim, oder? Da sollte doch jemand eine Gerontoerfahrung haben und da ist es absolut ok, wenn jemand mit Demenz herumläuft. (Nebenbei: mir persönlich am liebsten, da kann man sich alle Prophylaxen sparen:rocken: )
 
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Guten Tag,
ich arbeite seit drei Jahren auf einer Geronto-Psychiatrischen Station.In dieser Zeit hat sich vieles geändert. Bei uns auf der Station wird großen Wert auf Biographie- arbeit gelegt und auf Validation.
Letztes Jahr ist unsere Station dementen-gerecht umgebaut worden.
Was ich damit sagen möchte ist, daß viel mehr auf die Dementen eingegangen werden muß. wir haben auch viele Bewohner,die den ganzen Tag auf Station umher laufen.
Unsere Aufgabe ist es, dass wir darauf achten müßen, dass der Bewohner nicht wegläuft (evtl. geschlossene Station), dass der Bewohner nicht erschöpft zusammen bricht(z.B. eksikiert), oder eine allgemeine Sturzgefahr besteht.
- eine Zeit lang wurden motorisch unruhige Demente am Sessel mit einem Bauchgurt fixiert oder medikamentös sediert, heute geht man dazu über, dass man die Dementen laufen lässt und ihnen sogenannte Sturz-hosen (Protektoren-hosen) anzieht.
 

spritzensusi

Stammgast
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Also ich kann "spiderman82", "Nordlicht" und "Flotte Schwester" nur zustimmen!
Ich mache ja gerade die Weiterbildung in der Gerontopsychiatrie und da wird ja praktisch gerade das "Neuste" gelehrt. Also lt. dem Unterricht dort soll man die demenziell Erkrankten ruhig laufen lassen, aber darauf achten, wie schon hier gesagt, das der körperliche Zustand sich wegen des hohen Laufpensums nicht verschlechtert (also Exikkose und schlechter Ernährungszustand). Man kann dem entgegenwirken, indem man den Bew. z.B. "Fingerfood" in die Hand drückt beim Laufen.

Ich weiß, das es schwierig ist für die geistig fitteren Bew. zu akzeptieren das da manche Mitbew. in ihr Zimmer einfach laufen. Da kommt es gerade auf meiner Station des öfteren zu Spannungen. Deswegen bin ich dafür reine Dementenstationen zu gestalten.
 

sussel

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Hallo ich bin ja noch in Ausbildung und Demenz ist grade under Thema. Aber meiner Meinung nach gehört der Bew auf eine Station die nur für Demenz Kranke sind den dort sind alle Räume offe den geschlossene Räume können aggressinen verursachen und auf einer Dementen Station sind ja alle so da stört es keinen wenn er in andere Zimmer geht das ist dort normal. Versucht Ihn im Statons altag mit einzubinden, macht biographie evtl liegt es an seinen Früheren Beruf das er so viel Läuft und keine ruhe findet. Kenne den Bew und eure Station und Haus nicht deswegen kann ich da jetzt nicht mehr dazu sagen ich hoffe es hat trozdem ein bischen geholfen. gruß sussel
 

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