Demenz und Wohnortwechsel?

Dieses Thema im Forum "Erkrankungen im Alter" wurde erstellt von narde2003, 25.05.2007.

  1. narde2003

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    Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen,

    wir haben heute eine Diskussion geführt, in die ich euch gerne einbeziehen würde. Da ich im Krankenhaus arbeite, habe ich logischerweise im Altenheimbereich wenig Erfahrung.

    Wir haben eine ältere Dame mit leichter Demenz, bis zum Krankenhausaufenthalt hat sie sich zuhause alleine versorgt. Da die Betreuung nun nicht mehr richtig gewährleistet ist, soll die Dame ins Heim. Sie ist damit einverstanden, aber sie will in ein bestimmtes Heim, das ihrer Wohnung direkt gegenüber liegt. Die Dame steht nicht unter Betreuung.
    Die Tochter wiederum möchte, dass sie in ein weiter entferntes Altenheim kommt, da sie eine Hinlauftendenz zur "alten Wohnung" befürchtet, was ja auch ein Argument ist.
    Die Patientin wiederum möchte nur dorthin, weil sie befürchtet, dass sie ihre Orientierung dann komplett verliert. Sie merkt selbst, dass sie im Krankenhaus desorientierter ist als in ihrer Wohnung. Ausserdem lebt sie seit 40 Jahren in dieser Gegend.

    Ich freue mich auf einen regen Gedankenaustausch.

    Sonnigste Grüsse
    Narde
     
  2. lolitaz

    lolitaz Newbie

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    Hallo,ich habe 5 Jahre auf einem gerontopsychatrischen Bereich gearbeitet.

    Für mich ist das eigentlich eindeutig ,der Wunsch der Pat. muß akzeptiert werden,sie hat ja selber noch die Kompetenz zu sagen was sie will oder auch nicht.

    Und das Sprichwort:besserwisser: "Einen Alten Baum verpflanzt man nicht" hat schon so einiges Wahres,bei der Patientin muß man ja davon ausgehen das die Demenz fortschreitet und wenn sie jetzt schon über desorientierung klagt (obwohl sie nur im KH ist) würde man diesen Vorgang nur beschleunigen,wenn sie weit entfernt "untergracht" würde,was ja auch für die Angehörigen nicht wirklich wünschenswert ist.

    In meiner Praxis habe ich oft mitbekommen das Bewohner mit einer leichten Demenz kommen und allein der Zustand des Umzuges sie schon vollstandig aus der Bahn geworfen hat (--> Durchgangsyndrom),dann noch die Einbußen wegen dem Platz im neuen Zimmerchen zu der Wohnung zuvor,teilweise noch mit einer 2. Person sich das teilen muß.

    Das alles ist für Personen mit solch einem Krankheitsbild schon sehr schwer zu verkraften und da würde die Nähe zum vorherigen Wohnort doch wenigstens etwas Beruhigend wirken und auch als Bekannt die Eingewöhnung erleichtern.
    Naja die Hinlauftendenz würde denke ich noch garnicht so früh beginnen da sie ja nur leicht dement wohl ist.

    Also dies ist meine Meinung hierzu, Liebe Grüße
     
  3. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo Lolitaz,

    das andere Altenheim wäre in der gleichen Stadt nur einem anderen Stadteil.
    Ich persönlich würde mich auch nach den Wünschen der Patientin richten.
    Allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass der neue Mieter ihrer alten Wohnung nicht wirklich begeistert ist, wenn die Dame immer wieder vor der Türe steht.

    Vermutlich ist das garnicht so einfach, den richtigen Weg für alle Parteien zu finden.

    Sonnigste Grüsse
    Narde
     
  4. Hülsi

    Hülsi Gast

    Hallo Narde,
    Unser Altenheim liegt in einem kleinen Ort (ca 11000 Einwohner) und der grösste Teil der Bewohner stammt aus dem Ort bzw der näheren Umgebung. Ich fand es dann schon fast vorteilhaft, wenn es eine Hinlauftendenz zur alten Wohnung gab, man wusste wo man suchen musste, bzw. wenn ich den Sohn anrief, das seine Mutter sich wieder mal auf den Weg gemacht hatte, wusste er schon, wo er sie am ehesten findet. Ich denke, mit den neuen Mietern in der alten Wohnung kann man sich in einem freunlichen Gespräch einigen, was passiert und wer verständigt wird, wenn die Bewohnerin vor der Tür steht.

    Hülsi
     
  5. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo,

    ich will euch nicht vorenthalten, was aus der Dame wurde und wer sich durchgesetzt hat.
    Also die Dame kam gestern in das von ihr gewählte Heim. Bei uns in der Klinik nahm die Verwirrtheit zu, das kommt aber doch öfters vor.
    Nach ausführlichen Gesprächen mit der Tochter durfte sie in das Heim, in das sie wollte.

    Wie es von dort weitergeht kann ich euch leider nicht sagen.

    Schönes Wochenende
    Narde
     
  6. Schreiberling

    Schreiberling Gesperrt

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    Hallo,
    in dem Heim in dem ich arbeite wohnen sehr viele Menschen, die vorher in unmittelbarer Nachbar.schaft gelebt haben. Bei den meisten war die Eingewöhnung nicht so kompliziert, wie die Angehörigen befürchtet hatten, da sie sich ja in der Umgebung ausgekannt haben. Die "Hinläufer" haben sich zwar an ihrem ehemaligen zuhause orientiert, dort aber die Nachmieter nicht weiter belästigt, weil ja nicht mehr ihr Name an der Türe stand und sie somit erkannt haben, dass sie hier falsch sind.
    Obwohl, erst letzte Woche erhielten wir einen Anruf von einer Familie, die ein kleines Häuschen in der Nähe gekauft hatte. Sie sagten uns, Frau XY (Vorbesitzerin des Hauses) sei jetzt da, sie sind am Grillen und es wäre schön, wenn wir sie in ca. einer Stunde abholen können, bis dahin hätte sie sicherlich fertig gegessen...
    Ich denke, dass es für die Dame richtig und wichtig war, in dem Heim ihrer Wahl untergebracht zu werden.

    Gruß Schreiberling
     
  7. pflegedino

    pflegedino Junior-Mitglied

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    Hallo Alle

    viele Demenzkranke bewegen sich noch ziemlich sicher in der bekannten Umgebung und finden auch wieder nach Hause. Der Umgang mit diesen Menschen ist immer geprägt von der Gratwanderung zwischen Gewährenlassen und vorausschauender Gefahrenabwendung. Der Umzug ins Heim ist bereits "verwirrend" genug; auch ohne Wechsel in einen anderen Stadtteil. Gut dass die Entscheidung zugunsten der Seniorin gefallen ist.

    Schreiberling- Deine Geschichte ist ja mehr als goldig; so kam die alte Dame noch zu einem netten Gespräch und leckeren Würstchen, hihi.

    Gruß Pflegedino
     
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