Dementer Nachbar

Dieses Thema im Forum "Der Alltag in der Altenpflege" wurde erstellt von Caro :), 16.01.2014.

  1. Caro :)

    Caro :) Newbie

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    Hallo liebe Kollegen,

    ich weiß gar nicht so recht, ob ich mit diesem Thema hier richtig bin, aber ich brauche mal einen Rat.
    Worum es geht? Dazu muss ich etwas ausholen:

    Ich bin im August letzten Jahres umgezogen. Neben mir im 2. Stock lebt ein 80 jähriger Herr. Am Anfang war er noch voll orientiert, etwas grummelig, aber sehr klar. Nach und nach kamen mir allerdings Zweifel. So kam es vor, dass er mich im Hausflur sah und schrie "Inge! Wo willst Du schon wieder hin??", mich jede Woche fragte ob ich neben ihm wohnen würde und neuerdings türmen sich die Müllbeutel vor seiner Wohnungstür (die ich jedes Mal mit runter nehmen). Er trägt über Wochen die selben schmutzigen Klamotten.
    Vor einiger Zeit kam es dann zum Showdown. Gegen 12 Uhr abends an einem Sonntag hörte ich lautes Geschrei im Hausflur. Als ich nachgehsehen habe woher der Lärm kam, stritt er sich mit der ebenfalls 80 jährigen Dame aus dem 1. Stock. Er hatte 10 Tage nicht abgeführt und wollte sich jetzt einen RWT kommen lassen um ins nahegelegene Krankenhaus zu fahren. Nur durch viel geduldiges Reden von der anderen Nachbarin und mir gelang es uns ihn wieder in seine Wohnung zu bringen. Diese ist sehr schmutzig und in keinem guten Zustand. Ich habe ihm erstmal etwas zu trinken gegeben, er hat dann einen Liter Wasser weggekippt (das Trinken scheint er also auch zu vergessen). Die andere Nachbarin erzählte mir dann, dass er sehr misstrauisch sei und alle bezichtigt ihm etwas zu klauen und dann auch gerne (und wohl häufiger) die Polizei kommen lässt. Was ich seit August nicht bemerkt habe, also bezieht sich das wohl eher auf die Zeit vor August 2013. Daher bin ich ihm gegenüber etwas vorsichtig, versuche aber trotzdem mich immer mit ihm zu unterhalten und zu fragen wie er so zurecht kommt, aber er macht dann komplett dicht. Zu der anderen Nachbarin hat er wohl etwas Vertrauen, aber die findet ihn wohl eher lästig und geht ihm aus dem Weg. Ebenfalls berichtete sie mir gibt es wohl einen Bekannten der für ihn Getränke einkauft (den Rest kauft er wohl alleine, aber oft verlässt er die Wohnung nicht). Außerdem hat wohl noch einen Neffen. Dieser scheint sich aber nicht um ihm zu kümmern oder er weiß nichts von den Zuständen. Ich mache mir Sorgen.

    Jetzt die eigentliche Frage: An wen kann man sich in solchen Fällen wenden???
    Unseren Hausmeister (Genossenschaft) erreiche ich nicht und ich bin auch nicht sicher, ob die groß was tun würden. Den Namen seines Arztes bekomme ich von ihm nicht raus, er scheint nicht viel von Ärzten zu halten. Und ich kann ja nun nicht einfach die Polizei oder einen RTW rufen, wenn es keinen Notfall gibt. Den Namen oder die Telefonnummer des Neffens kenne ich leider auch nicht.

    Ich überlege ständig hin und her. Auf der einen Seite würde ich es nicht gut finden, wenn sich jemand so in mein Leben einmischt, aber auf der anderen Seite mache ich mir große Sorgen. Er ist total verwahrlost und ich frage mich auch, wie lange das alles noch so gut geht ohne das jemand zu Schaden kommt.

    Hat vielleicht einer von Euch eine Idee??

    Danke im Vorraus
     
  2. Fearn

    Fearn Poweruser

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    Man kann beim zuständigen Amtsgericht eine Betreuung anregen.

    Das Gericht prüft dann die Notwendigkeit und der Betreuer wird sich der Angelegenheit annehmen
    müssen . CLICK

    lg Fearn
     
  3. Bachstelze

    Bachstelze Poweruser

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    Es gibt ein Recht auf Verwahrlosung.

    Ich würde versuchen, den Bekannten mal abzupassen.
     
  4. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    Egal was Du machst - wird auf mehr oder weniger Ablehnung stoßen, durch den Nachbarn.
    Dein Bericht überschneidet sich in einigem, was bei mir los war, jahrelang, 7 glaub ich waren es. Nur dass der Nachbar deutlich jünger, nicht dement war - dafür aber psychisch krank und nach einem Schlaganfall eingeschränkt mobil.
    Die Polizei und die Kripo waren öfters im Haus, entweder kamen sie zu ihm, weil jemand anderes dies veranlasst hatte, oder er selbst angerufen hatte. Er vermutete permanent, dass Kriminelle im Haus wohnen. Er hatte heftigste Aversionen gegenüber etlichen (insb. freundliche) Nachbarn, die er dann übelst beschimpfte und beleidigte, häufig im Flur zum mithören. Einige habe auch die letzte Konsequenzen gewählt und sind weggezogen. Die seltenen Male wenn er die Wohnung verließ stank es anschließend penetrant nach altem Schweiß, da auch er keine regelmäßige Körperpflege durchführte. Er kontrollierte auch den Hauseingang, nächtens klopfte er immer wieder eine zeitlang an die Heizungsrohre oder trötete mit einer Gaströte (laut, sehr laut) aus dem Fenster oder zog die Rollos rauf und runter - alles mitten in der Nacht (.............................................................................................................................................................)

    O.k., was passierte, nachdem jemand sich bei der Polizei beschwerte/ Anzeige erstattete. Es kam jemand vom Gesundheitsamt, der Nachbar war dort bekannt, zeitweise unter Betreuung gestanden. Zur Begleitung kam die Polizei. Der Versuch war, Einsicht zu erlangen. Dies scheiterte immer.
    Aus der Sicht meines Nachbarn - völlig logisch - weil er eine völlig andere Wahrnehmung von sich und seiner Umgebung hatte. Oft genug war ich zu Hause und hab das Geschrei direkt gegenüber mitbekommen.
    Ohne Einsicht - kam der Notarzt dazu (der schon an der Straße wartete), spritze ihm etwas, die Sanitäter (die ebenfalls schon vorsorglich warteten) begleiteten ihn zum Sanka, fuhren zur örtlichen Psychiatrie. Dort war er dann für mehrere Wochen. Im Rückblick etwa 1-2x pro Jahr wiederholte sich das.
    Das o.g. war sehr drastisch und ich gestehe zu 100% zu - auch sehr traumatisch, es war nicht förderlich das Misstrauen zu mindern.
    Es hätte gutgetan, wenn er jemanden in seine Wohnung gelassen hätte, der sich regelmäßig kümmert (Geld war nicht das Problem - aber halt das krankhafte Misstrauen) - dazu kam es nicht, er hat das abgelehnt. Seinen Körpergeruch hat er selbst nicht als störend empfunden.

    Ich fände es nicht falsch, das Gesundheitsamt zu informieren - sie sollen sich selbst ein Bild machen und vor Ort entscheiden.
    Da Du noch nicht lange dort wohnst, ganz und gar abwegig ist es auch nicht die örtliche Polizeidienststelle, mit einer regulären Tel.nr. anzurufen, denen die Situation zu schildern um nachzufragen, was möglich ist, kann sein dass andere dies ebenfalls schon gemacht haben.
    Anzunehmen, dass man Dir weitere Ansprechpartner nennen kann.
    Dazu, sprich doch mit der Nachbarin, anderen Nachbarn - ich kann nur sagen, dass meine Nachbarn (diejenigen die am übelsten beschimpft wurden) sämtliche Nummern parat hatten; zur Sicherheit.
    Der Nachbar wohnte zur Miete, der Vermieter wurde immer wieder informiert - den hat das alles nicht interessiert.
    Das ging auch immer alles weiter an den Hauseigentümer (auch eine Genossenschaft)

    Den Bekannten anzusprechen wär sehr gut - nur musst den erst mal zu Gesicht bekommen, im Schichtdienst - schwierig.
    Warum räumst eigentlich die Müllbeutel weg? Lass sich doch eine (begrenzte) zeitlang stehen, damit dies auch anderen auffällt.
    Dann würd sich der Hausmeister vielleicht auch mal einschalten.
    Ein Hausmeister der gar nicht zu erreichen ist - kann ja wohl nicht sein. Ruf bei dem Hauseigentümer an, ggfs. hat man da auch (schon?) Informationen, der Hausmeister dürfte wohl wie die meisten Menschen ein Handy haben. Falls der Hauseigentümer bislang noch nicht informiert ist - hast das dann auch getan.
    Einem Menschen das Recht auf Verwahrlosung zuzugestehen - ja, gerne.
    So wie Du schreibst ist es aber auch ein zunehmend gesundheitliches Problem. Ich finde dass Du Dir zu Recht Sorgen machst und Handlungsbedarf besteht. Wie auch immer der ausschaut.
     
  5. Caro :)

    Caro :) Newbie

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    Vielen Dank erstmal für eure Tips! Wenn ich mit dem Nachtdienst fertig bin werde ich den Hausmeister nochmals anrufen und mich dann mal beim Gesundheitsamt informieren.

    Natürlich hat er das Recht auf Verwahrlosung, aber ich habe einfach Angst, dass ihm etwas passiert oder er die Herdplatte o.ä. vergisst.
    Den Müll habe ich zuerst auch ignoriert (ganze 7 Tage) dann habe ich den Gestank nicht mehr ertragen...

    Danke für eure Ratschläge :-)
     
  6. amezaliwa

    amezaliwa Poweruser

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    Keine Ahnung wie das bei Euch im Haus läuft, wir haben eine Reinigungskraft (großes Haus, 30 Wohnungen).
    1x pro Woche wird gereinigt. Somit wird auch 1x pro Woche das ganze Haus gesichtet. Gibt es keine RK - ist der Hausmeister zuständig?
     
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