Dekubitus 1. Grades - wir wissen nicht weiter!

Dieses Thema im Forum "Wundmanagement" wurde erstellt von rennsemmel, 27.11.2008.

  1. rennsemmel

    rennsemmel Gast

    Hallo,
    wir haben eine Patientin, die an beiden Gesäßhälften einen Deku 1.Grades hat.
    Tagsüber sitzt sie im Sessel auf einem Gelkissen und abends lagern wir sie täglich im Wechsel re/li. wobei es keine 90° Lagerung ist, ihr wird lediglich ein Kissen dahinter gelegt. Mehr toleriert sie nicht.
    Stuhlgang hat sie tägl., bzw. sie schmiert oft
    Der Po ist zeitweise leicht blutig und es tut ihr weh, wenn wir ihn sauber machen.
    Probiert haben wir: Mirfulan, Comfeel und jetzt Cavilon, aber nichts hilft so recht. Das Comfeel geht jeden tag ab, egal ob wir es abends oder morgens kleben. Beim Cavilon tut sich garnichts.

    Hat jemand Tips.
     
  2. Bluestar

    Bluestar Poweruser

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    Bei einem Dekubitus Grad 1 Mirfulan, Comfeel und Cavilon ???.....Druckentlastung ist angesagt. Woher kommt das Blut am Po ? Hämorrhoiden ? Oder vom Dekubitus ? (dann ist es aber Grad 2 !)

    Was soll sich denn da tun ??? Cavilon ist lediglich ein HautSCHUTZ !!!
    .
    .
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wo befinden sich denn die Hautdefekte? In der Analfalte oder auf der "Sitzfläche"?

    Wie tief geht der Hautdefekt? Rötung, Eperdermisdefekt, subkutane Läsion?

    Welche Farbe dominiert im Wundgrund? Sezerniert die Wunde? Ist die Wundpberfläche feucht?

    Konsistenz Stuhlgang? Inkontinenzversorgung? Allgemeinzustand? Ernährungszustand? Atemprobleme? Hautzustand allgemein? Warum immobil? Nebenerkrankungen wie D.m. oder Malignome? Schmerzen? Psyche?

    Elisabeth
     
  4. rennsemmel

    rennsemmel Gast

    Hallo,
    nun ich arbeite erst seit 1 Monat bei dem Pflegedienst.
    Das Blut kommt vom Deku, Druckentlastung köönen wir nur im Bett machen und da versuchen wir ja zu lagern.
    Die Hautdefekte liegen sowohl an der Analfalte als auch auf der Sitzfläche. Nun es ist mehr so eine Läsion, tief ist der Deku nicht.
    Der Stuhlgang ist meist breiig. Tagsüber hat sie Pants an und nachts ne große Einlage. AZ: dement, schlaganfall; EZ: gut gebaut, Immobil aufgrund des Schlaganfalls und sie hat keine Kraft. KG ist angeleiert. Hautzustand normal, keine Atemnot.
    Ich hoffe ich konnte den Ansturm an Fragen beantworten.
     
  5. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hört sich für mich nach einem Intertrigo an, einer Windeldermatitis. Da hilft keine Druckentlastung sondern nur konsequentes Trockenhalten der Haut und Schutz vor aggressiven Substanzen.

    Eine Windeldermatitis behandelt man am besten mit abdeckenden Zinksalben und Zinkpasten (z.B. Penaten Creme). Da in der Regel auch eine Superinektion mit Pilzen auftritt macht sich ein Zusatz von Nystatin nicht schlecht.

    Die Druckentlastung sollte beibehalten werden, da sie ev. eine "Belüftung" der Hautflächen möglich macht.

    Keine geschlossenen Inkontinenzsystem verwenden. Ev. umstellen von Pants auf Einlagen.

    Reinigung des Gesäßes nicht mit Reinigungsschaum- sondern mit einem milden Syndet und Wasser. Zur Entfernung von Zinksalben Öle verwenden. Zinksalben bei jedem Vorlagenwechsel komplett entfernen.

    Elisabeth

    PS Was mich verwundert, dass du eine Hautläsion mit Blutung als Deku Grad 1 bezeichnest: Worauf beziehst du dich da?
     
  6. azu-bine

    azu-bine Gast

    Was sagt der Hausarzt über den Hautzustand und warum gibt er keine Konkrete Anordnung?
     
  7. Lin

    Lin Poweruser

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    @Elisaebth:

    Wie kommst du bei dieser Beschreibung auf einen Intertrigo? Könnte ja wirklich ein Deku sein.

    Gruß,
    Lin
     
  8. rennsemmel

    rennsemmel Gast

    Die Hautärzte überlassen das uns. Wenn wir was vorschlagen sagt er entweder ja oder nein.
    DIe Hautumgebung ist großflächig lila, zwitweise wenn kein Stuhlgang ist, beruhigt sich die Haut und es sieht besser aus
     
  9. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Lokalisation: von Analfalte ausgehend, inkontinent mit breiigem Stuhlgang

    Und wie es scheint, liege ich nicht ganz falsch mit der Vermutung.

    Elisabeth
     
  10. Lin

    Lin Poweruser

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    Ich hatte vor kurzem einen Pat. mit einem Deku, bei dem hätte die Beschreibung von Rennsemmel auch zugetroffen.

    @rennsemmel:
    Ich finde so eine "Ferndiagnose" extrem schwierig, vor allem wenn man kein Foto hat und diese nur auf wage Beschreibungen abgeben soll. Mir fehlen noch weitere wichtige Aussagen um mir die Wunde vorzustellen? Wunde granulierend, epithelisierend, belegt? Wundinfekt? Wundschmerz? Größe(n) der Läsione(n)? usw.
    Stellt den Pat. am besten einem Wundmanager vor. Es wird dir nicht weiterhelfen, wenn wir hier irgendwelche Vermutungen abgeben.

    Gruß,
    Lin
     
  11. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wieso gehst du von einem Deku aus?

    Elisabeth
     
  12. Lin

    Lin Poweruser

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    Falls du mich meinst, ich gehe von gar nichts aus. Ich meinte damit, es könnte beides sein.
    Was schließt deiner Meinung nach einen Deku aus?

    Gruß,
    Lin
     
  13. azu-bine

    azu-bine Gast

    Dieses "Deku" hin und "Intertrigo" her löst das Problem nicht.
    Deine Patienten benötigt eine Fachliche Anordnung.
    Kein Richter der Welt interressiert es,
    "warum" du herumexperimentiert hast.
    Er wid dich wegen einen Pflegefehler verurteilen.
    Dann wird er fragen: Frau XY warum haben sie da keinen Arzt gerufen, der sich das auch ansieht?
    Warum so lange gewartet und selbst herumgedocktert?

    Das ist die Realität.
    Bitte lasse den Arzt da raufgucken. Er ist dazu verpflichtet!
     
  14. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Der Beginn in der Analfalte und der ständige Kontakt mit Stuhlgang inklusive luftdichtem Inkontinenzmaterial.

    Elisabeth
     
  15. Lin

    Lin Poweruser

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    Wo steht das der Beginn in der Analfalte war?

    Gruß,
    Lin
     
  16. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
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    Aus der Reihenfolge der Aufzählung: "Die Hautdefekte liegen sowohl an der Analfalte als auch auf der Sitzfläche"- gepaart mit der Aussage; breiiger Stuhl". Meine Erfahrung zeigt, dass in diesem Gebiet viel zu schnell vom Dekubitus gesprochen wird. Vielleicht liegst daran, dass die "große Krankenpflege" eher selten eine Windeldermatitis vermutet.

    Elisabeth
     
  17. soulreaver001

    soulreaver001 Junior-Mitglied

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    So mal weg von der Haarspalterei ;)

    mal abgesehen von der Wundversorgung die ja hinreichend erörtert, bzw. die weitere juristische Vorgehensweise dargelegt wurde... würde mich interessieren, warum die Patientin lediglich ein Kissen in ihrem Rücken toleriert bei Seitenlage.

    Frage sie mal wie sie früher gern geschlafen hat, die wenigsten Menschen schlafen auf dem Rücken gern ein.
    Falls sie ein Seiten- oder Bauchschläfer ist, drehe, nicht rollen, sie auf die Seite.
    Um heraus zu finden wo der Unterschied ist, lege dich in dein Bett und drehe dich selbst mal auf die Seite und beobachte dabei, was du alles machst und auf welchen Körperstellen du liegst. Dann versuche deinen Patienten mal so hinzulegen. Bedenke das du im Anschluss noch ein paar Minuten Zeit brauchst um evtl. Korrekturen deiner Lagerung auszuführen. Das is immer eng, ich weiss... ich arbeite nebenberuflich seit mehreren Jahren im Ambulanten Dienst.

    Das Kissen braucht sie dann nicht im Rücken, sondern am Bauch, als Schutz und Kontakt, drehe sie auf die Hemi-Seite. Lagere die Extremitäten so, das sie sich bewegen kann... sie muss die Möglichkeit haben sich ihre Lagerung so anzupassen wie sie es will.

    Nur ein willenloser Patient bleibt stundenlang so liegen wie du es willst!

    So kann sie sich irgendwann auch auf den Rücken zurück bewegen wenn sie es möchte.

    Kleiner Tipp: Die Schulter sollte auf dem Dreieck zwischen Schulterblatt und Gelenk liegen kommen, wenn du unter deiner Achsel durchfasst nach hinten-oben kannst du es fühlen.
    Die Hüfte liegt nicht auf dem Hüftgelenk, sondern auf dem "Fleisch" vor dem Gelenk.

    Und immer daran denken, es gibt nicht die ultimative Lagerung... es muss angenehm sein für deinen Patienten und daher brauchst du die paar Minuten, denn in den ersten paar Minuten merkt man ob es unangenehm wird ;)

    Zur Überlegung aller lesender, nehmt euch einen Freund oder Bekannten und legt euch in Einschlafposition... mal sehen was ihr herausfindet ;)

    Was ich eigentlich damit sagen möchte, das ist wirklich Entlastung/Belüftung etc. wie man es auch bezeichnen möchte. Ich versichere euch, wer richtig liegt, also nicht direkt auf Gelenken, das macht ihr gesunden schliesslich auch nicht, der bekommt keine Probleme in dieser Form... im Sitzen ist das sicher anders und der stete Stuhlgang ist sicher nicht vorteilhaft aber damit muss man sicher leben und das beste daraus machen ;)

    LG

    soul
     
  18. azu-bine

    azu-bine Gast

    @ Soul:daumen:

    Wir drehen die Patienten schon seit einigen Jahren so.
    Mit den Positions-Rollen, Kinästhetik und Geduld
    bekommen wir jeden "Deku" oder "Intertrigo" klein.
     
  19. rennsemmel

    rennsemmel Gast

    Hallo,
    erstmal Herzlichen Dank für eure Antworten. Ich werde das nächste Woche mal im Team besprechen.
    Wenn ich diese Patientin lagere, dann bleibt sie bis zum nächsten Morgen so liegen.
    Das Problem ist auch, dass sie zu allem "ja" sagt. Liegen sie gut so? "Ja!
     
  20. soulreaver001

    soulreaver001 Junior-Mitglied

    Registriert seit:
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    Finde es doch heraus @rennsemmel...

    Dazu musst du beobachten... was macht dein Patient? Bleibt er ruhig liegen, verändert sich die Mimik, sucht eine Hand, versucht sich der Patient abzustützen, verkrampft er usw.

    Ich habe in meiner Arbeit oft das Problem, das ich Menschen zeigen soll, wie sie sich richtig bewegen, Abläufe richtig eintrainieren die sie vergessen haben aufgrund eines akuten Ereignisses und oft nicht mal das gesprochene Wort verstehen. Aber vielleicht die Situation.

    Oft arbeite ich ganz still ohne Worte oder Ablenkung, da reicht ein Druck hier, oder ein Zug dort, eine Bewegung einleiten etc. es ist fantastisch was möglich ist ohne zu sprechen...

    Ich weiss alle lernen, man muss den Patienten doch informieren bevor man etwas tut ... nein muss man nicht, nämlich in Situationen, in denen es der Patient weder versteht, noch umsetzen kann, sondern nur kontraproduktiv dadurch vom eigentlichen Geschehen abgelenkt wird.
     
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