Defäkationsproblem

Dieses Thema im Forum "Fachliches zur Kinderkrankenpflege" wurde erstellt von donnerhue, 10.02.2009.

  1. donnerhue

    donnerhue Newbie

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    Hallo ihr Lieben!
    Ich lerne selbst gerade Gesundheits- und Krankenpflegerin,:nurse: weshalb auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis alle möglichen Fragen an mich gestellt werden.
    Die neuste beschäftigt mich dann doch etwas mehr, gerade weil es um ein Kind geht:
    Ein dreijähriges Kind einer entfernten Bekannten hat, nach einer Enddarm-OP, das Problem, dass sie wahrscheinlich Angst hat, Stuhl zu lassen: Nachdem die Eltern direkt nach der OP das Toilettentraining versäumt haben ist nun das Problem folgendes: Das Kind steht vor der Mutter und versucht, den Defäkationsdrang zu unterdrücken. Es kann auch nicht auf normalem Wege, also selbsständig abführen, sondern muss auf den Rücken gelegt werden und die Beine müssen hochgedrückt werden, damit sie etwas Stuhl lassen kann.

    Kann mir jemand sagen, was da das wahrscheinliche ursächliche Problem ausser Angst ist? und vor allem: Wie kann man dem Kind helfen?
    :gruebel:
    Oder sollte man sich erstmal weniger Gedanken darum machen, weil sich das mit der Zeit von alleine wieder legen wird ( wie es hier verschiedene Kinderärzte gesagt haben)?
     
  2. Meggy

    Meggy Stammgast

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    Hallo,

    das ursächliche Problem ist die Angst, der einen Teufelskreis in Gang setzt ? =>

    Einmal gemachte schlechte Erfahrungen/Schmerzen beim Stuhlgang = Angst = erneutes Einhalten = Obstipation = Schmerzen beim Stuhlgang usw.

    Ein im Übrigen häufiges Problem in diesem Alter, die meisten Obstipationen im "Sauberwerdealter" sind nicht durch Fehlernährung und Darmträgheit, sondern durch willentliche Stuhlretention ausgelöst ("Kinder, die sich die Verdauung erst einmal durch den Kopf gehen lassen").

    Was ist den Eltern empfehle:
    - Verdauungsfördernde Ernährung (als Begleitmaßnahme)
    - Bauchmassage im Uhrzeigersinn
    - Ausscheidungstraining nach Art eines "Geburtsvorbereitungskurses" - hierunter können sich betroffene Eltern gut etwas vorstellen, das ist für sie ja gerade erst ein paar Jahre her, das Kind wird mit kindgerechter Literatur über die Verdauunsvorgänge aufgeklärt, erklärt, warum regelmäßiges Ausscheiden wichtig ist, und dann geübt, wie es "nach unten drückt" - ein "Raus-raus!" rufen bewahrt vor einem geschlosssenen Mund = geschlossenem Beckenboden und Drücken in den Kopf, parallel dazu kann mit einem Aufwärtsstreichen am Steißbein ein leichter Anusöffnungsreflex ausgelöst werden.
    - Damit es klappt muss die Ausscheidungshaltung bequem (Töpfchen oder Klositz gemeinsam aussuchen) sein, das Kind muss mit den Beinen sicheren Halt haben (um Gegendruck auszuüben) und sich ebenfalls mit den Händen sicher festhalten können z.B: Haltegriffe, Stuhl vor die Toilette oder Hocker vor das Töpfchen stellen, evtl. kann das Festhalten auch am Körper der Mutter passieren.

    - Wenn das Problem schon ziemlich verschärft ist, muss erst einmal versucht werden eine regelmäßige Defäkation zu erreicht werden. Dann kann in der Anfangsphase in Absprache mit dem Kinderarzt ein paar Tage lang mit Mikroklist nachgeholfen werden, danach mit Glycerinzäpfchen evtl. die Verdauung unterstützen.
    - Dennoch ist es das Wichtigste, dass die Blockade im Kopf verschwindet.

    LG,
    Meggy
     
  3. tonysmama

    tonysmama Junior-Mitglied

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    Danke, Meggy!!!
    Mit deinem Posting hast du sicher auch vielen Eltern/Müttern/Vätern geholfen! :daumen:
    Mein Sohn hatte vor einiger Zeit auch enorme Probleme. Nach einer banalen ATE konnte er auch nicht mehr ohne Probleme zur Toilette. War eine schlimme Zeit für uns alle. Nun geht es GsD wieder ganz normal und er freut sich über jedes "Geschäft". :-)
     
  4. Caro1688

    Caro1688 Newbie

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    Hallo du, also ich kenn dieses Problemchen aus der Praxis auch recht gut!
    wir machen bei den Kids dann nach jeder hauptmahlzeit sog. Toilettentraining wobei das Kind mit einem Wecker 10 Min. zu Toilette geht und von uns dabei begleitet wird. Es wird dann im Prinzip "angefeuert" mit aufmunternden Worten.
    Unterstützend bekommen die Kinder meist Movicol oder ähnliches um den Stuhl etwas weicher zu machen.
    Das hat bisher bei den Kindern meist recht gut geklappt...

    Hoffe es geht deiner Bekannten bald wieder besser!
    Liebe Grüße
     
  5. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Kenne dies von meiner eigenen Tochter:
    ein dreiviertel Jahr lang mussten wir das "große Geschäft" oft mit Microklist erzwingen, das fing an als meine Tochter 2,3 Jahre alt war.
    Lactulose o.ä. half überhaupt nicht, weil der Stuhlgang ja eigentlich immer bereits eine ganz normale, sogar oft eher weiche Konsistenz hatte.
    Die Erzieherinnen erklärten mir genau das, was Meggy schon schrieb.
    Mnache Kinder haben während des Sauber-werdens solche Probleme. Sie halten den Stuhlgang ein, weil sie ihn einfach nicht los lassen wollen.
    Meist wären das Kinder, die "oft ganz verbissen etwas möchten". Dazu gehört meine Tochter eindeutig...:knockin:
    Seit wenigen Monaten kann meine Tochter ihr großes Geschäft ganz normal erledigen. Nur noch selten hält sie es ein.
    Wir waren damals jedoch bei mehreren Kinderärzten wegen diesem Problem, aber keiner konnte uns erklären, welche Ursache das haben könnte. Erst als meine Tochter zur Krippe ging, bekam ich diese plausible Erklärung. Und mit dieser Erklärung konnte ich auch einigen anderen Müttern, die das selbe Problem haben mit ihren Kids, helfen. Das kommt also recht häufig vor...

    LG
    Trisha

    P.S.: Natürlich sollte man auch untersuchen lassen, ob nicht doch eine organische Ursache vorliegt. Z.B. Morbus Hirschsprung...
     
  6. Auraya

    Auraya Senior-Mitglied

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    Wir haben hier auch das gleiche Problem mit einem 2 1/2 jährigen Mädchen. Bei ihr gab es allerdings schon immer mal wieder Probleme was den Stuhlgang angeht. Wir haben das Problem nun seit längerer Zeit einigermassen im Griff, auch wenn es ein anstrengender Weg dahin war :-)

    Von der ärztin haben wir ein Mittel bekommen, dass den Stuhl weicher macht, davon bekommt sie jeden Tag (zu Beginn ein Säckchen,mittlerweile nur noch ein viertel und bald hoffentlich gar nichts mehr) etwas in ein Getränk gemischt. Jeden Abend wird dann versucht das Geschäft zu erledigen. Wenn es am 2. Tag nicht kommt wird ein Zäpfchen verabreicht. Dies wurde uns so empfohlen um irgendwie aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Sie hat es tatsächlich immer wieder geschafft es für eine ganze Woche zurückzuhalten, wodurch es dann natüRlich wieder wehgetan hat.
    Durch das Zäpfchen kam wieder eine Regelmässigkeit in das Ganze. Und mittlerweile macht sie es lieber freiwillig,weil sie Zäpfchen selbstverständlich nicht so gerne hat ;)
    Ausserdem bekommt sie als "Belohnung" immer einen Sticker für ihr Stickerheft. Ist ne Supermethode zum allgemeinen Töfchentraining gewesen und hilft auch hierbei. (Von Süssigkeiten,SPielzeug o-ä. wie viele es machen halte ich gar nichts,aber Sticker machen ja nicht dick und verhätscheln auch nicht zu sehr ;) )

    So machen wir es....

    Liebe Grüsse in dem Sinne :-)
     

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