Das Mythos der aktivierenden und fördernden Pflege

Dieses Thema im Forum "Talk, Talk, Talk" wurde erstellt von Elisabeth Dinse, 01.12.2009.

  1. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Es ist wieder ein Tag dieser Tage- man hat versucht das Beste zu geben. Die Zeit ist begrenzt, man muss schnelle Entscheidungen treffen und nicht selten entscheidet man wahrscheinlich nicht patientengerecht.

    So ging es mir heute. Ich hab die falsche Entscheidung getroffen unter Zeitdruck und den einen Patienten versucht mit viel Überredungskunst zu mobilisieren obwohl da Widerstand kam und einem anderen Patienten der die Mobilisierung wollte, diese verweigert. Ich habe nach "Drehbuch" gehandelt??? Habe selbst nicht "hingefühlt"??? Hab mich triggeren lassen durch die Wahrnehmung anderer ??? Ich weiß es nicht.

    Und dann fällt mir heute dieses Buch in die Hände, dass mich zum Nachdenken anregt: Die Jahre, die uns bleiben: Gedanken einer Alten über das Alter von Sybil Gräfin Schönfeldt

    Tun wir wirklich immer das Richtige, wenn wir von aktivierender und fördernder Pflege sprechen? Geht es dabei vielleicht weniger um die somatischen Aspekte: schnell wieder mobil- was das auch immer bedeuten mag? Geht es vielleicht eher darum, den Patienten in diese neue Situation zu begleiten und ihm da Stütze zu sein?

    Aber- so etwas ist nicht vorgesehen im derzeitigen Gesundheitswesen. Wir lernen zwar diese Aspekte- ausführen dürfen wir sie nicht mehr. Das Tagesgeschehen läuft nach der Devise: schnell, schnell.

    Wie mag es uns gehen, wenn wie im Alter angekommen sind?

    Elisabeth
     
  2. Hypertone_Krise

    Hypertone_Krise Poweruser

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    Ein Wunderbarer Beitrag, der berührt...Fördern und Fordern lautet leider viel zu häufig die Devise, ohne dabei auf die individuellen emotionalen, physischen und psychischen Befindlichkeiten des Patienten einzugehen. Als wäre das einzige Ziel, was es gilt zu erreichen, der sichtbare pflegerische Erfolg ( der sich eben machmal drastisch von dem Patientendefinierten unterscheidet).

    Zumindest sollte es viel eher darum gehen.
     
  3. hypurg

    hypurg Poweruser

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    Das ist das, was wir in Deutschland noch nicht begriffen haben. Pflege ist die Interaktion mit dem Patienten. Pflege beschäftigt sich damit, was Krankheit mit dem Patienten macht, wie er sie wahrnimmt etc.
    Für die Reparatur des Schadens gibt´s die Mediziner. Die Assistenz bei ärztlichen Therapien sollte nur ein Teil von Pflegetätigkeit sein.

    Die traurige Realität stellt sich mir oft so dar: Patient wird in "A3" oder "muß gewaschen werden" kategorisiert und dann läuft das Programm ab, daß am wenigstens Ressourcen verbraucht. Mir stellt sich deshalb auch oft die Frage, warum überhaupt Fachkräfte diese Tätigkeit machen, wenn dies so unreflektiert passiert. Naßmachen und Abtrocknen kann wohl jeder.

    Ein wesentliches Ziel unserer Arbeit ist es, den Patienten zurück zur größtmöglichen Selbständigkeit zu führen. Bei unseren Zielen dürfen wir aber die des Patienten nicht vergessen.

    So wäre es zu wünschen, anstatt des Abfertigens vielerorts.
    Ich werde auf der Veranda meines Ferienhauses am Meer liegen und meine Angehörigen kümmern sich um mich liebevoll.... bitte nicht aufwecken!...


     

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