Darf ich als Azubi mittrauern bei meinem ersten präfinalen Patienten?

Dieses Thema im Forum "Leben und Tod im Krankenhaus, Umgang mit Sterbenden" wurde erstellt von sommerwolke, 30.07.2009.

  1. sommerwolke

    sommerwolke Stammgast

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    Hallo ihr!
    Ich bin im Mittelkurs, bisher ist nur eine patientin verstorben in meinem dienst, die ich allerdings nicht kannte, es war an meinem 1.tag des einsatzes auf dieser station.
    jetzt bin ich zum 1.mal auf einer geriatrie und wir haben 3 präfinale patienten dort liegen für mich neuland.
    einer dieser patienten ist eigentlich ein patient, der noch auf die palliativstation sollte, doch die haben kein bett frei.
    als er vor 5 tagen kam, mit skelettmetastasen, unbekanntem primärtumor, v.a.bronchial-ca. hatte er starke schmerzen. als ich ihn fragte gab er NRS 5-8 an und wollte unbedingt auftehen und sich selbst verorgen, doch sein AZ wurde von stunde zu stunde schlechter und es gelang ihm nciht mehr. ich machte ihm noch mut, weil er traurig und ermüdet war:cry: doch ich habe ihm wohl leere versprechungen gemacht :cry:
    ich gab ihm sofort jede bedarfsmediaktion, die er nur haben konnte, da er vor schmerzen nur am wimmern und schreien war, doch es wurde nciht besser. er hat laut doc jeweils die höchste dosis erhalten, doch ich verstand nciht wieso er keinen perfusor laufen hatte oder einen schmerzkatheter oder nciht auf die schmerzstation kam?!
    das alles tat mir schon sehr leid und berührte mich.
    ich sollte ihn nächsten morgens im bett waschen, doch das hemd auszubekommen alleine schon war eine qual für ihn! er schrie und schon als ich ihm behilflich sein wollte, schrie er noch mehr und ich wollte ihm nicht noch mehr weh tun:/ ..ich konnte irgendwie nicht.
    ich war ehrlichegesagt überfordert (so einen patienten hatte ich noch nie) und dachte ich hole mir einen rat bei einer examinierten kollegin. die fragte jedoch verwundert, ob ich noch nie gewaschen hätte und meinte, ich sollte einfach machen, das müßte schließlich sein, was ich denn anders machen will!!?
    eine unterkursschülerin sollte das dann für mich übernehmen. schade,- ich hätte gerne dazugelernt.
    am nächsten morgen wurde er von kollegen gewaschen, endlich bekam er einen schmerz-perfusor! als ich reinkam krampfte er und war kaum noch ansprechbar, reagierte nur noch auf schmerzreize, jedoch nach wie vor lautstark, nun auch noch v.a. hirnmetastasen.
    er bekam ein muskelrelaxanz gespritzt, schrie aber immer noch beim lagern. ich ging ungern in das zimmer, denn ich wußte, ich tu ihm weh dabei und er griff ständig nach meiner hand. seit heute (er krampft immer noch) hat er fieber von 40,3-40,5C und liegt im sterben sagt meine kollegin.

    vor ein paar tagen redete er noch mit mir udn wollte alles allein machen, jetzt liegt er im sterben??!
    seine frau schläft mit im zimmer und ich sehe sie oft weinen wenn ich reinkomme. sie fragte mich heute wieso er immer noch krampft, woher das hohe fieber kommt und ob er vielleicht schon hirntot sei..... oder als ich mit ihm redete, ob er mich überhaupt hören würde?
    ich musste selbst fast weinen.
    man soll seine probleme nicht mi nach hause nehmen, ich weiß auch nciht, ob es richtig ist, aber es ich fühle gerade selbst trauer. und es tut mir so leid, dass ich ihm nciht helfen kann!!!!!!!

    ich hoffe wirklich nciht, dass er in meinem dienst stirbt morgen und zwar weil ich glaube, das ich weinen müßte! dann heißt es noch es wäre der falsche beruf für mich... das möchte ich nciht.(und hoffe ich nciht,das er der falsche beruf ist!)


    liebe, nachdenkliche grüße


    was hättet ihr der frau geantwortet auf ihre fragen?
    ich versuchte kompetent zu wirken und sie gleichzeitig nicht anzulügen, doch ich wußte es selbst nciht genau udn es fiel mir nicht leicht.
     
  2. Silvana

    Silvana Senior-Mitglied

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    Hallöle Sommerwolke!

    Das erste Mal mit einem sterbenden Patienten in Berührung zu kommen, ist für keinen von uns einfach. Das hat rein gar nichts mit einer falschen Berufswahl zu tun. Es ist besonders schwer, wenn man das Gefühl hat, nichts tun zu können. Was muss ich dem Patienten noch zumuten? Was ist notwendig, um die Zeit für den Patienten erträglich zu machen? Wie weit muss Grundpflege in dieser Phase noch gehen?
    Alles Fragen, die ich mir bei präfinalen Patienten ganz oft gestellt habe und die auf diversen Stationen immer zu großen Diskussionen geführt haben.
    Ich habe bei meiner ersten Verstorbenen Rotz und Wasser geheult und bin sehr dankbar, dass ich durch meinen Mentor eine sehr gute Begleitung hatte. Dadurch fiel es mir leichter, dieses Erlebnis zu verarbeiten.
    Und gerade der Umgang mit Angehörigen ist eine sehr schwierige Sache. Bis heute versuche ich, mich möglichst davon fernzuhalten. Denn ich finde, es gibt kaum etwas, was schwieriger ist. Und mir steht bis heute jedesmal das Wasser in den Augen, wenn ich Angehörige von präfinalen oder verstorbenen Patienten betreuen muss.
    Ich hoffe, dass dir deine Kollegen helfen, diese Situation zu meistern. Trau dich ruhig und erzähl jemandem auf der Station, zu dem du Vertrauen hast, deine Ängste und Zweifel. Ich schwör dir, du bist nicht allein!

    Lieben Gruß und viel Kraft:-)
     
  3. sommerwolke

    sommerwolke Stammgast

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    ich habe das gefühl zum quatschen ist keine zeit...von anfang an sagte ich das dieser mann mir so leid tut..und die anderen wunderten sich alle noch wieso er solche schmerzen hat, trotz höchstdosis an medis..

    ich fühle mich echt schlecht gerade wenn ich an ihn denke! vor wenigen tagen sollte er noch seine 1.chemo bekommen..jetzt liegt er im sterben..hätte er nicht stabil gehalten werden können um die chemo noch zu versuchen?? wieso ging das so schnell? ich komm gerade selbst nicht mit habe ich das gefühl......am WE redete er noch mit mir, saß an der bettkante, wollte ins badezimmer gefahren werden (was nciht mehr ging), aber hat gefrühstückt, geklingelt und "normal" geantwortet bzw reagiert..seine therapie hätte doch jetzt erst begonnen... wieso kam das jetzt so?! ich überlege schon den doc mal zu fragen, denn ich habe das gefühl die schwestern wissens vielleicht auch nciht..

    ich WILL morgen nciht heulen und das tue ich,....bestimmt, ich kenn mich ja!peinlich.
     
  4. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Sommerwolke- es ist so dass wir alle diese Erfahrung machen mussten. Der eine hat es schneller verdängt, der andere kann sich auch nach Jahren an bestimmte Pat. erinnern, die er bis zuletzt begleitet hat. Es gibt gute und es gibt sehr traurige Erinnerungen. Manche Erinnerungen kommen nie wieder, manche tauchen nach Jahren der Stille wieder auf.
    Es gibt in dieser Situation keine tröstenden Worte. Vielleicht fliehen auch deshalb viele Kollegen vor einem entlastenden Gespräch. Verdrängen, flüchten in die Aktivität scheint einfacher.

    Was hat mir geholfen, was hilft mir manchmal heute noch?

    Nüchtern betrachtet: Wir kommen auf diese Welt, um zu sterben und niemand von uns ist unsterblich... auch wenn wir diese Tatsache ein Leben lang verdrängen.

    Man kann es auch schöner sagen:
    Und vielleicht tröstet dich auch dieses Lied ein wenig. YouTube - Gerhard Schöne - Fährmann Hol Über


    Elisabeth
     
  5. Josefine13

    Josefine13 Stammgast

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    Hallo Sommerwolke,
    Du solltest jemanden finden mit dem Du reden kannst. Denn es wird wie Elisabeth geschrieben hat vielleicht immer wieder solche Momente geben, wo Du an eine Grenze kommst.
    Mir hilft das reden.
     
  6. midsommer

    midsommer Senior-Mitglied

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    Liebe Sommerwolke,
    warum hast du Angst, das du den falschen Beruf ergriffen hast, wenn du Mitgefühl zeigst? Deiner Tränen musst du dich nicht schämen. Jeder geht mit dem Tod anders um. Bei manchen Patienten war ich froh, das sie endlich sterben durften und Frieden hatten. Du brauchst auch zu Angehörigen nicht viel sagen, eine Umarmung ist oft mehr wert, als kluge Sprüche. Als meine Schwester vor vielen Jahren starb, sagte die Bestatterin: "Jedem Kind wird die Todesstunde in die Wiege gelegt."Irgendwann ist unsere Zeit abgelaufen und das kann Gott sei Dank auch die Medizin nicht verhindern. Ich empfehle dir die Bücher von Elisabeth Kübler-Ross um mit deinen Ängsten besser zurecht zu kommen.
    Ich wünsche dir alles Liebe und viel Freude in deinem Beruf.
     
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  7. mary_jane

    mary_jane Gast

    Naja, also mir würde so ein Satz beim Umgang mit dem Tod bzw. Trauern nicht helfen. Im Gegenteil, ich glaube nicht an Schicksal sondern dass wir frei sind. Das nur so als Randbemerkung.

    Hallo Sommerwolke,

    jeder geht anders um mit dem Tod. Die einen scheinen es locker wegzustecken, manche reden gar nicht darüber, wieder andere vergießen auch mal eine Träne. Mir laufen in manchen Situationen auch noch die Tränen runter. Mir hilft das manchmal, danach gehts mit besser und ich empfinde die Situation dann weniger belastend. Musste mir deswegen auch schonmal anhören ich sei zu sensibel von Pflegekräften die eine ander Trauerbewältigung wählten.

    lg mary
     
  8. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Ich glaube, du verstehst den Satz falsch. Das hat nichts mit Schicksal zu tun. Jedes Lebewesen wird geboren und wird irgendwann sterben- das ist der Lauf der Welt. Der Mensch möchte gerne unsterblich sein. Aber auch ihn ereilt der Tod- da nutzt auch der freie Wille wenig. Mit dem kannst du den Tod nicht vertreiben.

    Ansosnten stimme ich dir voll zu. Eine Verdängung der Trauergefühle bringt nichts. Weinen kann eine erste Entlastung sein und bei manchem reicht dies schon aus. Ein anderer braucht zusätzlich intensive Gespräche. Und wieder andere brauchen eine Zeit des Rückzuges. Trauern ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Was die eigene beste Strategie ist, dass muss jeder für sich selbst herausfinden.

    Elisabeth
     
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  9. midsommer

    midsommer Senior-Mitglied

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    Danke Elisabeth. Genauso sehe ich das auch.
     
  10. sommerwolke

    sommerwolke Stammgast

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    dankeschön für die vielen netten antworten!
    ich hoffe, dass es in meinem krankenhaus auch einige pflegekräfte gibt wie euch!
    wenn ihr wollt lest weiter, ich erzähle mal wie es gekommen ist in meinem letzten dienst..
    ich kam zum dienst und wollte als erstes wissen, ob er noch lebt..die nachtschwester meinte nein, er sei seit einer stunde tot und sei noch im zimmer mit angehörigen. gott sei dank dachte ich......als wir nach der übergabe noch eine rauchen gingen unter uns azubis redeten wir alle 3 über ihn. es hat uns alle berührt und eine kollegin, die unterkursschülerinist und wie ich noch nicht viel damit zu un hatte, hatte die tränen in den augen. wir beschlossen zusammen GEMEINSAM noch einmal zu ihm zu gehen, uns mit der situation auseinander zu setzen, abschied zu nehmen und dabei auch tränen zuzulassen, wenn es hätte sein müssen. es war meine idee, aus dem grund, weil ich nicht davor weglaufen möchte, (denn das so habe ich das gefühl macht es nciht besser) und außerdem wollte ich wissen wie es für mich wäre.. danach ging ich zu meiner mentorin und erzählte ihr, dass wir gemeinsam nochmal rein wollten, bevor er weggefahren wird.
    als ich ins zimmer kam und ihn dort lagen sah, sah er sehr alt aus. irgendwie war es merkwürdig, dass ich (weiß nciht genau wie ich es beschreiben soll) "visuell erwartet" habe, dass sich der brustkorb hebt und senkt, was aber nciht geschah..meine mentorin redete mit uns, was mir sehr gut tat. sie fragte auch wie es uns nun geht..ich fing an zu weinen, weil ich immer wieder daran denken musste wie ich ihm noch mut zusprach, als er gerade bei uns war ("vielleicht werden sie medikamentös nochmal neu eingestellt, sodass es ihnen morgen schon besser geht"). das tat mir so leid! und wie schrecklich es war als ich ihn pflegerisch versorgen konnte und er so laut geschrien hat vor schmerzen:(
    dann war er weg und nachdem ich mal kurz geweint habe ging es mir sehr viel besser! meine kollegin meinte ich müsste lernen das ganze nicht so nah an mich heran kommen zu lassen und daran denken, dass es unser beruf ist! das stimmt natürlich..
    ich hoffe ich werde daran wachsen können..
    elisabeth kübler ross ist mir bekannt und ich kenne die von ihr beschriebenen phasen, was meiner meinung nach auch oft ähnlich so zutrifft.

    allerdings haben wir z.zt. noch eine patientin wo ich dran denken muss...sie liegt dort allein im sterben in einem isozimmer..wird intravenös ernährt und kollegen sagen, wenn wir zB zum lagern im zimmer sind "lass uns schnell wiede raus gehen..bevor sie stirbt". mittlerweile denke auch ich, dass ich gerade bei ihr ein paar min stehen bleiben müsste!! doch irgendwie fühl ich mich dazu noch nicht stark und reif genug das alleine bewältigen zu können..


    danke für die worte..
     
  11. Leann

    Leann Stammgast

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    Lobenswert das Du nicht alleine warst und die Mentorin dabei war.

    Mein erster Toter war nicht so wie man es sich als Schüler wünscht.

    Er wurde Nachts operiert ich hatte Frühdienst, er lag noch auf dem Gang. War für die Nachtwache anscheinend einfacher ihn zu überwachen *naja*. Auf jedenfall sollte er ins Einzelzimmer. Die Sauerstoffflasche wurde abgemacht und wir rollten ihn ins Zimmer.
    Der Patient schlug die Augen auf und redet mit mir ganz kurz, ich wollte ihn wieder ans Sauerstoff anschließen da war er bereits gestorben. Einfach so...ich war die letzte die er sah und die letzte die seine letzten Worte hörte.
    Ich ging zu ener Kollegin und berichte über den Tod. Antwort:"Ach herje müssen wir den Zinksargfahrer auch noch anrufen" Ich war entsetzt sagte aber nichts weil ich zu ergriffen war. Auch wenn ich damals bereits im 3. Lehrjahr war, war er mein erster Mensch der verstorben ist.
    Gesprochen hat keiner mit mir, ich hatte eher das Gefühl das es egal war wie sich Schüler dabei fühlen.
    Obwohl mir dann in den späteren Einsätzen immer wieder der Tod begegnete mein erster Patient der in meinen Beisein verstarb vergaß ich nie.
     
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  12. *Anni

    *Anni Junior-Mitglied

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    Hallo Sommerwolke!
    Mach DIr keine Sorgen, deine Gefühle und Ängste sind "normal"! Meine erste Verstorbene war damals eine junge Patientin mit Non-Hodgkin-Lymphom. Sie war damals kaum älter als ich und es war soo unglaublich traurig! Sie war frisch verliebt und wollte ihren Freund heiraten, sie hatte schon als Teenie NHL hat dann Chemo und so bekommen und kam dann wegen Bauchschmerzen zu uns. 2 Wochen später war sie verstorben. Es war ganz schlimm für mich, und ich habe auch weinen müssen, als sie verstorben war und ich hatte damals eine sehr tolle Mentorin die mit mir gesprochen hat und mir gut zugeredet hat!
    Ich bemühe mich jetzt natürlich dasselbe auch an meine Schüler weiterzugeben!
    Aber auch als examinierte verliere ich manchmal noch eine Träne!
    Ich finde es sehr gut, dass Du nicht so denkst wie die ex. Kollegen "Lass uns schnell rausgehen bevor sie stirbt"!!
    Ich wünsche Dir für die Zukunft viel Glück und viel Kraft im Umgang mit solchen Situationen!
    LG und einen schönen Sonntag!
    *Anni
     
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  13. Anna2605

    Anna2605 Newbie

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    Hey,

    ich bin auch Azubi und bei mir ist direkt im Unterkurs im ersten Einsatz eine ganz süße Omi versorben....Habe sogar nach meinem Dienst noch am Bett bei ihr gesessen, weil sie nicht alleine sein wollte....So viel zum Thema "Nicht mit nach Hause nehmen" ;)!
    Ich finde, du hast absolut nicht den falschen Beruf ergriffen, denn gerade solche Leute brauchen wir, die nicht nur den Patienten bearbeiten, als sei er irgendein Material und das Krankenhaus die Lagerhalle...
    Ich vermisse bei mir im Haus so oft Emotionalität, denn genau das ist es, was Patienten auch oft fehlt....Viele berichten mir, wie kalt die Schwestern sind....
    Die Kunst ist es, mit der Zeit zu lernen emotional zu sein, aber auch abschließen zu können....Aber das ist nicht einfach und lernt man auch nicht von heute auf morgen....Meine Mutter ist seit 40 Jahren in dem Beruf, davon 16 auf der Intensiv und hat sehr oft Sterbende beglietet, aber bei manchen ging es ihr sehr nah und sie hat einen Patienten bis heute nicht vergessen....Aber sie musste es auch lernen....
    Und zu der Frau: Keiner weiß, was Leute wirklich noch wahrnehmen, wenn sie so präfinal sind....Aber was hattest du denn im Moment für ein Gefühl, oder wie denkst du darüber?
    Man muss auch nicht immer reden....Ich habe auch manchmal bei Patienten oder Angehörigen nur die Hand gehalten und auch schon mit ihnen geheult-das ist nicht peinlich, sondern eine super Gabe und erleichternd :-)!
    Ich finde es toll, dass es so Leute wie dich gibt!Bleib wie du bist und versuche nicht abzustumpfen!Du bist denke ich im richtigen Beruf!

    Lieben Gruß,

    Anna
     
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  14. OP-Mietze

    OP-Mietze Stammgast

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    Ich finde auch das es auch uns professionellen Pflegekräften erlaubt ist um Patienten zu trauern. Ich persönlich bin jemand der zwar innerlich mitfühlt aber das nach außen nicht so zeigt. Auf der Station wo ich nach meiner Ausbildung angefangen habe zu arbeiten (Innere Medizin) und 3 Jahre gearbeitet hab hatten wir gott sein Dank ein tolles Team wo wir oft zusammengesessen haben und geredet haben wenn uns eine Situation bewegt hat oder nicht aus dem Kopf gehen wollte.Das hat mir und ich denke auch anderen Kollegen sehr geholfen Dinge zu verarbeiten auch wenn man nich der Typ dafür ist groß " Gefühle" zu zeigen.

    Eine Situation hat uns allerdings alle sehr bewegt. Auf Station lag eine Dame,Mitte 70 mit metastasierendem Mamma Ca. Ihr Mann,auch Mitte 70 hatte schon seine erste Frau an Brustkrebs verloren,war während des gesamten 4 wöchigen KH-Aufenthalts bei ihr.Sein Bett hatte er direkt an ihr Bett herangeschoben das es wie ein großes Ehebett war und die beiden lagen oft viele Stunden zusammen Arm in Arm dort,er hat sie gestreichelt,ihr vorgesungen usw. Es war einfach nur süß zu sehen wie lieb die beiden sich hatten und anderseits sehr traurig ihn so verzweifelt zu sehen das er jetzt auch noch seine 2 Frau an Krebs verliert. In einem Nachtdienst habe ich mehrere Stunden am Bett von den beiden verbracht und ganz viel mit ihm geredet.
    Nach 4 Wochen wurde die Dame als austherapiert nach Hause entlassen und eine Stunde nach der Entlassung bekamen wir einen Anruf vom Ehemann das sie zu Hause friedlich eingeschlafen ist.
    Da haben ich und auch ein paar andere Kollegen unsere Tränen nicht zurückhalten können. Es war wirklich irgendwie ein ganz besonders sympathisches und liebenswertes Paar.
     
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