Curriculum für Fachweiterbildung Notaufnahme

Dieses Thema im Forum "Interdisziplinäre Notfälle" wurde erstellt von Werner Rathgeber, 20.09.2005.

  1. Werner Rathgeber

    Werner Rathgeber Stammgast

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    Hallo @ all!

    Ich denke, dass die bisher fehlende, offizielle, DKG- anerkannte Fachweiterweiterbildung zur Fachpflegekraft der Notaufnahme aus politischen Gründen (Kosten) bisher nicht aktuell ist. Aber vielleicht auch, weil wir Betroffenen bisher unsere Arbeit und dafür benötigten Qualifikationen nicht ausreichend dargestellt haben.

    Aus diesem Grund habe ich mal angefangen ein Curriculum für die Fachweiterbildung "Zentrale Notaufnahme" (allerdings ohne die DBFK Ausbilungsinhalte zu kennen) und möchte sie euch hier zur Diskussion stellen.
    Besonders freuen würde ich mich, wenn sich auch Lehrer, PDL oder Pflegedirektionen daran beiteiligen würden.

    Präambel

    Die Tätigkeit in der zentralen Notaufnahme eines Krankenhauses erfordert im besonderen Masse fachliche und soziale Kompetenzen vom Pflegepersonal.
    So müssen die besonderen medizinischen uns sozialen Probleme der NotfallpatientInnen und deren Angehörigen beachtet und auf sie eingegangen werden.
    Zum einem die medizinische Problematik,wenngleich nicht immer lebensbedrohlich,
    durchaus Ängste, Betreuungs- und Beratungsbedarf, bei Patienten und Angehörigen produziert.
    Auch die langfristigen Folgen einer Erkrankung z.B. die Frage nach Arbeitsfähigkeit, Pflegebedürftigkeit, Kinderbetreuung, Planung von Urlauben usw. werden von den Klienten thematisiert.
    Ebenso kommt der Notaufnahme als Schnittstelle zwischen Umwelt (Gemeinde/Stadt) und der Organiastion "Krankenhaus" eine hohe Bedeutung zu.
    Sie ist die "Visitenkarte" des Hauses.

    Die Ausbildung von Krankenpflege und Rettungsdienstpersonal verläuft in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern (z.B. Holland) nicht einheitlich, so dass die Akzeptanz der jeweils anderen Berufsgruppe nicht immer gegeben ist.
    (Anmerkung des Verf. Ich fahre selbst seit 15 Jahren nebenbei Rettungsdienst und kenne beide Seiten gut!)
    Bisher ist der Umgang mit den Anforderungen einer Notaufnahme eher durch Erfahrungswissen der "alten Hasen" an jüngere KollegInnen vermittelt worden, oder sie handeln nach der Devise "Fehler machen Klug".
    Analog zu den bereits bestehenden Fachweiterbildungen sollen die benötigten Ressourcen gezielt erlernt und geübt werden, um die von den Patienten erwartete
    und von Kostenträgern und Gesetzgeber geforderte Qualität zu erreichen, zu erhalten und zu verbessern.

    :D Vision:daumen:

    Alle Pflegekräfte in den Notaufnahmen sind ausgebildete RettungsassistentInnen und sind während ihrer Arbeitszeit mehrere Tage pro Monat im Rettungsdienst tätig.
    Der Benefit liegt im besseren gegenseitigem Verstehen und erweiterung des Aufgabenspektrums der Pflege und der möglichkeit in alarmfreien Zeit das Team der Notaufnahme zu verstärken und Spitzenbelastungen abzufangen.

    :ccol1: Mission:ccol1:

    Die Fachpflegekräfte der Notaufnahme sind RettungssanitäterIn und fährt in dieser Position ca. 3 mal pro Monat.
    Sie soll Handlungskompetenzen auch ohne Anwesenheit eines Arztes erhalten.
    Diese sind u.U. auch in der Notaufnahme erforderlich, wie z.b. bei mehreren Notfällen gleichzeitig oder in kleineren Häusern, wo nicht immer ein Arzt anwesend ist.

    Themen und Inhalte

    Innere Medizin:

    Anatomie/Physiolgie
    Herzerkrankungen
    Herzinfarkt (Hospitation Herzkatheterlabor)
    Reanimation (ACLS-Training mit Halbautomatischer Defibrillation)
    Bluthochdruck
    COPD
    Niereninsuffizienz und Dialyseverfahren (Hospitation Dialyse)
    Neurologische Notfallbilder (Cerebrale Blutungen auch aus Neurochirugischer Sicht)
    Embolien und Trombosen
    Lebererkrankungen incl. Hepatitis
    Diabetes mellitus
    Psychiatrische Notfallbilder und Akuttherapie, einschließlich Alkohol- und Drogenabusus
    M.Alzheimer und Demenzsyndrom
    Hämatologische und onkologische Erkrankungen
    Tauchunfälle

    Chirugie:

    Frakturen
    Pflege: Immobilisationstherpie (Gipsverbände und Schienen bzw. Tutoren)
    Polytrauma Megacoderaining ATLS
    Schädel-Hirntrauma
    Thoraxtrauma
    Akutes Abdomen und Bauchtrauma
    prä- und postoperative Pflege

    Urologie:

    Nierenkolk und Nierensteine
    Infektionen
    Harnverhalt
    Prostataerkrankungen

    Anästhesie:

    Narkoseverfahren und Schmerztherapie
    Hospitation OP und Aufwachraum und Schmerzambulanz

    Gynäkologie:

    Gynäkologische Blutungen
    Entzündungen, Zysten und Endometriose
    Besonderheiten bei Schwangeren (medikamentöse Therapien)
    Schwangerschaftserkrankungen wie Eklamsie und HELLP-Syndrom
    Extrauterinschwangerschaft

    Infektiologie:

    Meningitis, Malaria, Hepatitis,TBC,HIV bzw. AIDS
    Kinderkrankheiten im Erwachsenenalter
    Tropenkrankheiten (Gelbfieber,Parasiten)
    hochkontaktiöse Erkrankungen wie SARS,Vogelgrippe,Ebola
    Pflege: Barrier-Nursing

    Dermatologie:

    Allergien, Psoriasis, Geschlechtskrankheiten
    Verbrennungen

    Rechtskunde:

    Haftungsrecht, Betreuungsrecht, Strafrecht ( Fixierung von Patienten), Garantenstellung, Vertragsrecht Patient - Krankenhaus, Arbeitsrecht

    Psychiatrie:

    Angststörungen, Depression, Alkohol- und Drogenmissbrauch,
    Psychosen

    Pädiatrie:

    Besondereiten bei Kindern als Notfallpatienten


    So, das waren meine ersten Überlegungen zu diesem Thema, muß natürlich noch ausdifferenziert werden.
    Warte gespannt auf Eure Kommentare und Anregungen!

    Bis dann!!
    Werner
     
  2. narde2003

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    Hallo Werner,

    wielange soll diese Weiterbildung dauern, hast du dir das auch schon überlegt?

    Ich fände es recht gut, wenn in der Notaufnahme so gut ausgebildestes Personal wäre.

    Sonnige Grüsse
    Narde
     
  3. Suprarenina

    Suprarenina Stammgast

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    Liest sich gut,

    ich habe mich da auch mal erkundigt,weil ich diese Fachweiterbildung auch recht interessant finde.
    Wenn man die bei uns in der Klinik anbieten würde,wäre ich eine der Ersten die : Hier..schreit.

    Die Fächer die du beschrieben hast sind zwar treffend,aber Z.B Anatomie/Physiologie hatten wir ja schon alle.
    Oder meinst du das aus "Auffrischung"?

    Die Krankheitsbilder sind in einer Notaufnahme sehr breit gefächert,und man sollte sich da wirklich nur auf das nötigste Beschränken weil sonst würde diese Weiterbildung ja ins unermessliche gehen.Mal vom Kostenfaktor abgesehen.

    Auch ist Organisation- und Konfliktmanagment ein wichtiges Thema.
    Wie soll am Ende das erlernte geprüft werden?
    Klausuren,Referate,Projektarbeit..Mündlich,schriftlich:?:

    Ich selber bin schon den 24h Dienst auf einem RTW mitgefahren,um mir einfach mal die andere "Seite" zu vernschaulichen.
    Ich persönlich möchte die Erfahrung nicht missen.
    Bin aber der Meinung das das Pflegepersonal in einer Notaufnahme nicht ausgebildete Rettungssanitäter sein müssen,weil auch diese Ausbildung Zeit und Geld kostet.

    Bin mal auf andere Meinungen gespannt...
     
  4. SaniPfleger

    SaniPfleger Newbie

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    Hallo,

    Schaut euch mal an wie das in Italien läuft!
    Da fahren Krankenpfleger der Notaufnahme / Intensiv /Anästhesie auf den Rettungsmitteln mit (lt. ital. Gesetzt ist der Krankenpfleger zuständig für die präklinische Versorgung des Notfallpat., es gibt keine Rettungssanis oder Assis)
    Der Krankenpfleger arbeitet im KH und bein einem Einsatz über Pipser wird er vom RTW abgeholt und darf präklinisch auch verschieden Massnahmen treffen (je nach Region unterschiedlich): i.v. Zugang (immer), Medis (REA Medis, Glucose, Antidot, Infusionen), oder auch Airway Management (Larynxmaske, KJombitubus ....) geregelt über Algorithmen der Notrufzentralen (diese legt Kompetenzen fest)
    Natürlich durchlaufen die Pfleger vorher eine Zusatzausbildung

    klingt doch interessant oder:wavey:
     
  5. ilse2009

    ilse2009 Newbie

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    in der schweiz gibt es eine fachweiterbildung in notfallpflege. würde mich mit denen in verbindung setzen. bin zwar ein paar jahre zu spät aber macht ja nichts.
     
  6. k4llerich

    k4llerich Newbie

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    Hallo, ich würde mich auch sehr über iene geregelte Fachweiterbildung freuen.

    Habe mal auf der Deustchen Pflegeverband Seite eine solche Weiterbilung entdeckt, aber diese hat 6000€ gekostet, endet aber nicht mit der Berufbezeichnung FachkrankenpflegerIn. Also mehr so eine Fortbildungsgeschichte, aber für 6T €. Echt Happig.

    Das System das eine NFZ Mitarbeiter im Rettungsdienst tätig ist gefällt mir gut.

    Ich mache jetzt im September meinen Sani, damit ich geringfügig dort Arbeiten kann.

    Toll wäre es wenn es direkt über das KH laufen würde, dann wprden die sicher die Ausbildung bezahlen oder stüzen. So zahle ich die gesamte Ausbildung selbst 600€ und muss dann noch über die PDl nen Antrag stellen, das ich geringfügig am rettungs dienst teilnehemne darf.
    Also super umständlich eingetlich.

    Mir gefällt das Sytem Schweiz Italien sehr gut! :rocken:

    aber sehe schwarz, das es bei uns so werden wird.

    Gruß christian
     
  7. narde2003

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    Hi,

    es geht auch billiger: http://www.akademie-klinikum-muench...eiterbildung/Weiterbildungen/Flyer_ZNA3_4.pdf

    Eine DKG-Anerkennung hat bisher keine Fachweiterbildung für die Notaufnahme. Nächstes Jahr startet hier der 3. Kurs. Ich kann es nur als Referentin beurteilen, aber was ich von den TeilnehmerInnen gehört habe, ist der Kurs sehr gut mit einem guten Theorie-Praxistransfer und Relefanz.

    Liebe Grüsse
    Narde
     
  8. Rescue 911

    Rescue 911 Newbie

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    Ich würde mich an die weiter oben aufgeführten Möglichkeiten der Ausbildungen im Rettungsdienst halten.

    Natürlich hat die Pflege in der Notaufnahme teilweise andere Aufgaben als im Rettungsdienst, ich bin selber einige Jahre als Rettungssanitäter im Rettungsdienst gefahren und bin mittlerweile stv. Leiter einer interdisziplinären Notaufnahme. Wenn man aber davon ausgeht, dass man im Rahmen des Krankenpflegeexamens eine fundierte Ausbildung in einem anerkannten medizinischen Heilberuf erhält, Physiologie, Patophysiologie, Pharmakologie, etc. intensiv gelernt hat, dann fehlt einzig und allein das intensive Training von Notfallsituationen. Nichts anderes stellt eine Rettungssanitäterausbildung da. Man wird in extrem kurzer Zeit gedrillt welche Symptome auf einen Notfall hinweisen und wie man diese Notfall beherrscht. Sicherlich sehe ich auch noch weitere interessante Themen, welche man in einer Fachweiterbildung behandeln sollte, da es diese aber noch nicht gibt erhält man als RS wesentlich eine anerkannte staatl. Prüfung (zu einem wirklich fairen Preis!)

    Gruß

    Rescue 911
     
  9. pericardinchen

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    Eine FWB für die Notaufnahme empfinde ich genauso sinnvoll, wie die FWB für eine IMC.

    Die FWB sollte ebenso 2 Jahre dauern.
     
  10. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Hallo,

    wir hätten gerne die Stundenzahl der FWB Intensiv, aber leider wurde uns das nicht genehmigt und somit nur die "abgespeckte" Version. Wobei von den Teilnehmern her die FWB als postiv empfunden wurde und der zweite Kurs läuft und voll ist.

    Liebe Grüsse
    Narde
     
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