Brugada - Brugada - Syndrom

Rabenzahn

Poweruser
Mitglied seit
15.02.2002
Beiträge
933
Standort
Kassel
Beruf
AN-Pfleger
Akt. Einsatzbereich
in Rente
Der Patient.

- 21 jähriger Mann
- Russe seit 5 Jahren in Deutschland
- keine Verständigungsschwierigkeiten
- sehr schlank

Die Diagnose

- Mittelhandknochen V –Fraktur rechte Hand.


Der Plan

- ambulante Operation in Plexusanästhesie

Die Vorbereitung

- Patient kommt um 9:00 Uhr in die Klinik
- nicht gegessen
- nicht getrunken
- nicht geraucht
- Zähne sind alle fest
- keine Vorerkrankungen bekannt
- belastet sich voll
- keine Zwischenfälle in der Familie bekannt, im Zusammenhang mit Anästhesien
- keine Voroperationen

Die Durchführung

9:15 Uhr die Vorbereitungen zur Plexusanästhesie laufen an.
- EKG – Monitor
- Sättigung
- RR-Messung
- venöser Zugang auf der Gegenseite
- 3 x Hautdesinfektion
- Vorbereitung der Medikamente
- 400 mg Xylonest 2 % ohne Adrenalin
- 75 mg Carbostesin 0,5 %
- 7,5 ml NaCl 0,9 %
- steriles Tuch
- Punktion der Nerven-Gefäß-Scheide
- Aspiration, kein Blut
- Injektion der Medikamente unter ständiger Aspirationskontrolle + Monitoring
- verbale Kontakte mit dem Patienten
- steriler Verband

Ende der Injektion ca. 9:30 Uhr


Der Verlauf

- Vitaldaten alle im Normbereich
- Patient wach, munter, ansprechbar
- Parästhesien in den Fingern der rechten Hand
- Wärmegefühl im Arm


9:45 Uhr wird der Patient in den Warteraum für ambulante Patienten verlegt, zur Überbrückung der Wartezeit bis sich der axilläre Plexus voll ausgebildet hat.
Patient fühlt sich wohl. Wird regelmäßig kontrolliert und untersucht. Plexus bildet sich nicht so aus, wie erwartet, Motorik bleibt erhalten, Sensibilität vermindert.

10: 27 Uhr Gespräch mit dem Patienten, Motorik erhalten, Sensibilität weiterhin vermindert, reicht aber nicht aus zur Operation.

10:30 Uhr liegt der Patient tot im Bett ! Halsvenen gestaut ! Zyanose der Lippen ! Weite Pupillen !!

- Mund zu Mund Beatmung
- Herzdruckmassage
- unter HLW zurück in die Anästhesieeinleitung
- Monitor zeigt Kammerflimmern
- 100 % O² - Gabe
- Intubation
- Defibrillation 2 x 200 Joule
- Herzdruckmassage und Beatmung
- Suprarenin i.v. insgesamt 4 mg
- Defibrillation 2 x 360 Joule
- Herzdruckmassage und Beatmung
- Transoesophagale Schrittmachersonde und Stimulation
- Extrathorakale Paddle aufgeklebt
- Transthorakale Echographie durch Kardioanästhesie
- 100 ml Natriumbicarbonat 8,4 %
- 20 mg Xylocain 2 % wg. Rhythmusstörung, Abbruch der Injektion
- ab 11:10 Uhr Eigenrhythmus

Von 10:30 Uhr bis 11:10 Uhr Herzdruckmassage und Beatmung
Ab 11:10 Uhr Eigenrhythmus – Beatmung läuft weiter
11:30 Uhr Verlegung auf Intensivstation , Kammerflimmern bei der dortigen Aufnahme

Nächster Morgen – Patient wird extubiert, ist ansprechbar, etwas verlangsamt, bewegt alle Extremitäten und klagt über ein gewisses Druckgefühl auf der Brust. Keine neurologischen Ausfälle !

Unsere Verdachtsdiagnose lautete >> Lungenembolie <<

Die Internisten fanden ein Brugada – Syndrom heraus .

Ein Link dazu :

*(Defekter) Link entfernt*

*(Defekter) Link entfernt*

Das habe ich bisher noch nie erlebt und schon gar nicht gehört gehabt.
 

Rabenzahn

Poweruser
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15.02.2002
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Standort
Kassel
Beruf
AN-Pfleger
Akt. Einsatzbereich
in Rente
Hallo,

ich muss etwas nachtragen.

Montag, 02.12.2002 meldet mir unser Zivi einen Besucher, der mich sehen möchte.

Draußen steht der besagte junge Mann, den ich auf den Tag genau vor 14 Tagen reanimiert hatte.
Hält einen Becher mit Wasser in der Hand und wollte den Mann kennen lernen, der ihn gefunden hat.
Er fühlt sich gut, klagt weiterhin über Schmerzen in der Brustbeingegend und beginnt mich auszufragen, wie lange er reanimiert wurde.

Von ärztlicher Seite ist er voll aufgeklärt über das was geschehen ist und über seine Erkrankung.

Er sei etwas trauriger geworden in den letzten Tagen. Sonst ist er wirklich ok, keine neurologischen oder andere Ausfälle.

Nur 3 Tage fehlen ihm in seiner Erinnerung. Obwohl er ja praktisch nur eine Tag beatmet wurde.

Natürlich ist er froh zu leben !

Dann habe ich ihn auf seinen Wunsch nochmals die Räume gezeigt wo es war.

Er hat sich dann sehr herzlich von mir verabschiedet mit den Worten: " Ich musste wiederkommen, schließlich habe ich eine Tochter von 1 Jahr und 3 Monaten."

Wahrscheinlich meinte er mit wiederkommen, zurück ins Leben.

Und genau wegen seiner Tochter haben wir uns so angestrengt und ihn gerettet.

Das war mal ein schöner Erfolg.

Ich machte ihn noch mit unserer Schülerin bekannt, die vor 3 Monaten Unterricht über Reanimation bei mir hatte. Damit sie selber sieht, wie eine Reanimation verlaufen muss.
 

Trine

Stammgast
Mitglied seit
05.08.2002
Beiträge
258
Hallo Rabenzahn!
Das sind bestimmt die Situationen, die uns als Pflegende immer wieder motivieren. Trotz allen Trubels, Ärgers, Zeit- und Personalnot usw. sind solche Erlebnisse immer wieder toll!
Ich freu mich riesig über eine Dankeskarte von Pat., die wir wochenlang betreut und/oder erfolgreich reanimiert haben. Das ist ne Menge wert!
Gruß!
 

Schöhler

Junior-Mitglied
Mitglied seit
15.05.2002
Beiträge
95
Hallo Rabenzahn,

schön, diese Erfolgserlebnisse..;o)

Werde mir die Links gleich mal durchlesen, ich muß zum Dienst..eine Frage hätte ich noch, legt Ihr bei Pat. unter Rea- Bedingungen immer Schrittmacher (egal ob Transösophageal oder Transvenös), sozusagen prophylaktisch, oder hatte der Patient auch noch eine Asystolie?
Ich frage nur, wird aus den aufgelisteten Rhythmen nicht ersichtlich, und wir legen so etwas nicht standardmässig, daher meine Frage..

Gruss

schöhler
 
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