Brennpunkt Altenpflege

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von fiutare, 13.02.2007.

  1. fiutare

    fiutare Newbie

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    Hallo an alle.

    Seit einiger Zeit sind sie aus den Medien nicht mehr wegzudenken: Die Talkshows, in denen es um die Altenpflege geht. Ob bei "Christiansen", "Hart aber fair", oder wie zuletzt "Berlin Mitte".

    Man sieht sehr oft die gleichen Gäste, vor allem den von den Medien so genannten "Pflegekritiker" Claus Fussek. Meist geht es um das Thema, dass Bewohner nicht das bekommen, was ihnen zusteht, dass sie gefesselt, ruhiggestellt und mit Windeln ausgestattet werden. Und oft wird dabei gefragt, wo denn das Geld bleibt, was dafür bezahlt wird.

    Herr Fussek gebraucht dabei gerne den Begriff "in die Betten pflegen", was heissen soll, dass Bewohner absichtlich pflegeabhängig "gemacht werden", damit man eine höhere Pflegestufe erreichen (kassieren) kann.

    Was haltet ihr von dieser Art Öffentlichkeitsarbeit? Hat Herr Fussek recht, übertreibt er? Schaut ihr euch solche Sendungen überhaupt an? Gibt es Reaktionen von Angehörigen? Schaden solche Sendungen unserem Ansehen, schaden sie unserer Arbeit, oder nützen sie uns???

    Ich würde dies gerne hier mal diskutieren. Natürlich habe auch ich dazu eine Meinung. Doch bevor ich polarisiere, würde ich gerne ein paar Beiträge sehen, damit dann kontrovers und (hoffentlich) sachlich diskutiert werden kann.

    Haut rein.
     
  2. *Mara*

    *Mara* Senior-Mitglied

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    ich schaue mir solche sendungen eigentlich so gut wie nie an. was mich mal schokiert hat, war eine art doku (wobei ich nicht weiß oder glauben soll ob die echt oder gefaket ist...) jedenfalls hat ein altenpfleger mal die miese situation in den heimen darstellen wollen und hat heimlich mitgefilmt, wie z.b. nachts um vier die ersten bewohner aus den betten gezerrt und gewaschen wurden, damit das tägliche pensum überhaupt geschafft werden konnte. die armen leute waren totmüde und völlig mit der situation überfordert.
    Ich denke es gibt einfach solche und solche heime, genauso wie es mit den khs auch ist. aber mit sicherheit herrscht dort genauso pflegenotstand wie im kh.
    liebe grüße, Mara
     
  3. DannyAn

    DannyAn Newbie

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    Ich schaue mir auch selten solche Sendungen an, weil ich mich dann jedesmal aufrege. Ich habe auch schon persönlich die Erfahrung gemacht das Bewohner oder Patienten nachts um 4 oder 5 Uhr aus den Betten geholt werden um gewaschen zu werden. Aber das ist, denke ich nicht überall so. Ich denke man sollte nicht alle Heime oder Krankenhäuser sowie die Pflegekräfte über einen Kamm scheren, es gibt durchaus auch gute Heime und Krankenhäuser und auch Pflegekräft denen die Menschen nicht egal sind und sich richtig mühe geben.

    Grüße DannyAn
     
  4. flexi

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    Hallo fiutare,

    über was möchtest du hier eigentlich diskutieren?
    Deine Angebotspalette ist riesig, so das es für mich zunächst wie ein allgemeiner "schöndasswirmalüberallesgeredethaben"-Thread aussieht.
     
  5. Karo6

    Karo6 Poweruser

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    meine güte!!!:down:
    ersten tag im forum und schon gibs ärger, erinnert mich an meine schülerzeit, ersten tag auf station und gleich gibs einen aufm deckel.. schlimm!
     
  6. flexi

    flexi Administrator
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    Hallo karo,
    meine Frage geht an fiutare, nicht an dich!

    Du antwortest leider genau so, wie ich es befürchte.
    das sind 6 Fragen mit völlig unterschiedlichen Inhalten!
    Und da sich Fiutare eine sachliche Diskussion wünscht, versuche ich eine völlige Verzettelung zu vermeiden.
     
  7. Maniac

    Maniac Poweruser

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    Hihi, und beim nächsten Mal macht sie 6 verschiedene Threads dazu auf ^^
    Aber prinzipiell hast du Recht Flexi.

    Oh, ich bin Offtopic, also antworte ich mal schnell auf Frage x:
    Nein, ich schaue solche Sendungen nicht und habe noch nie etwas davon mitbekommen.
    Da ich mich als interessiert beschreiben würde, sehe ich das nicht unbedingt als Öffentlichkeitsarbeit für die breite Masse, sondern eher als Diskussion im stillen Kämmerlein. Weitere Interpretationen wage ich nicht, ohne die Inhalte zu kennen...
     
  8. fiutare

    fiutare Newbie

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    Hmm, das sehe ich zwar nicht ganz so, ich finde schon, dass diese Fragen alle im Zusammenhang stehen, aber darüber sollten wir jetzt nicht streiten. Ich habe ja auch nicht gesagt, dass man jede einzelne Frage beantworten soll, mir war eher daran gelegen, dass sich Interessierte aus diesem "Angebot" etwas für sie passendes herausziehen.

    Mir ging es wirklich darum, dass eine möglichst breite Diskussion entsteht, weil ich doch sehr verwundert bin, dass diese Art von Berichterstattung, die in letzter Zeit wirklich immer wieder aufkommt, bei den Betroffenen (Pflegende) so garnicht ankommt.

    :(

    Also, ich bin gespannt auf weitere Reaktionen und werde mich morgen (nu geh ich ins Bett) sowohl "outen", als auch meinen ganz dezidierten Standpunkt dazu darlegen.

    :schlafen:
     
  9. fiutare

    fiutare Newbie

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    Nun gut, da sich im Moment weiter nichts regt, werde ich jetzt versuchen, etwas "Öl ins Feuer zu kippen". Dies soll kein Angriff auf die Besucher dieses Forums darstellen (die ich ja noch garnicht kenne), sondern es soll eine Situationsbeschreibung sein. Auf mein ursprüngliches Thema werde ich dann ganz ausführlich eingehen.

    Aber erst mal dies:

    Zunächst ist die Tatsache, dass dieses Thema nicht sonderlich zu interessieren scheint, schon der erste Knackpunkt. Die Pflege insgesamt, ganz besonders die Altenpflege, ist erschreckend berufspolitisch desinteressiert. Man verlegt sich aufs Jammern und auf das Schimpfen auf "die da oben". Das ist dann meistens der Heimträger oder auch die Pflegedienstleitung. Gejammert wird über schlechte Personalausstattung, erschwerte Arbeitsbedingungen, Unterbesetzung und schlechte Bezahlung.

    Um es gleich vorwegzunehmen: Von der Sache her durchaus berechtigt. Was ich beklage ist aber, dass viel zuwenig reflektiert wird. Kaum jemand macht sich wirklich Gedanken darüber, warum das so ist. Die Pflege kommt mir manchmal vor wie eine Herde Schafe, die sich schicksalshaft scheren lässt und sich allerhöchstens selbst bedauert.

    Und dann kommen Leute her, die einer beeindruckten Öffentlichkeit erzählen, was in den Heimen so alles abläuft. Markus Breitscheidel spricht von "abgezockt und totgepflegt", Claus Fussek wird von Talkshow zu Talkshow gereicht und erzählt, dass er wissen will "wo das ganze Geld bleibt, was für Pflege bezahlt wird".

    Blick zurück:
    Am 1. Januar 1995 trat die Pflegeversicherung in Kraft. Mit diesem Inkrafttreten passierte noch etwas ganz Entscheidendes: Die Altenpflege wurde in den freien Wettbewerb entlassen. Es war politischer Wille, dass man mit der Pflege alter Menschen Profite machen konnte. Und ja, es gab und gibt Träger, die diesen Aspekt sehr ernst nahmen. Das Resultat waren erste "schwarze Schafe", die aus lauter Gewinnstreben die Personalzahlen niedrig hielten, Gehälter kürzten und die Mitarbeiter mit Arbeit und Anspruch im Regen stehen liessen.

    Reaktionen waren gefragt. Und die Politik reagierte. Sie reagierte mit einer Flut von Verordnungen, Regeln, Gesetzen, Dokumentationszwängen. Wohlgemerkt für alle Heime, was das eigentliche Dilemma war. Sebsternannte "Pflegeexperten" wie Breitscheidel und Fussek hauen noch heute ungebremst in die gleiche Kerbe, was in der Öffentlichkeit seine Spuren hinterlässt (Originalzitat eines Talkshow-Besuchers: "Nach dieser Sendung habe ich Angst bekommen"). Das PQSG als weitere Reaktion der Politik ist nichts anderes als ein kollektives Misstrauensvotum gegen die Pflege.
    Es gibt keine Berufsgruppe, die ihr professionelles Tun jederzeit durch Unterschrift und Dokumentation beweisen muss. Das muss nur die Pflege.

    Und das hauptsächliche Dilemma: Aufgedeckte Defizite, die in Sensationsberichten an die Öffentlichkeit gelangen, werden nur durch neue Vorschriften und mehr Kontrollen beantwortet. Keine einzige neue Stelle ist geschaffen worden, kein einziger Cent mehr ist in das System geflossen. Nur Regelungen, Vorschriften, mehr Doku! Und dabei wird mit der Giesskanne agiert. Die vielen vielen Heime, in denen eine aufopferungsvolle und gute Arbeit betrieben wird, werden ganz genauso damit konfrontiert.

    Wie sieht die Situation heute aus?

    Ich behaupte: Wir haben es mit einem grundverlogenen System zu tun. Wer schon einmal an einer Pflegesatzverhandlung teilgenommen hat, der weiss, von was ich spreche (an dieser Stelle "ganz nebenbei": Ich bin Pflegedirektor eines Unternehmens, welches neben zwei Krankenhäusern und einer ambulanten Pflege auch zwei Pflegeheime betreibt. Angriffe, Fragen, Beschimpfungen nehme ich gelassen und gerne entgegen :lol1: ).

    Bei einer Pflegesatzverhandlung geht es zu wie auf einem orientalischen Markt. Der Träger stellt seine Forderungen auf (Personal, Sachmittel, Verpflegung, Hauswirtschaft....) und der Kostenträger (=Pflegekassen) macht daraufhin sein Angebot. Und hier kommt der politische Wille "Wettbewerb" voll zum Tragen: Aus den Forderungen bzw. dem Angebot errechnet sich der Pflegesatz pro Pflegestufe. Argument der Kassen ist dann jeweils: Das vergleichbare Heim XY macht das alles billiger - und unterbietet die Forderung drastisch. Auch Personalforderungen (3 Kräfte im Spätdienst für 36 Bewohner) werden auf diese Art und Weise abgelehnt.
    Um einen abrechenbaren Pflegesatz zu bekommen, gibt der Träger dann meistens zähneknirschend nach und man einigt sich dann irgendwo weit unterhalb der Forderungen. Nun mag der eine oder andere denken: Hmmm, kann doch der Kasse egal sein, die bezahlen doch sowieso nur die Pflegestufe, deren Sätze sich ja seit 12 Jahren nicht erhöht haben.
    Stimmt eigentlich, man muss aber wissen, dass am Verhandlungstisch auf Kassenseite auch der Sozialträger sitzt, der natürlich sehr daran interessiert ist, dass die Pflegesätze gering bleiben, weil er ja dort einspringen muss, wo die Differenz aus Heimkosten und Pflegegeld/Rente nicht ausreicht. Und das ist in vielen Fällen so.

    Nicht genug. Auch der Heimbetreiber selbst tut sich einen Bärendienst an, wenn er deutlich erhöhte Pflegesätze abschliesst: Nicht der Bewohner, sondern der Angehörige entscheidet meist über das Heim. Und dann zählt (leider) nicht die Qualität, also gutes Angebot, zusätzliches Personal für Betreuung zB, sondern nur der Preis. Das heisst im Klartext: Wer zu hohe Pflegesätze hat, "kickt sich selbst aus dem Markt".

    Geschickt eingefädelt.

    Und hier schliesst sich vorerst der Kreis. Das System ist meiner Meinung nach perfide und verlogen. Schlussendlich befinden sich Pflegeheime im Würgegriff der Kostenträger, der Politik, des MDK (von deren Wirken ich bisher noch garnichts erzählt habe), der Heimaufsicht, der Angehörigen - und nicht zuletzt der öffentlichen Meinung, befördert durch Sensationsjournalismus.

    Ich denke, es reicht erst mal. Trotz dieses langen Beitrages ist noch ganz wenig gesagt worden...Vielleicht hat der eine oder andere eine Frage, einen Beitrag oder sonstige Anmerkungen. Wie gesagt: Kritik an meinen Ausführungen und zu meiner Rolle, auch bohrende Fragen etc. nehme ich gerne entgegen.
     
  10. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Hallo,

    vielleicht meldet sich ja niemand, weil Du recht hast indem was Du hier geschrieben hast:
    Damit hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen. Meckern, schimpfen, motzen, jammern (was Du ja übrigens hier auch tust) steht gerade in der Altenpflege an der Tagesordnung.
    Und wenn alles besser würde, gäbe es nichts mehr zu meckern, und das wäre doch zu schade...:gruebel:

    Ich sehe hin und wieder derartige Talkshows, muss aber gestehen, ich merke mir die Namen nicht, weil ich mir Menschen, die alles schlecht reden, nicht merke.
    Markus Breitscheidel z.B. formulierte seine Berichte aber sehr sachlich.
    Es gibt wichtige Personen in der Politik, die über die tatsächlichen Begebenheiten Bescheid wissen und auch eingreifen und was ändern möchten. Z.B. die Sozialministerin aus Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer.

    Wichtig ist, neben den ganzen Diskussionen, dass ich als Pflegekraft, egal in welcher Einrichtung, gute Arbeit leiste, sowie es in meiner Macht steht.
    Man kann sich zwar über solche Diskussionsrunden aufregen, aber solange ich guten Gewissens beste Arbeit leiste, kann mir keiner was.

    Solange wir immer nur jammern, aber nicht wirklich was dagegen tun (wollen), wird sich auch in der Situation nichts ändern.
    Ein konkretes Beispiel aus "meinem Forum" Wundmanagement": viele User regen sich darüber auf, dass Hausärzte so unkooperativ sind und die unmöglichsten und zweifelhaftesten Anordnungen treffen. Ich kann 10 x erklären, wie man in solchen Situationen vorgeht, keiner will´s wissen oder tatsächlich durchführen. Statt dessen kommen jede Menge "wenn´s und aber´s". Das ist etwas worüber ich mich aufregen könnte.
    Und damit wären wir wieder bei Deinem o.g. Zitat, dass Du echt toll formuliert hast (muß ich mir merken :lol1: ).

    LG
    Trisha
     
  11. blickdicht

    blickdicht Newbie

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    ... eine Herde Schafe.... sehr schön formuliert !
    Ich persönlich verweigere mich bewusst solchen Sendungen. Warum ? Weil mir sonst schlichtweg die Galle hochkommt. Und zwar nicht deshalb weil ich es unmenschlich finde wie es vielleicht in manch einem Heim zugeht, sondern weil mich diese einseitige, provokative Darstellung fast zum Platzen bringt.
    Pflege knurrt im Kämmerlein und kuscht in der Öffentlichkeit. Es wird gejammert was das Zeug hält, aber wenn es darum geht seinen eigenen Berufstand zu verteidigen kriegt keiner mehr den Mund auf.
    Da Frage ich mich doch ob wir nicht wirklich alle "Berufsquäler" sind. Wenn es nicht so ist, warum verteidigt uns keiner ? Und genau da ist der Knackpunkt.
    Der Leithammel fehlt.
    Ich kenne keine andere Berufsgruppe die derart unorganisiert ist und sich derart zum Narren halten lässt wie die Pflege.
    Vielleicht habe ich aber auch irgendwo überlesen, dass ich auf meine Rechte, meine Berufsehre und meine Hirnzellen verzichten muss wenn ich diesen Beruf ausüben will.
     
  12. fiutare

    fiutare Newbie

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    Hallo Trisha, natürlich beklage auch ich die herrschenden Verhältnisse, aber ich versuche natürlich auch, etwas dagegen zu tun.

    Seit etwa zwei Jahren bemühe ich mich intensiv um Dialoge, Kontakte und Aufklärung. Auch mit dem omnipräsenten Herrn Fussek habe ich lange Kontakt gepflegt, habe ihn zu unserer Pflegesatzverhandlung eingeladen, damit er das verlogene System live erlebt, habe ihm unseren MDK-Bericht geschickt, damit er lesen kann, wie wir gegängelt und schikaniert werden - allein, er ist auf keines meiner Angebote und Argumente eingegangen, er ist nur ausgewichen.

    Dabei, damit ich richtig verstanden werde: Ich gehöre keinesfalls zu der Heia-Popeia-Fraktion. Manchmal betätige ich mich sogar sehr gerne als Nestbeschmutzer. Mein Leitsatz zu Pflegeheimen heisst: Es gibt keine guten Heime (die kann es nämlich bei den Bedingungen garnicht geben) Es gibt allerdings eine Mehrzahl der Heime, die es gut meinen. Aufopferungsvolle und liebevolle Pflegekräfte, die nach ihren Möglichkeiten arbeiten. Und natürlich gibt es schwarze Schafe, das bestreitet niemand. Aber, und das ist der Punkt: Die Probleme sind durch das System vorgegeben.

    Wenn ich mit den Mitarbeiter/Innen im Heim zusammensitze und wir über Probleme reden, die meist von Überlastung und gefühlter Unterbesetzung handeln, dann frage ich mein Gegenüber schon mal direkt: "Würden Sie jeden Monat 50 Euro mehr für die Pflegeversicherung bezahlen?"

    Die Reaktion kann man sich denken. Und genau das ist der Punkt: Jede Gesellschaft bekommt die Pflege, die sie sich wert ist. Und wenn sich die Politik davor scheut, die Wahrheit auszusprechen, dass zuwenig Geld im System ist und dass eine Verbesserung nur durch Erhöhung der Beiträge zu meistern ist, dann möchte ich mich bitteschön vor andauernden Schuldzuweisungen von seiten der Öffentlichkeit, gesteuert durch "Pflegeexperten" wehren!

    Und genau diese Zusammenhänge müssen auch die Pflegenden wissen. Natürlich ist es gängig und irgendwie nachvollziehbar, dass sich der Pflegende in seinem Frust zuallererst an den nächst greifbaren Vorgesetzten (Heimleiter, PDL, Heimträger) richtet. Das ist verständlich und das müssen wir auch aushalten. Allerdings beobachte ich gerade bei Pflegenden eine wirklich krasse Unkenntnis in (berufs-)politischen Zusammenhängen.
    Ich habe eine PM bekommen, in der ein Forummitglied frägt:

    "Weisst du wo das Geld bleibt? Wenn jeder Bewohner 3000€ zahlen muss. Bei einen 70 Bewohner Heim?"

    So eine Frage ist natürlich nicht pauschal zu beantworten. Man müsste wissen, wieviel Personal wie hoch (oder niedrig) bezahlt wird. Wie der Kapitaldienst (Zinsen...) aussieht. Verpflegungskosten, Energie, Verwaltung, Sachkosten......all das und mehr sind Kostenfaktoren. Und man muss ein bisschen kaufmännisches Verständnis haben.
    Ich weiss nur eines: Wenn man seine Mitarbeiter, zwar nicht üppig, aber anständig bezahlt, wenn man sich an die vorgegebenen Besetzungen hält (es ist einfach ein Märchen, dass Stellen nicht besetzt werden. Genau das in allererster Linie wird von MDK und Heimaufsicht kontrolliert) - dann ist ein Budget von hochgerechnet 2,5 Mio Euro für ein solches Heim alles andere als grosszügig.

    Nur mal in eigener Sache: Wir versuchen jedes Jahr, unsere Nase aus dem Wasser zu halten, was uns letztes Jahr nicht ganz gelungen ist. Da haben wir 50 Tsd Euro Verlust gemacht.

    Um es auf den Punkt zu bringen, was ich will:
    • Wir sollten uns gegen das Schlechtmachen der Altenpflege zur Wehr setzen. Wir lassen uns nicht in die Täterrolle drängen. Wir sind die Opfer dieses Systems. Überwiegend.
    • Schluss mit den Widersprüchen zwischen Kostenträger (Pflegekassen) und MDK. Der MDK fordert von uns Besetzungen (nicht mehr als 20 Pflegeprozesse pro Schicht für eine Fachkraft), die der Kostenträger uns nicht genehmigt.
    • Entbürokratisierung der Altenpflege! Monatlich 20 Seiten Pflegeplanung pro Bewohner, täglich bis zu 250 Handzeichen sind Wahnsinn! Sturzprophylaxe, Trinkpläne, Lagerungspläne, Ernährungspläne, Beschäftigung, Sozialbetreuung, Pflegevisiten......HILFE!!!!!
    Und nicht zuletzt: Wir treiben in hohem Tempo auf einen Fachkräftemangel zu. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis es in der Altenpflege richtig knallt.
    Zeit zum Handeln!
     
  13. narde2003

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    Hallo Fiutare,

    was hättest du erwartet von einem Herrn Fussek?
    Ich kenne zwar seine TV-Auftritte nicht, dennoch erinnert er mich an einen Herrn Wallraff, der damals das Buch Ganz unten geschrieben hat.
    Ich glaube nicht, dass Herr Fussek an seiner Einstellung etwas ändern würde, da das TV-Publikum doch anscheinend solche Sendungen sehr gerne sieht.

    Die goldenen Zeiten der Pflege sind nun mal endgültig vorbei, doch als wir sie hatten haben wir sie nicht erkannt. Jammern nützt leider nix und ist in meinen Augen vertane Zeit, die ich sinnvoller nutzen kann.

    Schönen Tag
    Narde
     
  14. TimBavaria

    TimBavaria Newbie

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    Uff!
    Ich muss jetzt erst einmal durchschnaufen und die ganzen Beiträge nochmal durchlesen. Was ich jetzt schon sagen kann: Die Beiträge von fiutare sprechen mir aus der Seele! (V.a. bezüglich Fussek, MDK, Bürokratie und Dolumentationswahnsinn!) Leute, hier steckt Potential! DIESE Diskussion soll nicht einschlafen..!

    Tim
     
    #14 TimBavaria, 15.02.2007
    Zuletzt bearbeitet: 15.02.2007
  15. fiutare

    fiutare Newbie

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    Bingo. Die Öffentlichkeit liest und sieht sowas natürlich gerne. Aber es ist doch ein bisschen wie beim Fleischskandal: Jeder empört sich darüber, aber niemand will einsehen, dass diese Skandale deswegen entstehen, weil man von allem viel und das möglichst billig haben will.
    Genauso sagt der Fernsehzuschauer "Ah" und "Oh", wenn ein Bericht die Unterbesetzung in der Pflege thematisiert, aber warum das so ist, das wird dann geflissentlich übersehen. Man meint automatisch, das sind die bösen Heimbetreiber, die aus lauter Profitdenken nicht genügend Pflegekräfte einstellen. Sowas lässt sich natürlich sehr viel besser verkaufen, als darüber zu reden, welchen Beitrag jeder von uns aufbringen müsste, um für eine bessere Betreuung zu sorgen.
    Politiker sehen diese Art von Sendungen in aller Regel auch ganz gerne, wiegen dann bedächtig ihre Häupter und lassen verlauten, dass man das alles sehr viel besser kontrollieren sollte. Und überhaupt: Unangemeldete MDK-Kontrollen sind das Gebot der Stunde. Damit kann man alle Probleme lösen.

    Nur mal am Rande: Unsere letzte MDK-Kontrolle war unangemeldet (nicht anlassbezogen).

    Sorry, dass ich dir hier widersprechen muss. Ich kann mich an goldene Zeiten in der Pflege nicht erinnern (bin immerhin schon seit 1972 im Gesundheitswesen tätig, seit 1989 in Leitungsfunktion). Es gab Ende der 80er Jahre den sog. "Pflegenotstand", woraus sich einzelne Maßnahmen (Bezahlung, Besetzung - allerdings eher im Krankenhausbereich) entwickelt haben.
    Aber die Pflege hat schon immer eine bemerkenswert passive Rolle gespielt.

    Gut, ich gebe dir recht, dass Jammern nichts nützt. Das ist klar. Ich habe auch kein "Rezept" zur Hand, was jetzt zu tun wäre. Ich will nur etwas Unruhe stiften. Das hier ist ein Versuch, Leute aus ihrer Lethargie zu reissen. Diskutiert, beschäftigt euch damit, was da draussen abgeht.
    Lösungen sind nicht einfach, man muss auch die Bedingungen der Heime kennen, man muss das System lernen - genau das ist mein Alternativvorschlag zum Jammern.

    Genau so:

     
  16. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Ich persönlich kenne die Systeme der Heime nicht - dafür aber die der ambulanten Pflegedienste.
    Dies meine ich automatisch auch.
    Warum werden z.B. in meiner Region massenweise Heime errichtet (ich denke in anderen Regionen genauso), obwohl sehr wohl bekannt ist, dass diese total unterbelegt sind?
    Was will der zukünftige Heimbetreiber denn erreichen? Heimplätze sind massig da, aber offenbar haben die Bauherren große Finanzlücken im eigenen Geldbeutel zu schließen. Weil sie wissen: mit alten bedürftigen Menschen lässt sich durchaus Profit machen. DAS IST SO! Wer betreibt ein Heim, wenn er wüsste, sein Geschäft wird eine Milchmädchenrechnung?

    Mein ehemaliger Arbeitgeber, Geschäftsführer eines Pflegedienstes, konnte sich allmonatlich ein schickes Sümmchen einstecken. Während die Mitarbeiter minutengenau ihre Arbeit zu erledigen hatten. Natürlich im Rahmen ohnehin gekürzter Zeiten.
    Die PDL, die sich eigentlich mehr mit berufsfremden "Arbeiten" befasste, bekam ebenfalls allmonatlich ein hübsches Nettosümmchen auf´s Konto.
    Der Rest des Büropersonals (2 Sekretärinnen) ebenso.
    Die übrigen Mitarbeiter "an der Front", eigentlich diejenigen, die die geldeinbringende Arbeit tatsächlich leisten, mussten sich jede Stunde hart erkämpfen - das ging aber nicht, weil sie in einer bestimmten Zeit die Arbeiten zu erledigen hatten. Es gab gnadenlos Abzüge, wenn eine längere Zeit beim Pat. nicht gerechtfertigt war.
    Ich kann das aus Sicht des Betreibers begrenzt nachvollziehen, aber es darf keine Ausbeuterei werden. Und es ist nun mal Tatsache, dass diese Ausbeuterei an der Tagesordnung ist, vor allem bei privaten Betreibern.
    Heimbetreiber stellen sich dann noch dahin und erzählen, wie schlecht es ihnen geht. Natürlich läuft ziemlich viel schief in den Systemen, aber alles Jammern darüber nutzt nichts.
    Die Menschen da draußen wollen "ah" und "oh" sagen. Sie wollen Skandale. Deswegen sitzen ja auch so viele vor solchen Talkshows, um sich mal wieder über die schlechten Zustände aufzuregen.
    Das ist in anderen Bereichen doch genauso.
    Wie viele Firmeninhaber klagen ihr Leid, wie schlecht doch alles geworden ist, nehmen aber Honorare, dass einem die Spucke weg bleibt und ich mich immer wieder fragen muss: ist seine Arbeit anstrengender oder anspruchsvoller als die meine, dass er sooo viel Geld dafür kassiert?

    Und ich weiß, dadurch dass ich sehr viel Kontakt habe zu Pflegepersonal aller möglichen Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet, dass es in anderen Institutionen nicht viel besser aussieht - sogar schlimmer, was den Stundenlohn bspw. angeht.

    Die Ansprüche sind gewachsen, jeder möchte schick sein und in der Gesellschaft mithalten können. Man versucht, aus allem Profit zu schlagen. Politiker machen es vor, indem sie sich überall hinchauffieren lassen usw.

    So und nach dem ganzen Gerede: was ist denn nun mit dem Patienten? Geht es Euch eigentlich um den? "NATÜRLICH" werden jetzt alle sagen.
    Ich kann nur soviel sagen: einen höheren Stundenlohn oder mehr Personal macht die Arbeit nicht qualitativer und besser.
    Defizite in der Pflege liegen ganz woanders.

    LG
    Trisha
     
  17. fiutare

    fiutare Newbie

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    Na also, das ist doch genau das, was ich mir wünsche :klatschspring:


    Über ambulante Pflege diskutiere ich gerne mit. Gehört auch zu meinem Aufgabengebiet.


    Nun, das ist zumindest bei uns nicht so. Wir haben durchaus Wartelisten, aber reden wir mal von deinen Beispielen.

    Genau das beklage ich ja auch am System. Genau das war mit der Einführung der Pflegeversicherung auch politisch gewollt: Wettbewerb. Die von dir angeführten Betreiber "kenne" ich auch. Investoren, die im Kapitalmarkt arbeiten und letzten Endes nur eines wollen: Rendite für Ihre Anleger.

    Aber:
    1. Das sind nicht "die Heime", um die es geht.
    2. Diese Entscheidung der Politik war grundverkehrt. Ich halte es moralisch nicht für vertretbar, dass mit Gesundheit (Pflege, Krankenhaus) Profit gemacht werden kann. Dies gilt in gleichem Maße auch für Bildung und Sicherheit. Das hat allerdings nichts damit zu tun, dass man damit "Geld verdient", im Sinne von "seinen Lebensunterhalt bestreiten". Da ist der Pflegeberuf ein Beruf wie andere auch.
    3. Dass es solche Betreiber "Satt, Sauber & Co" gibt, darf doch nicht gleichzeitig bedeuten, dass jedes andere Heim in den generalisierten Kollektiv-Verdacht gerät, seine MA auszubeuten und seine Bewohner zu vernachlässigen, oder? Genau das passiert aber.



    Niemand. Glaub mir: Diese Betreiber können nur mit Dumpinglöhnen und Qualitätseinbussen ihre Ziele erreichen. Und dafür läuft die Zeit ab. Warte nur, bis Pflegekräfte Mangelware werden. Sollten bis dahin die Vorgaben (Fachkraftquote) nicht politisch verwässert werden - was durchaus sein kann - oder der Billigarbeitnehmer aus den Ost-Ländern ungehindert angeworben werden kann - auch nicht ganz unwahrscheinlich - sollte dies also nicht passieren, dann gehen diesen Betreibern die Luft aus.

    All das hat nichts und rein garnichts damit zu tun, dass bspw. die vorgegebenen Personalbesetzungen (also das, was letztlich durch den Pflegesatz finanziert wird) skandalös niedrig sind. Und nochmal, auch wenn es nervt: Wenn ein Spätdienst für ca. 35 Bewohner mit 2 Kräften laufen muss (gemäss Fachkraftquote 1 Examinierte und eine Hilfskraft), dann liegt das nicht daran, dass nicht genügend Personal eingestellt wird, sondern daran, DASS ES NICHT MEHR GELD DAFÜR GIBT!

    Hmmm, das klingt mir jetzt doch etwas zu *ähem* unsachlich. Was ist ein "schickes Sümmchen" 2.000.- €? 5.000.-€? 10.000.-€? Abgesehen davon, dass auch ein Geschäftsführer ein Einkommen haben muss, weisst du, was er für sonstige Verpflichtungen hat? Kennst du die laufenden Kosten, die ein ambulanter Pflegedienst verursacht? Fuhrpark? Steuern? Arbeitgeberanteile?
    Kennst du das Risiko, das ein Selbständiger hat. Rente? Krankenversicherung? Zukunftssicherung?
    Das müsstest du schon etwas mehr präzisieren. :roll:


    Ich kenne die Problematik in der ambulanten Pflege nur zu genau.
    Wir haben uns anfangs den Luxus erlaubt, dass unsere Mitarbeiter/Innen die Zeit nehmen durften, die sie gebraucht haben. Nun, abgesehen davon, dass dies dann doch ziemlich "ausgenutzt" wurde (jaja, der Mensch ansich ist schlecht :lol1: ), haben wir es tatsächlich geschafft in den "besten Jahren" bis zu 500.000.- DM Miese zu machen (Echt kein Witz). Nun ja, das hat sich unser Geschäftsführer natürlich nicht lange angesehen und wir haben den Bereich *brutal* sanieren müssen. Die MA wurden gefragt, ob sie diesen Weg mitgehen wollen. Wer nicht wollte, den haben wir im Unternehmen umgesetzt oder er hat gekündigt. Dann haben wir die Arbeitszeit unisono um 25% gekürzt, Pflegebereiche aufgegeben (15km fahren für eine Insulinspritze war passé) und Zeiten vorgegeben. Gut, immerhin Fahrtzeit und Besprechungszeit etc. gewährt - aber es war ein Einschnitt. Nach zwei harten Jahren war der Bereich saniert, die Defizite beseitigt. Heute machen wir meistens "eine schwarze Null". Mehr wollen wir nicht.




    Ich kann nicht für "private" Betreiber sprechen (Wir sind als gGmbH ja eigentlich auch privat, also mit eigenem Tarif, nicht im AG-Verband, etc...) - aber es ist nun mal eine Binsenweisheit, dass niemand gezwungen ist, dort zu arbeiten. Sicher ist das heute noch ein starkes Stück, sowas zu sagen (Arbeitslosigkeit, Jobangebot), aber gerade die Zukunft wird zeigen, dass auch Pflegende mehr Auswahl haben werden. Dann muss man diese Ausbeuter einfach austrocknen.

    Ich stelle mich hin und sage: Den Pflegenden geht es schlecht. Hier muss sich was ändern. Wir brauchen Entbürokratisierung, mehr Zeit für Bewohner, mehr Personal. Das muss bezahlbar sein. Das muss die Gesellschaft leisten. Wenn sie nicht bereit ist, das zu leisten, dann müssen wir uns dazu bekennen, unsere Alten lediglich zu verwahren. Und nicht vergessen: Die Alten, das sind wir. Früher oder später. Aber einerseits restriktive Personalvorgaben machen (siehe mein Vorposting zum Thema Pflegesatzverhandlung) und andererseits den Betreiber und letzten Endes die Pflegekraft mit Regeln, Doku, Kontrollen und Bürokratie zuzuschütten, das geht einfach nicht. Das funktioniert nicht auf Dauer. Da bleibt jemand auf der Strecke.

    Natürlich machen wir keine Gewinne, aber solange wir keine grossen Verluste machen, geht es uns existenziell nicht wirklich schlecht.



    Sondern? Stillhalten?

    Klar doch. Aber ich will mich hinstellen und sagen: Hier wird gelogen, hier wird verdrängt, hier wird verzerrt. Leute, die sich mit der Materie nicht auskennen, sind immer sehr leicht zu beeindrucken. Das ist übrigens bei den meisten Moderator/Innen so. Sehr oberflächlich, vorher kurz was angelesen, aber nicht wirklich kundig.


    ............

    Wo?
    :ccol1:
     
  18. fiutare

    fiutare Newbie

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    Kleine aktuelle Neuigkeit.

    Nach der letzten Sendung "Berlin Mitte" (ich erwähnte es) habe ich mit den Protagonisten Kontakt aufgenommen. Unter anderem auch mit dem gesundheitspolitischen Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Herrn Bahr, der in der Sendung einen sehr aufgeschlossenen und informierten Eindruck gemacht hat - und zeitweise auch dem populistischen Auftreten von Herrn Fussek Paroli geboten hat.

    Das Resultat ist eine Einladung zu einem Gespräch. Wir werden daran zu dritt teilnehmen. Vorab hat er mir den Entwurf eines Gesetzes zur Entbürokratisierung in der Altenpflege zukommen lassen. Ich bin sehr gespannt auf dieses Gespräch und erhoffe mir weitere Anregungen, bzw. "Türöffner", um mit diesem Thema weiterzukommen.

    Das Gespräch wird am 7.3.2007 in Berlin stattfinden. Ich werde hier darüber berichten, wenn das gewünscht ist.

    Das verstehe ich darunter, wenn ich über Alternativen des Jammerns rede.
    ;)
     
  19. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Beruf:
    Krankenschwester, Pflegerische Fachexpertin für chronische Wunden
    Ort:
    Göttingen
    Akt. Einsatzbereich:
    Bildungsmanagement Bereich chronische Wunden
    Hier ist es genauso wie mit anderen Skandalen. *Gammelfleisch*: plötzlich waren auch für mich alle Döner-Buden schlecht, mied Fleisch aus dem Großhandel. Und auch heute noch: Schlagzeilen über gammelfleischbetreibende Branchen.
    Ein Heim schlecht, das nächste Heim schlecht, alle Heime schlecht. Dank der Medien hört eigenes (Nach-)denken auf, statt mal selbst den Dingen auf den Grund zu gehen.
    Gerne.
    Ich war stv. PDL in dem besagten PD, und eigentlich war ich diejenige, die die Arbeiten der PDL übernahm (gegen eine, m.E., sehr geringe pauschale monatliche Zulage). Aufgrund meiner Position hatte ich Einblick in die Löhne einzelner Mitarbeiter. Auch die des Geschäftsführers. Die Summen bewegten sich zwischen 5000 und 10 000€/Monat.
    Da mein Mann selbst eine eigene Firma hat (KEIN Heim oder PD, auch keine Formen wie GmbH oder GbR), weiß ich bestens, welche Belastungen ein Selbständiger hat. Gnadenlose Finanzämter, hohe Risiken im Falle eines Ausfalls oder bei mehreren offen gebliebenen Rechnungen. Glaub´mir, ich mache das Drama tagtäglich selbst mit, weil ich ja auch davon mitlebe. Es ist die reine Berg- und Talfahrt.
    Mein ehemaliger Geschäftsführer hingegen (PD war GmbH) hatte die o.g. Summe sicher in seiner eigenen Tasche. Und man sah es ihm an, es ging ihm sichtlich gut. Er hat sehr viel aufgebaut und hart dafür gearbeitet, auch jetzt noch sorgt er rund um die Uhr dafür, dass der Laden läuft. In meinen Augen hat er es verdient, aber seine Mitarbeiter hätten auch mehr verdient. Entweder mehr Arbeitszeit, oder mehr Gehalt, oder mal einen Bonus wie Weihnachtsgeld oder Urlaubsgeld, was es alles nicht gab. Aber nein, es wurde gekürzt wo es nur ging, selbst die Reinigungskosten für die Dienstkleidung musste der Arbeitnehmer selbst mittragen, bekam aber Alternativen verboten, wie z.B. Tragen eigener Kittel oder selbst zu Hause waschen.
    Es hieß immer nur, man muss sparen, sonst gehen Arbeitsplätze verloren.
    Aber, und das ist das Hauptproblem, es wird seitens der Arbeitgeber nichts transparent gemacht. Warum kann man denn den Mitarbeitern das System, das so schlecht ist und die meisten keine Ahnung davon haben, mal erklären? Zahlen aufdecken? Nein, es heißt immer nur "sparen". Aber warum, das weiß keiner. Deswegen dann das Gejammer und Gemecker.
    Ich denke, wenn alle verstehen würden, wo genau die Defizite liegen, würde mehr Verständnis aufgebracht bzw. es würden einige mehr aus der Pflege dagegen etwas unternehmen wollen.

    LG
    Trisha
     
  20. fiutare

    fiutare Newbie

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    Danke für die ausführlichen Beschreibungen. Ich glaube dir jedes Wort.
    Das ist eine alte Erfahrung, dass manche eben dann "den Hals nicht vollkriegen".
    Ich bin wie du der Ansicht, dass bis zu 10.000.-€ (brutto) pro Monat für einen Selbständigen, der das volle Unternehmerrisiko trägt, nicht automatisch "zuviel" sind. Wenn er sein Unternehmen, wie du das beschreibst, auch mit harter Arbeit aufgebaut hat.
    Allerdings sollte man nie vergessen, dass Mitarbeiter Anerkennung brauchen. Man muss seinen Mitarbeitern jederzeit klar machen, was sie wert sind - und was man ohne sie wäre. Es muss alles eine Balance haben. Weder das eine, noch das andere Extrem ist richtig.
     
    #20 fiutare, 16.02.2007
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 16.02.2007
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