Braucht die Pflege Psychopharmaka?

Patmuc

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Hallo.
Ich bin in den letzten Wochen an einem Thema am arbeiten:
"Brauchen wir in der Pflege, vorallem in der Altenpflege Psychopharmaka zum Ruhigstellen?"

Wir sind jetzt nach und nach am abschaffen von vielen Psychopharmaka mit den Ärzten. (Ich arbeite im Altenheim)

Immer wieder stellen wir fest, dass gerade aus dem Krankenhaus viele ältere Menschen kommen, die dort Psychopharmaka bekommen haben. Diese haben dann bei uns in den ersten Tagen Entzugserscheinungen.

- Gibt es noch den Cocktail aus Dipi und Haldol, die jeden Nachtdienst froh macht? -

Mich würde mal interessieren was ihr dazu denkt.
Patrick
 

narde2003

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Patmuc schrieb:
- Gibt es noch den Cocktail aus Dipi und Haldol, die jeden Nachtdienst froh macht? -
Patrick
Hallo Patrick,

den von dir genannten Cocktail kenne ich nicht.

Patienten erhalten für die Nacht nach Wunsch eine Schlafmedikation.

Prinzipiell werden ältere Patienten nicht auf Psychopharmaka eingestellt, wobei vorbestehende Medikationen natürlich weiter verabreicht werden.

Schönen Abend
Narde
 

Patmuc

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Hallo Narde

Die Realität sieht aber immer noch anders aus. Ich sehe es ja täglich.

Melperon zur Nacht, Melperon wegen Erregung, 4 x täglich Eunerpan wegen...., Dipiperon wegen Unruhe.....

Du bist auch aus München, dann könnte man einige spezielle Kliniken nennen. Aber das will ich in einem öffentlichen Chat wegen Rufschädigung natürlich vermeiden.

Will auch keine Schlammschlacht haben, es fällt mir nur immer wieder auf. Geht man vielleicht zu leichtfertig damit um?

Patrick
 

narde2003

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Hallo Patmuc,

natürlich kenne ich Eunerpan zum Schlafen, aber nicht als Dauermedikation mit 4mal täglich.

Ich möchte auch nicht über Krankenhäuser und Altenheime hier diskutieren.

Liebe Grüsse
Narde
 

Lambdanaht

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Patmuc schrieb:
"Brauchen wir in der Pflege, vorallem in der Altenpflege Psychopharmaka zum Ruhigstellen?"
Hallo Patrick,

brauchen wird man in der Pflege immer mal wieder Psychopharmaka zum Ruhigstellen. Diese Frage ist in meinen Augen sehr schnell beantwortet. Denn es wird immer wieder Situationen geben, in denen ein Patient ruhiggestellt werden muss.

Die Frage: "Sollte man in der Pflege nicht kritischer mit Psychopharmaka zum Ruhigstellen umgehen?" ist in meiner Ansicht nach viel interessanter.

Aber ich denke Du hast Deine Frage sinngemäß auch so gemeint.

Mich würde noch interessieren welche Gruppe von Psychopharmaka bzw. mit welchen Präparaten ihr schlechte Erfahrungen in der Rückverlegung Eurer Patienten gemacht habt.



Du nennst in deinem Beitrag oben nur Melperon (Eunerpan) und Dipiperon.

Gruss Lambdanaht
 

Patmuc

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Hallo,
das waren Beispiele dafür.
Eigentlich sind es fast alle Gruppen von Psychopharmaka, die man nach und nach antrifft. Viele der Bewohner, die bei uns ins Heim ziehen und ja meist aus dem Krankenhaus oder von zu Hause kommen, nehmen welche.
Vorallem Benzos und Neuroleptika.
Ich merke, dass es den Menschen ohne diese Stoffe einfach besser geht. Sie können wieder mehr am Leben teil nehmen und (man muss es leider sagen) vegetieren nicht vor sich hin.

Von 36 Menschen, die vor zwei Jahren noch fast alle (29) Psychopharmaka hatten, nur noch 5 die leichte Schlafmittel bekommen. Mehr nicht mehr.

Auch die Arbeit macht so mehr Spass...

Patrick
 

Lambdanaht

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Hallo Patrick,

so wie Du es schreibst, waren fast alle Medikamente eher unkritisch von den Ärzten angesetzt worden. Was mich noch interessieren würde ist, ob die Medikamente abgesetzt wurden oder ob auf andere Präparate mit nicht so stark sedierender Wirkung zurückgegriffen wurde. Gerade die Benzos haben ja auch noch andere Wirkungen als sedierend, die ja auch sinnvoll sein können bzw. notwendig sind.

Welche "leichten" Schlafmittel benutzt ihr?

Gruss
 

Reyna

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auf einer station wo ich war wurde adumbran verwendet....

eine situation fand ich dabei besonders komisch: wir hatten eine 90jährige Patientin die noch verdammt rüstig und fit war...die schwesterhat sie abends gefragt, ob sie "etwas zur nacht" braucht.. die alte dame äusserte dann ihre bedenken und meinte sie wolle eigentlich auf mittelchen solcher art verzichten, aus angst vor einer abhängikeit.
die schwester meinte dann sinngemäß, dass es in ihrem alter voll mehr oder weniger egal sei, wenn sich dann noch abhängigkeiten entwickeln..

musste darüber länger nachdenken, wie seht ihr das??

in dem altenheim wo ich war, hiess das zauberwort Tavor...:knockin:

ich persönlich finds komisch, da man ja stets darauf bedacht ist ältere menschen zu mobilisieren, was ja dann nur schwer möglich ist wenn die so neben der rolle sind..

ausserdem find ich das verb "abschiessen" in diesem zusammenhang zum:motzen:
 

Patmuc

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Die Psychopharmaka wurden nicht ersetzt, sie wurden stufenweise reduziert und dann abgesetzt.
Benzos in niedriger Dosierung haben wir noch. (Zolpidem), ansonsten teilweise Baldrian zur Schlafförderung. Aber wie gesagt nur noch ein paar Leute, die dies schon 30 Jahre nehmen. Haben diese aber auch reduziert.
Gleichzeitig haben wir Schmerzmanagement eingeführt und bemerkt, dass viele Schlafmittel nur angesetzt wurden, da diese Menschen wegen Schmerzen nicht schlafen konnten. Mit einem angepassten Schmerzmittel können diese jetzt auch ohne Schlafmittel schlafen.
Positive Effekte unter anderem:
- Eigenbeweglichkeit wurde erhöht, ergo Dekubitusgefahr gesunken
- Stürze gingen sehr stark zurück. Durchschnittlich noch 2 pro Monat, bei einem multimorbiden Altersdurchschnitt von fast 90 Jahren und 36 Bewohnern.

Ich kann jedem nur empfehlen mit Mut da ran zu gehen.

Patrick
 

Lambdanaht

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@Reyna

Reyna schrieb:
in dem altenheim wo ich war, hiess das zauberwort Tavor...
Komisch,
Die Hauptwirkung vom Tavor ist anxiolytisch nicht sedierend. Hat auch ein hohes Abhängigkeitspotential.

Das Thema Einschlafen bzw Durchschlafen in Pflegeheimen ist auch immer so eine Sache. Man hört viel mit, dass die Bewohner schon nach dem Abendessen ins Bett gebracht werden. Zeiten wie sechs oder sieben Uhr am Abend sind glaube ich keine Seltenheit. Betrachtet man zu der Uhrzeit noch das verminderte Schlafbedürfniss im Alter ist es in meinen Augen kein Wunder, dass diese Menschen Einschlaf- bzw. Durchschlafprobleme haben.
Patmuc schrieb:
Benzos in niedriger Dosierung haben wir noch.
Zu welchem Zweck? Könnte man Sie nicht auch absetzen? Zolpidem ist ein Benzo-Abkömmling, kann aber auch NW haben wie z.B. Schwindel, der zu einem erhöhtem Sturzrisiko führt. Ist es nicht möglich alles runterzudosieren und ausschleichen und versuchen auf andere Sachen zu setzen (zum Beispiel die paradoxe Wirkung von Kaffee)???

Ich finde es gut, dass ihr die Sache mit den Psychopharmaka kritisch angeht, nicht alles so nehmt wie es kommt und alle Medis weitergebt, nur weil sie angeordnet sind. Habt ihr in Eurem Heim einen eigenen Arzt, oder sind die Hausärzte der Patienten so kooperativ und offen, dass sie mit sich reden lassen???

Gruss
 

Patmuc

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Wir haben drei Ärzte, die den Großteil der Bewohner haben.
Ich weiß um die NW der Benzos, aber ich bin froh, dass wir so weit gekommen sind. Und der "klägliche" Rest wird auch bald weg sein.
Wenn neue Bewohner und neue Ärzte hinzukommen, informieren wir diese gleich zu unsere Einstellung.

- Eigentlich müßte so ein Engagement von den Kassen gefördert werden. Möchte nicht wissen, welchen Betrag wir da schon eingespart haben....

Stecke auch gerade in einem Projekt drin was das betrifft und vielleicht werde ich es irgenwann mal veröffentlichen. Denke die Einstellung ist noch viel zu selten. Sehe es an meinen Leitungskollegen, die immer meinen: "Nein es ist nicht möglich, wir haben schon alles versucht"
Ich denke, die haben einfach nicht den Mut dazu.

Patrick

Lambdanaht, wo arbeitest du eigentlich?
Auf so viel Interesse bin ich ja noch nie gestoßen....
 

Ogni

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Hallo!
Interessantes Thema!

Wie immer ist das Problem hier die Pauschalisierung!
Ich selber habe 4 Jahre auf einer gerontopsychiatrischen Akutstation gearbeitet.
Es gibt gewiß eine Menge Patienten, bei denen ein gezielter, gut dosierter Einsatz von Psychopharmaka für Lebensqualität sorgt!

Beispiele:
Die Erregungs- und Unruhezustände bei Demenz (bei situativer, örtlicher, zeitlicher Verkennung), hier ist eine "Grundsedierung" mit Eunerpan oder Dipiperon (bei uns) derzeit Standard.
Die Antriebslosigkeit bei Depressionen (davon gibt es im Altersheim zahlreiche.. oftmals auch unerkannt = "Pseudodemenz")...also die Antidepressiva.
Generell sollte hier gelten: So viel wie nötig, so wenig wie möglich!

Man muß auch sagen, daß wir oftmal Pat. bekommen haben, die leider viel zu spät zur medik. Einstellung geschickt wurden, d.h. erst dann, wenn sie schon nächtelang geschrien haben oder Schwestern geprügelt. Hier sollte man keine Angst vor der "bösen" Psychiatrie haben, sondern sie und ihre Medikamente als Chance betrachten.

Zu guter Letzt die guten Benzo´s: Die Wirkung ist zwar immer wieder beeindruckend, aber eben keine langfristige Lösung, sprich nur etwas für die (kurzfristige) Akutsituation, leider scheinen das viele Ärzte nicht zu bedenken: Sie lösen schnell ein Problem mit einer Tavor, aber langfristig haben sie ein Problem geschaffen.
Obgleich: Wenn es der 90jährigen Dame zu Lebensqualität hilft (und sonst nichts), dann immer her damit, eine Entgiftung sollte man ihr nicht mehr zumuten...

Grüße
Ogni
 

Patmuc

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Na da kennst dich ja mit den Psychopharmaka bestimmt bestens aus...
Ich brauch das Wissen ja bald nicht mehr :anmachen: wenn es so weiter geht....
 

Patmuc

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Hallo,
da habe ich ein schönes Beispiel.
Wir bekamen eine Frau aus einer beschützenden Station. Diese war gehunfähig im Laufe der Zeit geworden und wurde somit auf Normalstation im Altenheim verlegt. Als wir dann voller Tatendrang dabei waren, diese Mittel wieder abzusetzen mit dem Arzt und wir mit ihr wieder Bewegungsübungen gemacht haben, konnte sie wieder gehen. Es kam soweit, dass sie uns so oft wieder weg gelaufen ist und wir überlegen mußten, ob wir nicht über das Gericht wieder einen Beschluss besorgen.
Wie soll man solche Situationen dann bewerten???
Psychopharmaka contra Bewegungsdrang

Man sollte auch nach einer gewissen Zeit prüfen, ob die Medis überhaupt noch angebracht sind und nicht als selbstverständliche Dauermedikation hingenommen werden.

Patrick
 

Angus

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Es gibt gewiß eine Menge Patienten, bei denen ein gezielter, gut dosierter Einsatz von Psychopharmaka für Lebensqualität sorgt!
Ja das stimmt. Die Betonung liegt auf gezielt und gut dosiert.

Beispiele:
Die Erregungs- und Unruhezustände bei Demenz (bei situativer, örtlicher, zeitlicher Verkennung), hier ist eine "Grundsedierung" mit Eunerpan oder Dipiperon (bei uns) derzeit Standard.
Die Antriebslosigkeit bei Depressionen (davon gibt es im Altersheim zahlreiche.. oftmals auch unerkannt = "Pseudodemenz")...also die Antidepressiva.
Bei uns bekommen die wenigsten Bewohner Psychopharmaka zum schlafen. Wenn Psychopharmaka eingesetzt wird dann während des Tages in möglichst geringer Dosierung. Natürlich nicht Standart mässig, sondern nur bei Bew. mit einem hohem Agressionspotential oder massiven Erregungszuständen.

So viel wie nötig, so wenig wie möglich!
Es gibt meiner Meinung nach zwei Möglichkeiten wie man eine individuelle auf den Patient angepasste Dosierung herauszufinden.

1. Tief anfangen und schrittweise steigern. (ist zu bevorzugen)

2. Hoch anfangen und schrittweise senken. (Bei sehr agressiven Pat.)

cheers Angus
 

Ogni

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Hi, ich nochmal :wink:
Angus schrieb:
"Es gibt meiner Meinung nach zwei Möglichkeiten wie man eine individuelle auf den Patient angepasste Dosierung herauszufinden.

1. Tief anfangen und schrittweise steigern. (ist zu bevorzugen)

2. Hoch anfangen und schrittweise senken. (Bei sehr agressiven Pat.)"
Genau das sind die beiden Ansätze, die in der Medikamenten-Einstellung in der Psychiatrie laufen, wobei der 1. heutzutage überwiegt!
Patmuc schrieb:
"Es kam soweit, dass sie uns so oft wieder weg gelaufen ist und wir überlegen mußten, ob wir nicht über das Gericht wieder einen Beschluss besorgen.
Wie soll man solche Situationen dann bewerten???

Psychopharmaka contra Bewegungsdrang"
Die Mitte ist das Ziel! Also soviel Psychopharmaka, dass die arme, getriebene Dame auch Ruhephasen hat, z.B. am Tisch sitzen bleiben kann zum essen, nicht ständig nach Hause will (oder zur Arbeit oder wo man halt so hin will in dem Alter...), aber eben auch so mobil bleibt, dass sie sicher von A nach B gehen kann.
Ich stelle mir einen permanenten Bewegungsdrang und Getriebenheit als sehr quälend für die Pat. vor! Zumal sie ihr Ziel ja nie erreichen !!! Also Frust obendrauf!
Beim Bewegungsdrang langsam und vorsichtig andosieren: Wann wird sie immer unruhig? Zum Abend? Nach dem Mittag? Das ist der Zeitpunkt für eine dezente Sedierung.
Könnte man direkt vor Ort einstellen, es muß also gar nicht erst bis zum Beschluß eskalieren!!
 

Elisabeth Dinse

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@patmuc, was ich vermisse, ist die Frage: warum wurden Psychopharmaka eingesetzt? Es gibt für alles Indikationen. Soweit ich deinen Postings entnehme, kennts du dich eher wenig mit psychiatrischen Erkrankungen- Diagnostik und Therapie- aus. Eine motrorische Unruhe kann auch sehr quälend für den Betroffenen sein.

Aber gehen wir mal davon aus, es handelt sich tatsächlich um nicht indizierte Gaben. Warum verwendet KKH Personal diese Mittelchen?
  • Pat. ist nicht leitbar, da die neue Umgebung eher Angst macht.
  • Weglauftendenz.
  • Neue Regeln verunsichern den Pat..
  • Therapeutisch wichtige Maßnahmen werden vom Pat. nicht toleriert.
und nicht zu vergessen:
  • Mitpat. beschweren sich, weil der betreffende Pat. unruhig ist.
  • Klinikspersonal kennt sich mit Demenztherapien nicht aus.

Der Pat. ist nur wenige Tage im KKH. Diese Einrichtung orientiert sich an Allgemeinbedürfnissen und hat kaum Möglichkeiten individuell zu reagieren. Der Griff zur Tablette bringt eine schnelle Lösung der Problematik. Das hört sich alles grauenvoll an und ist es sicher auch. Aus meiner Sicht gibt es da kaum Änderungsmöglichkeiten.

Und weil ich ja so gerne die Gesellschaft zitiere: ein alter Mensch hat entweder agil und fit zu sein oder er ist ruhig und belästigt seine Umwelt nicht. Und ich denke, viele Angehörige greifen lieber zum Beruhigungsmittel als sich mit den Nachbarn anzulegen. Auch das ist eine Entwicklung die noch nicht am Ende ist. Und du wirts noch viele Bew. entwöhnen dürfen.

Elisabeth
 

Patmuc

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@ Elisabeth
Ich hoffe dass ich das machen werde...
Ich denke nicht, dass die Bewohner das Problem haben, sondern wir haben das Problem. Das kommt ja bei deinen Argumenten auch etwas heraus. Demente haben ihre eigene Welt und wir akzeptieren sie nicht oder können es nicht.
Wieso soll ich jemanden nicht laufen lassen, der einen Bewegungsdrang hat?
Ich glaube die Einstellung muss sich da noch etwas ändern.
Vielleicht habe ich nicht die Kenntnis über viele psychiatrische Krankheiten. Brauche ich in der Altenpflege auch nicht, da fast alle eine Demenz haben. Diese Krankheit ist so vielfältig, und man muss die Menschen mit pflegerischen Geschick in den jeweiligen Phasen abfangen und nicht mit Beruhigungsmittel.

Patrick
 

Elisabeth Dinse

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Wieso soll ich jemanden nicht laufen lassen, der einen Bewegungsdrang hat?
Was willst du machen auf einer offenen Station? Du kannst nicht immer hinterher rennen- du bist noch für mind. 15 weitere Pat. zuständig.
Beispiel: Dementer Pat. wird auf einer Überwachungsstation aufgenommen, weil er (vermutlich) im Altenheim gekrampft hat. Der massive Bewegungsdrang wurde primär von den Kollegen toleriert... mit dem Ergebnis, dass alle Mülleimer geleert wurden, das bei anderen Pat. an den Zugängen gespielt wurde usw.. Selbst dort, wo viel Personal ist, ist es oft nicht anders möglich als medikamentös einzugreifen... auch zum Schutz anderer. Da nutzt auch die Änderung der Einstellung nichts.

Vielleicht habe ich nicht die Kenntnis über viele psychiatrische Krankheiten. Brauche ich in der Altenpflege auch nicht, da fast alle eine Demenz haben.
Die Aussage hätte ich jetzt so nicht erwartet. Schade.

Mir fällt da noch ein anderer Pat. ein: Aufnahme wegen Status Epilepticus. Es erfolgt eine Einstellung mit einem Mittel das auch Nebenwirkungen hat wie vermehrte Müdigkeit usw..
Der Pat. wird anfallsfrei entlassen... um ein halbes Jahr später wieder aufzutauchen: wieder Status. Diesmal mit massiver Aspiration- infolgedessen Pneumonie,an welcher der Pat. schließlich auch verstirbt. ...
Das Pflegeheim hatte das Medikament abgesetzt. Damals hatten wir gedacht, es ist dem Hausdoc vielleicht zu teuer gewesen. Aber vielleicht wars gar nicht der Doc sondern "wohlmeinende" Pflegekräfte. *grummel*

Elisabeth
 

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