Blutabnehmen "in", waschen "out"?

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Dorothee, 08.07.2002.

  1. Dorothee

    Dorothee Stammgast

    Registriert seit:
    06.05.2002
    Beiträge:
    231
    Zustimmungen:
    1
    Hallo,

    einige Beiträge des Themas Blutentnahme haben mich doch sehr nachdenklich gestimmt.

    Sind ärztliche Tätigkeiten mehr wert als pflegerische ?

    Irgendwie missfällt mir diese Einteilung. Rein pflegerische Tätigkeiten gibt es doch auch nur in dem Sinne, daß ausschließlich Pflegekräfte sie durchführen. Eine Bereich, wo Pflege selbständig agiert, gibt es meines Erachtens nach nicht. Dazu fehlen die gesetzlichen Grundlagen.

    Zum anderen ist mir auch nicht klar, warum es notwendig ist, von pflegerischen und ärztlichen Tätigkeiten zu reden, wenn es um die Versorgung eines Patienten geht.

    Ein Beispiel: ATMUNG
    (AEDL: Vitatle Funktionen des Lebens aufrecht erhalten, Monika Krohwinkel)

    Spontan fallen mir folgende "Arbeitspunkte" aus meinem Bereiche ein:

    - Lagerung: Lagerungsdrainagen, atemerleichternde Lagerung, Bauchlagerung
    - endotracheales Absaugen
    - Überwachung der Beatmung: Cuffkontrollen, Alarmgrenzen adaptieren, Tubuslagekontrolle, Tubus-, Tracheostomapflege
    - BGA
    - Atemgymnastik: Hustentraining, Atemtraining, Birdtherapie
    - Medikamente: ACC, Mucolsolvan

    Das ist eine noch sehr unvollständige Liste, aus dem Bauch heraus sozusagen.
    Wo ist hier die Grenze, wann höre ich denn auf zu pflegen und werde ärztlich?
     
  2. Skraal

    Skraal Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    17.05.2002
    Beiträge:
    113
    Zustimmungen:
    0
    Also das Thema finde ich schon interessant.
    Habe mir gerade nochmal "Blutentnahme" durchgelesen, und möchte folgendes dazu sagen:
    Mir fällt auf, daß "Die Pflege" unbedingt Anerkennung zu brauchen scheint.
    Schon bei uns in der Schule gab es ganze Stunden zum Thema "Pflegebild in der Gesellschaft" und wie anerkannt unser Beruf ist.
    Mein Bruder hat eine Ausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur bemacht (Klemptner, Gas, Wasser, Scheiße), und die hatten nie Unterricht in "Das Bild des Klempners in der Gesellschaft".
    Ich frage mich woher das kommt.
    Ich finde es auch ziemlich blöd. Ich weiss wieviel mein Job wert ist, und die von mir gepflegten PatientenInnen meist auch. Da brauch ich niemanden, der mir sagt "Gut gemacht, braves Pflegerchen."
    Auch in der Schule regen sich alle über den Spruch "Pflegen kann jeder" auf, und das finde ich an einer Schule schon seltsam, denn eine Ausbildungsstätte für KrankenschwesterInnen sollte doch eigentlich davon ausgehen, daß Krankenpflege etwas Erlernbares ist, etwas das im Prinzip jeder (lernen) kann.
    "Rohre verlegen kann jeder!"
    Genau diese Leute fanden es auch ganz toll, daß "die Pflege" jetzt auch Blutabnehmen darf, oder besser gesagt, müssen darf. (Delegierbare Aufgabe).
    Ich kann das garnicht verstehen, obwohl es gerade bei uns am Uni-Klinikum für die Patienten manchmal besser wäre, wenn das eine erfahrene Pflegekraft machen würde, als die PJler und AiPs, die noch üben müssen. (Nichts gegen diese LeuteInnen) ;)
     
  3. carmen

    carmen Poweruser

    Registriert seit:
    22.07.2002
    Beiträge:
    857
    Zustimmungen:
    2
    Hallo Dorothee,
    Hallo Skraal,

    total interessantes Thema, was Ihr da anschneidet.
    Dorothee, was genau macht Dich bei den Beiträgen über BE so sehr nachdenklich?
    Ärztliche Tätigkeiten sind nicht im Mindesten mehr wert als Pflegerische.
    Die Einteilung in ärztliche Tätigkeiten und pflegerische Tätigkeiten ist nun mal unerläßlich und wird, so, wie ich es in einigen Kliniken erlebte, von Station zu Station und Klinik zu Klinik neu definiert.
    Zum anderen wird ein Patient einmal von ärztlicher Seite her versorgt (Diagnosestellung, Anordnung von Medikamenten, Aufklärungsgespräche mit Pat. und Angehörigen z.B.) und einmal von der Pflegerischen.
    Sowie Du dich befaßt, z.B. eine Patientendiagnose zu erstellen oder Medikamente anzuordnen oder Therapien zu verordnen oder Untersuchungen (Sono, Gastro u.s.w.) bist Du nicht nicht mehr im pflegerischen Bereich sondern im Ärztlichen.
    Alle Arbeitspunkte, welche Du in Deinem Bericht aus Deinem Bereich benennst, wurden in der Ausbildung zur Krankenschwester gelehrt und behandelt, somit fallen sie in den pflegerischen Bereich und sind unsere Aufgaben lt. ärztlicher Anordnung teilweise.

    Skraal,
    Du sprichst mir aus der Seele.
    Die Gesellschaft braucht dringendst Nachhilfeunterricht, um die Schwestern und Pfleger in ihrer Berufs- und Aufgabendefinition anzuerkennen.
    Wenn ich schon so einen unqualifizierten Spruch höre "Schwester/Pfleger kann doch Jeder lernen), da geht mir echt die Hutschnur hoch.
    Jeder Beruf benötigt seine fundierte Ausbildung.
    Doch ist es für mich ein großer Unterschied, ob ich Klempner gelernt habe und den Beruf ausübe oder Schwester/Pfleger.
    Ein Klempner arbeitet nicht am Menschen, sondern mit Menschen und toter Materie.
    Desweiteren sorgen diese bescheuerten Fernsehserien (siehe mein Beitrag unter Pflege in den Medien) dafür, dass die Schwestern als blödes, hinter den Ärzten her hechelndes Tuttchen dargestellt werden und die Pfleger als wieslose, umherirrende, sich von der Öse angepfiffener Stationshase präsentiert.

    Als diese "sehr informativen" Serien anliefen, mußte ich da rein schauen, um mich danach maßlos zu ärgern und nie wieder so einen Mist einzuschalten.
    Man glaubt es kaum, doch letztens sagte eine Patientin lächelnd zu mir:" sie sehen fast so aus, wie Sr Stefanie aus der Fernsehserien, die ich nie verpasse".
    Diese Pat. hat zum Einen scheinbar einen Knick in der Optik gehabt, weil ich 154 cm groß, 50 kg schwer bin und kurze, braune Haare habe; zum Anderen erklärte ich ihr mit freundlich geblaeckter Kauleiste, was ich von diesen Serien halte und dass wir genau dort, wie die letzten, willenlosen Landeier ins Licht gesetzt werden.

    Viele Grüße

    Carmen
     
  4. carmen

    carmen Poweruser

    Registriert seit:
    22.07.2002
    Beiträge:
    857
    Zustimmungen:
    2
    Hallo @all :wavey:
    also nochmal zur Basisfrage zurück.
    Persönlich finde ich es sehr wichtig und das zeigte sich auch sehr oft in der Praxis auf Stationen, dass jede Schwester, jeder Pfleger notfallmäßig und möglichst ohne dem Pat. die Arme oder Füße blau zu stechen, Blut abnehmen können müßte :!:
    Manchmal, gerade Nachts, wenn nur 1 AVD für viele Stationen da ist und er gerade mit einem anderen Notfall auf einer anderen Stat. beschäftigt ist, sollte eine Sr/Pfl in der Lage sein, notfallmäßig Blut abnehmen zu können :besserwisser:

    Wie ist das auf Euren Stationen geregelt :?:Und da frage ich alle Forenteilnehmer :wink:

    Freue mich auf Antworten

    Carmen :rocken:
     
  5. david

    david Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    22.05.2002
    Beiträge:
    149
    Zustimmungen:
    0
    Hi carmen...

    Geregelt ist bei uns gar nichts, es gibt nur scheinbar ein stilles Abkommen, dass kaum hinterfragt wird.
    Wir nehmen am Wochenende und nachts bei Neuaufnahmen Blut ab. Und wenn die Gefahr droht, dass der Arzt zu lange braucht und der Patient unnötig auf einen Befund warten müsste.
    Ausserdem nehm ich selbständig manchmal Blut ab, wenn ein kritischer Patient mir irgendwie suspekt wird (meist BB, Blutgas oder Elyte). Die Ärzte glauben dem Befund nämlich mehr, als wenn ich 'nur' sage "der schaut nicht gut aus, weil ich das und das an ihm beobachte".
    Bei Notfällen sollte schon ein Arzt zugegen sein find ich.

    +lg, david
     
  6. Rabenzahn

    Rabenzahn Poweruser

    Registriert seit:
    15.02.2002
    Beiträge:
    933
    Zustimmungen:
    3
    Beruf:
    AN-Pfleger
    Ort:
    Kassel
    Akt. Einsatzbereich:
    in Rente
    Hallo David,

    Blutgase nimmst Du doch aber nicht arteriell ab. Oder ?

    Ich finde auch das die Blutentnahme eine Tätigkeit ist, die die Krankenschwester oder der Krankenpfleger beherrschen muss. Wenn natürlich eine ärztliche Überpräsenz da ist, kann es ruhig abgetreten werden. Für mich zählt eher das Wissen, ich kann es wenn es sein muss, als wenn ich mich damit profilieren muss, aber wirkliche pflegerische Tätigkeiten lieber nicht durchführe.
     
  7. carmen

    carmen Poweruser

    Registriert seit:
    22.07.2002
    Beiträge:
    857
    Zustimmungen:
    2
    Hi David :lol:
    mit Notfall meine ich, wenn z.B. ein Pat. zu einer bestimmten Uhrzeit Blut abgenommen bekommen soll (MTX-Spiegel, BGA,Blutkulturen z.B.) und zu dieser Zeit der Arzt, der eigentlich dafür zuständig ist, mit der Behandlung eines anderen Pat. auf einer anderen Stat. beschäftigt ist, die Schwester/Pfleger in der Lage sein sollte, eine korrekte Blutabnahme vornehmen zu können.

    Schöne Woche

    Carmen
     
  8. david

    david Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    22.05.2002
    Beiträge:
    149
    Zustimmungen:
    0
    Hi Rabenzahn!

    Nein, wir machen allenfalls nur das venöse Gas. (Kommt aber auch nicht jeden Tag drei Mal vor - von wegen Profilierung und Vernachlässigung der eigentlichen Pflege ;)).



    Hi carmen!

    Alles klar.


    +lg, david
     
  9. Sr.Anna

    Sr.Anna Newbie

    Registriert seit:
    11.08.2009
    Beiträge:
    1
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Akt. Einsatzbereich:
    Neuro in einer Rehaklinik
    Hallo ihr lieben
    Also bei uns nimmt das mit der Blutentnahme auch überhand, und dazu kommt auch noch die ständige personalkürzung
    Hab mich jetzt mal im Internet schlau gemacht wenn Blutentnahmen dauerhaft auf die pflege delegiert werden müssen "etwaige Auswirkungen auf den Zeitaufwandzur ordnunggemäßen Wahrnehmung der zusätzlichen Aufgabe bei der Personalbemesung im Krankenhaus berücksichtigt werden"
    Das heisst ja das das Personal angepasst werdenn müsste

    Hat einer ne ahnuung wie die persionalbemessung dann sein müsste Problem ist nämlich das es für rehakliniken keinen gesetzlich vorgegebenn Personalschlüssel gibt und alle meinen alles auf uns abwälzen zu müssen
    Hoffe ihr könnt mir helfen
    Lieben gruss anna
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
    29.05.2002
    Beiträge:
    19.812
    Zustimmungen:
    167
    Beruf:
    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    Der Eingangsbeiträge stammen von 2002. Irre, wie sich die Pflegelandschaft in den Jahren verändert hat. Waren 2002 noch die Pflegetätigkeiten das Maß der Dinge, kämpfen wir heute schon darum, dass wenigstens noch ein bischen Zeit für den Pat. bleibt... wer auch immer diese füllt. Eine GuK ist meistens mehr mit ärztl. Tätigkeiten beschäftigt.

    Wer mag an dieser Entwicklung Schuld sein? Ob wir als Pflege nicht selbst diese Entwicklung forciert haben?

    @Sr. Anna- Papier ist geduldig. Mir sind keine aktuellen, angepassten Personaberechnungsgrenzen bekannt. Schau doch mal bei der IneK vorbei oder bei der DKG- vielleicht gibts da eine Info.
    Das Haus wird nach DRGs bezahlt, dieses Geld muss reichen.

    Warum entlasten wir eigentlich die Ärzte? Seit Jahren nimmt die Anzahl der stationär tätigen Ärzte zu- im Gegenzug werden es immer weniger Pflegekräfte. Nachzulesen bei Destatis. Begründet wird das mit der sinkenden Verweildauer: mehr ärztl. Tätigkeiten, weniger pflegerischer Aufwand.
    Ich habe das Gefühl, dies ist eine falsche Ansicht. Nur wer kann diese Ansicht ändern?

    Elisabeth
     
  11. Paula Puschel

    Paula Puschel Poweruser

    Registriert seit:
    30.03.2007
    Beiträge:
    843
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Exam. Gesundheits- u. Krankenpflegerin, Medizinstudentin
    Ort:
    Bonn
    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie
    Nur wir selbst. Pflege braucht endlich eine Lobby. Eigentlich sind wir genug Personen, um unsere Wünsche auch umzusetzen, aber kaum eine Pflegekraft hat Interesse daran sich zu engagieren.
    Warum das so ist? Ich weiß es nicht.
     
  12. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
    Mitarbeiter

    Registriert seit:
    27.07.2005
    Beiträge:
    13.280
    Zustimmungen:
    63
    Beruf:
    FGuKP I&I, Praxisanleiterin DKG,Wundassistent WaCert DGfW, Rettungsassistentin, Diätassistentin
    Ort:
    München
    Akt. Einsatzbereich:
    HOKO
    Funktion:
    Leitung HOKO
    Das ist eines der letzen Rätsel der Menschheit...
    Zitat einer Kollegin: Es müsste echt mal wer was für uns machen!
     
  13. Paula Puschel

    Paula Puschel Poweruser

    Registriert seit:
    30.03.2007
    Beiträge:
    843
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Exam. Gesundheits- u. Krankenpflegerin, Medizinstudentin
    Ort:
    Bonn
    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie
    Das ist natürlich eine großartige Einstellung :D
    Btw, bin ich die einzige Auszubildene an meiner Schule momentan, die Mitglied in einem Berufsverband ist (afaik...).
    Examinierte kenne ich auch nicht viele, die bereit sind für ihre Interessenvertretung Geld auszugeben oder gar Freizeit zu investieren.
    Da wundere ich mich wirklich nicht mehr.

    Die selbe Situation wenn es um vollkommene Überarbeitung geht. Letzte Woche war wieder so ein schrecklicher Dienst. Wir vom Spätdienst waren bis 22:30 Uhr auf Station und hatten auch keine Pause, weil die Arbeit einfach nicht aufhörte. Keiner der Kollegen traute sich eine Überlastungsanzeige zu schreiben. Ich als Schüler hab da auch wenig Möglichkeiten.
    Als dann die Teamleitung am nächsten Tag davon erfuhr, dass wir alle 1,5 Überstunden gemacht hatten, behauptete sie wir hätten ja bei der Übergabe gesessen, das wäre Pause und zog allen eine halbe Überstunde ab.
    Keiner traut sich dagegen etwas zu unternehmen.
    Bei mir werde ich, wenn sie sich das tatsächlich traut, dagegen vorgehen, aber die Kollegen haben alle Angst um ihren Job wenn sie den Mund aufmachen. Das ist doch wirklich traurig.

    Ich weiß, das weicht jetzt echt vom Thema ab, sorry.
     
  14. Lin

    Lin Poweruser

    Registriert seit:
    28.12.2007
    Beiträge:
    1.528
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Krankenschwester
    Akt. Einsatzbereich:
    Urologie
    Wieso wird eigentlich nur als Arbeit angesehen, wenn man körperlich etwas tut?
    Ist das in anderen Berufsgruppen auch so?
     
  15. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

    Registriert seit:
    29.05.2002
    Beiträge:
    19.812
    Zustimmungen:
    167
    Beruf:
    Krankenschwester, Fachkrankenschwester A/I, Praxisbegleiter Basale Stimulation
    Akt. Einsatzbereich:
    Intensivüberwachung
    Wegen eines Dienstes eine Überlastungsanzeige zu schreiben ist mehr als überzogen.

    Wie hat mal eine PDL gesagt: wir arbeiten nicht in einer Hähnchenschlachterei, wo man voraussagen kann wieviel Hendl denn einen Kopf kürzer gemacht werden pro Tag und wieviel Leuts dafür braucht.

    Du wirst immer Tage erleben, wo es mal mehr Arbeit gibt als Personal da ist. das Problem fängt erst an:
    - wenn es kontinuierlich so ist
    - wichtige Präventionen nicht mehr durchgeführt werden können
    - die Pat.-sicherheit gefährdet ist
    - das Personal Überstunden in einer Menge anhäuft, die nicht mehr mit Freizeit ausgeglichen werden können
    - wenn Urlaub nicht gewährt werden kann, weil nicht genug Personal da ist
    usw.

    Dann lohnt sich eine Überlastungsanzeige. Diese muss aber auch alle oben angeführten Punkte inklusive der Versuche der Leitung diese Mißstände abzustellen enthalten. Dann und nur dann hat man eine Chance etwas zu verändern.
    Leider ist die Überlastungsanzeige in den letzten Jahren oft zu schnell (unberechtigt) bzw. ohne konkrete und detailierte Angaben abgegeben worden. Das hat zu einer gewissen Resistenzbildung der zuständigen PDLs geführt. Die können auch nach dem Prinzip arbeiten: gelesen, gelacht, gelocht und abgeheftet.

    Und seien wir ehrlich, wer kennt das prophylaktische Gejammere nicht. Die Nachbarstation kreicht auf dem Zahnfleisch. Die eigene Station hätte ev. Kapazitäten... aber auf einer fremden Station in einem fremden Fachgebiet arbeiten? Niemals. Also wurde schon mal prophylaktsich gejammert, wie schlecht es einem vor einigen Tagen gegangen ist.

    Anderes Beispiel: PPR- Abrechnung. da wurde schon mal gerne ein bischen großzügiger ausgelegt. hauptsache die eigene Station hat genug Personal- auch wenn sie manchmal gar nicht beschäftigt war. Der natürliche Anspruch einer Pflegekraft schien manchmal: 4 Stunden arbeiten und mind 2.Stunden diverse Pausen zu sein. In der freien Wirtschaft wären solche Leuts längst entlassen worden.

    Ebenso die, denen bestimmte längst überholte Rituale wichtiger sind als die Anpassung an neue Gegebenheiten.. Beispiele gefällig: Medikamentenplan, Spritzenplan, kreative bunte Kurven, erhobene Messwerte erst auf nen Zettel und dann in die Kurve, usw.. Am interssantesten fand ich ehedem den Versuch, das nächtliche waschen in den Frühdienst 6-8 Uhr zu verlegen. Als ob die Zeit nicht schon mit Arbeiten bereist verplant war. Trotzdem gabs Strategen die versucht haben mit Gewalt aus 2 Stunden 240 Minuten zu machen.

    Das kann sich kein ökonomisch verantwortlich denkender Unternehmer leisten.

    Wir haben uns in den letzten Jahren selbst unglaubwürdig gemacht durch solche Sachen. Jetzt sind wir als Gesprächspartner für ökonomisch denkende Politiker /Verwaltungsleiter nur bedingt geeignet.

    Elisabeth

    PS Das musste ich mal los werden. Man kommt sich als aktiver "Berufspolitiker " immer vera...t vor, wenn man die Gegenargumente nicht mal ansatzweise entkräften kann weil sie den Tatsachen entsprechen.
     
  16. Paula Puschel

    Paula Puschel Poweruser

    Registriert seit:
    30.03.2007
    Beiträge:
    843
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Exam. Gesundheits- u. Krankenpflegerin, Medizinstudentin
    Ort:
    Bonn
    Akt. Einsatzbereich:
    Psychiatrie
    Hallo Elisabeth,

    ich muss zugeben dass ich die genauen Anforderungen an eine Überlastungsanzeige nicht kenne.
    Der von mir beschriebene Dienst war ja auch nur ein Auszug aus einer Station, die nur als blanker Horror für die persönliche Gesunderhaltung zu bezeichnen ist.
    Pause wird im Früh- und Nachtdienst so gut wie nie gemacht, die Zeit, die man für den einzelnen Patienten hat beläuft sich auf ein Minimum und viele, viele, viele Dinge die dort passieren, lassen sich nur als "gefährliche Pflege" bezeichnen.
    Ich möchte darauf jetzt nicht genauer eingehe, da ich ja noch ein kleines Weilchen dort arbeiten muss ;)

    Was die anderen Punkte angeht, da stimme ich dir voll und ganz zu. Ich finde es einfach nur peinlich, wenn manche Schwestern sich so verhalten, das hilft der Pflege als Beruf um keinen Milimeter weiter.

    Aber egal wie man es dreht und wendet, ich möchte den Anspruch an mich selbst nicht verlieren, meinen Patienten so gut wie möglich gerecht zu werden. Und auf einer Station wo sehr viele Patienten Komplikationen erleiden, die eigtl hätten verhindert werden können, muss ja irgendwas schief laufen.
    Ein Beispiel?:
    Pat. nach Thorakotomie, soll mit Hilfe der Pflege in den ersten Tagen mobilisiert werden, da durch falsches Aufstehen (aufstützen mit den Händen) Komplikationen wie Wundheilungsstörungen begünstigt werden. Doch die Pflege hat keine Zeit. Der Pat. muss auf die Toilette, klingelt. Wartet. 5 Minuten, 10 Minuten, 20 Minuten. Es klingelt und klingelt, aber es kommt niemand, weil zwei Zimmer weiter ein Patient mit Durchgangssysndrom ist, der von vier Pflegekräften "gebändigt" werden muss. Der Patient, der auf Toilette muss, möchte trotzdem nicht ins Bett machen und steht alleine auf. Da er auf Grund von Zeitmangel vorher nicht richtig angeleitet wurde, belastet er sein Sternum falsch.
    Ende der Geschichte: Re-Thorakotomie mit Sternumverdrahtung, evtl Einlage einer VAC-Pumpe und drastisch verlängerte Liegezeiten.

    Das ist ein absoluter Teufelskreis, den ich hier jeden Tag erlebe und der einen wirklich an die Grenzen des Wahnsinns treibt.

    Dass man nichtmal 5 Minuten Zeit hat mit Patienten zu sprechen, deren Fuß nach einer Beinvenenentnahme plötzlich blau ist oder die verängstigt sind weil sie nochmal operiert werden müssen...

    Wirklich, auf dieser Station zumindest kann niemand behaupten die Schwestern und Pfleger wären unterfordert und würden sich die Eier schaukeln.
     
  17. Mimmika

    Mimmika Newbie

    Registriert seit:
    06.08.2009
    Beiträge:
    18
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    GKP
    Ort:
    Bonn
    Akt. Einsatzbereich:
    Med. Intensiv
     
  18. blubbblubb

    blubbblubb Gast

    Ich sehe das sehr nüchtern:
    Den Klempner bezahlt man mit mind. 50€/ brutto.
    Davon gehen die Personalnebenkosten ab. Der Chef muss Miete bezahlen, Autos, Werkzeug..... und dann ja noch den Arbeiter.
    Zumindest wenn er regulär in Aktion treten muss, nicht als Notfalldienst gedacht.
    Er leistet keinen WE-Dienst, keinen Schichtdienst.
    Und alles was er verhindern muss, ist das die Schei..e in Haus reinläuft. Oder die Schei..e abläuft.
    Unangenehm für den Betroffenen, ok.
    Damit möchte ich nicht die Leistung/ Ansprüche an einen Klempner herunterschreiben...!

    Was eine Pflegefachperson verhindern muss:
    das eine Person körperlichen Schaden nimmt!!!!
    Nicht materiellen!!!

    Ich weiss, das der Pflegeaufwand, Ansprüche der Pat, die Administration, die Einhaltung der Richtlinien... ne Menge Zeit Mehraufwand bedeuten.
    Ich würde solche Sache gerne links liegen lassen ( BE, Viggo legen, Antibiose anhängen..) zugunsten der Zeit am Pat.
    Andererseits macht der ärztliche Dienst auch die Orga drumrum, Entlassung, inkl. Ferienbett, Versorgung nach Austritt.
     
  19. Mimmika

    Mimmika Newbie

    Registriert seit:
    06.08.2009
    Beiträge:
    18
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    GKP
    Ort:
    Bonn
    Akt. Einsatzbereich:
    Med. Intensiv
    Deswegen ist es ja so schlimm, dass die handwerklichen Berufe besser organisiert sind sich selbst zu vertreten, als wir! Und das die Leute wissen was ein Klempner tut, aber nicht dass wir - um es mal überspitzt zu sagen - Leben retten!

    :nurse:
     
  20. Coco206

    Coco206 Senior-Mitglied

    Registriert seit:
    31.03.2006
    Beiträge:
    125
    Zustimmungen:
    0
    Beruf:
    Rettungsassistentin
    Ort:
    Ba-Wü
    Leben retten? Oh ja, das ist natürlich um einiges wichtiger als Abflussrohre reinigen, Müll entsorgen oder dergleichen.
    Bleibt doch mal auf dem Teppich.

    Wen interessiert es denn, welche Arbeitsbedingungen andere Berufe haben? Nein, da wird gleich genörgelt, "wir sind wichtiger", "wir retten Leben", "ohne uns würde das Gesundheitssystem zusammenbrechen" ect.

    (Fast) jeder Beruf hat seine Wichtigkeit und Wertigkeit, es werden nicht alle für ihre wichtigen Tätigkeiten entsprechend bezahlt, das ist kein alleiniges Problem der Pflege.


    @Elisabeth Dinse, bist Du noch im normalen Schichtdienst auf einer Allgemeinstation tätig?



    Wie war nochmal das Thema? Ach ja...
    Die Pflege braucht eine Lobby....okay, das ist so. Und wer von all denjenigen, die jammern, engagiert sich denn wirklich? Wer ist in einem Berufsverband (außer ver.di, um kostenlosen Berufsrechtsschutz zu haben)? Wer ist in einem Betriebsrat, bzw. setzt sich mit dem auseinander, was diese Mitglieder machen, erreichen wollen?

    Für die Pflege ist zuwenig Zeit, man kann sich dem Patienten nicht ausreichend widmen. Ja, genauso ist es, aber alleiniges Jammern hilft da nicht!
    Setzt Euch ein, befasst Euch mit der Problematik, mit Berufspolitik.
    Nur dann hat man die Möglichkeiten, etwas zu ändern.


    Aber genauso ist es im Rettungsdienst, es wird lamentiert an allen Ecken und Enden, aber wer engagiert sich schon persönlich dafür?
    Irgendjemand wird's schon machen...
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Blutabnehmen waschen Forum Datum
Blutabnehmen kann ich nicht gut: was tun? Talk, Talk, Talk 29.11.2010
Hilfe.... Angst vor dem Blutabnehmen Ausbildungsinhalte 12.04.2007
Wie lernt man das Spritzensetzen und Blutabnehmen? Ausbildungsinhalte 24.08.2002
News Lagern, waschen, Medikamente: Pflegende Angehörige sollten sich weiterbilden Pressebereich 17.07.2015
Patienten "en bloc" waschen mit einem Waschlappen Fachliches zu Pflegetätigkeiten 06.04.2015

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.