Blinder Patient kommt ins Krankenhaus: Pflegeprobleme?

Dieses Thema im Forum "Fachliches zu Pflegetätigkeiten" wurde erstellt von Swetlana, 20.03.2010.

  1. Swetlana

    Swetlana Newbie

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    Hallo ihr lieben,

    Waren mit dem Kurs im dialogmuseum Frankfurt. Wo man alle Räume im dunkel von einem Blinden Menschen durch läuft.

    jetzt haben wir eine AUfgabe bekommen:

    Was sind mögliche Pflegeprobleme, wenn ein blinder Pat. in einem Krankenhaus aufgenommen wird? Formulieren sie für verschiedene Lebensbereiche mögliche Pflegeprobleme, sowie ein passendes Ziel. Überlegen sie sich Maßnahmen, um diese Ziele erreichen zu können. (Probleme, Ziele und Maßnahmen.


    Ich hab schon eins versucht zu schreiben!!! Ist das Richtig so wie ich angefangen habe??? Bin erst 6 monate in der Ausbildung und wir hatten es bis jetzt noch nicht gehabt.

    Problem: kann seine Medikamente nicht selbst sichten und einnehen
    Ziel: sicherstellung der ärztl. Verordnung
    Maßnahmen: medikamente werden nach ärztl. Verordnung gerichtet und zu den vorgegebenen Zeiten verabreicht


    Habt ihr noch Ideen was an Problemen sein kann wenn ein Blinder Pat. ins KH kommt. Unsicher neue umgebung, Stolpergefahr


    DANke euch
     
  2. Sr. isabel

    Sr. isabel Junior-Mitglied

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    Ganz wichtig: Reden und jeden Handschlag den man macht beschreiben und erklären.

    Hallo Hr. ...ich bin Sr... ich möchte sie jetzt waschen. Ich nehme ihre Decke weg, jetzt das Kopfkissen, ich pumpe das Bett hoch, öffne das Bettgitter usw.
     
  3. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Hast du dir schon mal Medikamentenschachteln angesehen? die kleinen erhabenen Pünktchen sind Brailleschrift. Blinde können also Medikamentennamen lesen, wenn sie die Schrift gelernt haben.

    In deutschen KH wird für alle Pat. die Medikation durch die Pflegekrft gestellt und verteilt.

    Wie war das für dich in der Ausstellung? War es einfach? Was hat dir gefehlt?
    Wenn du nachts zum Klo musst, machst du eventuell auch kein Licht an. Warum findest du den Weg dann trotzdem einfach? Wann gibts Probs auf dem Weg dorthin?
    Du orientierst dich über deine Augen. Welche Möglichkeiten hat ein Blinder? Wie geht es dir, wenn dich jemand antippt ohne das du ihn vorher gesehen hast?
    Was erklärst du Pat., wenn du sie aufnimmst? Welche Informationen kann ein Blinder davon verwenden? Bringt es ihm etwas, wenn man nur verbal erklärt?
    Wenn man Wege erklärt- sollte man den Blinden unterhaken und mit ohm losgehen? Oder braucht er ev. eigene Orientierungspunkte? Welche wären geeignet?
    Pat. sieht Klingel nicht. Wie regelst du das?
    usw., usw. usw.

    Elisabeth
     
  4. praxisanleiter23

    praxisanleiter23 Junior-Mitglied

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    Kann er die Tablettenschachtel selbst ertasten?
    Wie fühlen sich die Medikamente an, wenn sie aus dem Blister herausgedrückt sind?
    Wie stark sind seine kognitiven und taktilen Fähigkeiten ausgeprägt?
    Könnte ihm die Tablettenschachtel herunterfallen?
    Wie groß ist seine Angst, die Medikamente aufgrund seiner Blindheit zu verwechseln?
    WER macht WANN und WO etwas?
    WAS wird WIE OFT gemacht?


    Grüße
    23
     
  5. alesig

    alesig Poweruser

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    Hallo
    Wie selbstständig ist der Blinde. Wenn er aufstehen kann, dann darf im Zimmer räumlich nichts mehr verändert werden nachdem er sich kundig gemacht hat, wo was steht. Das Gleiche gilt für die Ordnung auf seinem Nachtkästchen. Alles genau wieder dahinstellen wo es gestanden hat.
    Alesig
     
  6. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wenn du des nächtens durch den dunklen Flur zum Toi gehst, dann merkst du schnell, wenn die lieben Kiddies mal wieder die Schuhe im Weg liegen lassen haben. *fg*

    Elisabeth
     
  7. Snaggletooth

    Snaggletooth Junior-Mitglied

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    Ein mögliches Pflegeproblem könnte sein, dass sich der Patient zunächst Schwierigkeiten bei den Mahlzeiten hat, Stichwort: Menagentabletts.
    Auswahl der Mahlzeiten: kann den Menuplan ja nicht lesen.
    Rufsystem?

    Sonst einfach mal nen Blinden fragen...
     
  8. Jumanji

    Jumanji Senior-Mitglied

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    Hallo,

    also... ich denke, dass es einen gewaltigen pflegerischen Unterschied macht, ob man jemand hat, der akut erblindet ist und somit erstmal den Umgang mit der Dunkelheit um sich herum neu erlernen muss oder ob jemand schon geraume Zeit erblindet ist und wegen einer anderen Erkrankung ins Krankenhaus kommt.

    Ich habe in meinem Freundeskreis zwei völlig Selbstständige Blinde und da wären wenige Pflegeprobleme da. Wichtig sind dort Erklärungen, wo sich was befindet. Die beiden haben ihren Langstock, um sich auch in fremder Umgebung ertastend zu bewegen. Meist reichen Erklärungen, wie Cafeterie befindet sich den Gang runter mit dem Aufzug in die 2. Etage und dann immer dem Kuchenduft nach. Ansonsten ist natürlich hilfreich, wenn die wichtigsten Wege im Krankenhaus ein- oder zweimal mit einer Pflegekraft abgegangen werden. Widerlich für jeden Blinden und ganz tückisch sind halboffene Türen, eine Türe ist entweder ganz offen oder ganz geschlossen, alles andere führt zu unnötigen Verletzungen, insb. Nasenbluten. Stolperfallen haben generell im Krankenhaus nicht viel zu suchen, auch im Hinblick auf unsere Multimorbiden alten Leute. Menuepläne müssen natürlich vorgelesen werden - es sei denn, im Krankenhaus gäbe es sie in Punktschrift. Essen anreichen ist so gar nicht nötig, Besteck liegt ja schließlich grundsätzlich neben dem Teller und wo sich was auf dem Teller befindet ist ganz einfach mit der "Uhr" erklärt. Beispiel: Kartoffel liegt auf 12 Uhr, Rotkohl auf 3 Uhr und der Hähnchenschenkel bei 6-9 Uhr.
    Gestellte Medikamente in einem Wochendispenser sind genausowenig herausfordernd wie für jeden anderen Patienten auch. Runterfallen können sie allen - ob sehend oder blind und da man die Dispenser eh nur in eine Richtung schieben kann, ist auch offensichtlich und einfach erklärt, wo sich die Fächer für Morgens, Mittags, Abends und Nachts befinden.
    Selbst eine Anleitung für die eigenständige Thromboseprophylaxe mittels Fraxiparin s.c. ist für einen Blinden kein Problem. Muss nur gescheit erklärt werden. Ansonsten fragen Blinde aber auch nach und bitten um die Hilfe, die nötig ist.

    Ganz andere Gesichte ist natürlich vom Pflegeaufwand her, wenn man nach einem Apoplex das Augenlicht plötzlich verloren hat. Dort muss natürlich eine Anleitung im Umgang mit der Dunkelheit stattfinden, Hilfsmittel probiert werden, ggf. in der ersten Zeit Essen angereicht und dann das System Uhr erklärt werden und die Patienten langsam an den Umgang damit herangeführt werden. Wichtig sind da auch Vermittlungen an Blindenverbände, Organisation von Mobilisationstrainings für die Zeit der Nachsorge zu Hause. Tipps und Tricks, die einem das Leben erleichtern und auch die Klärung, ob das verübergehender Zustand ist oder dauerhaft so bleiben wird. Zudem ist dann auch wichtig die Angehörigen mit einzubeziehen usw. usw.

    Hoffe, dass das weiterhilft

    Jumanji
     
  9. Stephie181

    Stephie181 Junior-Mitglied

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    Hallo,

    also ein Blinder im KH hat sehr wohl mehr Probleme als das er die Medis nicht oder falsch einnimmt.

    Für viele nicht-blinde Patienten stellt die ohnehin fremde Umgebung ein Problem dar..für Blinde ist dies noch viel schlimmer. Zu hause wissen sie sich eventuell zurecht zu finden aber im KH???

    Die blinden sind im KH im wahrsten sinne ans Bett "fixiert" ohne Hilfestellung geht da nichts. Das fängt bei der Körperwaschung an. Oft müssen die Pat. ins Bad geführt werden und dort geholfen werden. oder eine Waschschüssel am Bettrand ist notwendig. Genauso verhält sich das bei der Nahrungsaufnahme. Was ich auch oft beobachtet habe ist, das unsere Servicekräfte dem Pat. einfach das essen hingestellt haben und gut... woher will der Pat. aber wissen wo was ist??? Also ich würde es als sehr unfreundlich erachten. ich wäre hilflos weil ich nicht weis ob ich im nächsten moment mit meinen fingern in die heiße suppe greife.

    Ein nächster aspekt ist die erhöhte sturz-/verletzungsgefahr...blinde wissen nicht wohin sie gehen bzw was vor ihnen ist...

    Wichtiges A und O ist die Kommunikation zw Pat. und Pflegekraft. Alles muss erklärt werden, jegliche Tätigkeiten die den Pat. betreffen dazu gehört auch was man an dem Pat. macht, er sieht es ja nicht...oder wie wäre es wenn man plötzlich nen nassen lappen ins gesicht bekommt....Man brauch viel geduld...man muss viel erklären..

    lg stephie
     
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