Bezugspflege: Integration anderer Berufsgruppen (Ärzte, Psychologen, etc.)

Dieses Thema im Forum "Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik" wurde erstellt von Sould, 13.10.2015.

  1. Sould

    Sould Junior-Mitglied

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    Hallo,
    ich bin gerade dabei ein Konzept für die Bezugspflege auf einer Akut-Station zu schreiben.
    Jetzt stellte sich folgende Frage:

    Wie können die anderen Berufsgruppen Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiterin in die Bezugspflege integriert werden?

    Die Frage macht mir Kopfzerbrechen...
    Ich hoffe ihr könnt mich auf den richtigen Gedankenweg bringen. ;)

    Meine ersten Gedanken dazu:
    Das wichtigste ist die Bezugspflege soweit wie möglich für alle Berufsgruppen transparent zu machen, dazu gibt es auch schon Ideen, etc.

    Ein Knackpunkt wird es sein, wie sich das Pflegeziel und die ärztliche Behandlung am besten kommunizieren lassen. Vor allem sollten die in die selbe Richtung gehen. ;)

    Aber mir ist im Moment die obere Frage am wichtigsten, ich bekomme dazu in Moment einfach keinen klaren Gedanken, um die Frage professionell zu beantworten.
     
  2. -Ben-

    -Ben- Stammgast

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    Hallo Sould,
    die wichtigsten Punkte führst du meiner Meinung nach selbst auf: Transparenz & Kommunikation. Am besten wird es sein, wenn du die Berufsgruppen von Anfang an in deine Konzeptentwicklung mit einbeziehst und sie die Möglichkeit haben, eigene Ideen einzubringen. Du könntest das Konzept dann in einer Teambesprechung o.ä. ausführlich (z.B. anhand einer Präsentation) vorstellen. Ferner kommt es natürlich darauf an, wie du die Bezugspflege umsetzt: Benutzt ihr Assessment-Formulare? Wenn ja - besteht auch hier die Möglichkeit, andere Berufsgruppen einzubeziehen, man könnte damit auch gemeinsame Formulare für Pflege/ärztliche Behandlungsauftrag und -Ziele formulieren. Gibt es bei euch gemeinsame Teambesprechungen oder "runde Tische"?

    Ben
     
  3. Sould

    Sould Junior-Mitglied

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    Hallo Ben,
    ich hatte einfach einen Gedankenknoten... ;)
    Du hast schon recht, genau so ist es auch geplant. Derzeit entwickle ich zusammen mit einem kleinen Pflege-Team ein Konzept wie wir die Bezugspflege in das jetzige Stationskonzept oder Strukturen einfließen lassen können. Auch an einem Bezugspflegebogen sind wir dabei - dieses hat allerdings eher den Hintergrund, dass durch vordefinierte Fragen die Bezugspflegegespräche einen Standard und eine Qualität erreichen. Teambesprechungen gibt es auch, in dieser wird auch das neue Konzept vorgestellt bzw. wurde zum Teil schon - da ging es darum welche Vorstellungen es gibt etc.
     
  4. verenalgo6

    verenalgo6 Stammgast

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    Wo ihr gerade schon beim Thema seid, könnt ihr mal ein bisschen erzählen wie die Bezugspflege bei euch auf akuten Aufnahmestation mit vermutlich recht hohem Patientendurchlauf so im Alltag funktioniert? Bei uns läuft das ehrlich gesagt ziemlich mies, was unter anderem an unseren langen Diensten und folglich vielen freien Tagen liegt...

    Über Anregungen würde ich mich sehr freuen. ;)
     
  5. Sould

    Sould Junior-Mitglied

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    Aus dem Alltag kann ich dir jetzt "noch" nicht berichten, denn auf der Station wo ich die Bezugspflege derzeit einführe sind wir noch nicht soweit, dort schreibe ich derzeit das Konzept. Du hast aber recht, es ist eine Herausforderung und der Dienstplan spielt dabei eine zentrale Rolle.

    Geplant ist es derzeit so, dass Bezugspflege nur ab einer Arbeitszeit von 80% übernommen werden kann, alles was darunter ist, macht eher keinen Sinn. Wir als 100%-Kräfte haben sehr oft 5 - 7 Tage Blöcke indem dann auch die Bezugspflege durchgeführt werden kann. Der Prozess beginnt mit der Aufnahme, da wir selbst auch bei den ambulanten Gesprächen dabei sind, werden wir ab dem Zeitpunkt zusammen mit den Patienten in die Bezugspflege einsteigen.

    Eine weitere wichtige Rolle wird es sein, eine Transparenz zu schaffen. Es sollen zwangsmässig alle Berufsgruppen mit eingebunden werden.

    Wie wir den Austausch-Prozess gestalten sind wir gerade noch am erarbeiten.

    An dem Patienten wird das erste Bezugspflegegespräch in den ersten 48 Stunden geführt nach Aufnahme, wo dann ein Ziel festgelegt wird, dieses wird ebenfalls transparent gemacht.

    Es gibt viele Details, die hier jetzt den Ramen sprengen würden. :D Aber ich stelle dir gerne mal mein fertiges Konzept zur Verfügung, werde es im nächsten Jahr auch auf Kongressen vorstellen um einfach Anregungen für andere Akut-Stationen zu geben. Denn viele hätten gerne die Bezugspflege auf einer Akut-Station, leider ist dieses noch mangelhaft.
     
  6. -Ben-

    -Ben- Stammgast

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    Hallo Verena,

    wir arbeiten seit langer Zeit mit einem Bezugspflege- und Bereichspflegesystem. Theoretisch sieht es so aus, dass Aufnahmen direkt temporär zunächst von der Pflegeperson übernommen werden, die im Dienst ist und nach Möglichkeit auch ein pflegerisches Erstassessment durchgeführt hat. Diese Pflegeperson kann den Bezugspatienten entweder behalten oder er wird für eine längerfristige Bezugspflege "verteilt" (z.B. weil Ressourcen erschöpft). Wöchentlich sollte mindestens ein Bezugspflegegespräch stattfinden (aktuelle Bedürfnisse, Entwicklung, Ziele, Anpassung Pflegeplanung, etc.). Für Pflegeplanungen, Erst-Assessment, Therapiebesprechungen- und Anmeldungen, Entlassungsmanagement und als Ansprechpartner für andere Berufsgruppen sowie die alltäglichen Aufgaben (Termine, Übergabe,...) ist die Bezugspflegeperson primär zuständig, wobei v.a. Pflegeplanungen wöchentlich gemeinsam im Team evaluiert werden. Auch ist es möglich, dass zwei Pflegepersonen einen Patienten betreuen, damit wird eine Krankheits- und Urlaubsvertretung gewährleistet. Derzeit übernehmen nur Vollzeit-Kräfte Patienten im festen Bezug.

    Praktisch scheitert die Umsetzung häufig an Zeitmangel. Durch die zugenommene Bürokratie, viel Organisation und einer konstanten Überbelegung mit täglichen Krisenfällen- und Interventionen bei gleichbleibendem Personalmangel findet die Bezugspflegeperson nicht die Zeit, ihren eigentlichen Aufgaben gerecht zu werden. Die Priorität liegt dann in der Regel bei der Abarbeitung von alltäglichen Aufgaben, man ist froh, wenn diese "geschafft" werden. Im Rahmen meiner Fachweiterbildung habe ich u.a. ein pflegerisches Erst-Assessment entwickelt, auch mit dem Ziel, andere Berufsgruppen gezielt mit in den gesamtpflegerischen Prozess einzubinden. Das empfand ich aber auf Grund wechselnder Team-Mitglieder bisher eher schwierig.

    Ben
     
  7. verenalgo6

    verenalgo6 Stammgast

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    Vielen Dank für eure Antworten.
    @Sould, na klar, dein Konzept würde ich total gerne mal lesen... und vor allem hören wie es sich in der Praxis so umsetzten lässt. ;)

    @Ben, ok, also ähnlich wie bei uns. Theoretisch steht der Plan, praktische Umsetzung eher schwierig...
     
  8. StevenG

    StevenG Newbie

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    Hallo!

    Im akuten Aufnahmebereich bei uns nur schwer umzusetzen. Wer einen Patienten aufnimmt übernimmt vorerst auch die Bezugspflege - dementsprechend, wenn möglich, in den Folgetagen die Therapieplanung/den Veränderungswunsch gemeinsam mit dem Patienten besprechen. Ist natürlich nicht in jedem Fall möglich.

    Hier werden Unterschiede auf den einzelnen Stationen im Haus gemacht. Ein Teil der Stationen verteilt die Verantwortlichkeiten je Dienst so, dass tatsächlich jeder Dienst "seine Bezugspatienten" betreut, andere Stationen interpretieren dieses System eher als Therapie-/Pflegeplanung und Gesprächspartner im weiterem Sinne, vor allem in Krisensituationen. Keine explizite Betreuung in jeder Schicht (eher im Rahmen "Bereichspflege" anzusiedeln - Zimmereinteilung).

    Ich habe beide Varianten selber mitgearbeitet und beide haben natürlich so ihre Vor- und Nachteile. Ich denke es hängt auch deutlich davon ab, wieviel man sich selbst aus diesem Pflegekonzept macht - man kann doch Unterschiede je Kollege feststellen.

    Also gegenüber zu stellen sind hier:

    a) tagtägliche Betreuung durch Bezugstherapeut (natürlich sofern im Dienst) und tägliche Gespräche/Planung - bessere Anbindung.

    und

    b) eine eher laissez-faire Bezugstherapie, die dafür durch stärkere Millieugestaltung und Alltagsstrukturierung ausgeglichen werden muss, denn sonst fühlt sich der Patient schnell verloren.
     
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