Betreuung von Herzinfarktpatienten

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von spaybell, 25.09.2007.

  1. spaybell

    spaybell Junior-Mitglied

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    :wut:Hallo ihr Lieben,
    befinde mich gerade in der Fachweiterbildung und wollter gern über die seelische Betreuung von HI Patienten in meiner Facharbeit schreiben.
    Leider ist kein Material dazu zu finden.
    Wäre euch sehr dankbar wenn ihr Ideen habt oder sogar eigene Konzepte dafür entwickelt habt.
    MFG Spaybell
     
  2. dominic

    dominic Junior-Mitglied

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    Ja, also, ähm,

    ich mache eigentlich nur sowas - Kardiologische ITS nennen wir uns, bin dort seit sieben Jahren. Da gibt es aber ziemlich viel zu schreiben - hast du schon irgendeinen Plan?

    Grüße,
    Dominic
     
  3. spaybell

    spaybell Junior-Mitglied

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    Hallo na,
    mir sausen soviele Gedanken durch denn kopf wie man das Thema aufziehen könnte, aber konkrete Anhaltspunkte in den Büchern gibt es leider nicht.
    Wie können wir Pat helfen aus dieser Exestenskriese raus zu kommen?
    Was Kommt danach und wie beziehen wir die Angehörigen am besten mit ein.
    Ich denke das ich das auf meiner Station gut hinbekomme aber was kann ich den neuen Mitarbeiter in die hand geben damit sie in sollchen Situationen richtig handeln oder vieleicht auch nicht so viel Angst davor haben?
    Fragen über Fragen?!
    Tschö Spaybell
     
  4. dominic

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    Ein erster Ansatzpunkt wären ein paar Grundlagen zur Einschätzung der Lage, sprich: Sozial- und Psychoanamnese. Eine Existenzkrise haben nicht wirklich alle:

    Wir kennen ja auch die "Berufspatienten", denen ein Herzinfarkt mehr oder weniger kaum die Laune vernebelt und die mich herumscheuchen, als wären sie auf unserer Station zuhause und nicht ich.

    Oder auch die alte Dame mit ihren 89, die mich milde belächelt, wenn ich sie nach Ängsten oder gar Zukunftssorgen frage, und deren wichtigstes Anliegen ist, daß ihr noch viel älterer Gatte sich nicht ständig mit seiner Arthrose in die Klinik quält, um sie zu besuchen - der arme Kerl!

    Demgegenüber steht - im krassen Gegensatz - der gerade Papa gewordene Mittvierziger, dessen Frau nun kurz nach der Entbindung plötzlich einen Infarkt nach dem anderen erleidet, und die nun mit ihrem endgültig abgerissenen Mitralsegel und ischämischen VSD bei einer 1:5-Überlebenschance vor einer großen OP steht.

    Also: erstmal eine brauchbare Anamnese, den sozialen und psychische (!) Hintergrund beleuchten. Dazu fällt dir bestimmt eine geeignete Methode ein, vielleicht eine Art Fragebogen oder sowas.

    Und dann die Frage: was tun? Natürlich hängt das von der Situation und dem Bedarf ab, es gibt kaum pauschale Antworten. Bestimmte Ängste sind initial sogar ganz nützlich, besonders dann, wenn es um nötige Veränderungen bei den Patienten geht (z.B. in deren Lebenswandel oder Genußmittelkonsum...), Angstfreiheit ist nicht wirklich ein Allheilmittel.

    Schwierig wird es mit Verdrängungsmechanismen á la "Ist ja noch mal gut gegangen" oder "Die Überlebenschancen bei Herzinfarkt sind heutzutage recht hoch". Diese Aussagen, gern von Ärzten verbreitet, helfen überhaupt nicht.

    Genauso problematisch die Überreaktion á la "Ich gehe jetzt jeden Tag joggen, kaufe mir ein Blutdruckmessgerät und...". Diese Vorsätze sind eigentlich Ausdruck einer Not in der Angst, und sie sind ziemlich unrealistisch. Solche Patienten fragen oft sehr genau nach ihren Labor- und Monitorwerten, und nicht so selten folgt eine schwere depressive Phase, das Selbstaufgeben, die Selbstbestrafung.

    Na ja - das Thema ist komplex.

    Wieviel Erfahrung hast du mit Infarktpatienten?
     
  5. dominic

    dominic Junior-Mitglied

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    Zur Analyse vielleicht auch noch folgender Ansatz:

    Herzinfarkt ist normalerweise ein plötzliches Ereignis - der Patient wird aus seiner normalen Lebensphase/sphäre gerissen und nimmt das unterschiedlich wahr, erklärt das unterschiedlich und reagiert unterschiedlich darauf. Die gezielte Nachfrage in diese drei Richtungen gibt schon einen guten Überblick über den vom Patienten angestrebten Verarbeitungsweg, und hilft, zu beurteilen, ob es ein Problem dabei gibt oder vielleicht geben wird.

    Allerdings will ich auch ermahnen, Patienten nicht mit fachlichen Erklärungen helfen zu wollen - die meisten Menschen verstehen die Zusammenhänge vielleicht, aber sie können sich für IHR Leben keinen Reim drauf machen.

    Viele Patienten brauchen zunächst einen "Schuldigen" (außer sich selbst), um die Situation erst einmal von sich zu weisen. Auch das "Verharmlosen" ist eine übliche Strategie, um das Übel erst einmal auf Distanz zu kriegen. Dieses "Distanzieren" kann zu Beginn sehr hilfreich sein, später aber auch hinderlich.

    Viele Patienten macht erst der Herzinfarkt auf sich selbst wieder aufmerksam, und das paßt ihnen oft gar nicht. Viele hielten sich immer für gesund und leistungsfähig, für unsterblich vielleicht - und bekommen schlagartig eine Grenze gezogen, wie einen scharfen Strich in ihrem Lebensplan. Manche finden das gut, manche erschrecken sich, manche bekommen Angst, manche werden zornig. Aber alle müssen sich mit dieser Grenze beschäftigen und sie irgendwie in ihr Leben integrieren.

    Einige wenige Patienten aber haben den Infarkt auch erwartet, wie einen alten Freund, der ihnen aus der Klemme ihres Lebens hilft: schenkt er ihnen doch schlagartig Aufmerksamkeit und Zuwendung, Rücksicht und Mitleid - was ihnen vorher im Leben fehlte. Für andere wieder geht durch den Infarkt die soziale Position unter: sie werden weniger respektiert, von "anstrengenden" oder "wichtigen" Sachen ausgeschlossen, quasi als "behindert" oder vielmehr als "eingeschränkt" behandelt, obwohl sie das gar nicht sind: sie müssen um ihre Stellung kämpfen oder sogar ganz neue Ziele suchen, manchmal sogar ihr ganzes soziales Netz umbauen. Das kann sehr schwierig sein und kostet nicht wenige das Leben (!).

    Für hilfreich (quasi als Standardmaßnahme) halte ich generell die Hilfestellung zur Reflexion des Geschehens, d.h. der Patient soll hierbei berichten, wie er seine Situation mit dem Herzinfarkt nun einschätzt, woher der Infarkt kam, warum es gerade ihn getroffen hat, welche Konsequenzen sich für ihn daraus ergeben, wie er die Reaktionen seiner Angehörigen wahrnimmt und einschätzt, welche _konkreten_ Sorgen er für die nahe Zukunft hat.

    Darüber hinaus ist es ein guter Weg, dringende Probleme (der Patient wurde schließlich mitten aus seinem Alltag gerissen) für den Patienten lösbar zu machen, d.h. z.B. die Möglichkeit zum Telefonieren sollte gegeben sein, evtl. kann man auch den einen oder anderen Sachverhalt stellvertretend für den Patienten regeln (z.B. war einmal für eine ältere Dame mit akutem Infarkt nichts wichtiger, als die "Essen-Auf-Rädern"-Lieferung für die kommende Woche abzubestellen - nur wußte sie nicht den Namen und die Nummer des Lieferanten; eine scheinbar harmlose Situation, aber für die Dame sehr quälend und bitter).
     
  6. spaybell

    spaybell Junior-Mitglied

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    Danke du hast echt gute Ansätze
    Bin jetzt seid 6 Jahren Examiniert und seiddem viel mit sollchen Pat. zu tun.
    Bin seid 4 Jahren auf der Intensiv und habe Täglich ca 2 bis 6 Herzinfarktpat. plus die CPU Betten(4Stück).
    Erlebe halt oft diese Lebenskrisen und habe graube ich ne guten Draht dazu.
    Deshalb auch meine Facharbeit zu diesem Thema.
    Bin halt mit Leib und Seele Kario Schwester obwohl Interdisziplinär viel Spass macht.
     
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