Bericht: Praktikum im amerikanischen Militärkrankenhaus

Dieses Thema im Forum "Tätigkeitsberichte" wurde erstellt von kräuterfrau, 16.04.2011.

  1. kräuterfrau

    kräuterfrau Poweruser

    Registriert seit:
    03.10.2008
    Beiträge:
    757
    Zustimmungen:
    23
    Beruf:
    GuK,IBCLC Stillberaterin i.A.
    Ort:
    Waldstadt, Karlsruhe
    Akt. Einsatzbereich:
    Innere Medizin, Gastroenterologie
    Funktion:
    Gerätebeaufragte
    Ich habe meinen Wahleinsatz im amerikanischen Militärkrankenhaus verbracht.
    Hier ein kurzer Erfahrungsbericht:

    Ich war auf einer MedSurg Station. Medical-Surgical bedeutet, da werden sowohl Fälle aus der inneren Medizin als auch chirurgische Patienten. Es war eine 36 Betten Station was nach Angaben der Kollegen eine mittlere bis größere Station darstellt.
    Die Kolleginnen arbeiten 12-Stunden-Dienste, insgesamt 96 Stunden in zwei Wochen. Patienten sind hauptsächlich jüngere Männer mit unterschiedlichen Verletzungen.

    In jeder Schicht gibt es eine Schichtleitung-Charge Nurse. Sie stuft die Patienten nach Pflegeaufwand ein in die 5 Stufen (1-minimaler Aufwand,5-höchster Aufwand) und entscheidet welche Pflegekraft welche Patienten betreut. Eine Pflegekraft betreut 2-5 Patienten.

    Vier Berufsgruppen sind in die Pflege beschäftigt. RN-Registred Nurse und LPN-Licensed Practical Nurse übernehmen Verantwortung im Pflegeprozess.
    RN kann man über 3 Wege werden:2 Jahre Associates Degree, 3 Jahre Hospital Training DIploma Degree, oder BSN(Bachelor of Science in Nursing). Nach dem Abschliessen eines staatlich anerkannten Programms, müssen alle Absolventen eine staatliche Prüfung bestehen. Nur BSN werden als professionellen Mitarbeitern im Gesundheitswesen anerkannt.
    LPN kann man über eine einjährige Ausbildung an einer Berufsschule werden. Sie müssen ebenfalls eine staatliche Prüfung bestehen.
    Alle RN's und LPN's sind bei den Pflegekammern des jeweiligen Bundesstaates registriert und müssen Ihre Lizenz jährlich erneuern. LPN's betreuen Patienten mit wenig komplexen Pflegebedarf und deren Berichte und Pflegeplanungen müssen immer von einer RN überprüft werden.

    Weiterhin gibt es Certified Nursing Assistance CNA. Sie haben keine zugewiesene Patientengruppe. Sie unterstützen Patienten bei der Grundpflege.

    Auf der Station wo ich war gab es auch MedTech's. Sie haben Blut abgenommen und Zugänge gelegt. Sie hatten meistens eine Sanitäterausbildung. Sie haben auch Patiententransport und Botengänge erledigt.

    Es gab nur EDV-Dokumentation. In jedem Patientenzimmer gibt es einen PC. Alle an der Behandlung des Patienten Beteiligten haben mit einem Passwort und einer Chipkarte Zugang zu den Patientendaten. Je nach Berufsgruppe variieren Eintragungsrechte. Ich war von dem Dokumentationssystem begeistert.

    Einmal pro Schicht wird Kopf-bis-Fuß-Assesment durchgeführt. Übrigens habe ich festgestellt, dass Begriff Assesment in D nur eine begrenzte Bedeutung hat. Hier ist Assesment Synonym für die Benutzung der Assesment Instrumente.
    Unsere US-Kolleginnen benutzen es als Synonym für Einschätzung des Zustands und/oder Pflegebedarfs.

    Jeder Patient bekommt nach der Aufnahme eine Pflegeplanung. Die Ersteinschätzung des Patienten dauert länger und ist umfassender als ich es in meiner bisherigen Karriere kennen gelernt habe. Dazu werde ich in meiner Hausarbeit einen Bogen entwickeln und vielleicht nach der Benotung durch meine Lehrerin hier posten.
    Pflegeplanung wird einmal pro Schicht aktualisiert, auch unterschiedliche Risikoeinschätzungskalen/Screenings.
    Mit den Patienten wird Tagesziel vereinbart und am Ende des Tages evaluiert. Die RN's und LPNs führen auch manche Teile der Grundpflege durch. Außer das RN's i.v. Medikation verabreichen dürfen habe ich keine großen Unterschiede im Mitwirkungsbereich gemerkt.

    Der Stellenwert der Patientenedukation ist auch höher als in D. Dies wird auch peinlich genau dokumentiert.

    Ich war auch begeistert von Schmerzerfassung und -kontrolle. Sie benutzen zwar numerische Rangskala, was ich kritisch betrachte, aber sie sind verpflichtet nach der Gabe der schmerzlindernden Medikamente Schmerzzustand erneut zu erfassen. Und zwar nach i.v.-Gabe nach 30min nach Oralgabe 1Std.

    Auf jeden Fall werde ich viele Sachen in meiner praktischen Arbeit benutzen. Vor allem dieses Head to Toe Assesment und Patientenedukation.

    Was ich als mangelhaft betrachtet habe war multikulturelles Pflegen und sehr unterschiedliche Auffassung der gesunden Ernährung zwischen D und USA.

    Bei fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

    Übrigens alle Angaben ohne Gewähr, das sind meine Erlebnisse.:nurse:
     
  2. Polly*

    Polly* Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.01.2011
    Beiträge:
    61
    Zustimmungen:
    0
    Das kann ich mir beides sehr gut vorstellen! In welchem Krankenhaus warst du denn? Landstuhl?
     
    #2 Polly*, 26.04.2011
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27.04.2011
  3. kräuterfrau

    kräuterfrau Poweruser

    Registriert seit:
    03.10.2008
    Beiträge:
    757
    Zustimmungen:
    23
    Beruf:
    GuK,IBCLC Stillberaterin i.A.
    Ort:
    Waldstadt, Karlsruhe
    Akt. Einsatzbereich:
    Innere Medizin, Gastroenterologie
    Funktion:
    Gerätebeaufragte
    Ja. kennst du das Krankenhaus?

    Über Ernährung gibt es nichts zu sagen. Andere Kulturen kennen die Amis wenig. Sie waren aber nicht intolerant. Nur mit ganz viel Unwissen.
     
    #3 kräuterfrau, 26.04.2011
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27.04.2011
  4. monaluna

    monaluna Poweruser

    Registriert seit:
    02.10.2006
    Beiträge:
    971
    Zustimmungen:
    5
    Beruf:
    Krankenschwester RN
    Hm, kann ich nicht ganz so bestaetigen, es macht a) einen grossen Part der Ausbildung aus, und auch im Examen und ich kenne mindestens 3 Krankenhaeuser persoenlich wo sehr grossen Wert auf die kulturellen Unterschiede gelegt werden. sprich eigener Andachtsraum, Geistlicher, spezielle Ernaehrung, Leute die die Sprache sprechen, respektieren das Frauen nur von Frauen gewaschen werden wollen, etc.

    Ernaehrung ist fuer den Mitteleuropaer etwas befremdlich...ist zwar ein grosses Thema in der Ausbildung, und sie haben sogar die gleichen Richtlienen wie wir in Deutschland, aber das umsetzen hapert noch etwas....
    ich sage nur einen McDonalds in der Kinderklinik, Starbucks und my bon als zusatzangebot zur normalen Cafeteria:-) ist uebrigens nicht nur fuer Patienten vom Nachteil:-)

    Dokumentieren ist ein sehr grosser Deal, weil du jedes halbes Jahr eine Uebersicht bekommst, ob du correct kodiert hast, ob du genug Geld verdient hast und damit dich hier keiner verklagen kann... das geht leider schnell.

    Die dreijaehrige Diplomaausbildung wird nicht mehr ausgebildet und wird kaum noch eingestellt( jedenfals im Nordosten).

    Toll das es moeglich war das du im Armeekrankenhaus dein Praktikum machen durftest! hoffe du findest genug Zeit im deutschen System es umzusetzen, denn es ist wirklich toll:-)
     
  5. Polly*

    Polly* Junior-Mitglied

    Registriert seit:
    27.01.2011
    Beiträge:
    61
    Zustimmungen:
    0
    Nicht direkt. Aber ich kenne viele Amerikaner aus der Gegend von denen auch ein paar schon in Landstuhl behandelt wurden. Ernährungsgeschichten höre ich auch öfter, Gatorade und Energy Drinks für Kleinkinder z.B.... :|
    Vom kulturellen Aspekt her kann ich mir vorstellen, dass das in der Army nochmal anders aussieht, als im restlichen Amerika. Mein Eindruck ist zumindest, dass es trotz Diversity-Konzepten noch viel Unwissenheit gibt, aber das muss nicht überall so sein.
    Dein Bericht liest sich auf jeden Fall sehr spannend! War es denn schwierig, an das Praktikum zu kommen?
     
  6. kräuterfrau

    kräuterfrau Poweruser

    Registriert seit:
    03.10.2008
    Beiträge:
    757
    Zustimmungen:
    23
    Beruf:
    GuK,IBCLC Stillberaterin i.A.
    Ort:
    Waldstadt, Karlsruhe
    Akt. Einsatzbereich:
    Innere Medizin, Gastroenterologie
    Funktion:
    Gerätebeaufragte
    @monaluna: Vielleicht lag das an der Besonderheit des militärischen Bereichs.
    Ich weiß, dass dich noch sehr viel Lernen muss um Dokumentation zu verstehen. Mir ging es diesmal um den Aufnahmegespräch. Ich finde das Stammblatt ungenügend als Vorlage für die Pfleganamnese. Das Problem ist das Ankreuzen. Wir fragen zu wenig und zu ungezielt. Deswegen ist das meiner Meinung nach verlorene Zeit, denn niemand außer MDK dieses Blatt als Grundlage einer Planung oder einfach für weitere Pflege benutzt. Ich werde es versuchen in meinem nächsten Einsatz. Mal gucken was daraus wird.
     
  7. monaluna

    monaluna Poweruser

    Registriert seit:
    02.10.2006
    Beiträge:
    971
    Zustimmungen:
    5
    Beruf:
    Krankenschwester RN
    Du hast absolut Recht, ich mochte die meisten deutschen Stammblaetter auch nicht:-), und ich finde es toll, das du so einen Einsatz gemacht hast und hoffe das du deinen Ehrgeiz und Engagement lange behalten wirst!
     
Die Seite wird geladen...
Ähnliche Themen - Bericht Praktikum amerikanischen Forum Datum
Praktikumsbericht für den Psychiatrieeinsatz Pflegebereich Psychiatrie/Psychotherapie/Psychosomatik/Sucht/Forensik 01.03.2010
1. Praktikumstag im Altenpflegeheim: Wollte euch mal berichten... Ausbildung in der Altenpflege und Altenpflegehilfe 02.02.2009
Praktikumsbericht Wundmanagement 27.01.2008
Wundexperte/Praktikumsbericht Wundmanagement 13.02.2007
Praktikumsbericht Intimpflege Fachliches zu Pflegetätigkeiten 18.01.2007

Diese Seite empfehlen

  • Über uns

    Unsere Online Community für Pflegeberufe ist eine der ältesten und mitgliederstärksten im deutschsprachigen Raum (D/A/CH) und wir sind stolz darauf, dass wir allen an der Pflege Interessierten seit dem Jahr 2000 eine Plattform für unvoreingenommene, kritische Diskussionen unter Benutzern unterschiedlicher Herkunft und Ansichten anbieten können. Wir arbeiten jeden Tag mit Euch gemeinsam daran, um diesen Austausch auch weiterhin in einer hohen Qualität sicherzustellen. Mach mit!

    ©2000-2016 - www.krankenschwester.de - Die Online Community für Pflegeberufe

  • Schnellnavigation

    Öffne die Schnellnavigation

  • Unterstützt uns!

    Unser Team von www.krankenschwester.de arbeitet jeden Tag daran, dass einerseits die Qualität sichergestellt wird, um kritische und informative Diskussionen zuzulassen, andererseits die technische Basis (optimale Software, intuitive Designs) anwenderorientiert zur Verfügung gestellt wird. Das alles kostet viel Zeit und Geld, deshalb freuen wir uns über jede kleine Spende!

Ich stimme zu Weitere Information

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.