Bereitschaftsdienst = psychische Belastung

Dieses Thema im Forum "Ambulante Pflege / Private Kranken-Altenpflege zu Hause" wurde erstellt von Finja, 05.05.2008.

  1. Finja

    Finja Junior-Mitglied

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    Hallo Leute...

    Habe mal wieder Rufbereitschaft :(.
    Habe mein Handy neben meinem Bett liegen und es klingelt mindestens ein bis zweimal die Nacht.
    Wenn jemand den Notruf gedrückt hat melden sich die Johanniter oder das DRK, dann ab in die Strümpfe und hin zum Einsatzort.
    Wäre alles nicht so schlimm, wenn sich die Einsätze wirklich um Notfälle handeln würden.
    Meist haben die Pat. ausversehen den Knopf gedrückt, oder wollen auf Toilette, müssen dann aber nicht mehr. Bin gefahren für nichts. Dieses nichts tritt immer bei den selben Pat. auf.
    Mich belastet dabei, dass ich vom Arbeitsort ca 35 km entfernt wohne und morgens um 6 Uhr wieder zum Frühdienst antreten muß.
    Fahre eine Strecke mit ca 35 Min. Wenn jemand klingelt brauche ich danach nicht mehr ins Bett.Wenn ich wieder zu Hause bin,klingelt mein Wecker.
    Am tage klingelt das Telefon manchmal permanent. Angehörige, Krankenkassen,Ärzte oder Kunden haben Anliegen. Das heist ich mache zusätzlich noch "Büroarbeit". Habe das Telefon oftmals 72 Std bei mir.
    Ich heul gleich in meine Kissen.

    Wie läüft sowas bei euch?
     
  2. perfect_element

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    Hallo Finja,

    wir haben das so geregelt:

    Der Inhaber hat das Telefon von Montag morgen bis Freitag mittag und leitet nur um, wenn er Termine hat. Von Freitag mittag bis Montag morgen haben insgesamt 3 Mitarbeiter (einschließlich mir) Rufbereitschaft, wir handeln uns aus, wer welches Wochenende dran ist.

    Kann dich gut verstehen, bei uns war es vor dieser Regelung auch so und man hatte das Gefühl, man arbeitet ohne Ende.

    pe
     
  3. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Hallo Finja,

    das klingt in der Tat heftig.
    Wir hatten diese Regelung: der Bereitschaftsdienst hatte, bekam das "Bereitschaftshandy". Nach etwa 16 Uhr (Büroschluss) wurden alle eingehenden Anrufe auf dieses Handy umgeleitet, an WoEnden und Feiertage ganztags. Durchaus kamen da auch Anfragen, die ich von unterwegs oder von zu Hause aus nicht regeln konnte, aber direkt morgens vor Dienstbeginn im Büro schriftlich hinterlegt habe. In der Tat ist das aufwändig, wenn es sich um viele Informationen und Anliegen handelt.

    Ich bin dann umgezogen und hatte dann auch einen Anfahrtsweg von 35 km. Ich hatte folgendes mit den Kollegen vereinbart:
    Ich habe meine ganz normal eingeplanten Bereitschaftsdiente gemacht. Wenn es zu einem Einsatz kam (und man kennt ja seine "Pappenheimer"), durfte ich eine(n) KollegIN, der (die) in der Nähe wohnt anrufen und derjenige übernahm den Einsatz. Das heißt, diese Kollegin hatte quasi Bereitschaftsdienst für mich gemacht, und die bekam den Einsatz natürlich auch bezahlt, einschließlich Fahrtkosten etc.
    Bereitschaftsdienst war aber immer nur ein Tag bei uns - also nur eine Nacht.

    Hast Du dieses Problem schon bei Dienstbesprechungen angesprochen? Wenn Du Deine Situation erklärst wirst Du sicher dort auch auf Verständnis stoßen und man wird gemeinsam nach Lösungen suchen.

    LG
    Trisha
     
  4. neo57

    neo57 Stammgast

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    Hört sich fast so an als währe dein Rufbereitschaft schon fast Bereitschaftsdienst:
    z.B.: AVR Anlage 5 § 7

    (1) Auf Anordnung des Dienstgebers haben die Mitarbeiter außerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit Dienstleistungen in der Form des Bereitschaftsdienstes oder der Rufbereitschaft zu erbringen.
    Der Dienstgeber darf Bereitschaftsdienst nur anordnen, wenn zu erwarten ist, dass zwar Arbeit anfällt, erfahrungsgemäß aber die Zeit ohne Arbeitsleistung überwiegt.
    Eine Rufbereitschaft darf er nur anordnen, wenn innerhalb eines Zeitraumes von sechs Kalendermonaten im Durchschnitt weniger Arbeit als zu einem Achtel der Zeit der Rufbereitschaft anfällt.

    Wie ist das bei euch?
    Ansonsten könnte es schon Bereitschaftsdienst sein und dieser wäre höher zu vergüten. Ausserdem muß man hier auch auf das Arbeitszeitgesetzt achten.
     
  5. Finja

    Finja Junior-Mitglied

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    Hallo...

    habe schon mehrere male angesprochen,wie man es regeln könnte,dass die die mehrere km entfernt wohnen entlastet werden. Es hieße, es würde ja nicht so häufig vorkommen das man Nachts raus muß. Da muüsse jeder mal durch. Das sehe ich und einige andere Kollegen aber nicht so.
    Außerdem verspricht man den Kunden für Notfälle bereit zu stehen, doch für einen echten Notfall, ist eine 40 Min wartezeit, bis die Hilfe von weiter weg endlich da ist, zu lange. Hilfe zu spät. Wir sind eigentlich auch nur für pflegerische Notfälle gedacht. Doch wenn der Alarm los geht, kann man oft nicht fragen was passsiert ist.
    Was ich nicht verstehe, warum die Johanniter diese Notrufsysteme anbieten und die Einsätze dann nicht selbst fahren wollen. Wäre ja das gleiche, wenn ich Pflege verkaufe aber die Durchführung macht bitte wer anders.
     
  6. Lin

    Lin Poweruser

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    Ich muss mich erst mal als Unwissende outen. Kenne mich beim Thema amb. Pflege nicht großartig aus.
    Habt ihr keine Gegensprechanlage? Ich kenne die Rufknöpfe nur vom Roten Kreuz, da meine Oma so etwas hat. Wenn sie den Knopf betätigt, fragen die vom RK erst mal per Gegensprechanlage, was los ist. Wenn es ein wirklicher Notfall ist oder keine Antwort kommt, schicken sie einen Einsatzwagen.
    Wenn es nur um eine "Kleinigkeit" geht, rufen sie einen Nachbarn, der einen Haustürschlüssel hat oder einen Angehörigen, der in der Nähe wohnt,an, damit er vorbeischaut.

    Wie läuft das bei euch ab?

    Gruß,
    Lin
     
  7. Trisha

    Trisha Poweruser

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    Ich vermute, in Finjas Fall wird es so sein, dass diese Gegensprechanlage, die durch das Drücken des Notrufknopfs aktiviert wird, mit den Johannitern verbunden ist. Die Johanniter kontaktieren dann den PD, wenn ein Alarm ausgelöst wurde.

    Bei uns war es ähnlich (es war eine andere Firma, nicht die Johanniter). Wir bekamen einen Anruf, wenn wer den Knopf gedrückt hat und keine Antwort gegeben hat bzw. sich meldete wenn er gestürzt ist etc. Sonst mussten wir nicht raus, es kommt schließlich öfter vor, dass der Knopf aus Versehen betätigt wurde. Trotzdem musste ich auch schon mal hin und wieder raus, wenn wirklich nichts war und der Pat. im Schlaf den Knopf versehentlich betätigt hatte und keine Antwort gab, weil er schlief.

    Ich kann Finja gut verstehen. Man fährt zwar gerne, auch nachts, raus, wenn wirklich was passiert ist. Aber wenn man nachts aus dem Schlaf gerissen wird, weite Strecken fahren muss zum Pat. und wieder zurück, dann Frühdienst (da lohnt sich das Wieder-hinlegen fast nicht mehr, da kann man eh nicht mehr einschlafen).

    @neo57: wenn kein Tarifvertrag vorliegt, hat man dem Vertrag, den man mit seinem AG abgeschlossen hat, Folge zu leisten. Du hast einen Auszug aus der AVR aufgeführt. Zudem ist es nicht Arbeitgeber-Problem, wenn der MA so weit weg wohnt. Deswegen ist das, was Finja machen muss, durchaus legitim, deswegen kommt sie da so einfach nicht raus.
    Eine andere Möglichkeit wäre, dass Du, Finja, öfter Bereitschaftsdienste machst für all die Anrufe die rein kommen, und eine 2.Rufbereitschaft im Hintergrund ist für Einsätze zu fahren. Es müssten doch Kompromisse zu schließen sein? Oder dass Du Einsätze bis z.B. 22 Uhr fährst und danach in der Nacht übernimmt wer anders den Einsatz.

    Ich finde es schade von Deinem AG, dass er/sie so wenig Verständnis aufbringt.
    Oder besteht die Möglichkeit in AG-Nähe zu ziehen?

    LG
    Trisha
     
  8. Finja

    Finja Junior-Mitglied

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    Hallo...

    Es ist so, dass die Gegensprechanlage immer zuerst mit den Johannitern verbunden ist. Die rufen uns dann an. Doch bei einigen Pat ist diese Anlage außer hörweite. Das heißt sie können es nicht hören wenn die J. fragen was los ist.
    Werde nochmal mit meiner PD sprechen wegen einer Alternative der Nachteinsätze.
    Drückt mir die Daumen...
     
  9. schwäbin

    schwäbin Senior-Mitglied

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    Hallo Finja
    Was ich nicht verstehe ist, warum die Johanniter wenn sie niemand erreichen erst den Pflegedienst anrufen.
    Wenn niemand erreichbar ist könnte ein medizinischer Notfall vorliegen, dann müssten sie selber raus. Ebenso wenn jemand gestürzt ist, denn da müsste man eh evtl. zum röntgen fahren.
    Und wenn ein pflegerischer Notfall ist, dann finde ich es völlig ausreichend wenn es in Ausnahmefällen auch mal 40 Minuten dauert bis jemand kommt.
    Erfahrungsgemäß sind das bei uns nämlich zu 95% Ausscheidungsprobleme wie eine undichte oder volle Windel, Pat. hat erbrochen, AP Beutel voll etc. Oder jemand war nicht zu Hause als die Schwester da war und will noch spät in's Bett gebracht werden. Das alles ist ja nicht "brandeilig".

    Anders sieht es natürlich aus wenn jemand abgesaugt werde müsste - aber da finde ich auch schon 20 Minuten zu lang und man muss sich eine andere Lösung überlegen.
    Unsere Patienten überlegen es sich auch relativ genau ob sie anrufen oder nicht, denn es kostet sie eine Pauschale von 40,- € zusätzlich wenn wir kommen. Darüber werden sie auch beim Anruf aufgeklärt.
    Und wir bekommen beim ersten Einsatz 3 Arbeitsstunden. Beim 2. Einsatz gibt es dann noch die tatsächliche Arbeitszeit.
    Wenn Nachteinsätze bei Euch so häufig sind, habt ihr schon mal überlegt jemand extra dafür einzustellen? Wir haben eine solche Kraft, die unsere NRB übernimmt. Die NRB teilen wir uns monats weise mit einem anderen PD, (da gibt es ein Handy auf die von beiden Stationen die NRB Anrufe auflaufen.) Wie der seine RB verteilt weiß ich allerdings nicht. Und wenn sie Urlaub hat nimmt eine von uns das Handy.
    Der Psychische Aspekt ist natürlich auch nicht zu verachten. Ich selber schlaf meist auch nicht so gut wenn ich das Nachthandy habe, musste auch öfter schon mal raus und hatte dann Frühdienst. Je nach dem leg ich mich halt noch mal hin und stell einen 2. Wecker, oder ich bleib gleich auf.
    Was mich interessieren würde:
    Wie gehen Eure Patienten tagsüber auf die Toilette wenn sie nachts jemanden brauchen um zur Toilette zu gehen?
    Grüssle
    die schwäbin
     
  10. Finja

    Finja Junior-Mitglied

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    Hallo schwäbin...

    unsere Pat. die meinen, Toilettengänge wären Notfälle, sind überwiegend dement. Tagsüber gehen sie selbst zur Toilette.
    Der (schlechte) Witz an der Sache ist, das sie oftmals garnicht mehr wissen warum oder ob sie überhaupt geklingelt haben. Wenn man dann vor ihnen steht liegen sie seelig im Bett und freuen sich uns zu sehen :knockin:
    Sind nun mal dement.
     
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