Beratungsgespräch nach § 37 Abs 3 SGB XI

Dieses Thema im Forum "Ambulante Pflege / Private Kranken-Altenpflege zu Hause" wurde erstellt von M!aren, 08.06.2015.

  1. M!aren

    M!aren Stammgast

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    Könnt ihr mir ein paar Tipps geben, auf was ihr bei den Beratungsgesprächen achtet?
    • Was ihr für Fragen stellt?
    • Wie lockt ihr aus den Pflegebedürftigen bzw. Angehörigen heraus, wie sie die Situation sehen?
    • Wir kommt ihr zu eurer Einschätzung der Pflegesituation?
    • Nehmt ihr Flyer mit und wenn ja für was?
    • Wie formuliert ihr es wenn ihr den Eindruck habt, der Patient ist nicht so gut versorgt, aber z.B. die Angehörigen sehen das anders?

    Für alle "Insidertipps" bin ich sehr dankbar!
     
  2. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    Ich orientiere mich da grob am Standard: "Pflegevisite ambulant" von pqsg.de

    Flyer/Beratungsbögen schicke ich ggf. später zu - vermerke das im Protokoll (ein Kleinstwagen aus italienischer Produktion hat nur eine begrenzte Ladekapazität).

    Die Angehörigen müssen das Formular unterschreiben. Wenn Deine Ansicht der Situation von der der Angehörigen abweicht, schreibst Du es auch so. Also werden die Angehörigen das nicht unterschreiben. Ohne das unterschriebene Formular wird die Pflegekasse die Zahlungen einstellen. Es steht den Patienten/Angehörigen natürlich frei, sich von einem anderen Pflegedienst beraten zu lassen.

    Du bestätigst, daß dort die Pflege gesichert ist. Wenn dem nicht so ist, und Du machst den "Scheinwerfer", drohen womöglich strafrechtliche Konsequenzen.
     
  3. M!aren

    M!aren Stammgast

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    Danke Elfriede!

    Ich habe grade in einem anderen Beitrag von dir noch einen wichtigen Hinweis gefunden, den ich mal hier reinkopiere, vielleicht hilft es ja auch noch anderen...

    Das heißt, dass man ein Auge auf den Zustand der Hilfsmittel hat und eventuelle Reparaturen veranlasst...
     
  4. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    Und nicht nur die "technischen" Hlfsmittel. Auch schauen, ob z.B. das Inkontinenz-Material geeignet ist.

    Bei Katheterträgern ruhig einmal den Beutel leeren und 'ne Nase voll nehmen (Infekt?). Bei Stomaträgern nicht unbedingt die Basisplatte runterreissen, aber auf Allergiezeichen achten und die versorgende "Homecare-Firma" erfragen und notieren.
     
  5. M!aren

    M!aren Stammgast

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    ... und dann? Was machst du mit dieser Info?
     
  6. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    Eintragen in Beurteilung der Pflegesituation: Versorgung des Stoma- (Urinal- Ernährungssonden- o.ä.) -Systems ist durch Fa. xyz gesichert.
     
  7. M!aren

    M!aren Stammgast

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    Vielen Dank, das hilft mir echt weiter, ich sammle all diese Erfahrungsschätze und werde sie umsetzen.
     
  8. tari

    tari Newbie

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    Hallo, Ma!ren und alle anderen!

    Bei Erstbesuchen frage ich gerne nach Krankheiten, Problemen und Hilfsmitteln. Das ist Kontaktaufnahme, und ich bekomme einen Eindruck von pflegender und gepflegter Person, pflegerisch, sozial, allgemein. Ich versuche ein fachliches Gespräch, was an Grenzen stößt, wenn pflegende Angehörige seelisch sehr belastet sind, oder selbst z.B. dement werden - dann dauert ein Gespräch länger.

    Meist ist dann klar, ob ein Antrag auf extra Leistungen gestellt werden kann - evtl. mehr Leistungen (z.B. Sachleistung) zu bekommen, freut die meisten. Wichtig finde ich die Frage nach Nutzung von Urlaubs- und Verhinderungsgeld (fahren Sie doch in den Urlaub, warten Sie nicht, bis Sie krank werden). Da ist das Wie natürlich das A und O: von Unterbringung in Kurzzeitpflege, "polnische Pflegekraft", Versorgung durch Freunde oder Familie, stundenweise. Nach guter Beratung nutzen es etwas mehr Angehörige.

    Eine wichtige Frage: was passiert, wenn Sie ein paar Tage leicht krank sind? Da wissen viele erst mal nicht weiter. Da kann das Nachdenken angeregt werden. Bei Senioren hilft z.T. das "Einsteigermodell", z.B. 1x pro Woche kommt ein Pflegedienst des Vertrauens und übernimmt die am wenigsten geliebte Aufgabe - dann haben Angehörige und Gepflegte sofort kompetente Ansprechpartner und Hilfe im Notfall, jenseits von Anträgen auf z.B. Urlaubs- und Verhinderungsgeld.

    Für Wohnraumanpassungen schau ich mir gerne kurz die Wohnung an, und verweise dann an den nächsten Pflegestützpunkt (oder auch nicht - ich habe schon krasse Wohnungsmängel oder für Pflege untaugliche Wohnungen gesehen).

    Hilfsmittel: einige schaden z.B. wenn in einer Familie ständig der elektrische Wannenlifter aus der Wanne herausgehoben wird, um selbst zu baden - habe ich oft erlebt, und alle Angehörigen hatten dann Rückenschmerzen. Ein riesiges Thema, da kann ich nur Tipps geben, kümmern dürfen sich die Angehörigen und oder Gepflegten.

    Manchmal erlebte ich geistig klare Pflegebedürftige, die nur von dementen Angehörigen versorgt wurden (keine weiteren Außenkontakte) - das kann eine Weile funktionieren. Da war Umgang mit Demenz ein doppelt wichtiges Thema - aber auch, was tun, wenn der körperlich Kranke notfallmäßig mit dem Krankenwagen abgeholt wird.

    Das sind Themen, die mehrere Beratungen dauern. Weitere Themen: Rückenschmerzen, Abgrenzung voneinander, Erschöpfung (beider Seiten), Anerkennung (beider Seiten), Demenz (x öffnet jedem die Tür, kauft alles an der Wohnungstür, usw). Wie bereitet man sich auf die nächste MDK-Prüfung vor, wie wird ein Pflegetagebuch geschrieben, wie geht ein Widerspruch, aber auch erklären, warum jemand zurecht nicht hochgestuft wurde. Nutzung des Schwerbehindertenausweises, Schlüssel für City-Toiletten, Führerschein (erhalten, abgeben, Fahrtauglichkeit testen). Trennung von Gepflegtem und Pflegendem. Urlaub und Hilfsmitteltransport oder Medikamentenmitnahme.

    Es gibt Situationen, die gut vor mir verborgen werden. Da kann ich erst reagieren, wenn ich es mitbekomme. Wenn mir Pflegequalität nicht von außen klar wird, frage ich schon nach roten Stellen, gereizter Haut usw., laß es mir zeigen, biete natürlich gleich Tipps an ... , biete Hautfaltentest an.

    Liebe Grüße, Tari
     
  9. M!aren

    M!aren Stammgast

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    Hallo Tari,

    Danke für deinen Erfahrungsschatz.

    Hast du eine Idee wegen dem elektrischen Wannenlifter und anderen Familienmitgliedern die baden wollen? Wie kann das gelöst werden?

    Muss das "Tagebuch" für den MDK noch geschrieben werden?
    Ich war neulich bei einem Gespräch des MDK zur Eingruppierung dabei, da ging das ganz flott und ohne Pflegetagebuch, usw. (und wurde dann auch flott genehmigt).

    Du bietest "Hautfaltentest" an... bei Verdacht auf Dehydration (oder hast du Tipps gegen Falten?!)? ;)
     
  10. Elfriede

    Elfriede Poweruser

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    Der elektrische Wannenlifter ist nicht fest verbaut. Er kann auch (nach Einweisung)
    vom Laien aus der Wanne genommen und wieder eingesetzt werden.
    Wenn das Familienmitglied das körperlich nicht schafft, ist m.E. die Mitnutzung des
    Gerätes sinnvoll.

    Das "Tagebuch" ist nicht zwingend aber ratsam. Es veranschaulicht den
    Angehörigen, was sie tatsächlich leisten, und gibt ihnen so eine gute
    Argumentationshilfe.

    Der "Hautfaltentest" vermittelt nicht nur Informationen zur Flüßigkeitslage.
    - Du musst ihn ja nicht zwingend am Handrücken durchführen. -
    Ist noch subkutanes Fettgewebe vorhanden (Kachexie)?
    Wie fühlt sich die Haut an (fettig, trocken, ledrig, "Cortisondünn", nass,
    kalt, heiss, schuppig)?
    Wie reagiert der Patient darauf (panisch, Schmerz)?
     
  11. tari

    tari Newbie

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    Hallo M!areen, Elfriede und alle anderen!

    Wir haben tatsächlich ein wirksames Rezept gegen Falten und sind noch nicht reich!
    M!areen, Deine Antwort steht bei Elfriede. Und ich kenne mehrere Rezepte für Falten! Empfehlen kann ich nur eins: lachen...

    Das Tagebuch ist nur wichtig, wenn der MDK geringer einstuft/ eingestuft hat, als von Pflegebedürftigem oder Angehörigen gewünscht. Daran kann ein Pflegebedarf sichtbar werden, vorausgesetzt, es erklärt gut und wir erklärten vorher gut, was Pflege ist und was nicht mehr. Zum Beispiel gerne lange baden gilt als Wellness und nicht als nötige Pflege - kann man genießen, aber nicht voll finanziert bekommen. Ganz lange dauernde Wegezeiten zum Badezimmer kann bei der Mobilität zugerechnet werden, aber nur, wenn sie altersuntypisch länger ist, bei 90-jährigen evtl. schwer begründbar.

    Aber mir wurde mehrfach (in Pflegefachberatungen) von MDK-Begutachtungen berichtet, wo die zu allgemein aufgelistete Pflegezeit schnell heruntergerechnet wurde, auf 3 Minuten unter der beantragten Pflegestufe. Und da hätten sich die Angehörigen wehren können, hätten sie gute Aufzeichnungen und schon selbst formulierte Begründungen in der Hand gehabt. In diesen Fällen wäre das korrekt gewesen.
    (Natürlich freuen sich Angehörige, wenn statt der beantragten 1 eine 2 bewilligt wird, gibt es natürlich auch - und nicht selten.)

    Zum Wannenlifter: wenn Ehepartner wegen eigenen Erkrankungen spezielle Bäder bis über Schulter brauchen, müssen sie entweder den Lifter herausnehmen, oder auf wirksame Bäder verzichten. In Familien wollen gesunde Jugendliche, oder jüngere Partner ungern einen Lifter nutzen. Andere erzählten mir, wie genervt sie von der Putzerei waren.

    Statt Lifter gibt es Wannenbretter (Achtung, Badewannen sind nicht genormt). Bitte nicht mit Mulde nehmen, da ist das Aussteigen schwer! Gerade Wannenbretter, evtl. kombiniert mit einer Drehscheibe (kann auch geschoben werden), oder Modelle mit Rücken- und seitlichen Lehnen helfen dann. Damit kann nur geduscht werden. Die Familien müssen sich also einigen, und einigen wird es nicht gefallen.

    So, für heute reicht es,
    liebe Grüße, Tari
     
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