"Benehmen" des Reanimationsteams

Dieses Thema im Forum "Intensiv- und Anästhesiepflege" wurde erstellt von Krawill, 11.07.2012.

  1. Krawill

    Krawill Newbie

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    Hallo,

    ich arbeite im Rahmen meiner Ausbildung vier Monate auf der Intensivstation und bin gerade in der ersten Woche. Es handelt sich um eine Station mit 19 1-2 Bettzimmern, in denen überwiegend chirurgische, kardiologische und innere Patienten liegen. Nahezu täglich gibt es reanimationspflichtige Patienten, entweder im Haus selbst oder als Notfall von Außen kommend. Eine Reanimation ist dort also keine Seltenheit (Ich weiß nicht wie es auf anderen Intensivstationen ist).
    Der Personalschlüssel ist (vermute ich) gut, durch viele Entlassungen gestern kamen heute morgen sogar nur 12 Patienten auf 12 Pflegekräfte, normal betreut eine Pflegekraft 1-3 Patienten. Zustzlich gibt es vier Stationsassistenten z.B. in der Frühschicht, die das Auffüllen der Zimmer, Bestellungen etc. übernehmen. Das Pflegepersonal ist eher jung, ein Großteil höchstens Mitte/Ende zwanzig.


    So.. nun zum eigentlichen Thema:

    angekündigte Pat., hochaltrig, Patientenverfügung unbekannt, während des Transport (quasi im Fahrstuhl des KH) Herzstillstand

    Ich will mich eigentlich kurz fassen.. finde aber so wirklich keine Worte, ich versuche es daher einfach mal mit .. Stichpunkten:

    - es wurde sich fast um die Herzdruckmassage "geprügelt", O-Ton: Ich will, ich will! / "Sei nicht so gierig" etc.
    - stellenweise wurde gekichert, gegiggelt, einfach blöde Kommentare gemacht
    - es gab niemanden, der genaue Anleitung gab, es wirkte insgesamt total unkoordiniert, wann welches Mittel (mit Zeiten) gegegeben wurde, konnte keiner sagen (es schaute niemand auf die Uhr) - und damti auch nicht, wann es wieder Zeit wurde, etwas zu geben..
    - teilweise war kein Azt im Raum (Reanimation erfolgte ca. 40 min), die Reanimation wurde auch schon mal (mir kams so vor) verwirrt unterbrochen mit der Frage, ja was nun? Keine langen Pausen aber bis 6 konnte ich mindestens LANGSAM zählen.
    - die ganze Zeit über war die Tür bis zum Anschlag auf. Natürlich ist das keine offene Station, aber die Besuchzeiten sind bis auf eine kleine Mittagspause sehr ausgedehnt, es konnte jeder (auf die völlig enkleidete Pat,) reinsehen.

    Fachlich kann ich überhaupt kein Urteil darüber abgeben, wie gut oder schlecth die Reanimation nun war. Aber das ganze Benehmen empfand ich als extrem .. befremdlich. Als ich "an der Reihe war" gab es keine Korrektur meiner Herzdruckmassage. Da ich das noch nie gemacht habe (was bekannt war) bin ich mir sicher, dass ich nicht 100% korrekt war- mir selbst ist im Nachhinein aufgefallen, dass ich völlig ungünstig stand.
    Schon den Vormittag sind mir 2-3 Pflegekräfte aufgefallen, die ständig den Hörer des (internen) Reanimationstelefon gestreichelt!!! haben mit den Worten: Ich wünsch mir eine Rea. Es war wirklich nicht viel los an dem Tag, zuviel Personal für zuviele Pat... aber ist so ein Verhalten wirklich normal?
    Ich bin völlig geschockt von dem Umgang der Pflegekräfte mit so einer Situation. Wie (tschuldigt den Ausdruck) geil ein paar wenige auf eine Reanimation waren/sind. Mir fehlt völlig das Verständnis dafür...

    Ist das vielleicht so üblich oder einfach eine Art Ventil? Ich weiß überhaupt nicht was ich darüber denken soll.

    Danke.
     
  2. Susi_Sonnenschein

    Susi_Sonnenschein Bereichsmoderatorin
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    Hallo Krawill,

    so eine Reanimation ist, gerade wenn man sie das erste Mal mitbekommt, eine Situation, die reflektiert werden sollte. Kannst du vielleicht mit einer Person, die heute dabei war, mal in einer ruhigen Situation nochmal besprechen (am Besten natürlich zeitnah). Dann kannst du auch erzählen, wie du die Situation empfunden hast.

    Ich kann nur von meiner Station sprechen - da kann es schon mal vorkommen, dass für Außenstehende vielleicht eine Situation "komisch" wirken kann und ich kann auch nicht ausschließen, dass einige der jüngeren Kollegen sich auch mal eine Rea "wünschen", allerdings bekommen wir eher von Schülern immer die gegenteiige Reaktion: sie empfinden, dass es für so eine Stress-Situaton sehr ruhig verläuft und so mancher Schüler hat auch gesagt, er dachte, da sei mehr "Action".

    Solche Sätze wie "Ich will, ich will" oder "Sei nicht so gierig" sollten jetzt nicht fallen, aber vielleicht war das auch ein Witz untereinander, der sich auf eine vorangegangen Situation bezog. Es kann auch sein, dass nicht immer der Algorythmus befolgt wird wie man ihn lehrt - aber das sind wie gesagt Dinge, die du am Besten mit den beteiligten Personen ansprichst. Weißt du, warum teilweise kein Arzt dabei war? Bei uns ist während der Reanimation immer ein Arzt anwesend.

    Ich wünsch dir jedenfalls, dass du die Situation nochmal reflektieren und dann vielleicht auch einiges besser nachvollziehen kannst!
     
  3. KrankenBro

    KrankenBro Junior-Mitglied

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    Hallo Krawill ,

    kommt mir dann doch sehr vertraut vor . In der Zeit wie ich jetz auf ITS bin habe ich ähnliches sehr oft mit erlebt, wenn auch nicht so verschärft wie in deinem Beispiel. Witze und Späße werden oft darüber gemacht . Wir haben sogar zwei Pflegekräfte die daraus ein "Spiel" gemacht haben , wer am Ende des Jahres mehr Reanimationen vollzogen hatt bekommt irgendetwas. Allerdings muss ich sagen das während der Reanimtion nichts mehr davon zu merken war , das Team und auch die beiden Kollegen arbeiten Hand in Hand und stehts professionell, solche Aussagen wie in deinem Beispiel während der REA kann ich aus eigener Erfahrung nicht bestätigen. Mein Mentor sagt mir immer : " Lass dich während der Rea nicht stressen , halt kurz Inne und überleg was zutun ist , der Pat ist schon "Tod" schlimmer kanns nich werden "... ob das nun pädagogisch wertvoll ist kann jeder für sich entscheiden , mir hatt es komischerweise immer geholfen wenn er dabei war.

    Die einzige Aussage die ich in der ganzen Zeit ziemlich Banana fand war ein Kommentar vom begleitenden Arzt welcher laut auf Station sagt : " Wo muss denn hier einer wiederbelebt werden ? " im beisein von Pat. und Angehörigen...

    Es könnte schon eine Art Ventil darstellen , über den Tod wird ja im Krankenhaus auch oft genug ziemlich locker gesprochen , mit Witzen und schwarzen Humor . Solange man die Aussagen nicht wirklich 100%ig vertritt und sich in Umgebung von Pat. und Angehörigen professionell verhält und sich solche Kommentare verkneift , denke ich ist das ganze nicht verwerflich .

    Allerdings kann ich wie gesagt nur aus eigenen Erlebnissen sprechen , deine Besipiel find ich dann doch schon ziemlich krass.
     
  4. Spiky

    Spiky Junior-Mitglied

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    Das kommt mir von früher auch noch sehr bekannt vor.Das ist für manche sowas wie ein Adrenalinkick.Besonders für die jüngeren Kollegen war es dann auch sowas wie ,"habe genug Rea s hinter mir.Mich schockt nichts mehr".So ne Jagd nach Punkten..Wenn die Abläufe dann aber richtig sind?!
     
  5. bisauf

    bisauf Gast

    Mir kommt das Verhalten der Kollegen unprofessionell vor. Wahrscheinlich zu viele coole Krankenhausserien gesehen und zu wenig in das Buch geschaut.
    Bie uns herrscht ziemliche Ruhe während der Reanimation. Die Rollen sind klar verteilt. Eine Uhr läuft mit. Wann welches Medikament von wem gegeben wird, wann defibrilliert werden muss und von wem, ist klar und wird vorher geübt. die Dokumentation läuft parallel. Der Zeitpunkt, an dem die Reanimation beendet wird, wird gemeinsam besprochen und gemeinsam beschlossen.
    Natürlich sind die jüngeren Kollegen oft sehr nervös. Das legt sich aber meist schnell. Eine koordinierte Reanimation ist eine Situation, die durchaus beherrschbar ist.
    Coole Sprüche zur falschen Zeit sind nach meiner Meinung ein Zeichen für eine gewisse Unreife und sollten hinterher mal besprochen werden.
    Vielleicht solltest Du mal fragen, wie oft die Reanimation theoretisch durchgesprochen und geübt wird auf der Station. Und vielleicht könntest Du mal beim Training mitmachen. Das gibt Sicherheit.

    Wie man aber auf Reanimationen scharf sein kann, ist mir ein Rätsel. Man ist doch in einer sehr unerfreulichen Situation. Da stirbt ein Mensch und in vielen Fällen kann man es nicht aufhalten. Vielleicht liegt die Coolness der Kollegen daran, dass sie hinterher nicht mit den Angehörigen sprechen müssen. Wäre eine gute Methode um die Freude am Leid der anderen zu dämpfen.
     
  6. BettyBoo

    BettyBoo Poweruser

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    Für mich liest sich das auch unprofessionell und abgestumpft in höchstem Maße.
    Wo bleibt denn hier der Respekt vor dem Menschen?
    Der da liegt und, wenn er Pech hat, das alles mitkriegt?
    Ich würde mir da ein schöneres Ende wünschen.
     
  7. squaw

    squaw Poweruser

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    Ich gehe ich ganz knallhart von einer deutlich zu bemerkenden Verrohung der Sitten aus. Da solche Themen immer häufiger und auch hier im Forum diskutiert werden, kann einem Angst und Bange werden. Und ich bin auch nicht der Meinung, daß man den oder die Leute, die sich so benehmen, nur vorsichtig selber ansprechen sollte (erst recht nicht Schüler!) , warum sie sowas machen, sondern da gehört klar das obere Management mit hinein.
     
  8. Bea1

    Bea1 Newbie

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    ich finde das höchst befremdlich! jetzt mal ehrlich, das ist doch respektlos dem patienten gegenüber! auch das du nicht verbessert wurdest, obwohl du zum ersten mal eine herzdruckmassage gemacht hast, finde ich unprofessionell. wenn das deren ventil ist, kann man ja nur hoffen, niemals in so eine situation zu geraten :x
     
  9. Spiky

    Spiky Junior-Mitglied

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    ich denke mal,das sehr wohl eine innere Verrohung als Schutzfunktion der Seele eine Rolle spielt.Ich hatte meine erste REA damals auf einem RTW.Schwere Massenkarambolage.Werde ich nie vergessen.Dabei war ein Kind gestorben.Nach der Sache ist man erst mal gemütlich Mittagessen gefahren und hat über das nächste Wochenende geredet.Ich war da noch "Frischwurst":Hatte gerade meine Ausbildung beendet.Sollte eigentlich eine Patientin mit abholen.Man hatte gemerkt,das es wirklich ein eigespieltes Team war.Mir zitterten abends noch die Hände.Danach kamen noch einige REAs hinzu.Allerdings keine mehr mi Kindern.Das war schon arg.:wut:
     
  10. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Findet ihr so eine Entwicklung net befremdlich? Wobei zwischen Verrohung der Sprache á öa Post 1 und einem anschließenden gemütlichen Mittagessen wohl ein gravierender Unterscheid bestehen dürfte. Manchmal ist das Reden übers WE eine erste Möglichkeit wenigstens erst mal Distanz zu schaffen.

    Das bei deinem Erlebnis hinterher Gesprächsbedarf besteht, steht außer Frage. Net umsonst gibt es ja mittlerweile die psychologische "Erste Hilfe" bei schwer traumatisierenden Erlebnissen. Man muss sie nur einfordern. Und damit tut so mancher sich schwer. Hilfe suchen gilt auch heute noch als Schwäche. Dabei zeugt das Eingeständnis, dass man Hilfe braucht, von großer Stärke.

    Elisabeth
     
  11. Spiky

    Spiky Junior-Mitglied

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    genau so ist es .Man könnte ja Schwäche zeigen.Also funktioniert man dann teilweise wie eine Maschine.
     
  12. ZNA-Öse

    ZNA-Öse Poweruser

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    Na ich weiß nich,Elisabeth...daß dumme Sprüche und scheinbar flegelhaftes,unprofessionelles Verhalten nun wirklich ne unwillkürliche Schutzfunktion darstellen,um selber nich "durchzudrehen",dürfte doch hinlänglich bekannt sein,da muß man nich gleich mit professioneller Psych.-Hilfe kommen. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen,daß dieses "dicke Fell" zum Teil mühsam antrainiert werden muß,bei anderen gehts von selbst und wieder andere zerbrechen gleich. Ne Rea is immer ne Notfallsituation,die auch mit dem noch so perfektesten Mega-Code-Training ganz schnell aus dem Ruder laufen kann,so daß nur noch die allernotwendigsten Grundregeln eingehalten werden,wie z.B. das Mitzählen der Adrenalinampullen usw. Ich würde mir hier gerade als "Frischling" kein Urteil erlauben,denn wie man selbst im Rea-Fall arbeitet,kann man so nicht beurteilen. Also Füße stillhalten,denk ich...
     
  13. Spiky

    Spiky Junior-Mitglied

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    Also um noch mal aus eigener Erfahrung anzuschließen.Ich habe selbst 3Jahre im Rea-Team mitgemacht.Und auch von meiner Seite kann ich nur anschließen.Man baut eine Mauer auf.Und die "dummen Sprüche"waren auch in meinen Augen eine innere Schutzfunktion.Man kann nicht ständig zu seiner Chefin rennen und nach Psychobetreuung schreien.Dann bekommt man schnell als Antwort,das man hier falsch ist.Ich selbst habe gemerkt,das besonders Kinderreanimationen mich an meine Grenzen gebracht haben.Ich bin ja nun einige Jahre da raus.Aber ich habe ordentlich Lehrgeld gezahlt und ich ziehe immer noch den Hut vor denen ,welche das weiter voll durchziehen.:up:
     
  14. Miss Sabine

    Miss Sabine Newbie

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    Hello Everybody,

    Stressituation hin oder her, dieses Verhalten ist 100% unprofessionell. Würde ich so eine Show hier in England abziehen, god knows what would happen?

    Ich würde an Deiner Stelle nochmals zur Staionsleitung/Abteilunsgleitung gehen und mit ihr/ihm sprechen. Dem Anschein nach hat Dich das ganz schön fertig gemacht.... ich wäre auch neben der Spur (auch nach 18 Jahren Nursing).

    Sprich mit jemandem von der Intensiv Station, denn manchmal sehen Leute von 'ausserhalb' mehr als diejenigen, die in diesem System verfangen sind.

    All the best - Sabine :up:
     
  15. Valnir

    Valnir Junior-Mitglied

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    Sers,

    da ich nicht dabei war, kann ich die Situation weder adäquat einschätzen noch sagen ob das eine unprofessionele Reanimation war. (Schöner lang gebeteter Inhalt)
    Natürlich gibt es einen Algorhythmus für die Gabe von Medikamenten. Die Leitlinien sehen hier allerdings nur Supra und Cordarex vor. Anderen Medikamente werden bzw. können ohne festen Zeitintervall und nach Bedarf gegeben werden.

    Ich kenne es selbst, daß man durchaus witzelt und hier und da sicher auch mal guter Laune ist, trotz Dramatik der Situation bei einer Reanimation. Hier kommt es meiner Meinung nach auf die Dosis an. Jeder Witz, jede Komik und jeder blöde Kommentar darf unter keinen Umständen die Abläufe behindern und die Konzentration stören.


    Fakt ist daß eine Unterbrechung nicht länger als 10 Sekunden dauern darf und es möglichst wenig Unterbrechungen geben sollte.
    Die Thoraxkompression bleibt unangestatet und muss auch höchster Qualität erfolgen. Daß man Auszubildende nicht korrigiert ist sehr selten, denn so simpel es erscheint, eine qualitativ hochwertige Thoraxkompression ist nicht einfach.
    Wo hat sicher der Arzt denn hinverkrümelt?

    Krawill, wenn dir die Situation so komisch und suspekt vorkam, such ruhig das Gespräch mit deiner Anleitenden Kraft bzw. einer Pflegekraft deines Vertrauens. Vielleicht kann man das ganze evaluieren und dir die Gründe für diverse Punkte nennen. (Was man tut muss man begründen können, was man nicht fundiert begründen kann lässt man lieber bleiben)
    Und es gibt Kollegen die ungemein geil auf Reanimationen sind. Ich persönlich mache sie nicht ungern bzw. emfpinde sie nicht als unangenehmes Ereigniss. Aber ich kann dir auch nicht sagen was hinter dem Drang das Telefons treichelnd den Wunsch nach einer CPR zu äußern steht. Jedenfalls nichts Gutes wenn man dann nicht in der Lage ist diese adäquat und professionell abzuarbeiten.

    Lg
    Val
     
  16. Krawill

    Krawill Newbie

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    Hallo,
    ersteinmal vielen lieben Dank, für die Antworten und Berichte.
    Mittlerweile war mein letzter Tag auf der Intensivstation und ich bin immer noch dabei den Einsatz samt Abschlußgespräch zu überdenken *seufz*.

    Durchgängig war ich nicht die ganze Zeit auf der Station. Drei Wochen Urlaub und insgesamt 2 Wochen "Verleih" auf andere Stationen unterbrachen meine Lehrzeit auf der Intensiv öfters. Unter dem Strich blieben mir aber 6-7 Wochen Früh-, Mittel,- Spät- und Nachtdienste - so dass ich (denke ich) einen guten Einblick bekommen habe.

    Eine solche Rea wie die erste habe ich nie wieder erlebt- zum Glück. Dafür deutliche Unterschiede wie eine Rea abläuft je nach Personal, Arzt und ganz besonders Zustand des Pat. In meinem genannten Beispiel auf der ersten Seite war es eine 95 jährige Pat. aus einem Altersheim mit einer (nicht vorliegenden oder bekannten) Patientenverfügung die bereits von der Feuerwehr mind. 45min reanimiert wurde, die Werte insg. sehr schlecht waren und sich.. nun gar nix tat. Trotzdem für mich heute immer noch keine Entschuldigung für ein solches Verhalten aber ich bin wahrscheinlich einfach überkorrekt.

    Ich durfte sehr viel lernen und bin froh, dass ich dort sein durfte. Andererseits bin ich aber auch sehr frustriert. Ich hatte die letzten 4-5 Wochen (als die Sommerzeit vorbei war) 2-3 "eigene" Pat, darunter 1-2 beatmete oder Pat. im Weaning, einige Male auch Pat. mit (Langzeit-) Dialyse, Kühlung, AnaConda.. das volle und breite Intensivprogramm.
    Natürlich immer mit jemandem der mir gut auf die Finger schaute und selber dann nur max. einen Pat. hatte. Vieles durfte oder/und wollte ich nicht alleine, sondern nur unter Rücksprache oder Aufsicht meiner (fast immer identisch bleibenden) Praxisanleiterin, die dann natürlich auch die Zeit für mich hatte.
    Das Motto war (im Gegensatz zu vielen normalen Stationen): wie sollst du was lernen, wenn du es nicht "darfst" - immer fragen, immer Rückversichern und dann machen. Ein paar Geräteschulungen von Gerätevertretern durfte ich auch gleich mitnehmen. Manchmal ging ich richtig zufrieden nach Hause, weil ich so vieles gut hinbekommen habe.. oft eben aber nicht.

    Meistens bekam ich zu hören: du bist zu langsam, zu unstrukturiert, die Prioritäten passen nicht, das passte nicht.. das nicht.. das war gut.. das zu genau, das wieder zu ungenau. In der Regel konnte ich dem nur zustimmen.. nicht immer, aber das ist ja auch manchmal Ansichtssache.

    Eigentlich.. eigentlich ist meine prakt. Prüfung in 1,5 Jahren auf der Intensiv schon geplant. Nur wurde mir im Abschlußgespräch gesagt, dass davon ganz stark abgeraten wird, weil ich in den Bereich nicht gesehen werdeund das Examen gewaltig in die Hose gehen könnte. In Krisensitutaionen bin ich in Dingen die ich eigtl bereits aus dem EffEff können müsste viel zu langsam.... und auch da kann ich fast nur wieder zu stimmen. Ich habe mich glaube noch nie auf einer Station so unfähig gefühlt wie dort, habe zum ersten Mal kurze Momente der Überforderung verspürt und noch nie eine so schlechte Beurteilung bekommen. Trotzdem war ich persönlich mit vielen Dingen aber auch zufrieden, es gab richtig gute.. und eben auch schlechte Tage.

    Ich wollte keinen Roman daraus machen. Nur eine Rückmeldung, was aus dem Einsatz eigetl. geworden ist. Ich bin mir persönlich nicht so sicher, ob Intensiv so gar nichts für mich ist. Aber ich bin mir ganz sicher, dass eine 26 Betten-Intensiv mit über 60 Pflegekräften auf keinen Fall etwas für ist.

    LG
    Krawill
     
  17. narde2003

    narde2003 Board-Moderation
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    Eine solch grosse Intensivstation ist immer eine Herausforderung. Ein Einsatz auf Intensiv in der Mitte des 2. Jahres, da kann ich noch keine grossen Ansprüche an den Schüler stellen.
    Von einer praktischen Abschlussprüfung auf Intensiv würde ich dir aber auch so abraten, du bist deinen KurskollegInnen nämlich gewaltig benachteiligt. Du bekommst auch 2 - 4 Patienten, nur dass deine deutlich "kränker" und dadurch aufwändiger sind.

    Wir haben ein Einarbeitungskonzept für neue MA und jemand ohne Intensiverfahrung bekommt nicht gleich 1-2 beatmete Patienten und Schüler erst recht nicht. Wobei Beatmung nicht gleich Beatmung ist.
    Der Sinn des Intensiveinsatzes ist nicht, dich als neuen MA einzuarbeiten, sondern dich in diesen Bereich "reinschnuppern" zu lassen. Du sollst ja erstmal die Basic's lernen und keinen MA ersetzen.

    Sollte dein Ziel sein, jemals auf Intensiv zu arbeiten, dann ist sicher eine "überschaubare" Intensiv für den Anfang einfacher für dich.
     
  18. Phoenix79

    Phoenix79 Gast

    Ich kann nicht verstehen, wie sich sowas jemand anmaßen kann. In 1,5 Jahren kann sich soviel verändern. Du lernst noch soviel mehr, wirst routinierter, sicherer, strukturierter. Man kann doch von dir nicht erwarten, dass du nach knapp zwei Monaten auf Intensiv alles aus dem EffEff kannst. Bei vielen Dingen kennst du doch die Zusammenhänge noch gar nicht. Du hattest noch gar keine Möglichkeit, deinen eigenen Rhythmus, deine eigene Herangehensweise an die Dinge zu lernen. Bei uns beträgt die Einarbeitung für einen neues Schwester (die das Examen und Berufserfahrung schon hat) mindestens 6 Monate, da ist diese Kollegin zusätzlich da und läuft mit. Man kann doch nicht von dir als Schüler erwarten das du nach ein paar Wochen den Durchblick hast, wenn das nicht mal eine examinierte nach dieser kurzen Zeit hätte.

    Lass dich bitte nicht verunsichern, wenn du gern auf ITS Examen machen möchtest, dann tu das. Leider gibt es oft Kollegen (ich habe leider auch solche), die sich für Besser als alle Anderen halten, nur weil sie auf Intensiv arbeiten und das dann auch den Schülern und anderen Kollegen so vermitteln. Meiner Meinung nach, sind alle gleich. ich könnt auch nicht mal so eben schnell in der Notaufnahme, auf Chirurgie oder auf der Inneren arbeiten und schon gar nicht bin ich etwas besseres, nur weil ich auf einer ITS arbeite. Wir kochen alle nur mit Wasser.
     
  19. Elisabeth Dinse

    Elisabeth Dinse Poweruser

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    Wenn einem von vornherein schon solche Ablehnung signalisiert wird- warum dann das Risiko eingehen, dass man bei der Abschlussprüfung, auf die es ja schlussendlich ankommt, schlechter abschneidet als man sich wünscht? Nach dem Abschluss stehen einem alle Türen offen, vorausgesetzt, man hat ein gutes Zeugnis vorzuweisen.

    Elisabeth
     
  20. Phoenix79

    Phoenix79 Gast

    Das Examen wird doch net vom Team der ITS abgenommen, sondern von den Prüfern. Bei mir waren damals die Schulschwester, meine Mentorin und die Schulleiterin anwesend. Von der station ist beim praktischen Examen niemand mitgelaufen. Auch auf der IT auf der ich jetzt bin ist es so, dass wir nicht beim Examen mitlaufen, dazu haben wir gar nicht die Zeit.
     
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