Beleidigte Kollegen, weil ich es richtig machen möchte

Dieses Thema im Forum "Außerklinische Intensivpflege" wurde erstellt von Barotrauma, 22.03.2012.

  1. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    Hallo zusammen.

    Wie würdet ihr Euch verhalten, wenn ihr in einem Taem arbeiten würdet, in dem viele Sachen fachlich nicht richtig laufen ihr wissentlich Sachen machen sollt, die falsch und evtl. sogar strafbar sind?

    Vor kurzem hatte ich zum Beispiel eine Diskussion mit der Teamleitung. Ich sollte die Evaluation der Pflegeplanung und der ganzen Skalen (Sturzrisiko, Dekubitus, freiheitsentziehende Maßnahmen BtM) machen. Da die monatlich gemacht werden, sollte ich die Evaluation rückdatieren auf den 19. - ich habe das abgelehnt, da ich 1. keine Evaluation auf den 19. schreibe, die ich am 21. mache und zweitens an diesem Tag auch Urlaub hatte. Mein Argument, dass dies dann Dokumentenfälschung sei, wurde mit "Wir machen das schon immer so" und "was glaubst du wem das auffällt" kommentiert. Mein Einwand, dass es dem MDK durchaus auffallen würde, wurde mit "die lassen wir sowieso nicht rein" beantwortet (war ja schon der Fall; MDK stand vor der Tür, aber Tochter des Patienten ließ ihn nicht rein und so mussten sie wieder gehen).
    Ähnlich verhält es sich beim Windelwechsel: Sechs mal am Tag wird ein Ww abgezeichnet, aber findet nur viermal statt (zwei mal ist es nur das entfernen der Vorlage aus der Windel und dafür gibt es ja eine Extraspalte, die aber nicht abgezeichnet wird).
    Das sind nur zwei Beispiele von vielen. Da ich mich bei beiden Sachen weigere, falsch zu dokumentieren, herrscht natürlich jetzt dicke Luft.

    Mit der Unterstützung durch die PDL brauche ich nicht zu rechnen, da sie erstens keinerlei Durchsetzungsvermögen hat und zweitens nach dem Motto arbeitet: "Je weniger ich mich einmische/kümmere um so weniger Stress und Arbeit habe ich.

    Bisher war es immer schön da zu arbeiten, aber seit es aufgefallen ist, dass ich so dokumentiere wie ich es auch mache, ist Drama angesagt und ich muss mir dann ständig irgendwelche Seitenhiebe alla "Na dann mach du das doch, du bist doch immer so oberschlau" "Na dann frag doch mal *** die weiß doch immer alles ..."
    Ich habe niemandem jemals vorgeschrieben, wie er was zu machen hat, sondern habe mich dafür gerechtfertigt (rechtfertigen müssen), dass ich mich nicht strafbar machen will.

    Ich weiß manchmal nicht wie ich mich verhalten soll und auch nicht wie ich diese blöden Seitenhiebe oder diese Argumentationen, dass es ja sowieso nie jemand mitkriegt, kommentieren soll und komm mir dann einfach nur blöde vor, weil mir die Argumente ausgehen und das obwohl ich schon denke, dass ich im Recht bin.
     
  2. Hypertone_Krise

    Hypertone_Krise Poweruser

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    Ich kann so gut nachvollziehen, was in Dir vorgeht. Zweimal wurde ich aus der Probezeit nicht übernommen, weil ich einfach zu unbequem war mit dem Anspruch, korrekt und im Rahmen der legitimen Möglichkeiten zu arbeiten, einmal sogar einen Tag vor Heilig Abend entlassen. Nicht weil ich Mist gebaut sondern weil ich mich geweigert habe, Mist zu bauen...Ist es ein Trost für Dich, dass es auch Arbeitgeber, bzw. Leitungen gibt, die Wert auf Deine Haltung legen? Denn dem ist so- bitte glaub mir das!

    Und nochwas: Die Kollegen sind nicht beleidigt- sie fürchten lediglich den Spiegel, den Du ihnen mit Deiner Haltung ( ohne es zu wollen ) vorhälst...
     
  3. waescheleine

    waescheleine Newbie

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    Was von Dir verlangt wird ist 1.falsche Dokumentation und 2. nicht erbrachte Leistungen werden abgerechnet. Das ist Betrug und strafbar. Mit Deinem Handzeichen, was ja Deine Unterschrift ist, haftest Du für alles was Du dokumentierst. Auch ich lehne solches Handeln ab, was leider öfter vorkommt, als man denkt, aber es gibt auch ordentliche Arbeitgeber.
     
  4. hypurg

    hypurg Poweruser

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    Mal ganz realistisch gesehen ist die PDL aber Deine einzige Chance, wenn dieses Problem im Team aufgearbeitet werden soll.

    Es gibt einen Unterschied zwischen diesen Mitarbeitern und Dir. Und der wird sich in ein paar Jahren bemerkbar machen, wenn Du deinen Weg gehst. Da würde ich mich umkrempeln lassen, nur im angepaßt (und integriert) zu sein. Wenn sich jeder anpaßt ändert sich auch nie was.

    Allerdings liegt mir auch was an Deinem Seelenheil. Wenn sich der Konflikt nicht konstruktiv mit Hilfe der PDL lösen läßt, dann suche Dir eine Stelle, bei der du dir deine kritische Haltung bewahren kannst. Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Wenn Du etwas ändern möchtest, brauchst den Rückhalt von "oben". Das würde ich schon ansprechen, wie es Dir mit der Situation persönlich ergeht.


    LG
    hype

    PS.: Im Übrigen mußte ich vor einigen Jahren das auch erleben. Heute empfinde ich es als Fehler, daß ich mich dann wirklich zwei Jahre aufgerieben habe mit Rechtfertigungen, Erklärungen usw... und dabei habe ich auch von niemandem erwartet, daß er es so macht wie ich.
    Aber alle Energie umsonst verschwendet damals, kann man sich echt sparen.
     
  5. BamBamsche

    BamBamsche Poweruser

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    Hallo

    Deine Kollegen verlangen von dir schlichtweg eine Dokumentenfälschung. Ich frag mich nur, was so schlimm daran ist, wenn du diese Evaluation jetzt eben am 21. statt am 19. machst. Es sind doch keine Tage festgeschrieben, mit welchem Abstand man es machen muss oder? 1 mal im Monat ist eine große Zeitspanne. Wenn du das am 21. machst, dann schreibst du auch den 21. Wenn das deinen Kollegen nicht passt, sollen sie es eben selber machen....am 19.! Und genau so würde ich das denen auch sagen.
    Ich weiss ja nicht, von was die Kollegen so träumen, aber der MDK prüft nicht nur direkt am Pat. Er prüft genauso die Unterlagen! Und die Leute die dort arbeiten sind auch nicht doof. Die finden auch solche Sachen. Glaub mir, da red ich aus Erfahrung!
    Und für falsch dokumentierte Sachen, bist du verantwortlich, wenn du es unterschreibst. Und somit würde ich an deiner Stelle ganz klar zu den Kollegen sagen: Wenn ihr euch strafbar machen wollt, wenn ihr Stress haben wollt, euer Problem. Ich wills nicht und deswegen dokumentiere ich koreckt.
    Im übrigen, jeden Tag 6 mal Windelwechsel...das muss doch auch auffallen. Die Pat. brauchen doch nicht jeden Tag gleich viele Windeln. Mal mehr mal weniger, mal urinieren sie mehr, oder haben mal Durchfall oder was weiss ich.
    Wenn deine Kollegen dich als oberschlau betiteln, dann sind sie einfach nur neidisch, weil du dein Ding durchziehst und stark genug dazu bist. Sie nicht. Sie sind zu feige und rennen eben mit. Sowas würde ich nur mit einem müden lächeln oder einem: neidisch? kommentieren. Es mag dich im ersten Moment verletzen, aber mach dir bitte klar, dass das Benehmen deiner Kollegen 1. lächerlich ist, 2. auf Neid zurück zu führen ist.
    Bleib wie du bist und zieh dein Ding weiter durch. Wenns die PDL nicht interessiert, kannst du es auch nicht ändern. Dann wird die PDL im Ernstfall eben auch ihren Kopf hinhalten müssen. Aber wenn du immer richtig dokumentierst, bist du fein raus und kannst dann, wenn mal was kommt, deine Kollegen auslachen und sagen: Tja, Frau Oberschlau ist raus aus der Sache :-)
     
  6. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    Erst mal vielen Dank für euren Zuspruch, der mir auch zeigt, dass nicht ich es bin, die sich falsch verhält. Manchmal wünsche ich mir regelrecht, der MDK käme mal vorbei bzw. würde dann wenigstens die Herausgabe der Doku verlangen, denn beim letzten Mal sind sie ja unverrichteter Dinge wiedergegangen, als sie nicht rein durften.
    Einen Arbeitsstellenwechsel strebe ich schon länger an, nur habe ich das Problem, dass ich gerne in der Heimbeatmung bleiben würde, es aber in meiner Umgebung nur noch zwei andere Intensivpflegedienste gibt und die sind noch schlimmer als der wo ich momentan bin. Ich hab jetzt schon mehrere Kollegen aus anderen Team's gesprochen, die gekündigt hatten, nacheinander bei beiden gearbeitet haben und dann wiederkamen.
     
  7. Kalimera

    Kalimera Poweruser

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    Vielleicht hilft es anders zu argumentieren. Auch wenn Du im Recht bist hat Deine Argumentation einen bitteren Beigeschmack und lässt Dich dadurch so wirken wie Deine Kollegen es Dir wiederspiegeln.
    Versteh mich nicht falsch, natürlich sollst Du korrekt handeln. Das ist die eine Seite, evtl. kommt bei Dir zu sehr bei den Kolegen an, dass diese eben nicht korrekt handeln, wenn dann dazu noch das Gefühl kommt, dass Du auf Dein Recht pochst, dann wird das Verhalten Deiner Kollegen ganz schnell so, wie Du es z.Z. empfindest.
    Niemand mag es ständig durch irgendeine Handlungsweise des anderen auf eigene Unzulänglichkeiten hingeweisen zu werden.
    V ielleicht hilft es ja Dein Verhalten diesbzgl. zu reflektieren und dann in Ruhe so zu arbeiten und dokumentieren, wie es korrekt ist.
     
  8. BamBamsche

    BamBamsche Poweruser

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    Und wie sollte man dann argumentieren? Nennen mal Beispiele! Soll Barotrauma zu den Kollegen sagen: Ja, natürlich weiss ich dass ihr das schon immer so macht aber ich würde es gern bitte ändern, da es so nicht koreckt ist. Könnten wir das nicht evtl vielleicht...
    Bei so Kollegen die wegen sowas dermaßen Sprüche klopfen, kommst du mit gutem Zureden nicht mehr weit. Und ich glaube, so wie ich das aus dem Beitrag rauslese, ist das nicht das erste mal gewesen, das sowas vorkam. In dem Fall würde ich auch schlichtweg mit der harten Wahrheit kommen. Es IST Dokumentenfälschung. Fertig. Vielleicht lernen es die Kollegen ja dann.
     
  9. Kalimera

    Kalimera Poweruser

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    Als Argumentation reicht m.E. zu sagen, dass man korrekt handelt/dokumentiert und eben keine Dokumentenfälschung macht. Muss ich dabei auf MDK, Gesetze...ect. hinweisen. Ich bin sicher, die anderen wissen genau was sie machen, nur das müssen eben auch die ANDEREN verantworten, jeder selbst für sich.

    Ich kann doch korrekt handeln/dokumentieren uns muss dennoch nicht den Anspruch haben, dies auch den anderen beizubringen. Diese AUfgabe hat in diesem Fall ganz klar die PDL und wenn diese ihrer AUfgabe nicht nachkommt ist es deren Problem. Wenn diese möchte, dass ich etwas an einem Datum dokumentiere, wo ich nicht mal anwesend war würde ich ihr erklären warum und klar äußern, dass ich es ablehne.

    Was ich meine ist genau zu überlegen was man zu seinem Problem macht und wie ich mein eigenes Handeln rüberbringe.

    Es gibt viele Arten anderen zu sagen, dass sie etwas falsch machen, etwas ändern müssen...ect. Es steht jedem frei welche Art und Weise er ändert, mit den entsprechenden Reaktionen muss ja auch jeder selbst klar kommen. Und die paar Unverbesserlichen, die nur doof sind kann man meist ignorieren nach meinen Erfahrungen.
     
  10. BamBamsche

    BamBamsche Poweruser

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    Ich denke schon, das Barotrauma auch erstmal den Weg versucht hat, den du hier vorschlägst. Aber wenn halt alles nichts hilft, wird man auch mal deutlicher. Im endeffekt muss das jeder für sich entscheiden, ob er solche Grenzen überschreitet, da hast du recht. Und ich denke auch dass die Kollegen alle wissen, was sie da machen.
    Es ist halt auch schwer, so Leute zu ignorieren, wenn man beleidigt wird, obwohl man genau weiss das es richtig ist was man macht.
     
  11. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    Ja, muss ich, wenn ich bei meinem Hinweis zur Antwort bekomme, dass es okay ist weil es immer so gemacht wird und das es sowieso nie jemand mitkriegt.
     
  12. habenmuss

    habenmuss Newbie

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    Warum sollen die Anderen denn nicht einfach so weitermachen dürfen ??

    Ich halte es so wie ICH es verantworten kann und so wie es sein muss. Mittlerweile bin ich es leid andere Menschen auf ihre Unzulänglichkeiten hinzuweisen, ich ignoriere sie einfach nachdem ich mehrmals darauf hingewiesen habe. Ich fälsche keine Dokumente und zeichne nichts ab was ich nicht gemacht habe ... Punkt ... Es weiss jeder, viele stören sich dran aber ich kann ruhigen Gewissens sagen dass ICH damit leben kann.
    Was bleibt sind natürlich die dummen Sprüche aber die stören mich nicht. Ab und an kommt es sogar vor, dass alleine das ständige "Vormachen" dazu führt, dass Andere die Dinge so übernehmen und letztendlich alles korrekt ist.
     
  13. Barotrauma

    Barotrauma Gast

    ich habe dieses Unternehmen schon vor fast einem Jahr verlassen, weil es dort keinerlei Aussichten für mich gab, Teamleitung oder gar Pflegedienstleitung zu werden und ich wollte nicht meine Energie, Zeit und Weiterbildung an ein Unternehmen verschwenden, dem alles egal ist (allen voran die Mitarbeiter.
     
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