Behindert fehlende Differenzierung zw. den Aufgaben von KPH u. GuKP die Professionalisierung?

Dieses Thema im Forum "Diskussionen zur Berufspolitik" wurde erstellt von hartwig, 29.07.2008.

  1. hartwig

    hartwig Stammgast

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    Professionalisierung ist mittlerweile zu einem strapazierter Begriff in der Pflege geworden. Legt man gängige Definitionen des Wortes Profession zugrunde ist Pflege nur eine Semiprofession mit geringen Chancen, sich weiter zu entwickeln. Eine übliche Forderung ein eine Profession ist ein exklusives Handlungskompetenzmonopol sowie die Autonomie bei der Berufsausübung (Fach- und Sachautorität). Nach wie vor gibt es keine Aufgaben, die exklusiv dem Pflegepersonal vorbehalten sind, eine Autonomie ist nur in Ansätzen vorhanden und teilweise von Pflegekräften auch nicht erwünscht und wird mit dem Hinweis, dass sie nicht noch mehr Verantwortung übernehmen wollen abgelehnt.
    Meine Frage: Welche Rolle spielt die fehlende Differenzierung der Aufgabenverteilung zwischen Krankenpflegehelfern und Krankenschwestern/-pflegern im Professialisierungsprozess?

    Ich arbeite in Frankreich und dort gibt es, wie in fast allen europäischen Ländern eine Trennung zwischen den beiden Berufen. In Frankreich gibt es die aide soignant, die die Grundpflege ausübt, Betten macht, Essen verteilt, Botendienste übernimmt und sonstige Helferaufgaben hat, und die infimiere, die sich um Prophylaxen, Behandlungspflege, Beratung und Anleitung (ist in Frankreich sehr viel ausgeprägter als in Deutschland, administrative Aufgaben kümmert und erweiterte ärztliche Tâtigkeiten übernimmt. Die Aufgaben sind klar gesetzlich festgelegt und eine Krankenschwester in Frankreich würde nur in absoluten Notfällen eine Grundpflege übernehmen oder das Essen anreichen. Wenn ich in Diskussionen das deutsche System vorstellen, stosse ich oft auf Unverständnis.
    Vergleicht man die Positionen der Krankenschwester in Frankreich und Deutschland, fällt auf, dass nicht nur der soziale Status höher ist,sondern, dass man der Krankenschwester in Frankreich auch höhere fachliche Kompetenzen zuerkennt. Beispielsweise ist es in Frankreich möglich, nach einer gewissen Berufserfahrung, eine eigene Praxis zu gründen und dort z.B. im Bereich der Ernährungs- und Diabetesberatung, Inkontinez, Wundversorgung, chronischer Schmerz oder âhnlichem zu arbeiten. Die Krankenschwester/der Krankenpfleger ist dort im hohen Masse als Beratungskraft gesellschaftlich akzeptiert.
    Meine Hypothese: Diese Akzeptanz kann nur durch eine konsequente Arbeitsteilung und Delegation weniger qualifizierte Aufgaben an die Helfer erreicht werden. Dafür sprechen meiner Ansicht nach zwei Gründe: Zum einen bleibt dadurch mehr Zeit, sich Aufgaben wie Beratung, Pflegediagnostik und Assessment und Pflegetherapien zu widmen und sich dort weiterzuqualifizieren und eigenes Wissen aufzubauen, was eine wichtige Voraussetzung zur Professionalisierung ist, zum zweiten wird dadaurch das Berufsbild des Krankenpflegers in der Öffentlichkeit weiter an Profil gewinnen. Nach wie vor ist in Deutschland in der Öffentlichkeit das Bild der idealisierten, selbstaufopfernen und dienende Krankenschwester oder das der Krankenschwester als attraktive sexuelle Beute weit verbreitet. In der Allgemeinheit ist das Bild der Patienten waschenden und fütternden Schwester verankert. Diese Aufgaben verbindet man nicht mit besonderer Qualifikation. Solange dieses Bild noch in den Köpfen der Menschen ist, wird es schwer sein, die Professialisierung voran zu bringen. Wenn die Menschen einen Beruf hauptsächlich mit waschen, füttern und Betten machen verbinden, werden sie Angehörige diese Berufes als Berater in komplexen Lebenssituationen nicht akzeptieren. Will sich Krankenpflege emanzipieren, muss sie sich von Aufgaben geringere Qualifikation trennen und diese an Berufe mit niedrigere Ausbildungsstufe deligieren. Soweit meine These.
    Was ist eure Meinung, behindert die nicht vorhandene Differenzierung der Tätigkeiten gemäss dem Ausbildungsniveau die Professialisierung?

    Gruss Hartwig
     
  2. *bina*

    *bina* Junior-Mitglied

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    Hallo Hartwig!:-)

    Ich bin APH (1jährige Ausbildung mit Examen).

    Meine Tätigkeiten bestehen aus Grundpflege, Essen anreichen, Vitalwerte kontrollieren, Toilettengänge durchführen, trockene Verbände machen und auch mal eine Wunde spülen. Bei grösseren VW oder z.B. beim DK legen assestiere ich. Ich Dokumentiere meine Arbeit und schreibe Übergabeberichte.

    Diese ganzen Tätigkeiten machen unsere 3-jährigen aber auch. Es gibt bei uns keine Tätigkeit die die Helferin machen muss, die Fachkraft aber nicht.
    Ich mache nur keine Behandlungspflege und richte auch keine Medikamente!

    Meine Meinung zu Deinem Beitrag: Ich bin für die ganzheitliche Pflege und gerade in unserem Bereich, der geriatrischen Reha, ist es für den Patienten wichtig einen Ansprechpartner zu haben. Ich fände es nicht so toll, wenn die Fachkräfte keine Grundpflege mehr machen würden. Ich denke man verliert so den Kontakt und Bezug zum Patienten, sieht nur noch seine Diagnosen und Wunden- Nicht mehr aber den Menschen mit Gewohnheiten, Ängsten usw... .

    LG,
    bina
     
  3. Henning

    Henning Junior-Mitglied

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    Krankenpfleger
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    Urologie und HNO
    Funktion:
    Praxisanleiter
    Hallo,

    bei uns wird dies schon versucht in die Praxis umzusetzen zumindest teilweise. Vorallem der ärztliche Dienst versucht uns immer mehr Aufgaben zu übertragen. z.B. VVK legen, Untersuchungsanfordrungen mit spezieller Fragestellung (wie Röntgen), Blutabnahmen, 1.Verbandswechsel nach OP, Drainagen anziehen bzw. entfernen, Konsile stellen an andere Fachabteilungen. Ich persönlich finde es, wenn man nur die Aufgabe an sich betrachtet ganz gut, da man seinen Horizont erweitert und etwas dazu lernt. Die andere Seite ist die rechtliche Situation, wie bin ich geschützt wenn irgend etwas schief läuft, wer steht auf meiner Seite. Denn, ich glaube nicht, daß das irgendwo als typische Tätigkeiten des Pflegepersonals hinterlegt ist. Ich schätze mal, daß im Fall der Fälle die Durchführungsverantwortung zählt.
    Die PDL´s wissen eigentlich schon wie das alles abläuft und ich denke dies ist auch so gewollt, aber eine spezielle Anweisung fehlt.

    Desweiteren gibt es bei uns eine Ausbildung die eine Dauer von 6 Monaten beträgt. Nach Beendigung trägt man den Titel "Assisten/tin in der Pflege.
    Diese Mitarbeiter werden für die "alltäglichen Aufgaben" eingesetzt wie z.B: Betten beziehen, Nahrung darreichen, Mithilfe bei der Körperpflege.
    Auch ein guter Ansatz finde ich, so bleibt mehr Zeit für die oben genannten Ding (Behandlungspflege) und die Fehlerquelle sinkt!!!
    Jedoch damit dieses System gut funktioniert müssen alle mit machen und das ist in der Realität nicht so einfach, denn viele Pflegekräfte definieren ihre Arbeit über saubere Betten und die Anzahl der Patienten die sie gewaschen haben. Deshalb meine Meinung: Gute Pflege definiert sich nicht nur über das waschen!!!
    Das durch dieses System mangelnde Einfühlen in den Patienten ist meine ich, zwar schade, aber durch die kürzere Verweildauer (DRG´s) sowieso nicht mehr so gut möglich wie noch vor ca. 5 Jahren.
    Das ist meine Meinung, wäre schön wenn noch ein paar andere dazu kommen.
    Liebe Grüße Henning
     
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