Bedeutung "Menstruation" in anderen Kulturen

Dieses Thema im Forum "Gynäkologie / Geburtshilfe" wurde erstellt von graógramán, 18.09.2006.

  1. graógramán

    graógramán Senior-Mitglied

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    Hallo,

    brauche wiedermal eure Hilfe.
    Ich muß ein vier-Stufen Vortrag ausarbeiten, und mir fehlt eine Stufe noch. Ich habe dazu aber nur spärliche Informationen gefunden.

    Es geht um folgenden Aspekt:

    Ich soll herausfinden welche Bedeutung die monatliche Blutung in anderen Kulturen hat.

    a) Welche Aussagen kann man über das Verhalten der Frauen in einem anderen kulturellen Umfeld machen?

    b)Beziehe für die Beantwortung der Frage die Aspekte der Sexualität, religiöse Vorschriften, Schwangerschaft und Geburt mit ein.

    c) Welche Rückschlüsse lassen sich ziehen auf die Pflegearbeit??


    Wenn ihr mir helfen könntet das wäre echt prima.

    Vielen Dank schon mal.

    Euer
    graógramán
     
  2. Ute S.

    Ute S. Stammgast

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    Hallo,

    Ich kann Dir hier noch ein gutes Buch von Dagmar Domenig empfehlen über Transkulturelle Kompetenzen in der Pflege. Dort findest Du sicher auch Literaturhinweise zu Deinem Thema.

    Was ich hier auf einer gynäkologischen Poliklinik erlebe, ist, dass Frauen während ihrer Mens zum einen als "unrein" gelten und somit von bestimmten Ritualen ausgenommen sind. Zum anderen ist die Mens aber enorm wichtig, als Fruchtbarkeitszeichen. Wir haben viele Frauen, die Antikonzeptions-methoden ablehnen, bei denen die Menses unterdrückt werden (Depot Provera, Minipillen, Hormonspiralen) oder die trotz enormen Blutungsstörungen unheimlich Probleme haben, eine Hysterektomie vornehmen zu lassen, selbst wenn die Familienplanung längst abgeschlossen ist. Aber dies ist auch bei Frauen aus unserer Sozialisation so. Sie fühlen sich ohne Uterus nicht mehr als vollständige Frau. Man kann dies wie alles andere auch nicht über einen Kamm scheren, da es auch in uns fremden Kulturen äusserst individuell zugeht, je nachdem wie die Person zu ihrer Religion und Tradition steht.

    Ute S.
     
  3. Desse!!!

    Desse!!! Junior-Mitglied

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    hi
    ich habe von meiner mom erfahren, die mal mit einer islamistin im krankenhaus auf einem zimmer lag, dass sie während der Menstruation oder auch bei den Lochien als absolut unrein gelten. In unserer Kultur wäscht sich jede Frau zu dieser Zeit besonders gründlich um unangenehme Gerüche zuvermeiden. Im Islam dürfen sich die Frauen an diesen Tagen nicht waschen. außerdem müssen sie während der Fastenzeit nicht unbedingt mitfasten, wenn sie gerade ihre periode haben. es ist dann eine freiwillige angelegenheit.

    ich hoffe ich konnte die ein wenig weiterhelfen
     
  4. Meggy

    Meggy Stammgast

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    Hallo,

    ich habe mich mal mit transkultureller Kinderkrankenpflege intensiver beschäftigt.

    Die Kultur, dass menstruierende Frauen als unrein gelten ist weit verbreitet. Auch in den Schriften den Christentums findet man diese Aussagen, z.B. im alten Testament, oder die Heilungsgeschichte der blutflüssigen Frau.

    Allerdings ist in der Kinderkrankenpflege die Menstruation eher ein Nebenthema. Interessanter sind die Aspekte zu Geburten:

    In den meisten Kulturen sind Geburten reine Frauensache, männliche Geburtshelfer werden daher eher abgelehnt.
    Ein noch ungereinigter Säugling sollte, beispielsweise bei islamischen Frauen noch nicht auf den Arm gelegt werden, da auch dieses Blut als unrein gilt.

    In den meisten Kulturen, insbesondere im Islam hat das Stillen des Säuglings einen hohen Stellenwert und sollte wenn möglich bis zum zweiten Geburtstag beibehalten werden.

    Ebenso werden in vielen Kulturen, besonders im Islam und Judentum lebensfeindliche Grundeistellungen abgelehnt, was im Grunde auch zu einer Ablehnung empfängnisregulierender Maßnahmen führt.

    Jegliche Art von Organverlust, Amputation o.ä. kann mit einem Bestrafungsgefühl einhergehen, da in der Scharia (strenge Rechtsprechung im Islam) Verstümmelungen als gängiges Strafmaß erwähnt wird. So ist es nicht verwunderlich, dass Hysterektomien abgelehnt werden.

    (Andererseits sind Beschneidungen bei Männern in Islam und Judentum mit religiösen Texten begründet, die in vielen islamischen Ländern durchgeführten Beschneidungen von Mädchen haben jedoch keinen religiös fundierten Hintergrund).

    Bei der sogenannten transkulturellen Pflege wird häufig überwiegend auf den Islam geschaut. Das hat mich immer ein wenig gestört. Neben den hochgradig spannenden Ansichten der Naturvölker (hier gibt es z.B. im Bereich Geburtshilfe und Säuglingspflege von den sog. zivilisierten Ländern viel abzuschauen) oder den Lebensweisheiten fernöstlicher Kulturen (hier gibt es im Bereicht Sexualität und Fortpflanzung einige schwer nachvollziehbare "moderne" Entwicklungen in den asiatischen Ländern (Ein-Kind-Politik, Zurückhaltung bei der Sexualität gegenüber dem eigenen Partner), sowie kaum Wechseljahresbeschwerden (ernährungsbedingt?) gilt es bei dem Thema transkulturelle Pflege immer auch die eigene Ursprungskultur zu beachten:
    Was ist denn in unserer Kultur üblich? Was entspricht den Vorstellungen unserer Großeltern, usw. Ohne Kenntnis der eigenen Wurzeln bleibt die sog. transkulturelle Pflege ein Stückwerk.
     
  5. salam98

    salam98 Newbie

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    Hallo ,

    ich bin erst seit kurzem hier angemeldet und habe darum leider erst jetzt , nach einem halben Jahr diese Beiträge gelesen.
    Auch wenn ich dem ursprünglichen Fragesteller bei seiner Aufgabe nicht mehr helfen kann (ist vermutlich schon erledigt) , würde ich gerne einige Punkte zum
    Thema "Menstruation aus islamischer Sicht " richtig stellen.

    Also zuerst einmal wird eine menstruierende Frau im Islam NICHT als unrein
    (im Sinne von ungewaschen oder dreckig ) angesehen .
    Hier liegt ein weit verbreitetes Missverständnis vor.
    Es ist allerdings richtig , das Blut ,und zwar jeglicher Herkunft als rituell unrein
    angesehen wird.
    Das bedeutet , ein Muslim/Muslima ,der oder die mit Blut in Kontakt gekommen
    ist, darf alle wichtigen rituell religiösen Handlungen nicht vollziehen .
    Solche sind zum Beispiel das tägliche fünfmalige Pflichtgebet oder das Fasten
    innerhalb und ausserhalb des Ramadan. Auch der Koran darf so nicht berürt
    werden oder eine Moschee betreten werden.
    Alle alltäglichen Dinge jedoch ,also an der sozialen Gemeinschaft teilnehmen,
    arbeiten gehen,kochen ,ausgehen oder sonstiges sind selbstverständlich erlaubt.

    Jetzt nochmal kurz gesagt : Eine Frau die menstruiert oder im Wochenbett
    liegt ist nur in Bezug auf ihre religiösen Aktivitäten unrein und nicht dreckig
    oder gar unhygienisch.

    Es ist auch auf keinen Fall richtig das eine Muslima sich während dieser Phasen
    nicht waschen darf oder soll , jedenfalls nicht religiös begründet.

    Als Tipp für die Pflege einer muslimischen Patientin oder eines Patienten würde
    ich einfach Professionalität empfehlen.
    Diese bedeutet nämlich für mich , auf die individuellen Wünsche eines Patienten egal ob Mann oder Frau ,einzugehen.
    Natürlich sind interkulturelle Hintergrund Informationen im Pflegealltag nützlich
    um eventuelle Andersartigkeiten im Verhalten oder Bedürfnissen von Menschen verstehen zu können.

    Was aber meiner Meinung nach genau falsch ist ,jemanden in einer Schublade abzulegen , so nach dem Motto , ah! Frau Sowiso ist Türkin , dann ist sie ja
    auch Muslima und wir bestellen mal Moslemkost.
    Damit kann man ganz schön auf die Nase fallen , denn nicht jeder Türke ist Moslem und nicht jeder Moslem ist so praktizierend das er oder sie auf Schweinefleisch oder Alkohol verzichten möchte.
    ( Gilt übrigens auch für alle anderen Kulturen oder Religionen )

    Auch die Aussage, ein frisch entbundener Säugling solle ungewaschen nicht auf den Bauch der Mutter gelegt werden ( einer muslimischen Mutter) ist nicht richtig.

    Erstens ist diese ja sowiso selbst gerade im Zustand einer rituellen Unreinheit
    (Wöchnerin mit Wochenfluss) und zweitens könnte es ja sein das auch einer
    muslimischen Frau in so einem Moment solche Dinge egal sind.
    Also bitte ,bitte immer erst die Betroffene erst mal selber Fragen , bevor ihr aus interkultureller Überkompetenz eine Frau eines solchen tollen Augenblickes in ihrem und im Leben ihres Kindes bringt.

    Zu guterletzt nochmal zurück zum Thema : Welchen Stellenwert hat die Menstruation im Islam ?

    Im Koran wird die Monatsblutung als ein Leiden der Frau beschrieben
    deren Auswirkungen den Charakter einer Krankheit annehmen können.
    Daher sind Musliminnen in dieser Phase von religiösen Pflichten befreit,
    (wie zum Beispiel dem Fasten und dem fünfmaligen Pflichtgebet).
    Ich würde daher nicht formulieren , sie dürfen nicht beten oder fasten,
    sondern sie BRAUCHEN es nicht, um ihre körperlichen Kräfte zu schonen.
    Außerdem sollte eine Muslima ab einsetzen der Geschlechtsreife, also ab der
    ersten Periode , ein Kopftuch tragen, da sie ab diesem Zeitpunkt als vollwertiges und vollverantwortliches Mitglied der religiösen islamischen Gemeinschaft angesehen wird ( Mit allen Rechten und Pflichten in Bezug aif die Religion ).

    So! Sorry das ich euch so endlos damit genervt habe, aber wen`s nicht interessiert der hat wahrscheinlich eh schon vor 50 Zeilen aufgehört weiter zu lesen . Tschüsschen salam 98
     
  6. Ivanca

    Ivanca Senior-Mitglied

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    Hallo salam 98,

    ich finde deine RICHTIGSTELLUNG auch nach einem halben Jahr schön und auch wichtig.
    Deine Aussagen beinhalten für alle Pflegenden interessante und wichtige Denkansätze, die im Alltag meist nicht beachtet werden. Z.B. Patienten (eigentl. egal welcher Nationalität) einfach FRAGEN.
    :daumen:
    Liebe Grüße
    Manu
     
  7. Hanife

    Hanife Newbie

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    hallo ... also wer hat denn so etwas gesagt?
    woher weist du das kennst du türkische frauen die so etwas erzählt haben oder sind dies deine argumente?
    so etwas gibt es nicht ich bin selber eine türkin und die menstruation ist bei uns sehr wichtig genauso wie die deutschen ..waschen sich auch die türken in der menstruation ..tut mir leid aber deine aussage ist wirklich irgendwie schwachsinnig.. warum sollte man sich denn nicht waschen?
    und vor allem wenn das so wäre dann könnte man ja hier nicht leben stell dir mal vor wenn sich ein mensch ne woche lang nicht wäscht dann stinkt es ja bis zum mond... und vorallem noch in der menstruation ich schlage dir vor befor du etwas über die türken schreibst überlege es dir mal ob es wirklich sinn macht und ob es etwas mit der realität zu tun hat!!
     
  8. Tina08

    Tina08 Newbie

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    Hallo,
    ich wollte im Nachhinein nochmal nachhaken ..

    @ Meggy

    Was genau meinst du damit. Könntest du mir das genauer erklären :nurse:.

    Danke.

    Tina08.
     
  9. lena1989

    lena1989 Newbie

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    Sauberkeit und Hygiene im Intimbereich ist bei den Moslems das A & O. Wenn sie die Periode haben gelten sie als unrein.wenn man logisch denkt ist das auch so.also wer fühlt sich den bitte hier REIN wenn sie die Periode hat?Also ich garantiert nicht.
     
  10. Tina08

    Tina08 Newbie

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    Hallo,

    Danke Lena für deine Antwort..

    Was ich genau meinte war welche details sind denn gemeint und wird alles vom Islam genommen und warum werden die Muslimas (und Muslime) manchmal laut ihren eigenen Aussagen so schlecht behandelt?
    Eigentlich müßte ihnen doch sehr viel respekt entgegengebracht werden!

    Naja aber zu diesem Thema hat wohl keiner mehr Bock zu antworten wie mir scheint.

    Warum eigentlich?

    Naja, bis dann erstmal.

    Tina08.
     
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